Kiepenheuer & Witsch Verlag



Signatur : Best. 1514


Inhalt :
1. Vorbemerkung

1.1. Geschichte des Verlags Kiepenheuer & Witsch

Als offizielles Gründungsjahr für den Verlag Kiepenheuer & Witsch gilt das Jahr 1949.

Am 1. Januar dieses Jahres bezog der Verlag sein erstes Büro in Hagen in Westfalen, und am 15. März folgte der Eintrag ins Handelsregister unter dem Namen Verlag Gustav

Kiepenheuer GmbH, Hagen. Der heutige Verlag Kiepenheuer & Witsch war ursprünglich ein Tochterunternehmen des Weimarer Gustav Kiepenheuer Verlags. Gustav Kiepenheuer und Joseph Caspar Witsch hatten den Plan, eine Dépendance des Weimarer Verlags im westlichen Nachkriegsdeutschland zu gründen, um den vermeintlich repressiven

Entwicklungen in der sowjetischen Besatzungszone entgehen zu können. Joseph Caspar Witsch sollte zunächst die Geschäfte im Westen führen und etablieren, Gustav Kiepenheuer wollte dann später in den Westen umsiedeln. Zu Kiepenheuers Umsiedelung

kam es nicht mehr: Er starb am 6. April 1949 im Alter von 69 Jahren. Zwischen seiner Witwe, Noa Kiepenheuer, und Joseph Caspar Witsch entbrannte in der Folge ein Streit über den Status des Hagener Tochterunternehmens, der erst im Jahr 1951 mit einem

Vergleich beigelegt wurde. Dieser Vergleich beschloß die völlige Trennung der beiden Verlagsgesellschaften. Zentrales Anliegen war dabei für Noa Kiepenheuer die Tilgung des Namens Gustav Kiepenheuer aus der Firmierung des Westverlags. Letztlich mußte sie sich allerdings mit der Tilgung des Vornamens Gustav begnügen, denn Joseph Caspar Witsch hatte angekündigt, Wolfgang Kiepenheuer, einen der Söhne von Gustav Kiepenheuer, in den Verlag aufzunehmen. Schließlich wurde im November 1951 im Handelsregister Köln - denn der Verlag war im Januar 1950 nach Köln umgezogen - der Verlagsname in Kiepenheuer, Witsch & Co. GmbH, Köln - Berlin geändert, heute weithin bekannt als Verlag Kiepenheuer& Witsch, Köln.

1.2. Lebensweg des Verlegers Joseph Caspar Witsch

Die Geschichte des Verlags Kiepenheuer & Witsch ist aufs engste mit dem Namen Joseph Caspar Witsch verbunden. Witsch lebte von 1906-1967. Er wurde als ältestes von fünf Kindern des Dachdeckers Christian Witsch und dessen Ehefrau Elisabeth in Köln-Kalk geboren. Der Tod des Vaters - er fiel im ersten Weltkrieg - und die allgemeine

wirtschaftliche Nachkriegssituation zwangen Joseph Caspar zum Abbruch seiner gymnasialen Schulausbildung. Ab 1921 arbeitete er bei der Stadtverwaltung Köln.

Ende der zwanziger Jahre absolvierte Joseph Caspar Witsch in Köln und Leipzig eine Ausbildung zum Diplom-Volksbibliothekar. Nach seinem Examen im Jahr 1931 erhielt er eine Anstellung als Bibliothekar in Köln.

Noch vor seiner Rückkehr nach Köln hatte er an der Universität Leipzig die Hochbegabtenprüfung abgelegt, woraufhin er sich an der Universität Köln für die Fächer Philosophie, Soziologie, Geschichte und Literaturgeschichte immatrikulierte. Dieses Studium schloß Witsch im Jahr 1935 mit einer Dissertation über Fichte ab.

1933 wurde er aus politischen Gründen aus dem Büchereidienst in Köln entlassen. 1936 allerdings wurde Witsch als Direktor der Ernst-Abbe-Bücherei und Leiter der Staatlichen Landesstelle für das volkstümliche Büchereiwesen nach Jena berufen. Ab 1942 absolvierte Witsch seinen Kriegsdienst als Flak-Soldat. Das Ende des zweiten Weltkriegs erlebte er in Italien.

Die sowjetische Besatzungsmacht bestätigte Joeseph Caspar Witsch in seinen Bibliotheksämtern und erweiterte darüber hinaus seine Zuständigkeit auf die wissenschaftlichen Bibliotheken. 1948 jedoch kam es zu einem Konflikt mit den Sowjets über ein neuse Büchereigesetz in der SBZ, in dessen Verlauf er in den Westen flüchtete.

Noch vor seiner Flucht in den Westen hatte Witsch mit dem Verleger Gustav Kieoen heuer in Weimar über die Gründung einer gemeinsamen Verlagsgesellschaft im Westen verhandelt. Witschs Motivation hierzu gründete zum einen in dem sich verschärfenden politischen Klima unter den sowjetischen Befehlshabern und zum anderen in der Überlegung einer Neubegrundung seiner beruflichen Existenz mit Hilfe des renommierten

Gustav Kiepenheuei: Verlags. Dieser genoß vor allem in den zwanziger großes Ansehen. Gottfried Beim, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Marieluise Fleißer, Hans Henny Jahnn, Joseph Roth, Ernst Toller und Arnold Zweig sind nur einige Autoren, deren Werke in dieser Zeit im Gustav Kiepenheuer Verlag erschienen. Die Nationalsozialisten zwangen den Verlag unmittelbar nach der Machtübernahme zur Liquidation.

Die Zeit der nationasozialistischen Herrschaft überlebte der Verlag nach der Neugründung lediglich mit einem stark reduzierten Programm.

Ende 1948 schlossen Gustav Kiepenheuer und Joseph Caspar Witsch den Gesellschaftsvertrag für den Verlag Gustav-Kiepenheuer GmbH, Hagen. Im Januar 1949 nahm das Hagener Tochterunternehmen offiziell seine Arbeit auf. Joseph Caspar Witschs Karriere als Verleger hatte damit begonnen. Innerhalb kurzer Zeit war der ehemalige Beamte freier Unternehmer geworden. Bis zu seinem Tod im Jahr 1967 bewies er sowohl Geschäftstuchtigkeit als auch verlegerisches Geschick. Darüber hinaus engagierte sich Witsch in der Verbandsarbeit und schaltete sich immer wieder in allgemeine öffentliche Diskussionen ein.

Zwei Jahre nach Witschs Tod wurde dessen Schwiegersohn Dr. Reinhold Neven Du Mont zusammen mit seiner damaligen Frau Annette Neven Du Mont geborene Witsch, zum Alleininhaber des Verlags Kiepenheuer & Witsch .

1.3. Übernahme des Bestandes

Der Bestand 1514, ein Teil des Archivs des Verlags Kiepenheuer & Witsch kam im Rahmen der "Dokumentation Kölner Kultur nach 1945" in das Historische Archiv der Stadt Köln. Im Mai des Jahres 1990 nahm der damalige leitende Stadtarchivdirektor, Prof. Dr. Hugo Stehkämper, erstmals Kontakt mit dem Inhaber des Verlags Kiepenheuer & Witsch, Dr. Reinhold Neven Du Mont, auf. Nach mehrjährigen Verhandlungen kam es schließlich im Oktober des Jahres 1993 zum Abschluß eines Vertrags zwischen dem Verlag und dem Historischen Archiv. Im Sommer des darauffolgenden Jahres wurden ca. 800 zum Teil durch Feuchtigkeit m Mitleidenschaft gezogene Stehordner aus dem Verlagsarchiv im Magazin des HAStK als Leihgabe deponiert.

1.4. Verzeichnung

Bei der Verzeichnung der Akten wurde u.a. die Absicht verfolgt, die verschiedenen Teile des Bestandes zu inhaltlichen Gruppen zusammenzustellen. Hierbei stellte vor allem die grundsätzliche Organisationsstruktur eines Verlagsunternehmens (Redaktion / Lektorat,

Herstellung, Vertrieb) ein maßgebliches Kriterium dar. Die auf den ersten Blick vielleicht heterogen anmutende Verzeichnungsintensität hat sich aus dem Konflikt ergeben, sich einerseits mit einer bloßen Titelaufnahme nicht zufriedengeben zu wollen und andererseits eine durchgängig tiefgehende Verzeichnung aus Zeitgründen nicht leisten zu können. So ergab sich diese Art einer partiell intensiveren Verzeichnung, um sozusagen querschnitthaft ein größeres Maß an Transparenz zu erzielen.

1.5. Benutzung

Bei der Benutzung des Bestandes ist zu beachten, daß der Vorgang des Archivierens, des Registratur-Bildens ein dynamischer Prozeß ist, da er immer an Personen gebunden ist und diese im Lauf der Zeit wechseln. Gerade da, wo keine Fachkräfte tätig sind, hat das Regelsystem häufig keinen Gesetzescharakter und verändert sich mit den individuellen Vorstellungen des jeweiligen Archiv-Betreuers. So erklärt sich zumindest teilweise die Unvollständig- bzw. Kurzfristigkeit von einzelnen Serien. Es erklärt sich aber auch die Notwendigkeit für den Benutzer, mindestens auch immer nach einer zweiten möglichen Fundstelle innerhalb des Bestandes zu fragen. Ein Vorgang in Zusammenhang mit den Münchener Kammerspielen z.B. kann in der Allgemeinen Ablage sowohl unter M als auch unter K abgelegt sein. Ebenso ist Korrespondenz in Zusammenhang mit der Zeitschrift Merkur sowohl unter M als auch unter P wie Hans Paeschke, einer der Gründer des Merkur, zu finden. Auch wenn ab einem bestimmten Zeitpunkt die Korrespondenz mit bestimmten Partnern aufgrund ihrer Intensität separat gesammelt wurde, wie z.B. die Korrespondenz mit dem Deutschen Taschenbuch Verlag, der Vertriebsgemeinschaft Bücherder Neunzehn oder der Phaidon Press Ltd. London, heißt das nicht, daß Vorgänge in Zusammenhang mit diesen Korrespondenzpartnern ausschließlich in den nach ihnen benannten Nummern zu finden sind. Dasselbe gilt für die Korrespondenz, die die Abteilungen des Lektorats geführt haben. Bei den Rezensionen ist daraufhinzuweisen, daß die alphabetische Sortierung lediglich im großen und ganzen eingehalten wurde. Das sind nur einzelne Beispiele, die die Unregelmäßigkeiten im vorliegenden Bestand verdeutlichen

sollen.

Die Benutzung des Bestandes durch Dritte ist grundsätzlich

nur mit Genehmigung des Verlages möglich.

1.6. Literaturangaben

1.6.1. Publikationen des Verlags

Joseph Caspar Witsch. Briefe 1948-1967, hg.v. Kristian Witsch, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1977

Gratulatio für Joseph Caspar Witsch zum 60. Geburtstag am 17. Juli 1966, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1966

Joseph Caspar Witsch. 17. Juli 1906 - 28. April 1967 (Sammlung von Nachrufen zum 1. Jahrgedächtnis)

Kiepenheuer & Witsch 1949-1974, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1974

40 Jahre Verlag Kiepenheuer & Witsch 1949-1989, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1989 KiWi-Lesebuch: Die 50er Jahre, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1989 dito: Die 60er Jahre, Die 70er Jahre, Die 80er Jahre

1.6.2. Publikationen Dritter

Eichberger, Wolfgang: Es begann mit einem illustrierten Märchen. 25 Jahre Kiepenheuer & Witsch, in: Kölner Stadt-Anzeiger vom 20.9.1974

Hartmann, Rainer: Verlegte 5 Nobelpreisträger, in: Kölner Stadt-Anzeiger vom 30.11.1982

Hexelschneider, Gerd: Joseph Caspar Witsch als Volksbibliothekar in den Jahren 1936 bis 1942, in: Buch und Bibliothek, 44 (1992) 5, S. 436-443

ders.: Neues zu Joseph Caspar Witsch, in: Buch und Bibliothek, 46 (1994) 1, S. 94-96

Hohenstein, Angelika: Joseph Caspar Witsch und das Volksbüchereiwesen unter nationalsozialistischer Herrschaft, Buchwissenschaftliche Beiträge aus dem deutschen Bucharchiv München, Band 40, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 1992

Labonté, Eva: Der Verlag Kiepenheuer & Witsch - Geschichte, Programm und Autoren, Magisterarbeit im Fach Germanistik JJ: Neuere deutsche Literatur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Thilo, Martin: Joseph Caspar Witsch, in: Bücherei und Bildung, Nr. ?, 1967, S. 419-420

Waller, Klaus: Eine Insel im Verlagswesen, in: Buchmarkt, 11/85, S. 76-84

Bücher aus Köln, in: Köln, Vierteljahresschrift, 4/1965

Erfolge mit Pharma-Titeln ..., in: Buchreport, Nr. 30 vom 26.7.1984

Mit "Ganz unten" nach ganz oben und nun?, in: Börsenblatt, Nr. 36 vom 6.5.1986 S. 1360-1365

Initiative zur Herausgabe von Salman Rushdie, in: Buchreport, Nr. 11 vom 16 3 1989 S.48

Kiepenheuer & Witsch schwört auch in den 80er Jahren auf langfristigen Aufbau seiner Autoren, in: Buchreport, Nr. 15 vom 15.4.1983

Streit um Verlagsrechte bei Biermann-Titel, in: Buchreport, Nr. 17 vom 28.4.1978

Die Trilogie des Joseph Caspar Witsch. Progressiv im Konservativen: Der Verlag Kiepenheuer und Witsch in Köln, in: Neue Presse vom 30.9.1965

Verlag des Jahres, in: BuchMarkt 2/1986

Herr Witsch aus Weimar, in: Focus, Heft 11/1993

Köln, Dezember

Enthält:

Handakten Joseph Caspar Witsch betr. Korrespondenz mit Autoren, Verlagen, Literaturagenten, Übersetzern, Buchhandlungen, Buchgemeinschaften, Bücher der Neunzehn, Vereinen, Verbänden, Behörden, Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehanstalten, Lesern und Stellenbewerbern (chronologische Ablage A-Z, 1948-1967, 84 Akten);

private Korrespondenz in persönlichen, auch häuslichen, nicht verlagsbezogenen Angelegenheiten (chronologische Ablage A-Z, 1950-1959);

Unterlagen Reinhold Neven DuMont betr. Beirat des Verlags Kiepenheuer & Witsch (1967- 1968), Korrespondenz, ausschließlich ausgehende Schreiben, mit Buchhandlungen, Verlagen, Buchgemeinschaften, Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehanstalten, Autoren (1969-1970);

Reisen, Reden, Interviews (1968-1976);

Mitgliedschaften in Vereinen, u.a. P.E.N. Zentrum Bundesrepublik Deutschland, amnesty international, Deutscher Kinderschutzbund, XSCREEM. Kölner Studio für unabhängigen Film (1968- 1985);

Empfänge (1959, 1965-1970);

Allgemeine Korrespondenz des Verlags und der verschiedenen Abteilungen mit Autoren und Verlagen (auch Phaidon Press Ltd. London und dtv), Literaturagenturen, Übersetzern, Druckereien, Speditionen, Buchhandlungen, Buchgemeinschaften, Bücher der Neunzehn, Vereinen, Verbänden, Kulturinstituten, staatlichen/kommunalen Behörden, Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehanstalten (chronologische Ablage A-Z, 1948-1970);

Korrespondenz des Verlags, auch von Joseph Caspar Witsch, mit Phaidon Press Ltd. London (1952-1966);

Unterlagen des deutschsprachigen Lektorats: Korrespondenz (1957-1971), Gesamtausgabe Josef Roth (1919-1975), Korrespondenz betr. Studien-Bibliothek (1965-1978), dsgleichen betreffend Neue Wissenschaftliche Bibliothek (1965-1974);

Unterlagen des fremdsprachigen Lektorats: Korrespondenz mit ausländischen Verlagen betr. Drucklizenzen (1949-1970), Belletristik (1949-1988), Sachbuch (1965-1972), Korrespondenz mit Übersetzern (1969- 1976);

projektbezogene Korrespondenz u.a. betr. Übernahme von Buchreihen, Erstellung von Anthologien, u.a. Wochenende, hrsg. v. Dieter Wellershoff, Western Saga hrsg. v. Herbert Frenzel, auch nicht realisierte Projekte (1960-1978);

Kaufmännische Korrespondenz, Verträge (1955-1958, 1969);

Korrespondenz des Verlags betr. Mitgliedschaften, u.a. Deutscher Taschenbuch Verlag, Bücher der Neunzehn, Verband schöngeistiger Verleger e.V., Verwertungsgesellschaft Wort, Vereinigte Verlagsauslieferung, Verlegerausschuß im Börsenverein des deutschen Buchhandels, Verein für Verkehrsordnung im Buchhandel e.V. (1958-1979);

Korrespondenz betreffend Vertrieb (1963-1968), Werbemittel, Verlagsprogramme, Ankündigungen von Neuerscheinungen, Einladungen zu Lesungen, Anzeigen, Plakate, Postkarten (1970-1977);

Schutzumschläge (teils Reproduktionen, Entwürfe), Abbildungen, Autorenbilder;

Anfragen, Versand von Rezensionsexemplaren (1964-1970);

Sammlung von Rezensionen A-Z.

Nachlieferung von Frank Möller 33/2008 Manuskripte, "Die Kiepe", Fotos, Werbung unverzeichnet

Sperrvermerk : Gesperrt bis: 2100
Umfang : 67 m
Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken