6.2. Zivilstandsunterlagen nach französisch/rheinischem Recht (1798-1875)



Das Gesetz der französischen Nationalversammlung vom 20. September 1792 über die rechtskräftige Beurkundung des Zivilstandes der Bürger begründete neben einer Reihe folgender Dekrete und Gesetze das französische Zivilstandsrecht. Die Registerführung und Eheschließung wurde den Munizipalitäten (Gemeinden) übertragen.
Nach der Besetzung des linken Rheinufers durch französische Truppen im Jahr 1794 und der Annektion der besetzen Gebiete 1797 galten diese Personenstandsgesetze ab dem 12. Floréal VI (1. Mai 1798) in den vier linksrheinischen Départements Rur (Roer, ab 1808 mit dem rechtsrheinischen liegenden Wesel), Saar (Sarre), Rhein-Mosel (Rhin-et-Moselle) und Donnersberg (Mont-Tonnerre).
Im Département Ourthe mit den zugehörigen Orten um Schleiden und Kronenburg (heute Regierungsbezirk Köln) und im Département Niedermaas (Meuse-Inférieure) mit den Orten um Niederkrüchten (heute Regierungsbezirk Düsseldorf) galten die Zivilstandsgesetze bereits seit dem 29. Prairial IV. (17. Juni 1796).
Im Großherzogtum Berg wurde der in Frankreich seit März 1803 geltende Code Napoléon, in dem auch das französische Personenstandsrecht geändert und zusammengefasst war, zum 1. Januar 1810 eingeführt.
Nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft wurde auf den linkrheinischen Gebieten das französische Zivilstandsregisterwesen als ”rheinisches“ Recht weitergeführt. In den rechtsrheinischen Gebieten wurde jedoch teilweise der ältere Rechtszustand (Preußisches Allgemeines Landrecht) wieder hergestellt. So existieren in einigen Gebieten - die im Personenstandsarchiv Brühl dem Bestand ”Oberlandesgericht Hamm“ entsprechen - nur in den Jahren von 1810 (Wesel 1808) bis 1814 Zivilstandsregister. Eine Ausnahme bildete die Munizipalität Mühlheim/Ruhr, in der die Zivilstandsregisterführung bis 1820 beibehalten wurde.
Beendet wurde die uneinheitliche Rechtslage erst mit dem am 1. Januar 1876 in Kraft tretenden ”Reichsgesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung“.
Das französisch-rheinische Zivilstandsrecht sah die doppelte Führung je eines Geburten-, Heirats- und Sterberegisters pro Jahr vor. Die einzelnen Einträge listen u. a. die Daten der Beurkundung und des beurkundeten Ereignisses auf, die Namen und gegebenenfalls Berufe sowie Wohnorte der betreffenden Personen und ihrer Eltern.
Sonderfälle, die eine Beurkundung erforderten (Adoptionen, Ehescheidung u. ä.) wurden in den zum Zeitpunkt des Ereignisses laufenden Registern nachgetragen.
Da die Zivilstandsregister in der Regel alle Bewohner der Rheinprovinz unabhängig von ihrer Konfession und sozialen Stellung erfasste, finden sich dort auch - zumindest für Friedenszeiten - Militärangehörige.
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