1.1.3. Kleve-Mark



Aufbewahrungsstätte des kleve-märkischen Landesarchivs war seit dem 15. Jahrhundert der Spiegelturm der Schwanenburg in Kleve [vgl. das älteste Verzeichnis "Tabula litterarum turri impositarum" (Hs. A III Nr. 1) 1446, 1471, 1473, 1474: ”die brieve in den roeden tairne“ [Kleve, Lehen, Generalia 2, Bl. 56 b; s. Friedrich Gorissen, Zeitschrift für Rheinische Heimatpflege 10, 1938, S. 398 Anm. 2; Schriften des A. Heymerick, 1939, S. 258 Anm.1]. <p/>
Das Urkundenarchiv wird 1695 als ”archivum primum“ bezeichnet. 1621/1622 brachte man es nach Huissen bzw. Emmerich und stellte es dort in einem Gewölbe der Münsterkirche unter. Zeitweise war es auch in Lobith. Von 1672 bis 1673 befand es sich im Rathaus zu Amsterdam, bis 1678 in der Festung Kalkar, 1678 wurde es nach Schenkenschanz transportiert, 1679 nach Nimwegen und wieder zurück nach Schenkenschanz, 1689 nach Wesel, wo es 1702 noch lag [vgl. ZBergGV 35, S. 105 ff. und S.117]. 1681 wurden die ravensteinischen und Kaiserswerther Archivalien an Pfalz-Neuburg, 1685 die Akten über den Erbfolgestreit nach Berlin ausgeliefert. Im Siebenjährigen Krieg 1756-1763 wurde das Archiv in zwölf Kisten und 20 Salztonnen verpackt und bei dem preußischen Residenten im Haag, d 'Elberfeld, aufbewahrt [vgl. AnnHistVNdrh 127, S. 29 Anm. 17; Acta Borussica, Behördenorganisation 11, S. 91 und 13, S. 26]. <p/>
1628 fand der Caporale Valentino Cafullo aus der Compagnie des Marco Fabio bei Duisburg eine Kiste mit Akten u.a. ”eine Copey einer Visitation der Grafschaft von der Marck durch Kortefeldt, Lutzeradt und Ellenkirchen, wie auch sonst alte Registra", um deren Erwerb sich Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm (anscheinend vergeblich) bemühte [Jülich- Berg II Nr. 3144]. Bei der Flüchtung des Archivs 1756 schaffte man die Akten von geringerer Bedeutung nach Wesel, um entsprechend der mündlichen Anweisung König Friedrichs II. Patronenpapier daraus herzustellen [Acta Borussica, Behördenorganisation 11, S. 91 f.; vgl. Äußerung des Königs vom 6. Februar 1757 an de la Motte (AnnHistVNdrh 127, S. 29, Anm. 17)]. <p/>
1791 bemühte sich die Regierung um eine Beihilfe der Landstände für die "höchst notwendige" Ordnung des Landesarchivs, wurde von diesen aber, obwohl sie sie für sehr erwünscht erklärten, abgewiesen. Doch war das "archivum secundum", wie die erhaltenen Signaturen und ein Schreiben Sethes vom 27. März 1809 erkennen lassen [s. Düsseldorfer Jahrbuch 22, 1909, S.228 ff.], in der Hauptsache geordnet. Es zerfiel nach seinem Bericht in zwei Hauptgruppen, Ecclesiastica und Politica, die nach Sach- und Ortsbetreffen aufgegliedert waren [s. die früheren Gruppen I - XXVII].
Beim Einmarsch der Franzosen 1793 verlegte man die Regierung nach Emmerich. 1803 kamen die Archive nach der Auflösung der klevischen Behörden in das Franziskanerkloster Hamm, doch blieben in Emmerich Haufen ”gestapelde vermurwde papieren", aus denen der Freiherr v. Spaen eine Nachlese hielt [vgl. Sloet in Handelingen van der Maatschappij der Nederl. Letterkunde, 1868, 3 F.]. Die Großherzoglich Bergische Regierung verlangte 1807 im wesentlichen nur die Abgabe von Domänenakten der Kammerregistratur und einiger Prozessakten der Regierung Münster. 1809 begann man mit einer Aufteilung. Damals hat der Präfekt des Ruhrdepartements, von Romberg, die Register auf Schloß Brünninghausen gebracht, wo sie 1906 gefunden und durch einen bis zum Reichsgericht durchgeführten Prozess für das Staatsarchiv Düsseldorf sichergestellt wurden [s. E. Kuske in Düsseldorfer Jahrbuch 22, S. 221 ff.; Th. Ilgen in Mitt. der Preußischen Archivverwaltung 14, 1909; Ernst Müller, Das Recht des Staates an seinen Archivalien (Archivalische Zs. 36 (= III 3) 1926, 168 ff.]. Bei der Auflösung des Regierungsarchivs in Arnsberg 1826 gelangten die Urkunden des kleve-märkischen Archivs nach Düsseldorf, die Akten wurden zwischen den Staatsarchiven Düsseldorf und Münster aufgeteilt [vgl. Rep. und Hs. 5]. Teilungsgrundsatz war, dass in Düsseldorf die Generalia und die Spezialia Kleve, in Münster die märkischen Spezialia blieben. <p/>
Eine Reihe von Unterlagen gelangte in die Registraturen der Regierung Arnsberg und des Oberlandesgerichtes Hamm. Teile daraus sind noch 1861, 1868/1869 und 1875 an das Staatsarchiv Düsseldorf abgegeben worden [vgl. Vollmer in Rheinische Heimatpflege, 3, 1931/1932, S. 370]. Weitere dem Archiv entfremdete Teile erhielt das Staatsarchiv 1874 aus dem Nachlass Sethe (bzw. Bürgermeister Bleck in Lippstadt) [s. das Verzeichnis in der reponierten Dienstregistratur E 1 IV 123], andere aus der Sammlung Spaen im Archief des Hooghen Raades van Adel im Haag 1940 bzw. 1950 [Korrespondenzen des 15. Jahrhunderts (Kleve- Mark Akten 70), Teil des Steuerkatasters (Kleve-Mark Akten 2197 und 2198) sowie die Akten über die Reform des Stiftes Bedburg (Bedbur Rep. und Hs. 1)].
Durch die Versenkung des Lastkahns Main 68 auf dem Mittellandkanal. im März 1945 sind als vorläufig verloren anzusehen: Bd. XXIII der Märkischen Register (Hs. A IV 13); die alten Abt. I Familiensachen Nr. 1-5, 7-19, 27a-28, 44-88; Abt. III Zeitereignisse A 1-26, C 1-15, D 1-14; XXI Beziehungen zu Geldern 1-277; XXI a Beziehungen zu Moers (vollständig); XXII Beziehungen zu Kurköln 36, 38-61; XXIII Beziehungen zu Münster, Westfalen (vollständig). <p/>
Die erste Neuordnung des kleve- märkischen Landesarchivs erfolgte durch Lacomblet und wurde im Jahr 1843 abgeschlossen. Die zweite Ordnung erfolgte in den Jahren 1950 bis 1952. Bei der Neuordnung wurden (unter Aussonderung der Kammerakten) die Lacomblet’schen Signaturen belassen, auch das Grundschema der Ordnung. Innerhalb der Abteilungen wurden, soweit es möglich war, die Akten nach den alten Sachgruppen zusammengefasst (doch hat man bei den Spezialakten in der Regel die alphabetische Ordnung der älteren nach Ämtern vorgezogen). Belassen im Bestand wurden die Nachlässe der Amtskammerpräsidenten von der Recke (Kleve-Mark Akten 557-560) und des Grafen Borcke (Kleve-Mark Akten 1433-1444), beide aus dem Hueth’schen Archiv sowie die Akten der Amtmänner (siehe Kleve-Mark Akten 815-916).
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