1.3.5.3.3 Jugendamt




Beschreibung :
1909 wurden laut Geschäftsverteilungsplan unter dem Eindruck der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) in der Registratur A I erstmalig Aufgabengebiete in Hinblick auf Jugendfürsorge näher definiert. Hierzu gehörten u. a. Waisenpflege, Generalvormundschaft über in die Armenpflege aufgenommene Kinder, Fürsorge-Erziehung, Entmündigungssachen nach § 6 BGB, Sorgerechtsentziehung nach § 1666 BGB, Vormundschaft unehelicher Kinder, Jugendfürsorge sowie Kinderschutz. Zuvor beschränkte sich die öffentliche Sorge größtenteils auf die Waisenpflege. Mit der Verwaltungsreform 1912 wanderten diese Aufgaben gemäß Verfügung des Oberbürgermeisters vom 28. September 1911 G 1991 in Abteilung 3 Armen- und Waisenabteilung. Von 1921-1928 wurde erstmalig unter A 25 ein Waisen-und Jugendamt definiert. Dies geschah unter dem Eindruck des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes von 1922, welches 1924 in Kraft treten sollte, das die Landkreise und kreisfreien Städte dazu verpflichtete, Jugendämter einzurichten, was aber unter dem Einfluss der Wirtschaftskrise der 1920er Jahre im Allgemeinen nicht umgesetzt wurde (was allerdings als Kernpunkt blieb, war der die Festlegung eines Anspruchs auf Erziehung für ”jedes deutsche Kind“ (§1 RJWG), die Zusammenführung von Aufgaben der Jugendwohlfahrt sowie die Regelung des Verhältnisses von öffentlicher und freier Jugendhilfe im Sinne der Subsidiarität). Folgende Aufgabenbereiche wurden festgelegt: Waisenpflege, Kinderschutz, Jugendfürsorge, Vormundschaft für uneheliche Kinder sowie die Kriegsfürsorge. Dementsprechend unterstanden in diesem Zeitraum das Antoniusheim, das Waisenhaus sowie die Kriegsfürsorgestelle diesem Amt. Zuständiger Beigeordneter zu diesem Zeitpunkt war Heinrich Billstein.

1928 wurden gemäß Verwaltungsblatt der Stadt Köln, Nr. 5, 5. Jg., vom 31.01.1928 für Amt 13 Jugendamt als Aufgaben all jene Bereiche definiert, die nicht in die Zuständigkeit A 14 Amt für Leibesübungen bzw. A 10 Schulamt fielen. Dies betraf Angelegenheiten betreffend Jugendlicher, die nicht in einschlägigen Vereinen organisiert waren, sowie alle Aufgaben, die nicht unmittelbar den Schulbetrieb berührten. Des Weiteren ging vom Schulamt der Waldschulhof auf das Jugendamt über. Die Aufgabengebiete wurden im Laufe der folgenden Jahrzehnte immer wieder erweitert. Als Kernkompetenzen können die Bereiche Jugendpflege, Jugend- und Waisenfürsorge sowie die Amtsvormundschaft definiert werden. Ca. 1959 wird dies um die Kindergärten und Horte sowie die Erziehungsberatungsstelle erweitert. Ab den 1980er Jahren findet sich in den Geschäftsverteilungsplänen jene dreiteilige Grobgliederung, wie diese sich auch in der Tektonik widerspiegelt mit Jugendamt, Familienberatung sowie Kinderheime bzw. in weiterer Folge Kinder- und Jugendpädagogische Einrichtungen. Um das Jahr 2000 finden sich darin auch explizit die Bezirksjugendämter sowie die Projektgruppe Kita-Bau erwähnt. Gesetzliche Grundlage der Jugendämter bildet seit 1991 das Sozialgesetzbuch VIII (SGB VIII), welches das Jugendwohlfahrtsgesetz von 1961 ablöste, was als Paradigmenwechsel in der Kinder- und Jugendhilfe gesehen wird, da es, als Leistungsgesetz konzipiert, versucht, auf Hilfe- und Unterstützungsangebote zu setzen. Die Verpflichtung liegt dem gemäß primär bei den Kommunen, das Subsidiaritätsprinzip des RJWG blieb mit Verwaltung und Jugendhilfeausschuss erhalten.

Die dem Tektonikpunkt "Jugendamt" untergeordneten Bestände umfassen zum Einen Akten, welche das Verwaltungshandeln des Jugendamtes in jenen Bereichen, in welchen diese städtische Dienststelle größtenteils die Federführung innehat bzw. ihre Kernaufgaben wahrnimmt, widerspiegelt. Zum Anderen finden sich darin Einzefallakten (Klientenakten), einerseits aus den Zuständigkeiten der einzelnen Bezirksjugendämter, wie Amtsvormundschaft/Beistandschaft, Wirtschaftliche Erziehungshilfe oder Allgemeiner sozialer Dienst, andererseits zur Ausbildungsförderung und Jugendhilfe. Überwiegend umfassen diese Einzelfallakten traditionell den Buchstabenkreis "Ha".

Mai 2016/Weissberg
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