1.5.1.4. Generalgouvernement vom Nieder- und Mittelrhein



Im Januar 1814 wurden durch die verbündeten Mächte zu Basel neue Generalgouvernements auf dem linken Rheinufer angeordnet, denen eine Zentralverwaltung vorangestellt war. <p/>

Als Sitz des Generalgouvernements Niederrhein wurde Aachen festgelegt. Zum Gouverneur wurde Johann August Sack ernannt. Die Verwaltungseinheit bestand aus den bisherigen Départements Roer, Nieder-Maas und Ourthe und umfaßte 1,3 Millionen Einwohner.
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Das geographisch weitgehend zwischen Rhein und Maas gelegene Roerdépartement setzte sich aus den folgenden früheren Territorien zusammen: linksrheinische Teile des Herzogtums Kleve, Herzogtum Geldern, Fürstentum Moers, Herzogtum Jülich, dem größten Teil des Kurfürstentums Köln sowie reichsfürstlichen und ritterschaftlichen Besitzungen, schließlich den Reichsstädten Aachen und Köln. 1806 kam die rechtsrheinische Festung Wesel hinzu. Zur französischen Zeit hatte das Roerdépartement rund 700.000 Einwohner, die sich auf 98 Städte und 895 Dörfer verteilten.<p/>
Das Niedermaasdépartement setzte sich zusammen aus: Teilen des ehemaligen Bistums Lüttich, Herzogtum Geldern, Grafschaft Horn, Ländern der holländischen Staaten sowie kleinen Herrschaften. Die Einwohnerschaft betrug zur französischen Zeit ca. 270.000 Personen. Das Ourthedépartement bestand zum größten Teil aus dem Gebiet des ehemaligen Bistums Lüttich, Fürstentum Stavelot und Malmedy, Herzogtum Limburg, kleinen Teilen der Provinz Limburg und der Provinz Luxemburg, Grafschaft Namur, Herzogtum Brabant und kleineren reichsfürstlichen Ländern mit einer Einwohnerschaft von ca. 350.000 Personen.<p/>


Im Zuge des Friedens vom 30. Mai 1814 beschlossen die Allierten in Paris, daß die gemeinsame Verwaltung der Länder am Rhein aufgehoben und das Generalgouvernement Mittelrhein aufgelöst werden sollte. Infolge wurde das Generalgouvernement Nieder- und Mittelrhein, das sich auf rund 430 Quadratmeilen erstreckte, aus vier Départements gebildert: Roerdépartement (blieb im wesentlichen unverändert), Maas- und Ourthe-Département (bestand aus Teilen des Herzogtums Luxemburg, Grafschaft Brabant, den Fürstentümern Lüttich und Stavelot, Generalitätslande, Limburg und kleineren reichsfürstlichen Ländern; Hauptstadt war Lüttich), Rhein- und Moseldépartement (setzte sich zusammen aus: ehemalige kurfürstlich Kölner und Trierer Länder, Teile des Herzogtums Jülich, Grafschaft Blankenheim und weitere reichsfürstliche Länder) sowie Wälderdépartement (bestand aus weiten Teilen des Herzogtums Luxemburg, den Grafschaften Chiny, Vianden u.a.). Im Generalgouvernement Nieder- und Mittelrhein lebten rund 1,6 Mio. Einwohner.<p/>

Die Verwaltung wurde nach den Bestimmungen des Pariser Vertrags vom 31. Mai 1814 auf königlich-preußische Rechnung eingerichtet und unterschied sich somit deutlich von der früheren Zeit. Anstelle der bisherigen provisorischen Verwaltung wurde versucht, eine dauerhafte Verwaltungstätigkeit zu entwickeln. <p/>

Im Juni 1815 wurden Generalgouvernement vom Mittel- und Niederrhein und Generalgouvernement Berg zusammengelegt, so daß beide Verwaltungen Sack unterstanden. Derzeit befanden sich vier Gouvernements unter königlich-preußischer Herrschaft: das bergische und das nassauische, das des Niederrheins und das des Nieder- und Mittelrheins. <p/>

Zur Bestandsgeschichte: Die Neuverzeichnung des Bestandes erfolgte in den Jahren 1983-1984 sowie 1989. Dabei wurde die Ordnung des früheren Findbuchs von 1941 im wesentlichen beibehalten, da sie, zumindest, was die Teilbestände Generalgouvernement vom Nieder- und Mittelrhein sowie Generalgouvernementskommissariat Aachen anbelangt, auf der alten Registraturordnung beruht. Diese spiegelt sich wider in den Altsignaturen nach dem Schema Sect. - Cap(s.) - Nr. bzw. Division - Gruppe - Nr. <p/>

Aufgelöst und in ihren sachlichen Zusammenhang mit den Akten des Generalgouvernements eingeordnet wurden die Akten der Generaltilgungskommission und die Akten der Rechnungsrevisionskommission. <p/>
Die Akten der Renteien wurden an das heutige Dezernat R3 abgegeben und sind, soweit sie nicht noch als ”Kahnakten“ vermisst werden, in die Bestände Renteien im Regierungsbezirk Düsseldorf sowie Renteien im Regierungsbezirk Köln/ Aachen eingeordnet und dort verzeichnet. Die Akten der Kreisdirektion Malmedy wurden, soweit sie erhalten waren und nicht zu Verlusten infolge des zweiten Weltkriegs zählen, an das Staatsarchiv Lüttich abgegeben.<p/>
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