1. Behörden und Bestände vor 1816



Dezernat R2 betreut alle älteren Bestände vom Beginn des 9. Jh. bis zum Ende der französischen Herrschaft und der Übergangszeit im Rheinland (1814/1815). Hierzu zählen die Archive der Landesherrschaften Kurköln, Jülich-Berg, Kleve-Mark, Geldern und Moers, der Grafschaft Ravensberg sowie kleinerer Herrschaften, die Reichskammergerichtsakten, die Akten des Niederrheinisch-Westfälischen Kreises, Bestände der in der Franzosenzeit säkularisierten Stifte und Klöster sowie umfangreiche Registraturen der französischen Verwaltung in den Jahren 1794 bis 1813. Hinzu kommen bedeutende Handschriften, Siegelsammlungen und das im 18. Jahrhundert angelegte Klevische Kataster.</p>

Bei Anmarsch der französischen Truppen 1794 waren die Archive und Registraturen der bisherigen Landesverwaltungen in alle Winde zerstoben. Nach der preußischen Besitzergreifung des Rheinlandes 1815 schuf man am Sitz einer jeden Regierung, also in Aachen, Köln Düsseldorf und Kleve Archivdepots, in denen man das herrenlos gewordene Archivgut erst einmal einlagerte, bis der preußische Staat als neuer Besitzer über sein ferneres Schicksal entschied. Diese Depots beinhalteten das alte jülich-bergische Landesarchiv, das nach seiner Auslagerung 1803 nach Düsseldorf zurückgekehrt war, das kleve-märkische, das man über Emmerich und Hamm nach Arnsberg verbracht hatte sowie das moersische Archiv, das die Großherzoglich Bergische Regierung 1812 dem französischen Departementarchiv in Aachen übergab. Das kurkölnische Archiv befand sich seit 1802 ebenfalls in Arnsberg.</p>

Erste Maßnahmen der Zusammenführung erfolgten 1819 und 1821, indem man das Archivdepot in Aachen nach Köln verlagerte. Nach Auflösung der Regierung Kleve legte man deren Depot in das Düsseldorfer Landesarchiv. 1826 wurde das Depot in Arnsberg aufgelöst, die Bestände einschließlich des kurkölnischen Urkundenarchivs wurden ebenfalls in das Landesarchiv in Düsseldorf verbracht, das auch die im Rechtsrheinischen gesammelten Stifts- und Klosterarchive aufgenommen hatte, während die linksrheinischen Stifts- und Klosterarchive zunächst in das Departementarchiv in Aachen gelangt waren. </p>

Am 28. Februar 1832 erließ der Oberpräsident von Pestel die Bekanntmachung, dass für die Rheinprovinz zwei Provinzialarchive, das eine unter der Leitung des Archivrats Lacomblet zu Düsseldorf und das andere unter dem Vorstand des Archivrats Grafen von Reisach zu Koblenz organisiert worden seien. Der Sprengel des Archivs zu Düsseldorf umfaßte die Regierungsbezirke Aachen, Köln und Düsseldorf, der des Archivs zu Koblenz die Regierungsbezirke Koblenz und Trier. Damit wurden ihnen Amtsbezirke zugewiesen, die sich in den folgenden 150 Jahren nicht mehr wesentlich ändern sollten. Aufgabe Lacomblets wurde es nunmehr, die in Düsseldorf zusammengeführten Bestände zu ordnen und zu erschließen. Da die Urkundenbestände vollständig vorlagen, die Akten dagegen noch vielfach bei den neu entstandenen preußischen Verwaltungen als wichtige Grundlage ihrer Arbeit benötigt und festgehalten wurden, hat Lacomblet sich zunächst auf die Ordnung und Verzeichnung der Urkundenbestände konzentriert und sich um die Akten erst spät gekümmert. 1863 konnte er mitteilen, dass die Verzeichnungstätigkeit im Archiv im großen und ganzen beendet sei.</p>

Während des II. Weltkrieges wurden im Rahmen der durchgeführten Schutzmaßnahmen größere Bestände nach der Festung Ehrenbreitstein übergeführt. Andere Ausweichstellen waren Schloß Burg an der Wupper, Schloß Hülchrath und Burg Schnellenberg bei Attendorn. Als alliierte Truppen 1944 in das linksrheinische Gebiet einrückten, organisierte man Transporte nach Mitteldeutschland in die Bergwerke Salzdetfurth bei Hildesheim und Grasleben bei Helmstedt. Ein Lastkahn ”Main 68“, der Akten nach Grasleben bringen sollte, wurde im März 1945 im Mittellandkanal bei Hannover von Brandbomben getroffen und sank. Erst fünf Monate später konnte er gehoben und seine Ladung geborgen werden. Neben dem Verlust zweier besonders wertvoller Stücke, der Gelnhäuser Urkunde von 1180 und des Liber Pantaleonis, die bereits zu Beginn des Krieges an das Staatsarchiv Magdeburg übergeben worden waren und nicht mehr zurückgekehrt sind, sind Schäden größeren Umfangs bei den Akten der Klosterbestände, der Landesarchive Kleve-Mark und Jülich-Berg, bei den Handschriften sowie bei den Akten des Herrschaftsarchivs Nesselrode-Ehreshoven zu verzeichnen. Urkundenbestände befanden sich nicht auf dem Kahn und entgingen so dem Untergang“.</p>
Nach Beendigung des Krieges konnte im September 1946 der Abschluß des Rücktransports des ausgelagerten Archivguts gemeldet werden. Seit 1976 werden Restaurierungsarbeiten an den sogenannten ”Kahnakten“ durchgeführt.
Die Wiederaufstellung der Bestände wurde zu einem Neuaufbau genutzt. Das Neue daran war, dass man die Herrschaften sowie die Stifte und Klöster als eigene Gruppen, die in sich lediglich nach dem Alphabet geordnet waren, den großen Territorialarchiven nachstellte und ihre Anbindung an die Landesarchive damit beseitigte.</p>


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