1.1.5.6. Gerichte



Nach der Gerichtsordnung des Grafen Hermann von 1567 April 3 (Keussen 4 Nr. 5755) bestanden in der Grafschaft das Stadt- und Hauptgericht Moers, das zugleich Gericht zweiter instanz für die nachstehenden Untergerichte war, das Stadtgericht Krefeld, die Landgerichte Friemersheim, das für das Gericht Kapellen die zweite Instanz war, und Neukirchen mit der Moersischen Straße in Hüls, Homberg und Baerl. Das Gericht der Herrschaft Niederbudberg, die ”zweiherrig“war, wurde durch die Schultheißen des kurkölnischen Rheinberg und des Moerser Gerichts besessen. Die Appellationen gingen abwechselnd nach Rheinberg und Moers. Die Vogtei Ossenberg hatte ihr besonderes Gericht (Appellationsinstanz Moers). Von diesen Untergerichten bestanden im 18. Jahrhundert noch das Stadtgericht (seit 1755 Landgericht) Krefeld, das seit 1768 auch Gericht für die Moersische Straße in Hüls war, und die Gerichte Friemersheim, Ossenberg und Niederbudberg. Für alle anderen Orte war das Hauptgericht (Justizkollegium) Moers zuständig, das aber 1749 mit der Regierung in Moers kombiniert wurde. Daneben bestanden als Spezialgerichte die Lehenskammer sowie das Latengericht für alle ”reele ende personele actien ende controversien in lyfgewins- , erfthyns- of erfpachtgoederen“ (Oranien-Moers 78 Bl. 70). <p/>
Das Amtsverhör des Drosten auf der Burg war 1692 abgeschafft und auf ein vierteljährliches Brüchtenverhör (Höchstsatz 30 Goldgulden) beschränkt worden. In der preußischen Zeit ist hiervon keine Rede mehr.<p/>
Durch die Gerichtsordnung von 1567 war der Rechtszug an den Oberhof Neuss abgestellt, der Rechtszug an das Reichskammergericht auf diejenigen Appellationsfälle beschränkt, deren Prozeßgegenstand einen Streitwert von mehr als 200 Goldgulden besaß. Für die kleineren Fälle (von 25 bis 200 Goldgulden Streitwert) waren zwei Appellatinskommisare in Köln bestimmt, an deren Stelle 1704-1749 zwei Mitglieder der Regierung Kleve und seit 1749 der erste Senat der Regierung Kleve traten. Letzte Instanz war seit 1709 das Oranische Tribunal in Berlin. Für kurze Zeit 1702-1712, als sich die Stadt Moers noch nicht in den Händen des Königs von Preußen befand, war das Krefelder Gericht an Stelle des Moerser Gerichtes Hauptgericht für die Grafschaft Moers gewesen. <p/>
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