Hoff, August



Signatur : Best. 1408


Inhalt :
Hoff, August, 1892-1971, Leiter des Kunstmuseums in Duisburg (1924-1933), Dozent an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf (1929-1932), Direktor der Kölner Werkschulen (1945-1957).

I. Einleitung

1. Übernahme des Nachlasses

Durch Vermittlung von Herrn Bernd Ernsting fand im September 1988 ein erstes Gespräch statt zwischen dem Leiter des Historischen Archivs der Stadt Köln und Herrn Hannes Hoff bezüglich einer Übergabe der nachgelassenen Papiere seines Vaters August Hoff (1892-1971), des ehemaligen Direktors der Kölner Werkschulen. Nachdem man sich über die Bedingungen für die Erschließung der Archivalien geeinigt hatte, wurde der Nachlaß am 16. Januar 1990 vom Archiv übernommen und unter Nummer 1850 accessioniert. Er erhielt die Bestandsnummer 1408.

Über die dauernde Aufbewahrung im Archiv wurde mit den Leihgebern eine schriftliche Vereinbarung getroffen (vgl. 417201-2, Bestand 1408).

2. Ordnung und Verzeichnung

Bei ihrer Übernahme befanden sich die Archivalien teils in Stehordnern, Schnellheftern, Mappen oder lagen - wie die meisten Fotos - lose in Kartons.

Die vielen einzelnen Briefe wurden alphabetisch nach Korrespondenzpartnern und innerhalb des Alphabets chronologisch geordnet. Schreiben von Personen, die eine Institution vertreten, sind unter dem Institutsnamen und, sofern diese an einen Ort gebunden ist, unter dem Ortsnamen abgelegt.

Die Zahl der eingehenden Briefe überwiegt. Antwortkonzepte beziehungsweise Durchschläge der Antworten Hoffs finden sich unter dem Namen des jeweiligen Empfängers.

Ungefähr ein Drittel der allgemeinen Korrespondenz stammt aus der Zeit vor 1945. Einem Brief Hoffs an Rechtsanwalt Joh. Geller vom 9.7.1950 (vgl. Akte 121) ist zu entnehmen, daß bei einer Hausdurchsuchung im Jahre 1938 sechs Ordner mit Korrespondenz von der Gestapo beschlagnahmt wurden.

Einige Briefe waren mit Anlagen angereichert. Sie wurden mit Ausnahme der Fotos dort belassen. Da diese die Korrespondenz zu sehr aufgebläht hätten und ohnehin der größte Teil den Briefen nicht mehr zuzuordnen war, bilden sie eine eigene Serie.

Aufgrund der Vereinbarungen mit den Leihgebern, die auf eine eingehende Erschließung der Schriftstücke Wert legten, erfolgte die Verzeichnung der Briefe nach Korrespondenzpartner, Datum und Hauptbetreff.

Für jeden Brief der allgemeinen Korrespondenz wurde eine Karteikarte mit folgenden Angaben angelegt:

Name des Absenders, Datum des Schriftstücks, Ort der Ausfertigung, Wiedergabe des Inhalts, Namen der genannten Personen und Stückbeschreibung.

Bedingt durch die Vielzahl der behandelten Themen geht die Beschreibung des Briefinhalts oft weit über den Hauptbetreff hinaus. Für Korrespondenzen, die sich auf ein einziges Thema beschränken, wurden Sammelregesten angefertigt.

Grundsätzlich sind alle in den Briefen vorkommenden Namen aufgeführt mit Ausnahme der Familienmitglieder, die meist nur im Zusammenhang mit Grüßen und guten Wünschen genannt werden.

Der Nachlaß enthält neben Familienfotos umfangreiches Bildmaterial vor allem zur christlichen Kunst und zum Kunsthandwerk des 20. Jahrhunderts.

Ein Teil der Bilder war bestimmt für die von Hoff geplanten, aber nicht abgeschlossenen Werke "Neues Kunsthandwerk in Deutschland" und "Werkkunstschulen, ihre Geschichte und ihre Aufgabe".

Da die Masse der Bilder lose und ohne erkennbare Ordnung in Kartons lag und nur ein kleiner Teil sich noch als Anlage bei den Briefen befand, konnten Fotos und Schreiben nur in seltenen Fällen miteinander verzahnt werden.

Ein Großteil der Fotos ließ sich mit Hilfe von Beschriftungen auf der Rückseite identifizieren.

Die Angaben beschränken sich in der Regel auf den Namen des Künstlers und den Werktitel. Vermerke zur Werkdatierung sind selten. Auf Formatangabe wurde verzichtet.

Die Namen der Fotografen wurden in einer gesonderten Liste erfaßt. Sie ist in der Registratur des Historischen Archivs unter dem Aktenzeichen 412101-2 (Best. 1408) greifbar.

Die Identifizierung der nicht beschrifteten Bilder erwies sich als sehr arbeitsaufwendig und zeitraubend.

In vielen Fällen gelang es, die Fotos mit Hilfe der vorliegenden Archivalien und der Literatur zu bestimmen.

Vor allem die Zeitschriften "Die Christliche Kunst" und "Das Münster", in denen Hoff viele Aufsätze veröffentlicht hat, waren dabei von großem Nutzen.

Einige Bilder ließen sich anhand des Fotoarchivs von Walter Dick identifizieren.

Von den ca. 2400 Fotos von 280 verschiedenen Künstlern konnten ungefähr 4/5 identifiziert werden.

Bilder von Kunstwerken, bei denen der Künstler sich nicht feststellen ließ, sind den einzelnen Kunstgattungen zugeordnet worden.

Hoffs Sammlung von über 1800 Diapositiven über Gegenstände der Architektur, Malerei, Bildhauerei und des Kunstgewerbes befindet sich seit 1965 im Rheinischen Bildarchiv.

Neben der Fotosammlung enthält der Nachlaß eine umfangreiche zweibändige Zeitungsausschnittsammlung, die chronologisch geordnet ist. Weitere im Bestand vorgefundene lose Zeitungsausschnitte wurden des schnelleren Zugriffs wegen thematisch abgelegt.

Hand in Hand mit der Verzeichnung wurden die wichtigsten konservatorischen Maßnahmen, d.h. die Umbettung und Entmetallisierung der Schriftstücke, vorgenommen. Akten, die sich in

Stehordnern beziehungsweise in Schnellheftern befunden hatten, wurden in die im Archiv gebräuchlichen Aktendeckel eingeheftet und damit fest formiert. Das nicht gelochte Schriftgut wurde in Aktenmappen eingelegt. Die bei der Ordnung entstandenen Einheiten erhielten eine laufende Nummer.

Für die sachliche Ordnung des Nachlasses boten sich die verschiedenen Tätigkeitsbereiche Hoffs an. Für die übrigen Unterlagen wurden vom Inhalt her Gruppen gebildet.

Nach Abschluß der Ordnungsarbeiten umfaßt der Bestand 6 Archivkartons mit Schriftgut, 4 Archivkartons und 5 großformatige Mappen mit Fotos, 2 große Bände mit Zeitungsausschnitten und 1 kleinen Karteikasten.

3. Benutzung

Für die Benutzung des Nachlasses zu Studienzwecken ist in jedem Einzelfall die Genehmigung der Leihgeber einzuholen.

Nach dem Ableben der Leihgeber ist der Nachlass für die allgemeine Benutzung frei zugänglich.

Köln, im Dezember 1998

Wilkes

II. Lebenslauf August Hoffs

August Hoff wurde am 16. September 1892 in Forbach in Lothringen geboren. Seine Jugend und Schulzeit verbrachte er in Krefeld, wo sein Vater städtischer Forsthüter war. Dort machte

er 1912 an der Oberrealschule sein Abitur.

Von 1912 bis 1915 und von 1918 bis 1921 studierte er in Bonn zuerst Naturwissenschaften und dann Kunstgeschichte. 1921 beendete er sein Studium mit der Promotion zum Doktor der Philosophie.

Von Februar 1915 bis Dezember 1918 war er Soldat, zuletzt Sanitätsfeldwebel.

Hoff wuchs bereits als Student in seinen späteren Aufgabenbereich hinein.

1920 veranstaltete er die erste Ausstellung neuerer christlicher Kunst im Obernier-Museum in Bonn und hielt Vorträge in Museen und Museumsvereinen.

Im gleichen Jahr organisierte er eine Thorn Prikker-Ausstellung im Kölnischen Kunstverein und im Herbst 1921 eine solche in Rotterdam. 1924 legte er eine Monographie über Thorn Prikker vor und ein Jahr später eine weitere Studie über seine Bedeutung für die neuere Glasmalerei.

1921 wurde ihm vom Auswärtigen Amt die Vorbereitung der deutschen Abteilung auf der Weltausstellung in Rio de Janeiro 1922 übertragen.

1922 trug Hoff für den Kölnischen Kunstverein wieder eine Ausstellung neuer kirchlicher Kunst zusammen, die erstmalig die Probleme des protestantischen wie des katholischen Kirchenbaus seiner Zeit darstellte. Im gleichen Jahr gehörte er der Dombauhüttenkommission der Gewerbeschau in München unter Peter Behrens an.

1923 wurde er zum Leiter der Internationalen Ausstellung für Glasmalerei und Mosaik in der Orangerie des Potsdamer Schlosses bestellt.

Anschließend war er als wissenschaftlicher und künstlerischer Beirat der Vereinigten Werkstätten für Glasmalerei und Mosaik Puhl & Wagner, Gottfried Heinersdorff, in Berlin-Treptow tätig, wo die Entwürfe von Thorn Prikker ausgeführt wurden und Hoff unmittelbaren Umgang mit den Arbeiten des Künstlers hatte.

Nach dieser gründlichen Vorbereitung in Ausstellungstechnik und Kunsthandwerk wurde er am 1. Oktober 1924 zum hauptamtlichen Leiter des Duisburger Kunstmuseums und Geschäftsführer des dortigen Museumsvereins gewählt.

Sehr schnell richtete er sein Streben auf den Ankauf von einzelnen modernen Werken und förderte die Kunst der Gegenwart durch monatliche Ausstellungen, Vorträge und Führungen. 1925 organisierte er eine Lehmbruck-Ausstellung, die großen Anklang fand. 1926 gelang es Hoff, das bis dahin wenig bekannte frühe Werk von Wilhelm Lehmbruck, sowohl Zeichnungen als auch Malereien, für das Museum zu erwerben. Danach wurden auch mehrere Bildhauerwerke angeschafft. Somit legte er den Grundstein für die einzigartige Wilhelm Lehmbruck-Sammlung.

Neben seiner Tätigkeit als Museumsleiter bekleidete Hoff von Ostern 1929 bis Ostern 1932 die Stelle eines Dozenten an der Staatlichen Kunstakadamie in Düsseldorf.

Ehrenamtlich richtete er in Hagen das städtische Kunstmuseum ein und verwaltete es bis 1933.

Trotz seiner Verpflichtungen als Museumsdirektor und Lehrer entfaltete Hoff eine reiche Vortragstätigkeit im In- und Ausland und fand auch noch Zeit für Publikationen, so über "Christliche Mosaikbildkunst" (1925). Vor allem aber muß seine Monographie über Dominikus Böhm (1930) genannt werden.

Am 1. Oktober 1933 wurde er aus angeblichen Sparmaßnahmen nach § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus seinem Duisburger Amt entlassen. Da er nur 9 Jahre in Duisburg tätig war, bekam er keine Pension.

Für Hoff brach eine schwere Zeit an. Er widmete sich nun vor allem der gründlichen Ausarbeitung von früher begonnenen Studien, u.a. seiner Studie über Wilhelm Lehmbruck (Berlin 1936).

Seine Vorträge wurden mehr und mehr auf konfessionelle Vereine beschränkt. Die Reichspressekammer untersagte ihm 1938 das Schreiben von Kritiken aus politischen Gründen. Seine Tätigkeit bestand seitdem in der Beratung vor allem kirchlicher Auftraggeber, in Gutachten und in der Zusammenarbeit mit den führenden Werkstätten für Glasmalerei und Mosaik von Hein Derix in Kevelaer und Wilhelm Derix in Kaiserswerth.

Noch im November 1942 wollte ihm die Reichskulturkammer diese Tätigkeit aus politischen und weltanschaulichen Gründen untersagen.

Im Zuge der über ganz Deutschland ausgedehnten Aktion der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Aufnahme der aus Luftschutzgründen geborgenen Glasmalerein von historischem Wert wurde Hoff 1942 vom Deutschen Verein für Kunstwissenschaft die Betreuung des rheinischen Materials übertragen.

Im letzten Kriegsjähr war er vom 7. September 1944 bis zum 28. Juli 1945 zum Militärdienst verpflichtet und abermals als Sanitätsfeldwebel eingesetzt.

Der Wiederaufbau des total zerstörten Deutschland brachte Hoff eine dankbare Aufgabe. Am 1. September 1945 übernahm er die Leitung der Kölner Werkschulen, und 1946 wurde ihm außerdem der Titel eines Professors zuerkannt. In dieser Zeit war nicht nur das Unterrichtswesen am Boden zerstört, sondern auch die Gebäude lagen in Schutt und Asche. Für Hoff galt es, ganz von vorne anzufangen.

Zwölf Jahre, bis zum 30.September 1957, war er Leiter der Kölner Werkschule, und durch sein organisatorisches Geschick, die Berufung von bedeutenden Lehrkräften wie Dominikus Böhm, Ludwig Gies und Elisabeth Treskow sowie durch Ausstellungen und Publikationen gelang es ihm in wenigen Jahren, ihr weithin Ansehen zu verschaffen und sie zu einer der führenden Schulen für angewandte Kunst zu machen.

Bei seiner Verabschiedung 1957 wurde Hoff das große Bundesverdienstkreuz verliehen. Papst Pius XII. ernannte ihn im Dezember 1957 wegen seiner Verdienste um die Förderung der christlichen Kunst zum Ritter des Silvesterordens.

1963 wurde er zum ausländischen Mitglied der "Koninklijke Vlaamse Académie voor Wetenschappen Letteren En Schone Künsten van Belgie" (Brüssel) gewählt.

August Hoff starb am 16. Februar 1971 in Köln.

III. Abkürzungen

Abb. - Abbildung(en)

Ausf. - Ausfertigung

beh. - behändigt

bes. - besonders

betr. - betreffend

Bl. - Blatt

ca. - circa

D. - Durchschlag

DGA - Duisburger Generalanzeiger

dt. - deutsch

DWB - Deutscher Werkbund

eh. - eigenhändig

eh.U. - eigenhändige Unterschrift

engl. - englisch

e.V. - eingetragener Verein

färb. - farbig

FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung

Frfr. - Freifrau

frz. - französisch

gedr. - gedruckt/e

gez. - gezeichnet

Halbs. - Halbseite

Hrsg. - Herausgeber

hs. - handschriftlich

Inh. - Inhaber

Jg. - Jahrgang

KNA - Katholische Nachrichten Agentur

KR - Kölnische Rundschau

KStA - Kölner Stadtanzeiger

KUK - Künstler-Union Köln

KV - Kölnische Volkszeitung

KZ - Kölnische Zeitung

MdL - Mitglied des Landtages

ms. - maschinenschriftlich

Ms. - Maschinenschrift

N.F. - Neue Folge

Nr. - Nummmer

NRZ - Neue Rhein Zeitung

NZ - Nationalzeitung

o.D. - ohne Datum

o.J. - ohne Jahr

o.U. - ohne Unterschrift

pers. - persönlich

Pseud. - Pseudonym

RMV - Rhein-Mainische Volkszeitung

RP - Rheinische Post

s. - siehe

S. - Seite

sign. - signiert

SS - Sommersemester

St. - Sankt

TH - Technische Hochschule

U. - Unterschrift

u.a. - unter anderem

unbez. - unbezeichnet

WAZ - Westdeutsche Allgemeine Zeitung

WRM - Wallraf-Richartz-Museum

Zs. - Zeitschrift

z.T. - zum Teil

Ztg. - Zeitung

Enthält u.a.:

Künstlerischer Beirat der Vereinigten Werkstätten für Glasmalerei und Mosaik Puhl & Wagner, Gottfried Heinersdorff, Berlin-Treptow, Vereinigte Süddeutsche Werkstätten, München (1914-1925);

Leitung des Kunstmuseums Duisburg: Reaktionen von Künstlern auf seine Entlassung im Jahre 1933;

Werbetätigkeit für die Firma Wilhelm Derix, Werkstätten für Glasmalerei und Mosaik, Kevelaer (1938-1951), Tätigkeit für den Deutschen Verein für Kunstwissenschaft in Berlin (1942-1946), Leitung der Kölner Werkschulen (1945-1953);

Maschinenschrifte, Kataloge, Gutachtertätigkeit, Bescheinigungen, Empfehlungen, Zeugnisse für verschiedene Künstler (1943-1968);

Tätigkeiten in Vereinen, Arbeitskreisen, Gesellschaften: Arbeitsgemeinschaft der Werkkunstschulen (1958-1965), Arbeitskreis für industrielle Formgebung (1953-1961), Deutsche Gesellschaft für Christliche Kunst e.V. München (1956-/1970), Deutscher Kunstrat e.V. (1954-1964), Deutscher Werkbund (1935), Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen - Gedok (1964-1965);

Henry van de Velde-Gesellschaft: Schriftwechsel mit Mitgliedern, Protokolle (1959-1970), Rat für Formgebung, Darmstadt (1957-1959), Verein Freunde der Kölner Werkschule e.V. (1957-1968);

Korrespondenz;

Unterlagen zu Leben und Werk von Künstlern;

Vorträge, Aufsätze, Schriften von Künstlern und Kunsthistorikern;

Zeitungsausschnitte, Rezensionen, Kritiken;

Fotos zur Person und Familie

Sperrvermerk : Gesperrt bis: 2100
Umfang : 12 Kartons
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