Kölner Bürgergesellschaft AG/Bürgergesellschaft Köln von 1863



Signatur : Best. 1496


Inhalt :
I. Vorbemerkung:

Die Gesellschaftsunterlagen der Kölner Bürgergesellschaft AG wurden am 20.9.1993 vom Historischen Archiv der Stadt Köln übernommen, unter Nr. 2192/93 akzessioniert und im Rahmen eines Praktikums von Herrn Stefan Krumbiegel geordnet und verzeichnet. Die Schlussredaktion übernahm die Unterzeichnete. Die unter den Papieren der Aktiengesellschaft vorgefundenen Akten der Bürgergesellschaft Köln von 1863 finden sich am Schluss des Verzeichnisses.

Der geordnete Bestand umfaßt 13 Archivkartons, fünf umfangreiche Amtsbücher und zwei große Aktenmappen. Die wissenschaftliche Benutzung und Auswertung der Unterlagen bedarf der schriftlichen Genehmigung der Kölner Bürgergesellschaft AG. und / oder der Bürgergesellschaft Köln von 1863, Unter Goldschmied 9, 50667 Köln.

II. Zur Geschichte der Kölner Bürgergesellschaft AG:

Die Entwicklung in Industrie und Handel Anfang des vorigen Jahrhunderts brachte den städtischen Bürgern auch einen neuen Lebensstil. Bedingt durch das größere Selbstvertrauen wollte man sich auch außerhalb der engen Wohnungen zu gesellschaftlichen Anlässen verschiedenster Art zusammenfinden. Das geschah zunächst in Sälen und Restaurationsräumen, bis dann der Wunsch immer größer wurde, sich eigene Casinos und Clubhäuser zu bauen, um unabhängig von der Gunst fremder Saaleigentümer zu sein. Den 1. Schritt hierzu tat in Köln die bereits 1809 gegründete "Casinogesellschaft" im Jahre 1831. Ihr folgten 1852 die Kolpingfamilie, 1858 die Loge "Minerva Rhenana", 1862 die Gesellschaft "Erholung" und 1893 die "Bürgergesellschaft Köln von 1863".

Das von der Bürgergesellschaft gemietete Haus "am Domhof 8" war für die ständig wachsende Mitgliederzahl inzwischen zu klein geworden. Um nun das "Neben Du Mont'sche Etablissement" in der Röhrergasse 21, dessen Besitzer gestorben war, zum Preis von 227.000 Mark zu erwerben, gründete der Vorstand der Bürgergesellschaft am 19.4.1893 die "Kölner Bürgergesellschaft, Aktiengesellschaft (Vereinshaus und Weinhandel)". Das vorgesehene Grundkapital von 200.000 Mark wurde bald überzeichnet und betrug nach 7 Monaten 270.000 Mark. Das vereinseigene Weingeschäft ging ebenfalls an die Aktiengesellschaft über.

Da die Bürgergesellschaft durch die Kölner Bürgergesellschaft AG nun rechtskräftig vertreten werden konnte, ging der Kauf des neuen Hauses bald vor sich. Innerhalb von 5 Monaten wurde das Wohnhaus zum Gesellschaftshaus umgebaut. Ein Jahr später konnte der Festsaal eröffnet werden. Die Restaurationsräume wurden 1895 für Jedermann zugänglich gemacht und die beiden Säle sowie die 4 verschiedenen Räume einschließlich Kegelbahn auch an andere Vereine vermietet. Ebenso wurden einige Veranstaltungen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, so ab 1894 Winterkonzerte unter Leitung des königlichen Musikdirektors Max Granzow mit seinem Musikzug des 53. Infanterieregiments.

Das neue Heim erwies sich aber bald als zu klein. Man erwarb Nachbargrundstücke und erhöhte das Aktienkapital. Neben den alten Bau setzte man einen neuen, viel größeren, mit Front zum Appellhofplatz. Erbauer war der Architekt Karl Moritz. Am 16.1.1901 fand die Einweihung des größten Hauses statt, das je eine Bürgergesellschaft in Deutschland besaß. 1905 konnte das Haus Appellhofplatz 28, 1908 das Haus Burgmauer 31 dazu erworben werden. Der Versuch, weitere nördlich gelegene Grundstücke und Gebäude zu erwerben, um einen zweiten größeren Erweiterungsbau zu errichten, scheiterte an der Hartnäckigkeit anderer Besitzer. Man änderte den Plan und baute das Haus Röhrergasse neu. Am 1. April 1912 wurde mit dem Abbruch begonnen. Schon am 27.1.1913 war es wieder bezugsfertig. Nun war das erste Haus dem zweiten angeglichen und ein Ganzes geworden. Die 13 Säle und Sälchen konnten mühelos bis zu 9000 Menschen aufnehmen. 1925 wurde noch das Haus Röhrergasse 17a angekauft.

Als man nach dem zweiten Weltkrieg an einen Wiederaufbau des erheblich beschädigten Hauses dachte, waren die eigenen Mittel sehr geschrumpft. Deshalb sah sich der Aufsichtsrat genötigt, als Übergangslösung Pächter zu nehmen. Ende 1945 kam der Vertrag zustande, wonach der Pächter die Gaststätte und den Vortragssaal instandsetzen sollte und hier eine Restauration mit Kabarett betreiben wollte. Die Gaststätte trug fortan den Namen "Bavaria-Palast", der Vortragssaal die Bezeichnung "Bavaria-Casino". Im März 1946 schloß man einen weiteren Vertrag mit der neuen "Imperial-Lichtspiel-GmbH" Köln ab, wonach der große Saal und die angrenzenden Ruinen in ein Kinotheater umgebaut werden sollten. Mit Freude verfolgte man die Wiederherstellung des Saales, der später - etwa nach 10 Jahren - wieder an die Kölner Bürgergesellschaft zurückgegeben werden sollte. Dem Lichtspieltheaterinhaber gelang es in der ersten Zeit, Material zu bekommen. Dann ebbte es ab. Mit dem Tag der Währungsreform, dem 20. Juni 1948, gingen ihm auch noch die Geldmittel aus. Der Vertrag mit dem Gaststättenpächter fand, bedingt durch eine Räumungsklage, 1947 sein Ende.

Mit dem neuen Pächter tätigte man einen Vertrag, der die Gaststätte wieder als "Restaurant der Kölner Bürgergesellschaft AG" herausstellte. Die Tradition der guten Bürgerküche fand mit dem 13. Januar 1948 ihre Fortsetzung. Nun erhielt auch das gesellige Leben der Bürgergesellschaft einen spürbaren Auftrieb. Der Aufbau des Saales ging kaum merklich weiter. Nachdem friedliche Verhandlungen des Aufsichtsrates nicht fruchteten, blieb nur noch der Prozess. Er zog sich 3 Jahre hin und wurde durch Vergleich beendet. Inzwischen beanspruchte die Stadt einen Teil des östlich gelegenen Grundstücks für die geplante Nord-Süd-Fahrt. Die Übereignung von 1200 qm dauerte auch wieder 1 1/2 Jahre.

Weil die Rundfunk- und Fernsehverwaltung immer mehr Platz für ihre riesigen Verwaltungsgebäude, Studios und Archive benötigte, verkaufte die Kölner Bürgergesellschaft zum 31.3.1957 Haus und Grundstück und kaufte hierfür ein bereits enttrümmertes Grundstück an der Ecke Unter Goldschmied / Laurenzplatz, unmittelbar gegenüber dem Rathaus. Man kam so zu flüssigem Kapital und hatte darüber hinaus noch den Vorteil, einen Neubau zu errichten. Das Pachtverhältnis mit dem Gastronom war inzwischen durch den Tod des Pächterehepaares erloschen. Am 1. Dezember 1959 konnte das neue Haus in Betrieb genommen werden. Das Hotel erhielt der Überlieferung des Bauviertels gemäß, dem Senatorenhügel der Römerzeit, die Bezeichnung "Senats-Hotel". Aus wirtschaftlichen Belangen heraus entstand die "Senats-Hotel GmbH" als Betriebsgesellschaft. Sie ist eine 100 % ige Tochter der "Kölner Bürgergesellschaft, Aktiengesellschaft".

Köln, im Juni 1997

Bearbeiterin: Mechtild Wilkes

III. Enthält:

1) Kölner Bürgergesellschaft AG:

Gründung der AG, Statuten, Satzungen (1893-1928);

Aktienbücher (1890-1950), Aktionärsverzeichnisse (ca. 1910-1950);

Protokolle über ordentliche (1894-1932) und außerordentliche Generalversammlungen (1893-1901);

Protokollbücher des Aufsichtsrates (1893-1957);

Sitzungsprotokolle des Prüfungsausschusses (1949-1952);

Schriftwechsel mit Aktionären betreffend u.a. Übertragung, Umtausch von Aktien (1949-1952);

Schriftwechsel mit Kreditinstituten betreffend Darlehen (1942-1955);

Bilanzen (1908-1947);

Inventur- und Bilanzbuch (1944-1958);

Währungsumtausch (1948);

Erwerb, Tausch, Verkauf, Hypotheken betreffend Grundstücke (1885-1957);

Gesellschaftshaus Appellhofplatz: Kriegsschäden, Wiederaufbauplanung (1941-1956), Miet- und Pachtangelegenheiten (1945-1956), Prozesse (1946-1953);

Neubau des Senatshotels (1956-1966);

Steuerangelegenheiten (1937-1958);

Buchhaltung (1949- 1957), Löhne und Gehälter (1948-1965);

2) Bürgergesellschaft Köln von 1863:

Satzungen (1929-1948);

Protokollbücher über Sitzungen des Vorstandes, der Ballotage-Kommission, der Generalversammlungen, auch des Festausschusses (1873-1960);

Schriftwechsel mit Mitgliedern (1950-1952);

Stiftungsfeste (1953, 1963);

Weihnachts-, Familienfeste, Karnevalsveranstaltungen, auch Presseberichte (1869-1970);

Druckschriften, Zeitungsausschnitte (1906-1984);

Fotografien betreffend Grundsteinlegung, Einweihung des Senatshotels (1958-1959).

Sperrvermerk : Gesperrt bis: 2014
Umfang : 14 Kartons
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