Ludwig, Gerhard



Signatur : Best. 1431


Inhalt :
Ludwig, Gerhard, 1909-1994, Buchhändler, Besitzer einer Kette von Bahnhofsbuchhandlungen.

1. Übernahme des Nachlasses

Der Nachlass des Bahnhofbuchhändlers Gerhard Ludwig (1909-1994) kam in vier Ablieferungen ins Archiv. Die Zugänge Acc.1939 (Okt. 1990), Acc.1941 (Nov. 1990), Acc.1962 (Jan. 1991), Acc.2666 (Sept. 1998) wurden im Bestand 1431 zusammengefasst.

2. Ordnung und Verzeichnung

Der Nachlass umfasst Akten mit Korrespondenzen zu den von Gerhard Ludwig in den Nachkriegsjahren organisierten Mittwochgesprächen, zum Aufbau seiner Bahnhofsbuchhandlung, seiner Tätigkeit für die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften und seine Reisetätigkeit. Außerdem zwei Akten zu seiner Gefangenschaft, für die besondere Benutzungsbedingungen gelten.

Ab dem 44. Mittwochgespräch sind die Diskussionen auf Spulentonband, teilweise mit Protokoll vorhanden. Zu einem Mittwochgespräch können mehrere Tonbänder gehören. Von diesen existieren DAT- Kopien. Wenn das Orginaltonband z. B. die Signatur TB-Org. Nr. 1 besitzt, hat die DAT-Kopie desselben Bandes die Signatur TB-Org. Nr. 1a, 1b, da die Orginalbänder zweispurig aufgenommen wurden. Eine DAT Kopie jedes Gesprächs befindet sich auch im Haus der Geschichte in Bonn. Insgesamt enthält der Nachlass 298 Orginaltonbänder, 2 Audiokassetten und 2 Videokassetten.

Unter den Materialien befindet sich die Pressedokumentation G. Ludwigs. Der Bestand wurde zum Teil schon archivisch vorgeordnet übernommen, zum Teil musste, infolge der sofortigen Umbettung in Archivmappen wegen eines Wasserschadens im Keller der Ludwigs 1991, neu geordnet werden. Beim Bestand befinden sich 3 Holzkisten mit teils von Ludwig selbst teils von Fischer gemachten Photos.

Ein Teil des Bestandes wurde bei Vorarbeiten zu einer Ausstellung zu den Mittwochgesprächen und einer damit zusammenhängenden Publikation vorgeordnet, ein weiterer Teil wurde von Susanne Schwärzel bei Vorarbeiten zu einer Magisterarbeit vorgeordnet.

Mit der Verzeichnung wurde vor 1999 begonnen und 1999 fortgesetzt.

3. Biographie Ludwigs

Gerhard Ludwig wurde geboren am 27.6.1909 in Berlin-Wedding als Sohn eines Fabrikarbeiters bei AEG. Seine Mutter arbeitete ab 1916 mit Beginn seiner Grundschulzeit in einer Munitionsfabrik. 1918 war er Zeitungextrablattverkäufer für die Morgenpost. Im Anschluss an die Grundschule ging er auf die Bismarck-Realschule in Berlin und später auf die IV. Oberrealschule an der er 1929 sein Abitur machte.

Von 1929 bis 1936 machte er beim Scherl-Verlag in Berlin eine Ausbildung zum Vertriebskaufmann und war in verschiedenen Vertriebsabteilungen tätig. April 1936 wechselte er zur Vertriebsabteilung der Frankfurter Societäts-Druckerei, mit Zuständigkeitsbereich Werbung. April 1939 bis Januar 1942 war er Werbeleiter bei der kölnischen Zeitung im Verlag M.Dumont Schauberg in Köln.

Am 7.2.1942 wurde er aufgrund politischer Äußerungen verhaftet und zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner vorzeitigen Entlassung bei Kriegsende, gab er in Tübingen das Schwäbische Tageblatt mitheraus.

1946 übernahm er im Kölner Hauptbahnhof die Bahnhofsbuchhandlung von Egon Sohn und eröffnet einen provisorischen Zeitungsstand, 1947 folgt das erste richtige Zeitungsgeschäft. Am 14.12.1949 eröffnet er die erste Buchhandlung auf dem Gelände der deutschen Bundesbahn. Von 1950 bis 1956 finden unter seiner Leitung über 260 Mittwochgespräche statt, die in der ganzen Welt bekannt waren. Zwischen 1952 und 1954 fanden 15 kleinere Diskussionen statt, sie liefen unter dem Namen "Der grüne Teppich". Bis 1955 war Ludwig Beisitzer der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften.

Am 25.7.1957 eröffnet er die erste Taschenbuchhandlung im Keller des neuen Hauptbahnhofs. 1962 eröffnete er einen Laden am Barbarossaplatz mit einer Reihe von Autorenabenden. 1966 eröffnet er den ersten Zeitungssupermarkt. Es folgen 1975-1982 Filialen in Köln, Deutz und Bonn-Bad Godesberg. 1987 verkaufte Gerhard Ludwig 11 seiner Geschäfte, die Buchhandlung am Barbarossaplatz übernahm der eine seiner zwei Söhne.

Am 19.4.1994 starb Gerhard Ludwig nach schwerer Krankheit.

Bibliothekssammlung aus Widmungsexemplaren mit persönlichen Worten von fast allen Referenten der Mittwochsgespräche oder Grüner Teppich (Werner Fink, Carl Werckshagen, Paul Schallück, Hans Hartmann, Franz von Papen, Ernst Rowohlt). Auch Widmungsexemplare von persönlichen Freundschaften oder Lesungen in der Buchhandlung wie Dieter Wellershoff, Gerhard Zwerenz, Joseph C. Witsch u.a.; 1999 Weitere Übergabe von Frau Ludwig: 2 Ordner ca. 1939-1945 über Verurteilung vor Volksgerichtshof; Dokumente als Verlagswerber beim Scherl-Verlag, Schwäbisches Tageblatt in Tübingen nach 1945.

Enthält u.a.:

Korrespondenz zur Organisation der über Rundfunk ausgestrahlten "Mittwochgespräche" im Hauptbahnhof Köln;

Schriftwechsel, u.a.mit Stefan Andres, Rudolf Augstein, Victor Agartz, Wolf Graf Baudissin, Peter Bamm, Heinrich Böll, François Bondy, Bermann-Fischer (Verleger), Carl Diem, Theodor Eschenburg, Kasimir Edschmid, Ludwig Erhard, Albrecht Fabri, Werner Finck, Andor Foldes, Georg Glaser, Bernhard Grzimek, Will Grohmann, Gustav Gründgens, Ernesto Grassi, Gerhard Gollwitzer, Manfred Hausmann, Hermann Kesten, Hans von Herwarth, Hans Henny Jahnn, Walter Jens, René König, Jakob Kneip, Rudolf Krämer-Badoni, Wolfgang Koeppen, Eugen Kogon, Peter Lorre, Heinrich Lützeler, Herbert Maisch, Paul Mies, Alex Möller, Franz von Papen, Wilhelm Pferdekamp, Ernst Rowohlt, Ernst von Salomon, Paul Schallück, Gisela Schlüter, Carlo Schmid, Paul Schmidt, Hans Schmitt-Rost, Günter Schmölders, Friedrich Sieburg, Hans-Christoph Seebohm, Heinrich Stünke, Adolf Süsterhenn, Peter Suhrkamp, Günther Weisenborn, Josef Witsch, Franz Josef Wuermeling, Peter von Zahn, Paul von Zsolnay;

Korrespondenz zur Organisation des literarischen Salons ”Der grüne Teppich“ betreffend Aufführungen und Lesungen von Künstlern, Literaten, Politikern, Verlegern u.a. Werner Finck, Hans von Herwarth, Walter Jens, Franz von Papen, Paul Schmidt, Friedrich Sieburg, Manfred Hausmann, Eugen Kogon, Bermann-Fischer, Paul von Zsolnay;

Gästebuch 1952-1968;

Unterlagen zur Bahnhofsbuchhandlung;

Sammlungen zur Literatur und Kunst, vor allem in Köln;

Persönliche Unterlagen

Umfang : ca. 60 lfd. m, ca. 300 Tonbänder
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