1.3.1.7. Harff-Dreiborn



Graf Wilhelm V. von Jülich nahm 1334 sein Schloß, gen. Troys-fontainez, vom Grafen von Luxemburg zu Lehen, bestimmte den Wert der Einkünfte des Schlosses auf 400 Mark jährlich und stellte dazu Einkünfte zu Gemünd, Olef, Herhahn und anderen der Burg benachbarten Orten seiner Grafschaft bereit (vgl. Verkooren, Inventaire des chartes et cartulaires du Luxembourg II, Nr. 702). Dreiborn war wohl wie Heimbach aus altem Hengebacher Gut über die Grafen von Are-Hochstaden an das jüngere Edelherrengeschlecht von Hengebach gelangt, aus dem das Grafengeschlecht von Jülich entsprossen ist. Die Burg, vielleicht erst um 1300 erbaut - die heutige Anlage stammt aus dem 16.-19.Jh. - und ihr Zubehör benutzten die Jülicher hernach ständig als Pfandobjekt (1351-1419 Pfandinhaber v. Schleiden, v. Mausbach, v. Neuenahr und v. Engelsdorf), bis Werner von Vlatten sie 1420 einlöste und von Herzog Rainald von Jülich zum erblichen Mannlehen empfing. <p/>

Das sich nunmehr zur Herrschaft fortentwickelnde Lehen Dreiborn gelangte im Erbwege über die v. Eynenberg, Herren zu Landskron (1460-1522), v. Plettenberg (1523-1547) undv. Eltz (1547-1584) im Jahr 1585 an Daem von Harff (+1596), zweitgeborenen Sohn des Clais von Harff, Herrn zu Geilenkirchen (Belehnung 1603). In dessen Linie (1650 freiherrlich) blieb die Herrschaft Dreiborn bis zur Französischen Revolution. Sie wurde zur größten jülichschen
Unterherrschaft und umfaßte rund 50 Quadratkilometer, mit dem Gericht Heistert (aus Hengebacher Besitz der Grafen von Are-Hochstaden durch die jülichsche Nebenlinie Bergheim 1312 an die Grafen von Jülich gefallen, 1464 Herrschaft) und dem - zeitweise besessenen - schleidenschen Land Überruhr gar das Doppelte.
<p/>Der Versuch des Philipp Franz Freiherrn von Harff, das Amt Monschau vom Herzog von Jülich als Mannlehen hinzuzuerwerben (1748), schlug allerdings fehl. Andernorts konnten die von Harff zu Dreiborn ihren Besitz beträchtlich mehren. Daem von Harff erhielt 1587 bei der Teilung mit seinen Neffen Robert und Johann von Harff zu Geilenkirchen u.a. Haus Kanne (bei Maastricht), Höfe im Land Valkenburg und zu Frauwüllesheim und Mündt (halb). Seine Nachkommen kauften Stück für Stück die kurkölnische Unterherrlichkeit Hüls an, brachten 1670/ 76-1712 das Land Überruhr der Grafschaft Schleiden, das sogenannte Amt Wollseiffen, käuflich an sich und bewogen den Grafen von der Marck-Schleiden 1711 zum Verzicht auf die Lehnsherrschaft des 1658 durch Johann Freiherrn von Harff (+1672) angekauften Hauses Mauel. Derselbe gewann durch seine Heirat (1630) mit Maria Katherina, Tochter des Edmund von Metternich, Herrn zu Vettelhoven, und der Maria Elisabeth v. Horchheim, gen. von der Broel, ein reiches Erbe, wenngleich nicht alle Ansprüche durchgesetzt werden konnten: Haus und Herrlichkeit Vettelhoven, die Güter aus dem schwiegerväterlichen Erbe der von Densborn (u.a. Haus Lindweiler, Höfe Poll und Rißdorf) und der Hurth von Schöneck
(u.a. Haus Ringsheim, Jülicher Erbmarschallamt) sowie einen Teil des Broelschen Vermögens. Johanns Vater Daem (+1641) bereitete durch seine Heirat mit Elisabeth von Binsfeld (1599) den späteren Anfall der Häuser Binsfeld und Gertzen vor. Schließlich fiel 1672 der Dreiborner Familie mit dem Tod des Werner Freiherrn von Harff und Landskron das Geilenkirchener Erbe größtenteils zu: die Häuser Geilenkirchen, Nörvenich und Vellbrüggen, Herrlichkeit Hüls (Teil), Höfe Pingsheim, Pissenheim, Güsten u.a.m.. Die Einkünfte aus diesen Gütern wurden vornehmlich der Harff-Landskronischen Fundation, einer Studienstiftung, zugewandt.

<p/>Das auf der Burg Dreiborn gebildete Archiv wurde anscheinend 1729 erstmals durch den Dreiborner Schultheißen Pingen geordnet. Er fügte dabei die ein Gut betreffenden Urkunden, auch vereinzelte Akten wie Güter-und Einkünfteverzeichnisse, ohne Rücksicht auf eine zeitliche Folge zusammen. Die Güter wurden nach dem Ortsalphabet gereiht. Die Gruppen wurden bis 1804 durch Nachtrag älterer Stücke und Zusatz jüngerer fortgeschrieben. In diese Ordnung waren Akten zumeist nicht einbezogen. Pingen selbst hat einen Großteil derselben als Prozeßakten und deren Beilagen formiert.Um 1830 hat J.P. Bremmer eine Inventarisation des Archivs begonnen, die im Ansatz steckenblieb.J. Strange ordnete dann 1864 Urkunden und Akten nach der Herkunft von den verschiedenen Familien und weiter nach deren Gütern bzw. Güterkomplexen. Die Urkunden brachte er in eine zeitliche Folge, und den Urkundengruppen fügte er die entsprechenden Akten, wie sie in der Mehrzahl von Pingen formiert waren, an (geraffte Wiedergabe des Strange-Inventars mit wenigen Umgruppierungen bei Krudewig, Übersicht III, S. 10-15; außerdem S. 278-282).

<p/>Nachdem das Archiv wiederum in Unordnung geraten war, wurde es seit 1930 - inzwischen in einem harffschen Privathaus in Gemünd untergebracht - durch die Archivberatungsstelle der Rheinprovinz neu geordnet (vgl. Nachrichten-Blatt für rheinische Heimatpflege 2 (1930/31) S.283, 3 (1931/32) S.410, 4 (1932/33) S.409, 6 (1934) S.250, 10 (1938) S.325. Dabei wurden die Urkunden von den Akten getrennt und neu regestiert. Im übrigen wurde die Ordnung der Akten nach Strange wiederhergestellt und lediglich das Repertorium von 1864 abgeschrieben. Die Urkunden und Akten betr. Haus Eller, die 1890 dem Staatsarchiv Düsseldorf (Harleß) zur Benutzung ausgeliehen und dort 1900 verzeichnet (vgl. Krudewig, Übersicht III S.14) wurden, sind 1931 durch Vermittlung der Archivberatungsstelle an die Besitzer zurückgegeben worden und sind seither mit dem Archiv Harff-Dreiborn nunmehr als besonderer Bestand wiederum verbunden.

<p/>1972 verkaufte Judith Freifrau von Harff das Archiv samt einer ca. 4.500 Bände umfassenden Bibliothek dem damaligen Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, wobei ihr die Nutzung des Archivs und der Bibliothek bis zum Tode bzw. bis zur Übergabe belassen blieb. Das Archiv wurde 1979 in das Hauptstaatsarchiv überführt, 1983 die Bibliothek sowie 30 Ahnenporträts und acht Totentafeln, die die 1982 verstorbene Baronin dem Hauptstaatsarchiv 1975 testamentarisch vermacht hatte.

<p/>Das Archiv hat in der Kriegs- und Nachkriegszeit beträchtliche Verluste erlitten. Von den durch die Archivberatungsstelle aufgenommenen 824 Urkunden fehlten bei der Übernahme 196, darunter auch die älteste, eine Lehnsurkünde Rudolfs von Habsburg für Ritter Gerhard von Landskron vom 1. November 1276 (vgl. Strange, Beiträge II, S. 116f.). Von 110 Urkunden des Hauses Eller fehlten 26. Die Aktenverluste lassen sich nicht exakt beziffern, sind aber sicher weit geringer. Bei der Neuordnung des Aktenbestands wurde der Grundsatz befolgt, die Akten, die in der Masse Güter, Besitzungen, Gerechtsame und Rechtsgeschäfte der Familie von Harff zu Dreiborn und der mit ihr verwandschaftlich - auch geschäftlich -verbundenen und von ihr beerbten Familien betreffen, entsprechend der Herkunft des Besitzes aus einer dieser Familien zusammenzufassen. Demgemäß bleibt beispielsweise eine Akte betr. das Haus Binsfeld dieser Familie zugeordnet, auch wenn das Haus längst in harffschen Besitz übergegangen und das betreffende Schriftgut rein harffscher Provenienz ist. Die vorgefundene Formation der Akten, die nicht von Grund auf verändert werden konnte, schrieb diese Lösung vor. Soweit allerdings die mitunter umfänglichen Konvolute sich sachlich wie zeitlich aufgliedern ließen, ist dies bei der Neuverzeichnung geschehen. Unter die Akten gemischte, nicht mit diesen verzahnte Urkunden wurden zum Urkundenbestand genommen (185 Stücke) . Die Akten betr. Haus Eller wurden wieder in den Gesamtbestand eingeordnet. Das kleine Familienarchiv von Harff zu Dreiborn (sieben Akten; vgl. F.W. Oediger (Bearb.), Bestände, Bd. 5, S.100), eine Ablieferung des Staatsarchivs Koblenz an das Staatsarchiv Düsseldorf (vgl. Kunstdenkmäler XI, 2, S.114), wurde ebenfalls dem vorliegenden Aktenbestand einverleibt. Die unter den nicht belegten Aktennummern 17-20, 29, 33-38, 41, 42, 48 anfänglich verzeichneten Heiratsverträge und Testamente wurden nachträglich zum Urkundenbestand genommen.
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