Bürgermeisterei Longerich



Signatur : Best. 867


Inhalt :
Einleitung

1. Verwaltungsbezirk und Verwaltungsaufbau

Das Gebiet der späteren Bürgermeisterei Longerich war bis Ende des Alten Reiches kurkölnisches Territorium und verwaltungsmäßig zum größten Teil dem Amt Hülchrath unterstellt. Nach dem Einmarsch des französischen Revolutionsheeres 1794 wurde das gesamte Erzstift in sieben Kantone eingeteilt, die von der Bezirksverwaltung in Bonn administriert wurden. Longerich und Umgebung gehörten zum größeren Teil zum dritten, hinsichtlich der ehemaligen Gebiete der Erbvogtei und der Herrlichkeit Riehl zum vierten Kanton. Mit der Einrichtung der vier rheinischen Departements 1798 wurden auch die Kantone neu geordnet. Der Bereich um Longerich wurde

dem Kanton Weiden eingegliedert. Zwei Jahre später legte das Gesetz vom 17. Februar 1800 die Grundlagen für die neue Kommunalverfassung. Die Kantone verloren zugunsten der neugebildeten Arrondissements und der Mairien ihre bisherige verwaltungsorganisatorische Bedeutung. Die während der nächsten beiden Jahre eingerichtete Mairie Longerich umfaßte die Orte Longerich, Merheim Iinksrheinisch, Niehl, Nippes, Riehl und Volkhoven sowie die Höfe Bergheimer Höfe, Butzweiler Hof, Heckhof, Heimersdorfer Höfe, Mauenheim, Mülheimer Häuschen, Nüssenberger Hof und Weidenpesch (1).

Diese kommunale Verwaltungsorganisation wurde mit der Inbesitznahme der Rheinlande durch Preußen 1815 übernommen. Die Bürgermeisterei Longerich wurde mit der Verwaltungsneugliederung vom 20. April 1816 in ihren alten Grenzen ein Teil des neugebildeten Landkreises Köln (2). Sitz der

Bürgermeisterei war bis 1862 Longerich; mit Wirkung vom 3. April 1862 verlegte ihn die Regierung Köln dann von Longerich nach Nippes (3). Die Ortschaften Nippes, Mauenheim und Riehl wurden am 1. Januar 1886 von der Gemeinde Longerich abgetrennt und zu einer eigenen Gemeinde Nippes

zusammengefaßt. Die Bürgermeisterei Longerich bestand daher vom 1. Januar 1886 an aus den beiden Gemeinden Longerich und Nippes (4). Zum 1.Januar 1887 gliederte die Regierung Köln die Gemeinde Nippes aus der Bürgermeisterei Longerich aus und erhob sie zu einer eigenen Bürgermeisterei.

Der Bürgermeister der Bürgermeisterei Longerich wurde nun kommissarisch auch zum Bürgermeister von Nippes ernannt (5) und übte beide Ämter bis zur Eingemeindung der Gemeinden Longerich und Nippes nach Köln im Jahr 1888 in Personalunion aus.

2. Bürgermeister, Beigeordnete, Gemeindeempfänger, -baumeister,

-Sekretäre

Bürgermeister

Engelbert Denhoven 1812-1826

Franz Karl Denhoven 1826-1833

Friedrich Frenger 1833-1837

(kommissarisch)

Theodor Rosell 1837-1858

Wilhelm Eich 1858-1888

Beigeordnete

Joseph Welter 1833

Theodor Rosell 1836

1. Beigeordneter

Franz Anton Denhoven 1838-1850

Johann Peter Dünnwald 1850-1862

Ferdinand Nicolin 1862-1870

Ignatz Trapp 1870-1872

Adam Esser 1872-1874

Caspar Junckersdorf 1874-1883

Dr. Carl Hartmann 1883-1887

2. Beigeordneter

Johann Hubert Pilgram 1840-1849

Maximilian Schieffer 1849-1850

Franz Anton Denhoven 1850-1880

Joseph Denhoven 1880-1886

Carl Moll 1886

Wilhelm Contzen 1886-1888

3. Beigeordneter

Mathias Pfeil 1846-1858

Johann Peter Hahn 1858-1888

4. Beigeordneter

Maximilian Schieffer 1850-1856

Ferdinand Nicolin 1856-1862

Hubert Herriger 1862-1864

Engelbert Stein 1865-1888

Beigeordnete von Nippes

1. Beigeordneter: Dr. Carl Hartmann 1887-1888

2. Beigeordneter: Otto Weiler . 1887-1888

Gemeindeempfänger

Mathias Rech o. D.

3. Aktenführung und Verbleib der Akten

Die Geschäfts- und Aktenführung oblag ausschließlich dem Bürgermeisteramt. Schon seit 1816 wurde das Schriftgut in fadengehefteten Akten formiert (6). Zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellte man die Registratur auf ein verbessertes System

um. Die Akten erhielten jetzt einheitliche Signaturen. Diese bestanden aus einer römischen Zahl zur Kennzeichnung der Abteilungen (Sectionen) von I-V, einer zweiten römischen Zahl zur Bezeichnung der Unterabteilungen (Titel) und zwei nachfolgenden arabischen Zahlen. Von diesen gehörte die

erste nicht zur eigentlichen Betreffsignatur, sondern gab das Fach an, in dem die Akte aufbewahrt wurde (1-57). Erst die nachfolgende Zahl gliederte dann die Abfolge der Akten innerhalb der einzelnen Unterabteilungen (Titel) auf. Alle Akten mit Ausnahme einzelner älterer, wohl nicht mehr benötigter Vorgänge, wurden jetzt mit einheitlichen Aktendeckeln versehen,

auf denen auch das Registraturschema aufgedruckt war. Die Teilung der Gemeinde Longerich in die Gemeinden Longerich und Nippes führte zu keiner Umstrukturierung der Registratur, da der Bürgermeister für das gesamte Gebiet der Bürgermeisterei zuständig blieb. Ebenso ist nach 1887 offenbar keine eigene Registratur der Bürgermeisterei Nippes angelegt worden, wohl weil der Bürgermeister in Personalunion beide Bürgermeistereien

verwaltete und seinen Sitz in Nippes beibehielt. Jedoch wurde bei der Aktenführung jetzt in einzelnen Fällen zwischen den Betreffen der beiden Bürgermeistereien unterschieden (7). Nach der Eingemeindung von Longerich und Nippes nach Köln kamen die Akten an das Verwaltungsarchiv oder - falls sie noch für die Verwaltungsgeschäfte benötigt wurden - an die zuständigen

stadtkölnischen Dienststellen. Von dort wurden sie zu einem späteren Zeitpunkt an das Historische Archiv der Stadt Köln abgegeben.

4. Inhalt des Bestandes 867

Der heutige Bestand 867 (Longerich) umfaßt alle Akten, die in dem alten

Repertorium des Verwaltungsarchivs und in den Übergabelisten der einzelnen Dienststellen der Stadt Köln an das Historische Archiv als Schriftgut der alten Bürgermeistereiregistratur nachgewiesen werden konnten.

Die Akten wurden nach dem für die Ordnung der Vorortbestände erarbeiteten gemeinsamen Gliederungsplan geordnet. In einem Lesesaal-Exemplar ist der alte Aktenplan eingeheftet und sind den Akten die Altsignaturen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beigefügt. So kann der Benutzer den jeweiligen Standort der betreffenden Akte in der alten Bürgermeistereiregistratur rekonstruieren. Diese Signaturen erlauben auch den Rückschluß, wie viele Akten der jeweiligen Unterabteilung erhalten geblieben oder verlorengegangen sind. Insgesamt kann der Erhaltungszustand der Registratur als verhältnismäßig vollständig bezeichnet werden.

Anmerkungen

(1) Vgl.: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Rheinprovinz und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt vom Königlichen Statistischen Bureau Berlin 1874,8.117.

(2) Amtsblatt der Regierung Köln Nr. 1 (23. April 1816) S. 1-6 Nr. 1.

(3) Amtsblatt Regierung Köln Nr. 16 (8. April 1862) S. 148 Nr. 147. Grund für die Verlegung war die zunehmende Bedeutung von Nippes als Industriestandort (Hauptstaatsarchiv Düsseldorf Reg. Köln 429).

(4) Amtsblatt Regierung Köln Nr. 49 (9. Dezember 1885) S. 316 Nr. 590. Von 1886 an liegt daher auch ein Protokoll des Gemeinderates von Nippes vor.

(5) Amtsblatt Regierung Köln Nr. 51 (22. Dezember 1886) S. 301 Personalnachrichten mit Bezug auf Erlaß des Ministers des Inneren vom 22. 10. 1886. Neben dem Bürgermeister nahmen auch die meisten Beamten ihre Aufgaben in beiden Bürgermeistereien wahr (vgl. Aufstellung HAStK 8/3/13 S. 11).

(6) Akten dieses älteren Typs, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht mit einem neuen Aktendeckel versehen wurden, haben sich mit Laufzeiten zwischen 1816 und 1868 erhalten.

(7) So sind die Verhandlungen über die Eingemeindung von Nippes nach Köln in der Akte 210 abgelegt, die der Bürgermeisterei Longerich in der Akte 2. Beide Akten tragen den Aktendeckel der Bürgermeisterei Longerich.

Literatur

Franz Irsfeld, Nippes gestern und heute, Köln 1983.

Umfang : 8,00 m, 285

>> zum Findbuch Best. 867 Bürgermeisterei Longerich
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