1.1.5. Moers



Als die klevischen Soldaten im Mai 1600 nach dem Tode der Gräfin Walburgis für kurze Zeit die Stadt und das Schloß Moers besetzten, ließ die herzoglich klevische Regierung u. a. die Lager-, Leibgewinns- und Lehne-xpndtw-2 bücher nach Kleve bringen. Sechs Urkunden (1442-98) und ein Teil des Nache-xpndtw0 lasses der Gräfin Walburgis müssen damals nach Düsseldorf gekommen sein (vgl. O. Ottsen, Die Geschichte der Stadt Moers Bd.1: Die vorpreussische Zeit, Darmstadt (2. Auflage) 1977, S.112). Diese sind im jülich-bergischen Archiv gee-xpndtw4 blieben, während die in Kleve liegenden Stücke 1713/24 nach Moers zurücke-xpndtw8 gegeben werden mußten (Acta Borussica, Behördenorganisation und die allgemeine Staatsverwaltung Preußens im 18.Jh., Bd.1: Die Akten von 1701 bis Ende Juni 1714, bearb. von G. Schmoller und D. Kranske, Berlin 1894, S.508 u. ebd., Bd.4, Erste Hälfte: Akten vom 8.Jan. 1723 bis Ende Dez. 1725, bearb. von G. Schmoller u. W. Stolze, Berlin 1908, S. 566, Anm. 4; zur Liste siehe Kleve-Mark, Akten Nr. 2490). <p/>
1736/37 wurden die auf Moers bezüglichen Teile des oranischen Archivs in Den Haag, die auch eine erhebliche Anzahl Stücke des Moerse Archivs vor 1600 enthielten, ausgeliefert und nach Moers gebracht (siehe im hiesigen Bestand: Akten Nrn. 2 und 3 [Archivinventare]), dort allerdings erst 1773 verzeichnet und zwischen der Regierung und der Kammer aufgeteilt. Während des Siebene-xpndtw2 jährigen Krieges (1757-63) lagen die Archive der rheinischen Länder Preußens beim preußischen Residenten in Den Haag (Acta Borussica, ebd., Bd. 11, Erste Hälfte : Aug. 1756 - Ende 1757, bearb. von M. Haß u. W. Peters, Berlin 1922, S.137). 1793 wurden die moersischen und geldrischen Archive auf die rechte Rheinseite geschafft, 1812 aus Hamm durch die großherzoglich-bergische an die französische Regierung ausgeliefert und in das Archiv der Präfektur nach Aachen geb-racht (Roer-Departement, Präfektur, Generalsekretariat "c 1"), dann um 1816 an die Regierung Kleve abgegeben und 1824 nach Düsseldorf gebracht (vgl. F.W. Oediger (Bearb.), Landes- und Gerichtsarchive von Jülich-Berg, Kleve-Mark, Moers und Geldern, Siegburg 1957, S.11 (=Das Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und seine Bestände, Bd.1)). <p/>

Trotz der Bestallung von Archivaren seit 1679 (siehe im hiesigen Bestand: Akten Nr. 1 [Archivinventare]), die allerdings das Amt nur im Nebenamt ausübten, trotz nachdrücklicher Bemüe-xpndtw2 hungen der Berliner Stellen 1722 und 1724, das Archiv, ”weilen solches gantz zersplittert und zerstreuet", zu sammeln und in Ordnung zu bringen (Acta Borussica, ebd., Bd.4, Erste Hälfte: Akten vom 8.Jan. 1723 bis Ende Dez. 1725, bearb. von G. Schmoller u. W. Stolze, Berlin 1908, S.566, Anm. 4), wird sowohl bei der Revision 1768 (Acta Borussica, ebd. Bd.14: Akten von Apr. 1766-Apr. 1769, bearb. von E. Posner, Berlin 1934, S.559) wie auch 1788 bei der Übernahme durch den Archivar Hoffmann geklagt, daß ”es nicht in der besten Ordnung", ”ja (1788) in der äußersten Confusion sei", ohne ordentliches Repertorium; nur ”eine Anweisung zu den Fähren oder Locaten, worinnen man etwas suchen solle", , sei da, d. h. ein Schema, nach dem die Stücke abgelegt waren: ”Einige tausend Paquete Acten, deren Anzahl sich unmöglich noch bestimmen läßt, sind ang-eheftet, verschiedene geheftete nicht rubricirt, einzelne zum Theil verfaulte, zum Theil gerissene und zum Theil unleserlich gewordene Blätter finden sich in Mengen zerstreuet, mit einem Wort, der Anblick ist grausend, und niemand kann sich die große Unordnung solchen Archivs vorstellen, der sich nicht durch den Augenschein darvon versichert" (Moers, Regierung "I 1"). Allerdings hatte Hoffmann, ständig durch andere Arbeiten bei der Regierung abgezogen, bis 1793 auch noch kein Repertorium zustande gebracht. Das sog. Orangische Archiv muß dagegen, wie die Verzeichnisse von 1773 erkennen lassen (siehe im hiesigen Bestand: Akten Nr. 3 [Archivinventare]) in Ordnung gewesen sein. <p/>

Lacomblets Ordnung von 1853 wurde unter Ilgen durch eine neue ere-xpndtw5 setzt, die die Akten nach den vier Hauptgruppen, ”Oranien-Moers", ”Regierung", ”Kammer", ”Gerichte", einteilte. Leider hat man bei dem alten Archiv die Gruppen des 18. Jhs. nicht berücksichtigt, insbesondere das sog. ”Orangische Archiv", d. h. die 1737 aus Den Haag ausgelieferten Akten, nicht zusammene-xpndtw9 gefaßt, obwohl ein gutes Verzeichnis vorlag. Auch einige Stücke aus dem Nassau-Dillenburgischen Archiv, die 1832 aus Netphen abgeliefert worden waren, sind nicht ausgesondert worden. Sie sind hier mit einem (N) versehen. <p/>

Ein kurzer Abriß der Archivgeschichte von Th. J. Lacomblet steht im analogen handschriftlichen Findbuch 105.00.01, S.VI f. <p/>

Vgl. zur Überlieferung in anderen Archiven: F.W. Oediger (Bearb.), ebd., S.302 sowie zu Archivverzeichnissen im hiesigen Bestand ebd., S.304.
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