Bjerke, Rolf



Signatur : Best. 1311


Inhalt :
Bjerke, Rolf, 1911-1993, Versicherungs- und Handelsvertreter.

I. Einleitung

Rolf Bjerke, norwegischer Staatsangehöriger, wurde am 6. Februar 1911 in Köln geboren. Nach Besuch der Volksschule in der Friesenstraße und des Realgymnasiums in der Spiesergasse machte er 1932 das Abitur am Hansagymnasium. Anschließend verbrachte er ein halbes Jahr in Norwegen, u.a., um den achtwöchigen Wehrdienst abzuleisten.

Vom April 1933 begann Bjerke eine zweijährige Lehrzeit als Volontär bei der Gothaer-Lebensversichungs AG und war dann bei dieser Versicherung bis zum 30. Juni 1937 als Versicherungskaufmann tätig. Anschließend übernahm er vom 1. Juli 1937 bis 15. April 1938 eine Außendiensttätigkeit bei der Mannheimer Versicherungsgesellschaft. Im Jahre 1938 eröffnete Bjerke ein eigenes Werbe- und Reklamebüro, das er 1940 in Auswirkung des Krieges einstellen musste. In dieser Zeit hatte er die Vertretung der jüdischen Fimen Max Hirsch (Damenhüte) und Fürst & Schönholz (Hüte, Karnevalsartikel), beide Köln. Von April 1940 bis März 1941 war Bjerke dann als Vertreter der Handweberei- und Krawattenfabrik P. Hunkemöller, Köln, tätig. In Folge des Krieges musste der Betrieb eingestellt werden. Von Mai 1941 bis August 1943 war Bjerke Abteilungsleiter der Firma M. Lemkes O. H. G. und war zuständig für die Materialbeschaffung und den Vertrieb der "Elka"-Möbel. Die Firma wurde durch Fliegerschaden zerstört und stillgelegt. Vom August 1943 bis März 1944 trat Bjerke als kaufmännischer Teilhaber in die von dem Bildhauer Hans Schmitz geführte Firma Johann Schmitz ein, die Haushaltsgegenstände aus Holz herstellte und vertrieb. Die Firma wurde im Dezember 1944 zerstört.

In den Jahren 1933-1936 stand Bjerke in Beziehung zu Kurt Bachmann und gehörte einer Kölner kommunistischen Gruppe an, die eine antifaschistische Tätigkeit ausübte, illegale Flugblätter, Tarnschriften und Nachrichten verbreitete. Mit der Verhaftung und Zerschlagung des organisatorischen Kerns der illegalen KPD März/April 1936 musste diese antifaschistische Tätigkeit eingestellt werden. In den Jahren 1938/39 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges führte Bjerke Kurierdienste für die illegale Widerstandsbewegung in den Niederlanden und Belgien durch, so über seinen Freund Ernst Otto Abel aus Essen, der in Verviers lebte. Auf Grund seiner Vertretertätigkeit brachte er auch Gepäckstücke und Wertsachen für jüdische Familien über die Grenze. In den folgenden Kriegsjahren hatte Bjerke Kontakte zu Kriegsgefangenen, Fremdarbeitern und entlaufenen Häftlingen, die er teils versteckte, teils mit Lebensmitteln, Kleidung und Nachrichten versorgte. Im März 1944, nach Erhalt eines Gestellungsbefehls zum Bau am Westwall, tauchte Bjerke unter und hielt sich u.a. im Oberbergischen Kreis, in Siegen und ab Oktober 1944 in Köln versteckt.

Nach dem Kriegsende gründete er mit dem Maler Erich Müller-Kraus die "Moderne Galerie" in Köln-Nippes, die zwei Jahre später einging. Nach einer Beschäftigung in der staatlichen Forsttaxierung in Norwegen in den Jahren 1947/48, kehrte Bjerke im Dezember 1948 nach Köln zurück, war dann Handelsvertreter in der Nahrungs- und Genussmittelbranche und ab Herbst 1951 bei verschiedenen Versicherungsgesellschaften tätig.

Der Nachlass Bjerke wurde im Zusammenhang mit der Aktion "Zeitzeugen berichten" im Februar 1984 vom Historischen Archiv übernommen und unter Nr. 1227 akzessioniert. Bei der Ordnung des Nachlasses wurden die unter Ziffer VII aufgeführten Zeitungen und Zeitschriften in die Sammlung Lauterbach eingegliedert.

Köln, den 1. Februar 1985

Enthält u.a.:

Persönliche und berufliche Zeugnisse;

Briefwechsel mit politischen Freunden über antifaschistische Tätigkeit, mit Künstlern, Galerien, Kunsthandlungen;

Flugblätter, Einladungen, Programme, Zeitungsartikel zur KPD, zu Kunst und Kultur, besonders in Köln

Umfang : 0,60 m; 1 Karton: 48 Akten

>> zum Findbuch Best. 1311 Bjerke, Rolf
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