1.5.2.3. Generalgouvernement Berg



Nach der Schlacht von Leipzig im Oktober 1813 wurde die Verwaltung der eroberten Länder durch die verbündeten Mächte neu organisiert. Zunächst wurden ein Zentralverwaltungsdepartement eingerichtet und Generalgouverneure für die einzelnen Länder ernannt. Gebiete, die vor 1805 den Verbündeten gehört hatten, fielen sogleich an diese zurück. <p/>

Nachdem Mitte November 1813 die ersten Truppen der verbündeten Mächte in Düsseldorf eingezogen waren und seither die Kommunikation mit dem linken, weiterhin von französischen Truppen besetzten Rheinufer unterbrochen war, wurde das Generalgouvernements Berg am 25. November 1813 gebildet. Der russische Staatsrat Karl Justus Gruner übernahm als provisorischer Generalgouverneur die Verwaltung des neuen Staates, der sich räumlich in einer Größe von 71 Quadratmeilen über das ehemalige Herzogtum Berg und die Herrschaften Gimborn, Homburg und Wildenburg erstreckte und rund 350.000 Einwohner umfasste. Damit zählte das Generalgouvernement zu den damals am dichtesten besiedelten Regionen Deutschlands. Es verfügte über eine vergleichsweise entwickelte Gewerbelandschaft mit Stahl- und Eisenindustrie, Woll-, Leinen- und Seidenmanufakturen. <p/>

Nachdem sich die Verwaltungstätigkeit zunächst auf die Truppenversorgung konzentrierte erfolgten 1814 tiefgreifende Änderungen. Im Januar 1814 wurde das Generalgouvernement in vier Kreise mit den Hauptorten Düsseldorf, Elberfeld, Mülheim und Wipperfürth aufgeteilt, denen je ein Kreisdirektor vorstand, der nun die Funktionen der ehemaligen Präfekten und Unterpräfekten vereinigte und dem Generalgouverneur direkt untergeordnet war. <p/>

In der Finanzverwaltung wurden u.a. die indirekten Steuern fast vollständig abgeschafft und eine neue Zollordnung erlassen. Die prekäre finanzielle Lage besserte sich mit der Zeit. Es wurden große Anstrengungen im Bereich der Landesbewaffnung unternommen, allerdings ohne Einrichtung einer Landwehr, auf die vermutlich wegen Rücksichtnahme auf die Fabrikarbeiterschaft verzichtet worden ist. Zur Entlastung besonders der ländlichen Bevölkerung wurden Militärtransporte ab Mai 1814 auf die private Unternehmerschaft verlagert.
Besonderes Augenmerk richtete Gruner auf die Polizeiverwaltung. Jeder Kanton erhielt einen Polizeivogt, der dem Gouvernementspolizeidirektor in Düsseldorf unterstellt war, so daß die Kreisdirektoren und Bürgermeister ihren Einfluß in diesem Bereich verloren. <p/>
In der Justizverwaltung wurde ein Kassationshof zu Düsseldorf eingesetzt, des Weiteren die früheren französischen Strafgesetze abgeändert, auch die Geschworenengerichte abgeschafft und eine Kostenreduzierung der gerichtlichen Verfahren angestrebt. <p/>
Die Kantone wurden zugleich Organisationseinheiten für das Medizinalwesen, indem man Ärzte (sog. Kantonsphysiker) für jeden Kanton anstellte, die vom Medizialrat des Generalgouvernements Instruktionen erhielten.<p/>

Im Februar 1814 wurde der nach Trier zur Verwaltung des Generalgouvernements Mittelrhein gehende Gruner für einige Monate durch Prinz Alexander von Solms-Lich als Generalgouverneur ersetzt, der das Amt bis zum Pariser Frieden, innehatte. Neben territorialen Veränderungen wurden damals die gemeinsame Verwaltung der Länder am Rhein aufgehoben und das Generalgouvernement fortan wiederum durch Gruner auf preußische Rechnung geführt. Die Reformen wurden fortgesetzt, etwa im Justizwesen oder bei der Verwaltung der geistlichen Angelegenheiten, wo im Zusammenhang mit den sozialen Folgen der Säkularisation beispielsweise ein Fond für bedürftige katholische Geistliche eingerichtet wurde. Auch ist das Bemühen für eine bessere Ausbildung der Geistlichkeit bemerkbar. <p/>

Aufgrund der Vereinbarungen des Wiener Kongresses ging das Gebiet des Generalgouvernements am 15. April 1815 als Entschädigungsland dauerhaft an Preußen über. Die 1814 eingeführten Verwaltungsorganisation blieb bis zur Einführung der neuen preußischen Verwaltungseinteilung im April 1816 bestehen.<p/>

Der Umfang des Bestandes beträgt 2.399 Bände mit einer Laufzeit von (1521-) 1813-1816 (-1825). <p/>
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