Amtsvormundschaft (Accessionen bis 2009)



Signatur : Best. 488A


Inhalt :
Der Bestand umfasst überwiegend Übernahmen der einzelnen Bezirksjugendämter der Stadt Köln aus dem Aufgabenbereich Amtsvormundschaft bzw. Amtspflegschaft ausschließlich aus der Zeit vor dem Archiveisnturz 2009 (1946-2003). Dabei handelt es sich zu einem großen Teil um Einzelfallakten (Klientenakten) des Buchstabens "Ha" (Samplebildung). Da es sich bei der Amtsvormundschaft um eine Kernaufgabe der Bezirksjugendämter handelt, finden sich Neuübernahmen nach 2009 unter dem entsprechenden Klassifikationspunkt "Bezirksjugendämter" in Best. 491B Jugendamt (Zugänge nach 2009).

Aufgrund der bei einigen Accessionen erfolgten sehr flachen Verzeichnung werden in den Identifizierungsphasen im Zuge der Bestandszusammenführung nach dem Einsturz nur noch dem entsprechenden X-Bestand 6234 Jugend zugeordnet werden können.

Der Bestand ist aufgrund Archivgesetz NRW und Datenschutzbestimmungen umfangreich gesperrt und unsichtbar.

Amtsvormundschaft

Ablieferung 1970

Die Amtsvormundschaft wurde 1924 im Rahmen des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes in Deutschland etabliert. Sie trat für alle unehelichen Kinder ein und ersetzte landesrechtlich unterschiedliche Formen der Berufs- und Anstaltsvormundschaft und Einzelvormundschaft für uneheliche Kinder. Der gesetzliche Eintritt der Amtsvormundschaft durch Geburt hatte den Vorteil, dass sich die oft langwierige Suche nach einem geeigneten Einzelvormund erübrigte.

Die materielle Lage der unehelichen Kinder soll sich durch die Einrichtung der Amtsvormundschaft, sozusagen eines speziellen Berufsstandes mit Fachkenntnissen insbesondere auf dem Gebiet der Abstammung und Unterhaltsgeltendmachung, deutlich verbessert haben. Die Übertragung der elterlichen Gewalt auf die Mutter schien im damaligen Recht kein diskutabler Punkt gewesen zu sein; jedenfalls ist aus den Materialien nichts erkennbar, was auf diesbezügliche Vorstellungen hinweisen könnte.

Die Rechtslage blieb auch nach der Gründung der Bundesrepublik im Rahmen des novellierten Jugendwohlfahrtsgesetzes gleich. Erst zum 1. Juli 1970 wurde im Rahmen des Nichtehelichengesetzes die obligatorische Amtsvormundschaft für die nun "nichtehelich" genannten Kinder beendet. Die Kinder standen dann grundsätzlich unter elterlicher Gewalt der Kindesmutter - mit einigen Ausnahmen, für die das Jugendamt weiterhin als Amtspfleger zuständig blieb, bis 1998 auch diese restliche Einschränkung des Sorgerechtes durch die Kindschaftsrechtsreform aufgehoben wurde. Im Gebiet der DDR war die Amtsvormundschaft für uneheliche Kinder bereits 1950 abgeschafft worden.
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