1.4. Reichsbehörden



Diese Gruppe umfaßt die Bestände Reichskammergericht, niederrheinisch-westfälisches Kreisarchiv sowie das Stader Reichsarchiv. <p/>


Der Bestand Reichskammergericht ist Teil derjenigen Akten des seit 1527 in Speyer, danach bis zum Ende des Alten Reichs in Wetzlar bestehenden höchsten Reichsgerichts, welche um Mitte des 19. Jahrhunderts auf die Gliedstaaten des Deutschen Bundes verteilt worden sind, in diesem Fall an das Königreich Preußen. Im Zuge der Auflösung des preußischen Staatsarchivs in Wetzlar im Jahr 1925 erhielt das damalige Düsseldorfer Staatsarchiv rund 6.800 Reichskammergerichtsprozesse. Daneben wurden ca. 3.500 Prozessakten an die Kommunalarchive der früheren Reichsstädte Köln und Aachen übergeben. Das Prinzip der Verteilung auf die Archivsprengel war die Zuordnung nach dem Wohnort des Beklagten bzw. bei Appellationsprozessen nach dem Sitz der Vorinstanz. <p/>

Das Reichskammergericht ist 1495 im Zusammenhang mit der Reichsreform Kaiser Maximilians I. eingerichtet worden. Es war als höchstes Reichsgericht neben dem Reichshofrat die zentrale Instanz für die Rechtssicherheit sowie die Entwicklung eines einheitlichen Zivil- und Prozeßrechts im Alten Reich. Die Unterlagen stellen über ihren rechtlichen Charakter hinaus aufgrund ihrer realitätsnahen Beschreibungen der Ereignisse und Lebensumstände der beteiligten Menschen vielfach aussagekräftige Quellen für die Sozial- und Alltagsgeschichte dar. <p/>


Das niederrheinisch-westfälische Kreisarchiv beinhaltet knapp 1.500 Akten und einige Urkunden. <p/>

Der Bestand geht auf die Tätigkeit des ebenfalls durch die erwähnte Reichsreform im Jahr 1500 eingerichteten Reichskreises zurück. Kreisstände waren neben vielen kleinen Graf- und Herrschaften u.a. das Herzogtum Jülich-Berg, die Fürstbistümer Münster und Paderborn, die Reichsabteien Werden und Essen oder die Reichsstädte Köln und Dortmund. <p/>

Die reichsweit zunächst bestehenden sechs Kreise wurden 1512 auf zehn Kreise erweitert, was bis 1806 unverändert blieb. Als überterritoriale Selbstverwaltungseinheiten dienten die Kreise vor allem der Sicherung des Landfriedens und der Durchführung der Reichskammergerichtsurteile. Daneben waren sie aber auch zuständig für zentrale Aufgaben wie die Aufsicht über das Münzwesen, die Handels- und Gewerbepolitik oder das damalige ”Policeywesen“. Der niederrheinisch-westfälische Kreis leistete in Westdeutschland angesichts der Nähe zu den westeuropäischen Mächten sowie der Entfernung zu den vom Kaisertum geprägten süddeutschen und österreichischen Gebieten einen wesentlichen Beitrag für den Zusammenhalt des Alten Reiches. Allerdings war das Kurkölner Territorium nicht dem niederrheinisch-westfälischen, sondern dem kurrheinischen Reichskreis zugehörig.
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Als Stader Reichsarchiv wird die überwiegend auf den schwedischen Kriegskommissar Alexander Erskein († 1656) zurückgehende, im späten 19. Jahrhundert vom Staatsarchiv Hannover erhaltene kleine Sammlung bezeichnet. Die Unterlagen stammen von Reichsbehörden und beziehen sich auf thematisch unterschiedliche Vorgänge im hiesigen Archivsprengel. <p/>
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