Kölner Verein Mädchengymnasium / Frauenstudium



Signatur : Best. 1067


Inhalt :
1. Geschichte der Vereine

In Preußen gab es für Mädchen bis 1909 keine städtische oder staatliche Schule, die zur Hochschulreife führte. Die Töchterschulen hatten sowohl andere Lehrpläne als auch andere -ziele als die Knabengymnasien. Zwar ließen seit 1899 alle Universitäten Frauen als Hörerinnen zu, jedoch konnte Preußen sich nur schwer dazu entschließen, den Mädchen die gleiche Schulausbildung wie den Knaben zukommen zu lassen.

Helene Lange hatte als erste Kurse eingerichtet, die zur Hochschulreife führten. Sie wurden von Frauen besucht, die die Töchterschule oder Privatunterricht absolviert hatten. Die fehlenden Kenntnisse mußten die Schülerinnen in 3 - 4 Jahren nachholen; das heißt, die Abiturientinnen waren vielfach älter als 20 Jahre.

Der Kölner Verein Mädchengymnasium hatte sich das Ziel gesetzt, ein vollständiges, neunklassiges Mädchengymnasium einzurichten, um den Mädchen Gelegenheit zu geben, in der gleichen Zeit wie die Knaben die Hochschulreife zu erlangen. Vorbild war das vom Frauenverein Reform gegründete Mädchengymnasium in Karlsruhe. Nach Vorbesprechungen begannen die Vereinsmitglieder im Jahre 1899 ihre Aktivitäten zur Gründung eines Mädchengymnasiums: sie sammelten Gelder, gewannen Freunde und Förderer und nahmen Kontakt zu den zuständigen Behörden auf. Nach mehreren vergeblichen Eingaben erlaubte der preußische Unterrichtsminister dem Kölner Verein schließlich, 1903 ein sechsklassiges Gymnasium einzurichten, das Mädchen ab vollendetem 12. Lebensjahr aufnehmen konnte. Die Kölner Schule war damit das erste Mädchengymnasium in Preußen. Die Vereine in anderen preußischen Städten hatten sich weiterhin mit der Einrichtung von "Kursen" begnügt, weil sie den Widerstand des Staates für unüberwindlich gehalten hatten.

Da der Kölner Verein einige Mädchen in einer Familienschule vorbereitet hatte, konnten 1905 bereits die ersten Schülerinnen des Mädchengymnasiums das Abitur ablegen. In den ersten Jahren mussten sich die Schülerinnen allerdings als Externe in Knabengymnasien prüfen lassen.

Mathilde von Mevissen war im Verein Madchengymnasium die treibende Kraft, ja man kann sagen, ohne sie und ihren Mitstreiter, Archivdirektor Joseph Hansen, wäre das Gymnasium nicht zustande gekommen. Sie korrespondierte über Fragen der Mädchenbildung mit zahlreichen engagierten Frauen aus ganz Deutschland; viele von ihnen, wie Helene Lange oder Minna Cauer zum Beispiel, kannte sie persönlich.

Mathilde von Mevissen stiftete außerdem erhebliche Summen für die Schule und mietete das erste Schulgebäude am Apostelnkloster an.

Josef Hansen verfaßte nach Rücksprache mit den anderen Vereinsmitgliedern nicht nur die Eingaben an das Ministerium, sondern führte ebenso wie Mathilde von Mevissen auch persönliche Gespräche in den zuständigen Behörden in Koblenz beziehungsweise Berlin.

Nach der Schulreform von 1908 übernahm die Stadt Köln nach heftigen Debatten im Stadtrat die Schule.

Nachdem der Verein sein Ziel erreicht hatte, wandelte er sich 1909 in den Verein Frauenstudium (vormals Mädchengymnasium) um und widmete sich neuen Aufgaben. Erdachte sich die Förderung des Frauenstudiums zum Programm und vergab Stipendien. Hierbei kam ihm eine Erbschaft von Pauline Christmann zugute, aber auch andere Gönner finanzierten Studienbeihilfen. Die Inflation vernichtete allerdings später das Vermögen des Vereins. Wann genau der Verein seine Tätigkeit eingestellt hat, geht aus den vorliegenden Akten nicht hervor. Das Jahr 1933 hat er nicht überlebt.

Sowohl der Verein Mädchengymnasium als auch der aus ihm hervorgegangene Verein Frauenstudium hatte stets sehr gute Beziehungen zum Stadtarchiv; im Archivgebäude am Gereonskloster 12 ist er nämlich gegründet worden. Archivdirektor Joseph Hansen war Mitglied im Vorstand. Seine Frau, Johanna Hansen, führte lange Jahre hindurch den Verein Frauenstudium als Vorsitzende. Stadtarchivar Hermann Keussen war Mitbegründer des Vereins Frauenstudium, Archivsekretär Philipp Nottbrock fertigte die Reinschriften der Eingaben an das Ministerium (die Bearbeiterin kennt seine Schrift).

2. Registratur und Ordnungsverfahren

Die meisten Akten lagerten als Bestand 1067, Kölner Verein Frauenstudium (vormals Mädchengymnasium) in 8 übervollen Kästen im Magazin.

Wann genau sie ins Archiv gelangten, läßt sich nicht mehr feststellen. Möglicherweise lagerten einige Akten des Vereins Madchengymnasium von Anbeginn an hier, - kein Wunder bei den guten Beziehungen. Eine Findliste verzeichnet allerdings nur 14 Akten des Vereins Frauenstudium, 8 Akten der Pauline-Christmann-Stiftung sowie 1 Akte "Feierliche Begebenheiten 1924/25 ". Außer dieser Liste gab es kein Verzeichnis. Lediglich Heft 47 der Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln (1963) enthält eine kurze Übersicht über den Bestand.

Einige Akten waren bereits ordentlich gebunden (Fadenheftung), die meisten jedoch fanden sich in der unterschiedlichsten Formierung: sie lagen in Mappen oder Briefumschlägen, lose in einem großen Vorordner oder mit Seidenbändchen verschnürt. Manchmal waren gebundene Akten mit losen Dokumenten angereichert. Oft mußten erst einmal Akten gebildet werden. Kurz: es herrschte große Unordnung.

Bei der ersten Durchsicht stellte sich heraus, daß der Bestand nicht nur die Akten der Vereine Mädchengymnasium beziehungsweise Frauenstudium enthielt, sondern sowohl mit Schriftwechsel Mathilde von Mevissens zu verschiedenen Frauenfragen als auch mit Unterlagen anderer Vereinsmitglieder, die häufig gleichzeitig in mehreren Vereinen aktiv waren, angereichert war. Deshalb wurden die Akten zunächst grob vorsortiert und in 3 Gruppen (Mädchengymnasium, Frauenstudium, andere Vereine et cetera) unterteilt. Es empfahl sich, die Akten nicht in verschiedene kleinere Bestände aufzuteilen, da sie zum Teil durchgängig geführt worden sind (die Mitglieder der Vereine Mädchengymnasium sowie Frauenstudium waren zum großen Teil dieselben). Außerdem hätte dann das Sammlungsgut noch gesondert verwahrt werden müssen.

Einige Akten sind erst in den Jahren 1989 und 1990 zum Bestand genommen worden. 3 größere Kartons Akten lagerten als Nachlaß Mathilde von Mevissen in der Universitätsbibliothek. Weitere Akten sind dann später bei Aufräumungsarbeiten von Dr. Quarg aufgefunden und ebenfalls dem Archiv übergeben worden (acc. 1792 und 1877).

Den damals noch ungeordneten Anhang des Nachlasses Gustav von Mevissen hatte ich durchgesehen und diejenigen Akten zum Bestand 1067 genommen, die zu den Vereinsakten gehören. Zwei weitere Akten sind im Dezember 1990 noch vom Bearbeiter des Nachlasses Mevissen, Dr. Groten, abgegeben worden. Im Verzeichnis ist bei den betreffenden Akten der frühere Lagerungsort angegeben.

Die Form der Verzeichnung variiert. Meist ist die der Analyse gewählt worden, insbesondere wegen der zahlreichen im Bestand vorhandenen Briefe. Die Bündel waren gelegentlich beschriftet, jedoch stimmte die Beschreibung mit dem tatsächlichen Inhalt nicht immer überein. Der alte Aktentitel ist - durch Anführungszeichen gekennzeichnet - nur dann beibehalten worden, sofern er über den tatsächlichen Inhalt eine Aussage macht. Außer Inhalt und Datum ist der Umfang der Akte angegeben. Die meisten Schriftstücke sind handschriftlich, mit Tinte durchweg auf gutem Papier geschrieben.

Vervielfältigungen und Drucke sind eher die Ausnahme. Die Papierformate, insbesondere der zahlreichen Privatschreiben sind von größter Vielfalt - meist kleiner als A 4 - und entsprechen nicht den heutigen Normen. Behördenschreiben haben vorwiegend Folio- Format.

Die Archivalien stammen vorwiegend aus der Zeit von 1899 bis etwa 1924, in der die Vereine Mädchengymnasium beziehungsweise Frauenstudium aktiv waren. Nur wenige frühere beziehungsweise spätere Unterlagen finden sich bei den Akten. Dabei handelt es sich um private Unterlagen Mathilde von Mevissens.

Der Bestand umfaßt 343 Akten in 14 Kästen sowie 1 Mappe mit vier Bildern. In dieser Mappe (schwarz mit silbernem Aufdruck "Erinnerungen an meinen Theuern Vater, geboren 20. Mai 1815, gestorben 13. Aug. 1899") fanden sich auch die Archivalien Nr. 315-320, die aus lagerungstechnischen Gründen entnommen wurden.

Nicht erhalten sind Schülerlisten oder Zeugnislisten des Mädchengymnasiums.

Diese Akten sind möglicherweise nach der Übernahme der Schule durch die Stadt abgegeben worden und müssen, wie die Akten der Schule, zu den Kriegsverlusten gerechnet werden. Die Namen der Schülerinnen, die in der Zeit von 1903-1908 Schulgeld bezahlten, sind im "Kassenbuch" (1067/91) erhalten. Die Namen der Abiturientinnen hat Johannes Kreutzer in seiner Schulgeschichte aufgelistet.

Die im Jahre 1986 begonnene Verzeichnungsarbeit zog sich über mehrere Jahre hin. Eine erste Unterbrechung von einigen Monaten erfolgte, um den Fortgang der Aufräumarbeiten in der Universitätsbibliothek und einen eventuellen Aktenzugang abzuwarten. 1988 mußte die Erstellung des Findbuchs jedoch wegen einer anderen Arbeit ganz abgebrochen werden. 1989 konnte Monika Voigt den größten Teil des Findbuchs schreiben. Die Nachträge und Korrekturen wurden erst 1993 erledigt. Die abschließenden Arbeiten (Einleitung, Register, Konkordanz) konnten schließlich mit PC und Software der Heinrich-Böll-Stiftung erledigt werden.

Köln, den 10. Mai 1994, M. Fäuster

3. Quellen zur Geschichte der Vereine beziehunsgweise der Schule

Die Akten der Studienanstalt, der Merlo-Schule und auch die der Kaiserin-Augusta-Schule vor 1945 sind - soweit sie nicht schon vorher verloren gingen - im Weltkrieg fast vollständig vernichtet worden.

a) Historisches Archiv der Stadt Köln:

Chroniken und Darstellungen 511 und 511a

Bestand 551 (einige wenige, sehr dünne Akten)

b) Hauptstaatsarchiv Düsseldorf: Regierung Köln, Nr. 7404

c) Landeshauptarchiv Koblenz: Bestand 405. Unter der Bezeichnung "Merlo-Mevissenschule" sind dort auch die Akten über das Mädchengymnasium vor 1924 abgelegt.

d) Noch nicht überprüft wurde, ob Akten des zuständigen preußischen Ministeriums erhalten sind.
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