Armenverwaltung (AV)



Signatur : Best. 160


Inhalt :
Der Sammelbestand Best. 160 Armenverwaltung (AV) wurde im 19. Jh. gebildet und umfasst die Überlieferung ehemals selbständiger Hospitäler, Armen- und Waisenhäuser, Konvente und Stiftungen sowie deren Aktivitäten im Bereich der Armenfürsorge. Der Hauptteil der Überlieferung gelangte ca. 1890 ins Historische Archiv der Stadt Köln. Als Laufzeit wird der Zeitraum von 1234 - 1798 angegeben. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass sich darunter auch noch Archivalien aus späterer Zeit (Franzosen- bzw. Preußenzeit) befinden.

Bereits seit dem 16. Jh. ist eine Vermischung von weltlichen und kirchlichen Provenienzen bzw. Aufgaben festzustellen, weshalb die verschiedenen Bestände der AV in einem eigenen Tektonikpunkt unterhalb von Nichtstädtische amtliche und geistliche Überlieferung zusammengefasst wurden.

Ein grundsätzliches Problem ist die teils mangelhafte Abgrenzung zu anderen Beständen des HAStK. So können Beispielsweise in den Überlieferungen der Stifte und Klöster, der Rentkammern oder des Rats der Stadt aber auch in verschiedenen Pertinenzbeständen wie dem Best. 110 Testamente oder dem Best. 1 Haupturkundenarchiv Aufgabenüberschneidungen mit der Armenverwaltung ermittelt werden. Selbst die Abgrenzung zu der im Best. 650 Amenverwaltung zusammengefassten Überlieferung aus preußischer Zeit dürfte bisweilen Probleme bereiten.

Laut Deeters (Mitteilungen, Bd. 76) erfolgte 1908 eine Nachlieferung kleineren Umfangs, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht im Inventarverzeichnis aufgeführt sind. Ob es sich hierbei um die 1987 im Rahmen einer provisorischen Bestandsaufnahme aufgelisteten unverzeichneten 54 Archivkästen handelt, kann nicht festgestellt werden. Über Anzahl und Umfang weiterer potenzieller Nachlieferung liegen derzeit keine Informationen vor.

Bestandsordnung und -erschließung

Zum Zeitpunkt der Abgabe befanden sich alle Unterlagen geordnet nach Provenienz in nummerierten Archivkästen. Als Findmittel diente das vom Registrator der Armenverwaltung Schantz erstellte zweibändige Inventarverzeichnis von 1889.

1930 wurde der Bestand neu geordnet und entsprechend der Archivalienarten in 4 Serien aufgeteilt: U Urkunden; B Amtsbücher; Q Quittungen (Belege zu den Rechnungen der Serie B); A Akten. Als Anlass dieser Neuordnung darf das besondere Interesse an den Urkunden des Bestands vermutet werden. Innerhalb der Serien wurden die Verzeichnungseinheiten nach Provenienzen klassifiziert. Darüber hinaus ist kein weiteres Ordnungsprinzip (bspw. chronologisch) erkennbar.

Zum Zeitpunkt des Einsturzes war die Bearbeitung und Umsignierung noch nicht vollständig abgeschlossen, weshalb nicht alle Serien des Bestands gleichermaßen gut erschlossen sind. Im Gegensatz zu den verhältnismäßig gut verzeichneten Serien B und U müssen die Archivalien der Serie A sukzessive und unter Zuhilfenahme des alten Inventarverzeichnisses neu erschlossen werden. Die Signaturvergabe orientiert sich dabei an dem ursprünglichen Prinzip der Kasten- und Inventarnummern. Daneben erfolgt - analog zu den übrigen Serien - die Klassifizierung der Serie A nach Provenienz. Auf diese Weise können sowohl das neue als auch das alte Ordnungssystem in der Tektonik abgebildet und frühere Bezüge zwischen verschiedenen Archivalien leichter rekonstruiert werden.

Die Erschließungsinformationen der Serie A Akten wurden dem Inventarverzeichnis entnommen und nahezu vollständig in die Archivdatenbank ACTApro übernommen. Es kann aber nicht gewährleistet werden, dass alle aufgeführten Signaturen tatsächlich auch physisch an das HAStK übergeben wurden. Einzelne Verzeichnungseinheiten und teilweise auch ganze Kästen weisen im Inventarverzeichnis den zusätzlichen Vermerk V.A. (Verwaltungsarchiv) auf. Für diese Objekte kann angenommen werden, dass sie zunächst zur weiteren Benutzung ins Verwaltungsarchiv und, wenn überhaupt, erst zu einem späteren Zeitpunkt ins Archiv gelangt sind, weshalb auch nicht ausgeschlossen werden kann, dass einzelne Signaturen im Best. 650 Armenverwaltung aufgegangen sind.

Für die Serie Q ließen sich aktuell keine Erschließungsinformationen ermitteln.

Historischer Abriss:

Freie Reichsstadt (bis 1794)

·geschlossene Armenpflege (Hospizien, Hospitäler)

bereits seit 1510 waren die Spitäler unter städtischer Aufsicht. Die Verwaltung der Hospizien oblag den vom Rat ernannten Provisoren, welche auch regelmäßig an den Rat Bericht erstatteten. Die interne Aufsicht lag bei einem Spitalmeister. Bis ins 17. Jh. baute der Rat seinen Einfluss sukzessive aus, so dass die Hospizien nahezu alle unter städtische Verwaltung gerieten, ohne jedoch Eigentum der Stadt zu werden. Eigentümer oftmals Stiftungen und kirchliche ”Träger“

·offene Armenpflege oder auch Hausarmenpflege

im wesentlich dezentral, auf Basis der jeweiligen Pfarrgemeinde organisiert. Wesentliche Personalien Kirchmeister (Vermögens- und Personalangelegenheiten) und Armenprovisoren (Armenverwaltung). Finanzierung vor allem durch Schenkungen und Stiftungen, die mehrheitlich von den Pfarreien, aber teilweise auch vom Rat verwaltet wurden. Hilfe erfolgte bevorzugt wenn auch nicht ausschließlich an Gemeindemitglieder.

·Heilig-Geisthaus am Domhof

Verwaltung verschiedener Stiftungen und Nachlässe. Die Provisoren des Geisthauses wurden vom Rat ernannt. Neben den direkten Zuwendungen an Bedürftige, Fremde etc. gingen auch Spenden an die Hospitäler oder Hospizien.

Die Finanzierung der Armenpflege basierte überwiegend auf Stiftungsgut und somit auf privaten Mitteln. Die Armenpflegeeinrichtungen besaßen die Erlaubnis ihr Kapital zinsgünstig bei der Freitagsrentkammer anzulegen. Im Falle von Rechtsstreitigkeiten bspw. mit Erben der Stifter konnten die Einrichtungen Rechtshilfe vom Generalprokurator am Fiskalischen Gericht in Anspruch nehmen. Vereinzelt erfolgten Einzelleistungen seitens des Rates z. Bsp. in Form von Baumaterial oder Wein.

Die Organisation der Armenfürsorge oblag demnach sowohl der öffentlichen als auch der privaten Hand, wobei die Stadt vornehmlich die Aufsicht und Verwaltung inne hatte, hingegen das Eigentum und die Finanzierung aus privaten Mitteln stammte.

2. Franzosenzeit (1796-1818): zwei zentrale Verwaltungen werden beibehalten

·geschlossene Armenpflege (Hospices Civiles)

·offene Armenpflege (Bureaux de bienfaisance)

3. Preußen (ab 1818)

·Zusammenschluss zum Haupt-Wohltätigkeits-Verein (AV)

Die städtische Armenverwaltungsbehörde hat das anfallende Schriftgut zumindest im Rechnungswesen auch nach der Zentralisierung nach abgebender Stelle abgelegt, so dass die verschiedenen Provenienzen weiterhin gut abgrenzbar sein müssten. Erschwert jedoch zusätzlich die Abgrenzung von vor- und nachreichsstädtischer Zeit.

”Die Zusammenfassung aller sozial-karitativen Institutionen und Stiftungen unter zwei (in französischer Zeit) bzw. eine (in preußischer Zeit) zentrale Verwaltung entsprach der seit Ende des Mittelalters zu beobachtenden Tendenz des Rates, die Wohlfahrtspflege seiner Oberaufsicht zu unterwerfen, ungeachtet der kirchlichen oder privaten Entstehung und Geschäftsführung im einzelnen. Von daher ist es erklärlich, dass die französische Gesetzgebung über das Armenwesen auf keine Widerstände prinzipieller Art in Köln stieß. Die entscheidenden Gesetze vom 16. vend 5./7. Okt. 1796 über die geschlossene Armenpflege bzw. Hospices civiles und vom 7. frim. 5/27. Nov. 1796 über die offene Armenpflege bzw. Bureaux de bienfaisance wurden durch Publizierung unterm 1. therm. 6/19. Juli 1798 gültiges Recht im französischen Rheinland (§§ 520-533 der Verwaltungsordnung einschl. der Verordnung vom 23. brum. 5/13. Nov. 1796 als § 522, gefolgt von den Gesetzen über Waisenkinder und -häuser vom 27. frim 5/17. Dez. 1796 als §§ 534 ff.). Dementsprechend beschloss die Stadt Köln am 4. Jan. 1799 die Gründung einer Commission administrative des hospices civiles und am 6. Jan. 1799 die eines Bureau de bien faisance. Mit geringfügigen Änderungen hatten diese Verwaltungen Bestand bis 1818. Zum Haupt-Wohltätigkeits-Verein zusammengeschlossen, erhielt dieser durch die Armenordnung vom 18. Juni 1818 die umfassende Regelung des Armenwesens übertragen und firmierte bald nur noch als die Armenverwaltung (AV).“ aus Deeters: Beständeübersicht bis 1814, in: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln, Heft 76, S. 160f.

Umfang : 2154 Urkunden, 119 m
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