Bauermeister, Mary



Signatur : Best. 1441


Inhalt :
Bauermeister, Mary, geb. 1934, Fluxus-Künstlerin, Galeristin.

I. Einleitung

1. Biographische Notizen zu Mary Bauermeister

Mary Bauermeister wurde am 07. September 1934 in Frankfurt am Main geboren. Sie besuchte nach der höheren Schule in Köln-Kalk die Hochschule für Gestaltung in Ulm, damals unter der Leitung von Max Bill und setzte ihre Studien bis 1956 an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken, geleitet von Professor Otto Steinert (Fotografik) fort. Ab 1957 ist sie als freie Künstlerin in Köln tätig. Zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten Haro Lauhus, der im Sommer 1961 eine Galerie am Buttermarkt eröffnete und dort den damals noch unbekannten Künstler Christo und die Neuen Realisten aus Paris ausstellte, und dem jungen englischen Komponisten und Interpreten Cornelius Cardew, der Ende der 1950er Jahre für einige Zeit Schüler und Assistent von [Karlheinz] Stockhausen gewesen war, organisierte die Malerin in ihrem Atelier in der Lintgasse 28 zwischen März 1960 und Oktober 1961 Konzertveranstaltungen. Beteiligt waren vor allem Musiker und Künstler der intermedialen Avantgarde wie: John Cage, Morton Feldman, Mauricio Kagel, Toshi Ichiyanagi, Sylvano Bussotti, George Brecht, La Monte Young, Christian Wolff, David Tudor, Nam June Paik, Heinz-Klaus Metzger, Hans G. Helms, Earle Brown, Merce Cunningham, Bo Nilsson, Cornelius Cardew, Benjamin Patterson, Kenji Kobayashi, Terry Riley, Karlheinz Stockhausen, Carlheinz Caspari und andere.

1961 nahm Mary Bauermeister im Rahmen der Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt an einem von Karlheinz Stockhausen geleiteten Kompositionskurs teil. Ein Jahr später präsentierte die Künstlerin ihre erste Einzelausstellung im Stedelijk Museum Amsterdam. Bei dieser Gelegenheit organisierte sie parallel zur Ausstellung ihrer Werke ganztägige Aufführungen elektronischer Musik unter der Leitung von Karlheinz Stockhausen. Die Konzertveranstaltungen in ihrem Kölner Atelier in der Lintgasse im Schatten von St. Martin fanden im Oktober 1962 mit ihrer Übersiedlung nach New York, wo sie ein Jahr darauf in der Galerie Bonino ausstellte, ein Ende.

Im April 1967 heiratete die Künstlerin den Kölner Musiker und Komponisten Karlheinz Stockhausen und brachte zwischen 1966 und 1967 ihre beiden Kinder Julika und Simon auf die Welt. In den folgenden Jahren sind ihre Werke bis Ende der 1980er Jahre regelmäßig in Deutschland, den Niederlanden, Luxemburg und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) sowohl auf Einzel- als auch auf Gruppenausstellungen zu sehen. Anfang der 1970er Jahre begann die Künstlerin, sich mit Radiästhesie, Grenzwissenschaften, Heilung, Symbolen, Farben und deren Energien zu beschäftigen. Heute sind ihre Werke in allen wichtigen amerikanischen Museen ausgestellt beziehungsweise in amerikanischem und deutschem Privatbesitz.

Mit Mary Bauermeisters Übersiedlung nach den Vereinigten Staaten von Amerika bestand ihr Atelier nun zwar nicht mehr, aber in Folge ihres Wirkens in Köln erhielt eine neue Entwicklung in der modernen Kunst Aufwind. George Maciunas rief Anfang der 1960er Jahre in Wiesbaden eine neue Kunstrichtung ins Leben, die er in Anlehnung an eine konzipierte Kunstzeitschrift ”Fluxus“ benannte.

Davon setzte er im Juni 1962 in der Wuppertaler Galerie Parnass die Öffentlichkeit in Kenntnis und stellte dort mit dem Titel seines dort gehaltenen Vortrages ”Neo-Dada in den Vereinigten Staaten“ die sogenannte Fluxusbewegung als eine Entwicklung des europäischen Dada vor (unter anderem Nam June Paik, Sylvano Bussotti, Dock Higgis, Toshi Ichiyanagi, Jackson Mac Low, George Maciunas, Benjamin Patterson, Dieter Schnebel La Monte Young). Die Verbindung zu Mary Bauermeister ist insofern gegeben, da Maciunas schon im Juni 1962 an die Künstlerin geschrieben hatte und ein Festival in ihrem Atelier als Beginn der Fluxus-Serie angeregt hatte. Somit bildete das Atelier Mary Bauermeister die Basis für die Fluxusbewegung in Köln. Viele Künstler, die schon im Atelier experimentiert hatten, trafen sich später unter dem Namen ”Fluxus“ wieder. So ist es nicht unberechtigt zu sagen, dass das Atelier Bauermeister ein Vorläufer der Fluxusbewegung in Köln war.

2. Struktur der Dokumente

Die vorliegenden Dokumente bildeten ursprünglich die Materialsammlung für eine Publikation, die der Chefrestaurator des Wallraf-Richartz-Museums und Sammler moderner Kunst Wolfgang Hahn über die Kunst der 1960er Jahre in Köln geplant hatte. Teils ist das Material von ihm selbst zusammengetragen worden, teils hatte er es von Mary Bauermeister erhalten. Dem Historischen Archiv wurde es mit Zustimmung von Mary Bauermeister am 23. April 1991 von Frau Hildegard Hahn überlassen.

Im Kern besteht der Bestand aus der Korrespondenz, die Mary Bauermeister mit etwa 50 Personen aus der Welt der Kunst und des Kunsthandels geführt hat. Diese Korrespondenz hatte sie grob in zwei Mappen - privat und geschäftlich - gegliedert, wobei es naturgemäß auch zu Überschneidungen kam. Es überwiegen die in der Ausfertigung vorhandenen eingehenden Schreiben gegenüber den Entwurfsnotizen beziehungsweise Durchschlägen aus der Hand Mary Bauermeisters.

Neben dieser Korrespondenzserie besteht der Struktur nach eine zweite Serie, die die erste mit Originalschreiben und durch Sammlungsmaterial ergänzt. Darunter fallen Einladungen zu Ausstellungen und verschiedenen Happenings, die meist in jener Korrespondenzserie Erwähnung finden oder auf Aktionen verweisen, bei denen der Sammler Wolfgang Hahn selbst anwesend war. Vielfach sind einzelne Unterlagen zusätzlich noch durch Zeitungsartikel, Photos, verschiedene Kritiken und Bemerkungen ergänzt, die zum Teil sogar von den Künstlern selbst stammen.

Diese Anreicherung wurde gespeist aus zwei Kartons umsortierter Unterlagen, die Mary Bauermeister in den 1970er Jahren dem Sammler Wolfgang Hahn verkauft hatte sowie den von Hahn selbst aus anderen Quellen erworbenen Unterlagen, wobei es sich sowohl um originäres (Schriftwechsel mit Künstlern) als auch sekundäres Material (Zeitungsausschnitte und anderes über Mary Bauermeister, Bericht über diverse Aktivitäten der Kölner Galerien und Künstler, über die allgemeine Kunstszene der 1960er, Kunstchronologie der 1950er und 1960er Jahre) handelte. Der Kunstsammler Hahn hat dieses Material thematisch sortiert und kommentiert und damit eine Arbeit geleistet, die wohl als Vorstudie zu einer umfassenden Darstellung der Experimentalkunst der 1960er Jahre in Köln zu deuten ist.

Diese so vor Übernahme in das Archiv entstandene Vermischung von originären Dokumenten verschiedener Provenienz sowie von seltenem authentischem Sammlungsmaterial war so weit fortgeschritten, dass diese mit dem Ziel einer streng archivischen Trennung von Korrespondenz uns Sammlungs- beziehungsweise Dokumentationsgut nicht mehr rückgängig gemacht werden konnte. Zu sehr hatte bereits der Sammler Hahn aus thematischen Gründen Anreicherungen der originären Korrespondenz Mary Bauermeisters vorgenommen.

Hinzu kam, dass 1992 und 1993 im Zusammenhang mit den Arbeiten des Historischen Archivs der Stadt Köln an einer Dokumentation zur Intermediabewegung in Köln weitere Unterlagen bei Frau Mary Bauermeister selbst und bei Frau Maria Velte aufgefunden werden konnten. Auch diese Stücke wurden dem Bestand hinzugefügt.

Zu erwähnen ist auch, dass sich ein Teil der oben genannten Akten der Sammlung Hahn zum Zeitpunkt der Bestandsübernahme noch in der Hand von Frau Monika Lichtenfeld befanden, die diese Dokumente von Herrn Hahn leihweise erhalten hatte. Diese Teile wurden zurückgegeben und gehören nun wieder zum Bestand.

3. Ordnung und Verzeichnung

Die Dokumente wurden im Archiv in Mappen formiert und nach ”nummerus currens“ signiert. Soweit es sich um Korrespondenz handelt, wurde die vorarchivische Ordnung nach Alphabet beibehalten. Gleichfalls wurden die Dokumentenordner aus der Sammlung Hahn aus den oben genannten Gründen in ihrer Struktur belassen. Zur inneren Gliederung hat Herr Hahn ein Inhaltsverzeichnis vorangestellt und alphabetisch bezeichnete Trennblätter verwendet. Häufig sind die Trennblätter mit speziellen Überschriften und Anmerkungen versehen worden, die die Eingliederung plausibel machen. Der fortgeschrittene Stand der thematischen Strukturierung ließ es sinnvoller erscheinen, die vorgefundene Ordnung beizubehalten. Ein Personenregister soll über die Zerrissenheit der Korrespondenzserien hinweghelfen. Der Inhalt der einzelnen Schreiben sowie der übrigen Dokumente ist, sofern dies möglich war, nach Datum, Absender, Adressat und Kurzbetreffen erfasst.

Zur Identifizierung von einzelnen Personen und speziellen Sachverhalten wurden die Interviews mit Mary Bauermeister vom 22. Januar 1991, 29. Oktober 1991, 02. Dezember 1991, 13. Mai 1992 und 18. Mai 1992 ausgewertet, auf die an entsprechender Stelle im Aktenverzeichnis verwiesen wird.

Die Interviews führte Dr. Wilfried Dörstel; die Titel der Akten nahm Frau Viktoria Barisch im Rahmen eines Praktikums aus.

4. Hinweise für die Benutzung

Die Benutzung des Bestandes für wissenschaftliche Zwecke unterliegt keinen Beschränkungen. Allerdings ist der Benutzer für die Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen zum Urheberrecht und für die Respektierung schutzwürdiger Persönlichkeitsrechte selbst verantwortlich. Bei der Benutzung der Tonbandaufzeichnungen Nr. 78-81 sind die für Benutzerzwecke angefertigten Audiokassetten zu verwenden.

Enthält u.a.:

Korrespondenz, Aktionen, Veranstaltungen in der Galerie mit John Cage, Morton Feldmann, Mauricio Kagel, Toshi Ichiyanagi, Michael Horovitz, Henry Flint, Sylvano Bussotti, George Brecht, La Monte Young, Christian Wolff, David Tudor, Nam June Paik, Heinz-Klaus Metzger, Hans G. Helms, Earle Brown, Merce Cunningham, Bo Nilsson, Cornelius Cardew, Benjamin Patterson, Kenji Kobayashi, Terry Riley, Karlheinz Stockhausen, Carlheinz Caspari, Haro Lauhus, Henri Pousseur, Pär Ahlbom, Bernd Alois Zimmermann;

Dokumentation von Künstlern: Vostell (1961-1965), John Cage und Merce Cuningham (1962-1964) Stefan Wewerka (1967-1969), Fluxus und Happenings: Aktionen, Vernissagen, Personen (1951-1965)

Sperrvermerk : Gesperrt bis: 2020
Umfang : 6 Kartons
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