Marx, Wilhelm



Signatur : Best. 1070


Inhalt :
Marx, Wilhelm, 1863-1946, Reichskanzler, Reichsjustizminister, Vorsitzender der Zentrumspartei und der Zentrumsfraktion im Reichstag, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und der Weimarer Nationalversammlung.

Einleitung:

Nachdem durch einige Veröffentlichungen das Vorhandensein eines schriftlichen Nachlasses von Reichskanzler Wilhelm Marx bekanntgeworden war und weil die gewonnene Ausbeute manches mehr versprach, häuften sich die Benutzungswünsche. Nicht gern entsprach ihnen das bewahrende Archiv. War doch zu offensichtlich, dass die fehlende Ordnung eine Freigabe an Interessenten eigentlich nicht zuließ.

Welcher Archivar aber versagt heute ohne die allerdringlichste Notwendigkeit die Auswertung des ihm anvertrauten Quellengutes? Bei jeder Einsichtnahme machte man indessen unliebsame Erfahrungen. Vor allem tauchten immer wieder an unvermuteten und auch nicht zu vermutenden Stellen Schreiben oder Drucke auf, die in zusammenhangloser Nachbarschaft mit dem umgebenden Schriftgut lagen. Die Blätter mehrseitiger Schriftstücke fanden sich bisweilen auf verschiedene Aktenbündel verstreut.

Eine gründliche Aufbereitung des gesamten Bestandes war unabweisbar. Sie war schnell zu vollbringen, damit die Kommunikation nicht allzu lange unterbunden blieb. Ohne Härten ging es dabei freilich nicht. Die Zahl derjenigen, denen während der Verzeichnungs- und Ordnungsarbeiten der Zugang verwehrt werden musste, ist groß. Die Benutzer, die den Bestand nunmehr allseitig erschlossen übersehen und durchdringen können, mögen eingedenk sein, daß allen ihren wissenschaftlichen Vorgängern der Nachlass Wilhelm Marx entweder nur mit unzureichenden Hilfsmitteln oder wegen der Sperre, die zur Durchführung der archivarischen Arbeiten drei Jahre hindurch notwendig war, gar nicht zur Verfügung stand. Diejenigen aber, die schon früher Einblick nahmen, werden sich wahrscheinlich wundern, was neben dem damals Gefundenen überdies noch vorhanden ist. Sie werden zweifellos am vorbehaltlosesten diese Neuordnung begrüßen; denn sie waren es, die immer wieder den zentralen Quellenwert dieses planmäßig angesammelten Nachlasses des mit Schlüsselstellungen betrauten Politikers betont haben

I. Lebensweg von Wilhelm Marx

Dass eines der höchsten Staatsämter das Lebensziel sein würde, daran hat Wilhelm Marx, der zu Köln am 15. Januar 1863 dem Schulrektor Johann Marx (Flamersheim bei Euskirchen 17.10.1822 - 18.6.1882 Köln) und seiner Ehefrau Gertrud Marx geb. Hackenbroich (Köln 19.1.1826 - 22.6.1909 Köln) nach einer älteren Tochter Barbara (Köln 19.7.1860 - 27.5.1924 Köln, als Ursuline unter dem Namen Mater Antonia) geboren worden ist, gewiss auch in seinen kühnsten Vorstellungen nie gedacht.

Zunächst besuchte er 1869-1872 die von seinem Vater geleitete Pfarrschule St. Ursula auf dem Hunnenrücken und wechselte dann auf das Marzellengymnasium über, das ihm das Reifezeugnis am 4.4.1881 ausstellte. Das Studium der Rechte an der nächstgelegenen Universität Bonn beendete er in den vorgeschriebenen sechs Semestern mit der Ersten Juristischen Staatsprüfung am 31.5.1884. Auch die Vorbereitungszeit als Gerichtsreferendar erledigte Marx in der kürzestmöglichen Zeit, und wie aus der Ersten so brachte er auch aus der Zweiten Juristischen Staatsprüfung am 1.12.1888 ein ”Gut" heraus.

Diese Noten erleichterten ihm den Zugang zum erstrebten Richterberuf, der ihn zeitlebens begeistert hat, ihn auch entscheidend prägte. Der am 8.12.1888 zum Gerichtsassessor Ernannte konnte nach unentgeltlichen Beschäftigungen beim Amtsgericht und dann Hypothekenamt Köln sowie beim Amtsgericht Waldbröl am 1.7.1889 ein besoldetes Commissorium beim Hypothekenamt und einige Jahre später beim Grundbuchamt in Simmern antreten. Mit Elan bewältigte er dort viel rückständige Arbeit, und mit wachsender Hingabe belehrte er die skeptischen Hunsrückbauern über die Vorteile des einzuführenden Grundbuchs.

In Simmern legte Marx den Grund seines über 55 Jahre währenden, ungetrübten Eheglücks. Er heiratete am 31.5.1891 die einer angesehenen und auch etwas begüterten Familie entstammende Johanna Verkoyen (Simmern 4.10.1871 - 19.8.1946 Bonn). Dieser Ehe entsprossen vier Kinder: Wilhelm (Simmern 20.1.1893 - 28.10.1910 Düsseldorf), Albert (Simmern 4.4.1894 - 29.7.1915 Chodel in Russisch-Polen), Gertrud (Elberfeld 15.11.1900 - 24.3.1968 St. Goar), die den späteren Koblenzer Landeskulturdirektor Dr. Hans Kurig (Stettin 12.7.1893 - 6.11.1938 Koblenz) heiratete, und Josef (Elberfeld 19.8.1903), der als Landgerichtsdirektor in Köln lebt.

Die weitere Berufslaufbahn führte Marx an das wegen der vielen Arbeit wenig beliebte Landgericht Elberfeld. Dorthin wurde er zum 1.6.1894 berufen, nachdem ihn der Kaiser am 8.4.1894 zum Landrichter ernannt hatte. Am 10.4.1904 erhielt Marx die Ernennung zum Landgerichtsrat. Auf eigenen Wunsch wurde er zum 1.6.1904 an das Landgericht Köln versetzt. Als er am 7.4.1906 zum Oberlandesgerichtsrat befördert wurde, wechselte er zunächst am 1.6. zum Oberlandesgericht der Domstadt über und nahm am 1.1.1907 den Dienst am neuerrichteten Oberlandesgericht Düsseldorf auf. Erst 1921 gab es dann ein weiteres Fortkommen: am 28.1. wurde er zum Landgerichtspräsidenten von Limburg ernannt, nachdem er deswegen beim Preußischen Justizminister Hugo am Zehnhoff angehalten hatte, und schon am 27.9. ging er aus politischen Gründen als Senatspräsident nach Berlin ans Kammergericht. Hat Marx in Limburg noch tätig als Richter und Behördenleiter amtieren können, so hat er in Berlin keinen Gerichtsdienst mehr geleistet. Den Schluss seiner eigentlichen Berufslaufbahn bedeutete eine Mitteilung des Preußischen Justizministers vom 1.12.1923, dass Marx infolge seiner Ernennung zum Reichskanzler aus dem preußischen Justizdienst ausgeschieden ist.

Eine nachhaltige politische Tätigkeit hat Marx nach schüchternen Versuchen in Simmern - er hatte Trimborn zu einer Zentrumsversammlung dorthin geholt - erst in Elberfeld aufgenommen. Verschiedene Mitgliedschaften in katholischen Vereinen drängten ihn zum örtlichen Zentrum hin. Er hielt sich anfangs zurück, aber am 3.1.1899 war seine Wahl zum Vorsitzenden des Elberfelder Zentrums-Vereins nicht mehr zu umgehen. Noch im selben Jahre schaffte er den Sprung in die große Politik: am 22.6. wählten ihn die Kreise Krefeld-Land, Neuss und Grevenbroich ins Preußische Abgeordnetenhaus. Dieses Mandat behielt Marx über Weltkrieg und Revolution hinweg bei, war also auch Mitglied der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung; er verzichtete am 12.1.1921 zugunsten Zehnhoffs auf eine neue Kandidatur und zog am 15.1.1921 aus dem Landtag aus [1].

In den Reichstag gelangte Marx am 2.3.1910, als nach dem Tod des Abgeordneten Hermann de Witt in den Kreisen Mülheim/Rh., Wipperfürth und Gummersbach eine Nachwahl notwendig wurde. Für den Wahlkreis Düsseldorf-Ost saß er später in der Nationalversammlung und bis 1928 im Reichstag. Bei den Wahlen 1928 und 1930 ließ er sich jedoch im Wahlkreis 12 (Thüringen) besonders für das Eichsfeld aufstellen. Am 10.6.1932 zog er sich durch Niederlegung des Mandats aus dem parlamentarischen Leben ganz zurück.

In der Partei stieg Marx zunächst nur langsam auf. Es gelang nicht, den Zeitpunkt seiner Wahl zum stellvertretenden Vorsitzenden der Rheinischen Zentrumspartei zu ermitteln; alles spricht dafür, dass Trimborn, der Freund und politische Lehrer von Marx, sich diesen schon 1906 an seine Seite geholt hatte [2]. Ebensowenig konnte ausgemacht werden, wann Marx der Parteivorsitz in Düsseldorf übertragen worden ist [2a]. In den Vorstand der Reichstagsfraktion des Zentrums gelangte der längst verdiente Abgeordnete erst verhältnismäßig spät im August 1917 [3]. Marx' Stern stieg jedoch, als 1921 durch den Tod von Hitze, Trimborn, Burlage und Erzberger die Zentrumsführung schwere Verluste zu beklagen hatte.

Am 27.9.1921 wählte ihn die Reichstagsfraktion auf Fehrenbachs Vorschlag zu ihrem Ersten Vorsitzenden neben Becker-Arnsberg und v. Guérard als 2. und 3. Vorsitzenden. Die Leitung der Gesamtpartei übertrug ihm - ebenfalls als Trimborns Nachfolger - der 2. Reichsparteitag des Zentrums am 17.1.1922 in Berlin und zwar auf Antrag von Porsch; als seine Stellvertreter wurden dort Hedwig Dransfeld, Adam Stegerwald, Florian Klöckner und Hugo Mönnig berufen. Den Vorsitz der Reichstagsfraktion legte Marx 1923 nach seiner Ernennung zum Reichskanzler nieder. Erneut wählte ihn, obwohl er als Reichsjustizminister der Regierung angehörte, die Fraktion am 29.4.1926 zum Vorsitzenden mit Stegerwald und v. Guérard als Stellvertretern [4]; weil er am 17.5.1926 aber wieder Reichskanzler wurde, blieb es nur bei einer kurzen Wirksamkeit. Den Parteivorsitz legte Marx auf dem dramatischen Kölner Zentrumsparteitag am 6.12.1928 endgültig nieder, und am 26.5.1933 bat er auch um sein Ausscheiden aus dem geschäftsführenden Vorstand der Zentrumspartei [5].

Nachdem Marx seit 1921/22 an die Spitze des Zentrums getreten war, stand er fortan im politischen Rampenlicht. Bei den damaligen parlamentarischen Mehrheitsverhältnissen und auch im Hinblick auf die stete Beteiligung des Zentrums in den verschiedenen Reichsregierungen hatten seine Meinung und Haltung stets Schwergewicht. Seine besondere Chance bot sich ihm indessen in einer Stunde äußerster Not. Als am 23.11.1923 das Kabinett Stresemann durch ein Misstrauensvotum der SPD gefallen war, waren die Politiker ratlos; das deutsche Volk stand am Rand der Verzweiflung. Am folgenden Tag verweigerte Marx dem Reichspräsidenten Ebert die Annahme eines Auftrags zur Regierungsbildung. Der Reichspräsident ließ alsdann Siegfried v. Kardorff, Reichsinnenminister Jarres, Reichsminister a.D. Albert und schließlich Stegerwald verhandeln, die alle scheiterten.

Am Nachmittag des 29.11.1923 nahm Marx auf erneutes Drängen von Ebert schließlich doch einen Auftrag zur Kabinettsbildung an und konnte am folgenden Tage nach glücklichem Abschluss der Verhandlungen seine Bestallung zum Reichskanzler entgegennehmen. Sein Kabinett war eine von DDP, Z, DVP und - erstmals - BVP getragene Minderheitsregierung, die aus folgenden Mitgliedern bestand: Vizekanzler und Innenminister Dr. Karl Jarres (parteilos), Außenminister Dr. Gustav Stresemann (DVP), Finanzminister Dr. Hans Luther (parteilos), Wirtschaftsminister Eduard Hamm (DDP), Arbeitsminister Dr. Heinrich Brauns (Z), Justizminister Dr. Erich Emminger (BVP; nur bis 15.4.1924), Wehrminister Dr. Otto Geßler (DDP), Postminister Dr. Anton Höfle (Z), Verkehrsminister Dr. Rudolf Oeser (DDP) und Ernährungsminister Gerhard Graf von Kanitz (parteilos). Den Rücktritt dieser Regierung erklärte Marx am 26.5.1924, weil am 4.5. ein neuer Reichstag gewählt worden war. Den vorherigen hatte Marx auflösen lassen, da er die aufgrund des Ermächtigungsgesetzes ergangenen Notverordnungen aufheben wollte.

Marx gelang abermals eine Kabinettsbildung. Die gewesenen Minister wurden meist wieder berufen; auch blieb das Justizministerium weiterhin unter vorläufiger Leitung von Staatssekretär Kurt Joël. Als Oeser die Generaldirektion der Reichsbahn übernahm, wurde Dr. Rudolf Krohne (DVP) am 11.10.1924 Verkehrsminister. Der Wunsch nach Entlassung dieser bürgerlichen Minderheitsregierung am 15.12.1924 - die Geschäfte führte Marx bis zum 15.1.1925 - war durch die Ergebnisse einer neuen Reichstagswahl vom 7.12.1924 veranlasst worden; die gestärkte DNVP drängte nun mit aller Kraft um Aufnahme in die Reichsregierung.

Wenig später, am 10.2.1925, gab Marx einem erheblichen Druck der Landtagsfraktion nach und ließ sich zum Preußischen Ministerpräsidenten wählen. Seine Regierung, die aus Innenminister Carl Severing (SPD), Justizminister Hugo am Zehnhoff (Z), Unterrichtsminister Prof. Carl Heinrich Becker (parteilos), Landwirtschaftsminister Dr. Heinrich Steiger (Z), Finanzminister Dr. Hermann Höpker-Aschoff (DDP), Wohlfahrtsminister Heinrich Hirtsiefer (Z) und Handelsminister Dr. Walter Schreiber (DDP) bestand, fand jedoch am 20.2.1925 nicht das Vertrauen des Parlaments. Eine abermalige Wahl zum Ministerpräsidenten am 10.3.1925 lehnte Marx am 19.3. gegenüber dem Landtagspräsidenten Bartels ab. Die Regierungsgeschäfte führte seine nicht anerkannte Regierung bis zum 4.4.1925.

Inzwischen war am 28.2.1925 Reichspräsident Friedrich Ebert gestorben. Für die Neuwahl stellte am 18.3. der Reichsparteivorstand Marx als Kandidaten des Zentrums auf. Als nach dem ersten Wahlgang vom 29.3. ein zweiter notwendig wurde, unterlag Marx als Sammelkandidat von SPD, DDP und Z seinem Gegner Hindenburg am 26.4.1925 mit 13 751 615 gegen 14 655 766 Stimmen.

Dem 2. Kabinett Luther gehörte Marx seit dem 20.1.1926 als Reichsjustizminister an; gleichzeitig war er mit den Geschäften des Reichsministers für die besetzten Gebiete betraut. Als Luther wegen Missbilligung seiner Flaggenverordnung durch den Reichstag am 12.5.1926 seine Entlassung nahm, schlug das Restkabinett dem Reichspräsidenten vor, Marx zum Reichskanzler zu bestellen.

Das dritte Kabinett Marx war wieder eine bürgerliche Minderheitsregierung und zählte folgende Minister: Dr. Gustav Stresemann (DVP) für Auswärtiges, Dr. Wilhelm Külz (DDP) für Inneres, Dr. Peter Reinhold (DDP) für Finanzen, Dr. Julius Curtius (DVP) für Wirtschaft, Dr. Heinrich Brauns (Z) für Arbeit, Dr. Johannes Bell (Z) für Justiz und besetzte Gebiete, Dr. Otto Geßler (DDP) für die Reichswehr, Dr. Rudolf Krohne (DVP) für Verkehr, Dr. Heinrich Haslinde (Z) für Ernährung und Karl Stingl (BVP) für die Post. Die SPD stürzte diese Regierung am 17.12.1926, als der Reichstag ihren Misstrauensantrag wegen der Verbindungen der Reichswehr zur Roten Armee annahm.

Nach langen ergebnislosen Verhandlungen um ein neues Kabinett folgte Marx einer Weisung des Reichspräsidenten v. Hindenburg und bildete am 29.1.1927 erstmalig eine Mehrheitsregierung als Rechtskoalition mit Vizekanzler und Justizminister Oskar Hergt (DNVP), Außenminister Dr. Gustav Stresemann (DVP), Innenminister Walter v. Keudell (DNVP), Finanzminister Dr. Heinrich Köhler (Z), Wirtschaftsminister Dr. Julius Curtius (DVP), Arbeitsminister Dr. Heinrich Brauns (Z), Wehrminister Dr. Otto Geßler (parteilos), Postminister Georg Schätzel (BVP), Verkehrsminister Dr. Wilhelm Koch (DNVP) und Ernährungsminister Martin Schiele (DNVP). Diese Regierung reichte aufgrund der Reichstagswahlen vom 20.5.1928 am 12.6.1928 ihren Rücktritt ein. Marx hat seitdem kein öffentliches Amt mehr bekleidet.

In der zweiten Märzhälfte 1933 zog er sich nach Bonn zurück. Dort wohnte er für ein Jahr in der Kaiser-Friedrich-Straße 2 und danach in der Reuterstraße 115. Am 23.8.1937 verzog er zur Joachimstraße (damals Hans-Schemm-Straße) 18. Diese Wohnung behielt er - abgesehen von einem Kriegsaufenthalt von Juli 1943 bis Juni 1945 im Pfarrhaus in Neustad a.d. Wied - bis zu seinem Tod am 5.8.1946 bei. Kurz darauf, am 19.8.1946, starb auch Marx' Frau. Beide wurden in dem Familiengrab auf dem Kölner Friedhof Melaten bestattet.

II. Das Anwachsen und die Zusammensetzung des Nachlasses

Das von Marx angesammelte Schrift- und Druckgut war weder leicht zu übersehen noch auch leicht zu gliedern. Ehe über die Zusammensetzung berichtet wird, ist es vielleicht nützlich, das Werden des umfänglichen Bestandes, soweit es noch zu fassen ist, darzustellen.

Der Kern des Nachlasses scheint eine nach Sachthemen angelegte Zeitungsausschnittssammlung zu sein. Jedenfalls reichen - abgesehen von den ihn persönlich angehenden Artikeln, die er seit Anfang seiner politischen Laufbahn gesammelt hat (vgl. Nr. 459 f.) - am weitesten zurück die Zeitungsausschnitte über Religion und Papsttum (Nr. 738-744), über die Stellung von Parteien zur Religion (Nr. 773, 775, 777, 1013 und 1017), überhaupt über alle religiös und weltanschaulich beziehungsreichen Themenstellungen. Marx schuf sich damit anscheinend ein Arsenal geistiger Waffen für den politischen Tageskampf. Am 7.4.1939 erinnerte sich der Waldbröler Justizfreund und spätere Jesuit Felix Quadt an den 22.7.1914, als "ich auf der Graf-Adolf-Straße <in Düsseldorf> einen Einblick in Deine Registratur gewann"; er nannte sie einfach [6], natürlich auf jene Zeit bezogen.

Mit mehr Vorbedacht und in erweitertem Umfang setzte Marx das Sammeln mit den anfangenden 20er Jahren fort. Besonders mit den Schulfragen befasst und außerdem Initiator eines Gesetzes über die religiöse Kindererziehung, beauftragte er damals ein Zeitungsausschnittbüro mit der Sammlung aller einschlägigen Beiträge (vgl. Nr. 789-791, 880). Während Marx vor dem 1. Weltkrieg mehr im Hinblick auf die eigene politische Arbeit sammelte, begann er nun, das Interessengebiet auf das gesamte politische und kulturpolitische Leben auszudehnen.

Seit 1921 sind weitere Belege über den Bestand erhalten. Nachdem Marx sein Landtagsmandat aufgegeben hatte, schaffte er am 15.1. Akten und Briefe in den Reichstag, packte dort die hinübergebrachten Kisten aus und ordnete die Schriften in die Schränke seines Arbeitszimmers ein [7]. Als er im November 1921 Limburg verließ, hatte er wieder mit dem Einpacken von Papieren zu tun, die ziemlich viele Kisten einnehmen [8]. Am 18.1.1925 war er beim Auszug aus der Reichskanzlei hauptsächlich mit dem Ordnen und Einpacken der Papiere beschäftigt, dabei wunderte er sich über die große Menge [9]. Dasselbe wiederholte sich am 17.6.1928: "Ich sondere die Akten aus, die beim Abschied im Amte bleiben sollen" [10].

Fortan widmete Marx den Stoffmassen, die seiner Gattin gewiss oft im Wege lagen [10a], viel Zeit. Nicht nur erweiterte er das Sammelfeld durch Einbeziehung so gut wie aller Lebensgebiete außerordentlich, er machte sich auch an die Sichtung und Ordnung [10b]. Oftmals melden die Aufzeichnungen der Jahre 1928, 1929, 1930, 1931 Arbeit an den Sachen, Papieren, an der Sammlung [10c]. Einmal trägt er ein, dass ein Frl. Rondholz seine Sachen über Strafgesetz und Schulfragen ordnen soll [11]. Ob daraus etwas geworden ist und ob Marx sonst Hilfskräfte beigezogen hat, steht dahin; sehr wahrscheinlich ist es nicht. Wie die Ordnungsmethoden im einzelnen aussahen und ob Marx ein bestimmtes Ordnungsschema entworfen hatte oder ein solches ihm vorschwebte, lässt sich auch nicht erkennen. Nicht von der Hand zu weisen ist freilich der Befund, daß er bei seinen sich über Jahre hinziehenden Bemühungen nicht immer folgerichtig verfahren ist.

Die Bezeichnungen des Bestandkomplexes wechseln. Eben sind einige angeführt worden. In Verhandlungen vom August bis Oktober 1933 mit Stegerwald und Prälat Otto Müller-Köln verwandte Marx auch das Wort 'Registratur' [12]. Im Schriftwechsel mit dem Kölner Archiv ist am 2.12.1935 von 'Urkunden und Aufzeichnungen' die Rede. Im ersten Übergabeverzeichnis von 1936 wurde die Formulierung 'Aufzeichnungen des Reichskanzlers i.R. Dr. Marx über seine politischen Erlebnisse und Auffassungen' gewählt; die ”Anlagehefte" enthielten Zeitungen und sonstige Schriftstücke. Daneben nannte Marx seine Aufzeichnungen auch einfach 'Text'. 'Urkunden' gebraucht Marx noch einmal am 8.2.1944, und am 23.2.1944 sprach er von 'Akten'. Am geläufigsten aber war Marx 'Mappen': in die großen Umschläge, in denen den Reichstagsabgeordneten die Drucksachen übermittelt wurden, hatte Marx nämlich bei Ablieferungen seit 1942 die Materialien verpackt. Am 1.9.1946 bediente sich Marx' Sohn der Wendung 'gesamte Schriftsachen und die gesamte Registratur' und am 5.10.1957 sagte dieser anstelle von 'Aufzeichnungen über politische Erlebnisse nebst Beiakten' - so drückte er sich am 2.6.1946 aus - nun 'Niederschriften' [13]. Diese Vielzahl von Benennungen dürfte wohl ebenfalls dartun, dass der Bestand eine verwickelte Struktur aufwies und nicht einmal den Urheber zu einer einzigen und eindeutigen Bezeichnung gelangen, ihn vielmehr am meisten und am liebsten zur Ausflucht 'Mappen' greifen ließ.

Die Erinnerungen

Einen neuen, anderen Impuls bekam der Umgang mit dem aufgehäuften Schriftgut, als Marx nach dem Umzug nach Bonn im März 1933 und völliger Ausschaltung aus dem politischen Tageskampf sich daranmachte, Aufzeichnungen über seine politischen Erlebnisse und Auffassungen niederzuschreiben. Es mag sein, dass er im Jahre 1929 schon dazu angeregt worden ist, als Friedrich Meinecke keinen geringeren als Theodor Heuß zu ihm schickte, damit er für das Reichsarchiv über die Londoner Konferenz von 1924 berichtete [14]. Es mag sein, dass Prof. Paul Rühlmann Marx an diesen Vorsatz erinnerte oder ihn darin bestärkte, indem er zum 70. Geburtstag schrieb: "Der alternde Macchiavell, sonst wohl sicher nicht Ihr Ideal, hat uns in einem köstlichen Briefe gerade die besinnlichen Gefühlswelten eines alternden Staatsmannes mit dem Zurückgreifen auf die Schätze der Erinnerung geschildert. So denke ich auch mir Ihre Tage." [15] Zweifellos wirkten und bestimmten mit auch die Freundschaft und der Umgang mit Carl Bachem, dem Verfasser der großen Zentrumsgeschichte.

Jedenfalls setzte Marx bereits im Februar 1933 ein und handelte die Reichspräsidentenwahl von 1925 ab [16]. Im Juni nahm er sich seine Wahl ins Abgeordnetenhaus von 1899 und die Schulorganisation vor [17]. Im Juli beschäftigten ihn seine erste Berufung zum Reichskanzler, der Separatismus in den Rheinlanden, seine beiden ersten Kabinette mit dem 1924 von ihm propagierten Ideal der Volksgemeinschaft; im Zusammenhang mit der wieder aufgegriffenen Londoner Konferenz kam er auch auf die Erfüllungs- und Befreiungspolitik zu sprechen [18]. Im August holte er den Bericht über eine andere große Tat von 1924 nach, den über die Währungsstabilisierung, und begann auch mit dem Thema Österreich [19]. Im September ging er auf seine preußische Ministerpräsidentschaft von 1925 ein, ein Vorspiel zur Reichspräsidentenkandidatur [20]. Eine alte Vorliebe ließ ihn im Dezember ausführlich über Schule und Erziehung, dann kürzer über die Schulartikel in der Weimarer Reichsverfassung und über die Schulpolitik 1928-1933 schreiben [21]. Die ”Tragödie des Volksvereins" legte ihm wohl die eben erhobene Anklage nahe [22].

Trotz der dadurch hervorgerufenen Belastung und Anspannung führte Marx seinen Plan in erstaunlichem Umfang weiter. Um die Jahreswende auf 1934 wurden die Fehde mit Preußen, die Phoebus-Affaire und die Grundsteinlegung zur neuen Reichskanzlei behandelt [23]. Im Frühjahr ging er auf die Politik des Jahres 1925 und den Charakter der Zentrumspartei ein [24], machte im Sommer Nachträge über den Separatismus und im August zur Währungsstabilisierung [25]. Im September fertigte Marx Niederschriften über Reich und Länder, die Flaggenfrage, seinen Rücktritt vom Parteivorsitz und über Hindenburg - diese wohl aus Anlass des Todes des Reichspräsidenten - an [26]. Im Oktober arbeitete er abermals über Hindenburg und dann wieder über Österreich [27]. Im Dezember notierte er die Umstände bei den Besuchen der Geheimen Staatspolizei, fing er an, über Eltern und Großeltern zu berichten und trug einiges über v. Keudell zusammen [28].

Nicht genau zeitlich festzulegen sind die während des Jahres 1934 entstandenen Aufzeichnungen über die Annahme des Versailler Friedensvertrages und die Ermordung Rathenaus, Luthers Sturz und Marx' 3. und 4. Kabinett, Müllers Regierungsanfänge und das Jahr 1929, ferner über Ergänzungen zum Separatismusproblem und die Kriegsschuldfrage und wieder über die Schulartikel in der Reichsverfassung, dann über Republikschutzgesetz, Auseinandersetzung über die fürstlichen Vermögen, Gesetz über religiöse Kindererziehung, über Risse im Zentrumsturm mit Betrachtung der Christlichen Volkspartei, der Großdeutschen Jugend, der Christlich-sozialen Volksgemeinschaft, der Partei deutscher Katholiken, der Katholischen Sozialisten, schließlich über Wirth, über den Arbeitsausschuss deutscher Verbände und die Gesellschaft zur Erforschung der Kriegsursachen, über das Reichsbanner [29]. Mit sichtlicher Freude an der Sache packte Marx aus und empfahl dies auch anderen nun arbeitslosen und ebenfalls verfolgten Zentrumspolitikern; so schrieb er am 4.6.1934 an Perlitius: "Ich möchte Ihnen dann noch einen guten Rat geben: Die Zeit vergeht am besten, wenn man die Vergangenheit zurückruft, und das kann man, indem man das aufschreibt, was man früher getan und erlebt hat." [30]

Kein Wunder, daß er im Jahre 1935 rüstig schaffte. Im Januar befasste er sich mit Locarno, dem Völkerbundsbeitritt und Thoiry; danach belegte er seine Meinungsverschiedenheiten mit Stegerwald und Imbusch; im März/April ließ er sich über das bayerische, das preußische und das Reichskonkordat sowie den Evangelischen Kirchenvertrag von 1931 aus; im August erinnerte er sich an die Zusammenstöße mit Minister v. Schorlemer vor dem Ersten Weltkrieg und ging im September zurück auf sein Studium und seine Referendarzeit [31]. Außerdem stammen aus dem Jahr 1935 Niederschriften nochmals über die Revolutionszeit, das besetzte Gebiet und den Ruhreinmarsch, aus gegebenem Anlass über die Saar, über eine Dissertation Röhrkens und Loenartz' Aufzeichnungen zur Separatistenangelegenheit, schließlich über die Haltung des Zentrums in den Jahren 1914 und 1918, über die Kritiker dieser Partei und über ihr Zusammengehen mit der SPD [32].

Die kränkenden Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Separatismus veranlassten Marx 1936 auf Wentzckes Angriffe und zugleich auf den Fall Höfle einzugehen [33]. Dann erledigte er noch Reparationen und Entwaffnung 1921-1923, die Räumungsfrage von 1925-1928, ging dabei auf die besonderen Probleme der Pfalz und den Fall Hofmann-Ludwigshafen ein, griff abermals die Londoner Konferenz auf und behandelte außerdem das Reichsschulgesetz im Jahre 1923, das Jugendwohlfahrtsgesetz und das Wesen des Zentrums; ein akuter Fall reizte Marx zum Thema Sicherheitsverwahrung [34].

Hatte Marx im Vorjahr über seine Assessorenzeit schon einiges niedergeschrieben, so brachte er im Laufe des Jahres 1937 in intensiver Arbeit den Bericht über seine Heirat, seine Zeit in Simmern und die Anfänge in Elberfeld zustande. Auf den Volksverein ging er ebenfalls wieder ein [35]. 1938 veranlasste ihn der Anschluss Österreichs, seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen zu diesem Thema von neuem darzulegen [36]. Dann kam die Arbeit in der bisher vollzogenen Weise zum Erliegen.

Diese über ihren Ablauf gegebene Übersicht macht deutlich, daß sich die Abfassung der Erinnerungsberichte nicht nach einem festen Schema oder einem vorgefassten Plan vollzog. Nur bedingt lässt sich ein zeitliches Nacheinander der behandelten Themen feststellen. Der Haupteindruck ist, dass Marx sprunghaft Themen aufgriff, die mit den etwa 1933 bevorzugten Jahren 1923/1924 oder mit den 1934/35 im Vordergrund stehenden Jahren 1925-1927 sich zeitlich oder sachlich nicht oder nur entfernt berührten. Manchmal - wie bei dem Tod Hindenburgs, der Rückgliederung der Saar und dem Anschluss Österreichs - bestimmten ihn auch politische Tagesereignisse. Außerdem drängte ihn seine verwundete Seele fast alljährlich, sich auf irgendeine Frage oder auf irgendwelche Angriffe einzulassen, die mit dem Separatismus zu tun hatten.

Im Allgemeinen aber dürfte entscheidendes Motiv, ob Marx dieses oder jenes Thema anfasste, wohl das gewesen sein, ob er aufgrund der früheren Vorordnungen ausreichend Akten-, Drucksachen- und Zeitungsausschnittstoffe beisammen fand. War das der Fall und reizte ihn zudem die Sache, dann wird er sich zu Niederschriften angeregt gefühlt haben. Die in den Jahren von 1933 bis 1938 so vollbrachte Leistung ist beachtlich. Marx hat damals ungefähr 1100 bis 1200 Schreibmaschinenseiten gefüllt. Der auffällige Abbruch dieser Form der Erinnerungen um 1938 ist von ihm selbst nirgendwo begründet worden. Vielleicht fand er, dass noch zuviel Themen seiner warteten, zumal er auch mittlerweile Ereignisse behandelt hatte, an denen er nicht unmittelbar beteiligt gewesen war; vielleicht fühlte er, dass er in seinem Alter auf dem eingeschlagenen Wege der Massen nicht mehr Herr werden würde.

Hatte Marx doch bisher seine Niederschriften mit Aktenstücken, amtlichen und außeramtlichen Druckschriften sowie mit Zeitungsartikeln fortlaufend dokumentiert [37]. Dem Richter lagen wohl unmittelbare Vorlage und Griffbereitschaft der Beweisstücke zu nahe; die Tatsachenwahrheit konnte somit jederzeit bequem überprüft werden. Auf diese Weise gelangten Akten und anderes Schriftgut zwischen den Text seiner Aufzeichnungen, oder sie wurden diesen am Schluss beigefügt oder auch in eigenen Anlagenheften zusammengestellt. Dieses besessene Bestreben, Tatsachen einwandfrei und unverrückbar festzustellen, ist möglicherweise mit der für ihn bitteren Erfahrung zu erklären, dass das damals herrschende Regime der Geschichte der Weimarer Zeit Gewalt antat; manche entsprechende Bemerkung entschlüpfte Marx; und, als seine Enkel ihm die in jener Zeit in den Schulen gebräuchlichen Geschichtsbücher in die Hand gaben, da legte er ausführlich nieder, was sie an Verdrehungen und Entstellungen enthielten [38].

Marx' Tatsachenfanatismus war also gewiss zeitbedingt, und sicherlich erschöpfte sich damit nicht sein geschichtlicher Sinn. Aber es kann kein Zweifel sein, daß Marx dergleichen damals für vordringlich halten musste. Hatten ihn schon seine politischen und wissenschaftlichen Bemühungen in der Kriegsschuldfrage die Bedeutung umfassend abgesicherter Tatbestände empfinden lassen, so führte ihn die durch die Vorkommnisse unter der nationalsozialistischen Herrschaft noch gesteigerte Sorge um die historische Wahrheit wohl dazu, jede Aussage seiner Aufzeichnungen mit ursprünglichem Quellenstoff zu belegen.

In diesem Sinn und in dieser Form konnte Marx mit Recht seine Aufzeichnungen als wohl von historischem Interesse bezeichnen [39]. Zum anderen hat er sie mehrfach zur Unterrichtung und Unterhaltung seiner Nachkommen bestimmt [39a]. Damit wäre ihre Zweckbestimmung wohl umschrieben. Insgesamt dürfte für alle Erinnerungsniederschriften das gelten, was er 1929 eingangs der im Reichsarchiv niedergelegten Aufzeichnung über die Londoner Konferenz schrieb: sie sollten keine Festlegung staatsrechtlicher oder politischer Gedankengänge oder Entschließungen sein, vielmehr eine feuilletonistische Darstellung der Begebenheiten und namentlich der in Betracht kommenden Persönlichkeiten [40]. Der Gedanke an eine Drucklegung, die zur Zeit der Ausarbeitung wegen der politischen Verhältnisse schlechthin ausgeschlossen war, schien Marx auch für den Fall, daß geänderte Zeiten dies ermöglichen könnten, nie beseelt zu haben [41], auch wenn ihm, der seit 1934 aus seiner Altersbeschäftigung keinen Hehl machte, der anspruchsvolle Begriff ”Memoiren" entgegentönte [42]. Dies sind die Erinnerungsberichte im literarischen Verstande des Wortes gerade nicht; dafür sind sie zu wenig ausgefeilt. Sie waren als solche nicht gemeint und dürfen dementsprechend als solche auch nicht in Anspruch genommen werden.

Alles in allem bilden sie eine schätzenswerte historische Quelle. Ihr Urheber war einer der politischen Mittelpunkte der Weimarer Zeit. Er kannte eine Fülle von Menschen, und zu ihm drängte sich eine Fülle von Menschen. Es lag in seiner Art, sich ihnen gütig, nach Möglichkeit nützlich zu erweisen. Er war weder Spötter noch gar Zyniker. Seine tiefe Religiosität ließ ihn an das vorherrschend Gute im Menschen glauben. Deswegen lobte er gern und fand aufmerksam fast stets an fast jedem etwas Lobwürdiges heraus. Absprechende Urteile behielt er wohl am liebsten für sich und vertraute sie dem Papier in der Regel nur in verklausulierter Form meist unter Berücksichtigung von Positivem an. Niemals verließ ihn diese gemessene und vornehme Nachsicht. Keine persönliche innere Abneigung, die beispielsweise gegen v. Guérard und gegen Imbusch zu erspüren ist, und keine brillante Formulierung konnten ihn aus dieser Reserve locken. Was er schrieb, schrieb er in der Regel bedacht, wohlwollend und ohne Effekthascherei. Daher ist die Zuverlässigkeit von Marx' Aufzeichnungen hoch zu veranschlagen. In ihrer Ergiebigkeit werden sie sich freilich - je nach Fragestellung - als von unterschiedlicher Intensität erweisen. Dass sie Beachtung verdienen, steht jedenfalls m.E. außer Frage.

Die Abschriften der Terminkalender

Außer dem angesammelten Akten- und Druckgut stand Marx noch eine zweite Quelle für seine Erinnerungsarbeiten zur Verfügung. Anfangs hatte er sie anscheinend nur gelegentlich benutzt [42a]. Erst seit 1936 griff er umfänglicher auf sie zurück: es waren seine Taschenkalender. In ihnen hatte er in Gabelsberger Kurzschrift durch Stichworteinträge seine Tageserlebnisse verbucht. Für gewöhnlich begann Marx mit Einträgen über die Güte seines und seiner Gattin Nachtschlafes, über die morgendliche Messe und oft über das Wetter. Ohne Einzelheiten zu berichten, vermerkte er, wen er oder wer ihn besucht hatte, mit wem konferiert worden ist, wieviel Briefe - nur gelegentlich mit Angabe des Adressaten - er erledigt hatte. Bahnstrecke, Speiselokale und -gesellschaft sowie die Übernachtungsörtlichkeiten der vielen Reisen wurden registriert. Großer Raum wurde den Spaziergängen, Nachmittagskaffees, Abendgeselligkeiten und den privaten Besuchen eingeräumt, auch die Arbeiten und das Ergehen der nächsten Angehörigen festgehalten. Die Einträge hatte Marx somit zunächst nur für sich bestimmt, sie sollten ihm zur Rechenschaft über das eigene Tun und Verhalten dienen. Dementsprechend sind Gefühlsäußerungen und Reflexionen selten; am ehesten floß ihm dergleichen - in knappster und, wie alle Einträge, in sprachlich wenig gefeilter Form - zu Weihnachten und Neujahr durch die Feder. Charakterisierungen von Persönlichkeiten und Ansichten über politische und kirchliche Vorgänge schlugen sich höchstens in notizartiger Weise nieder. Auch Selbstkritik findet sich gelegentlich. Freilich sind - besonders später - oftmals Eintragungen wohl wegen Überlastung ausgefallen, manchmal blieben sogar längere Zeiträume ohne Niederschlag, erklärlicherweise gerade solche mit politischer Hochspannung. Immerhin handelt es sich um eine ausgesprochen intime und sehr ursprüngliche Quelle; bei ihrer Verwertung ist taktvoller Respekt unbedingt angebracht.

Ihre Auswertung nahm Marx seit 1936 in Angriff. Wegen des teilweise persönlichen und teilweise unerheblichen Inhalts wählte er zunächst stark aus. Er gliederte dabei nach Familienereignissen, ging dann einen Jahresband abermals nach seinem politischen und schließlich nach seinem Wirken in Kirche und Vereinen durch [43]. Bei diesem oftmaligen Bearbeiten ein und desselben Taschenkalenders wiederholte er nicht gerade selten bereits erzählte Ereignisse, freilich in nuancierter Formulierung und bisweilen mit Unstimmigkeiten [44]

Hatte er 1936 aufgrund der Taschenkalender seine Referendar- und Assessorenzeit ausschließlich für seine Familie erzählt und überdies die Jahre 1921, 1922 und 1923 sich vorgenommen [45], so ging er 1937 auf seine Verlobung und Heirat, sowie seine Erlebnisse in Simmern und Elberfeld bis zum Jahre 1896 über [46]. Ab 1939 machte er nur noch Auszüge aus den Taschenkalendern. Weil er 1936 für die Jahre 1921 bis 1923 nur eine Auswahl getroffen hatte, griff er, als er nun die Jahre 1920 bis einschließlich 1924 erledigte [47], auch auf diese Jahre wieder zurück und brachte umfangreiche Ergänzungen - natürlich auch abermals umfangreiche Wiederholungen. Stellte er 1940 noch das Jahr 1925 fertig [48], so sprang er 1941 merkwürdigerweise auf das Jahr 1936 über [49]; es sieht so aus, als ob er eigentlich 1926 hätte bearbeiten wollen. In den Jahren 1942 bis wohl 1944 - vielleicht auch noch bis 1946 - setzte er seine Kalendernotizen über die Jahre 1927 bis Juni 1930 in Langschrift um, ab 1929 März 31 nicht mehr mit der Schreibmaschine, sondern wegen der Kriegsverhältnisse handschriftlich [50]. Die letzten Jahresberichte sind nicht mehr in der geschilderten Art untergliedert, sondern bringen die Tagesnachrichten in fortlaufender zeitlicher Reihenfolge.

Die Ausfälle hat Marx anfangs eigens festgestellt, in den späteren Berichten, als er chronologisch vorging, sind die Lücken ohne weiteres erkennbar. In den 1939 bearbeiteten Berichten hat er teilweise Lücken anhand von Presseberichten ausgefüllt und diese Abschnitte auch besonders gekennzeichnet [51]; die dabei zu den erwähnten Ereignissen und Personen gemachten persönlichen Bemerkungen sind selbstverständlich eigene Urteile. Nur ein einziges Mal hat Marx einen fremden Bericht eingeschaltet, und zwar für 1925 die Notizen seiner Gattin über die Romreise [52]. Insgesamt sind etwa 700 Schreibmaschinenseiten und 80 handschriftliche Seiten dieser Form der Auszüge oder der Wiedergabe der Tageseinträge überliefert.

Der Wert der Abschriften aus den Taschenkalendern ergibt sich einmal aus der zeitlichen Nähe des Eintrags zum Ereignis [53]. und zum andern durch die unter dem frischen Eindruck von Vorgängen und Persönlichkeiten gewählten Formulierungen und Charakterisierungen. Allerdings hat Marx bei seinen Übertragungen den Wortlaut seiner kurzschriftlichen Einträge nicht immer beibehalten; Stichproben mit neuerlichen wörtlichen Übertragungen ließen erkennen, daß er häufig paraphrasierte. Dabei ist er selbstverständlich von der eigenen Erinnerung an die behandelten Ereignisse oder Personen beeinflußt gewesen. Aufgrund dieser Umstände folgt, daß eine neue wörtliche Übertragung der Einträge in den Taschenkalendern auf die Dauer nicht gut entbehrt werden kann. Der Quellenwert der von Marx selbst angefertigten normalschriftlichen Übertragungen ist indessen -neben dem der Erinnerungsberichte und neben dem der noch zu erstellenden Übertragungen - ein eigentümlicher und ein eigenständiger.

Das Aktengut

Wo und wie in den verschiedenen Bestandteilen des Nachlasses Aktengut vorgefunden wurde, ist teilweise schon angeklungen. Soweit Marx es zu den Erinnerungsberichten herangezogen hatte, befand es sich zwischen den Niederschriften, war es ihnen am Schluß angefügt, lag es in sog. Anlageheften zu den Niederschriften. Dort war es sachlich beieinander wie in einer Sachakte; es mischte sich aber auch mit inhaltlich nicht zugehörigen Schriftstücken, mit Drucksachen und Zeitungen. In erstaunlichem Umfang traf man es in dem Teil des Bestandes an, in dem aufgrund der von Marx angefertigten Ablieferungslisten hauptsächlich Zeitungsausschnitte und Druckgut zu erwarten waren. Hier wiederum erschien es als Nacheinander einer größeren Anzahl gegenständlich zusammengehörender Schriftstücke - bei diesen selbstredend auch solche, die nichts mit der Sache zu tun hatten -; es fanden sich indes zumeist, und zwar nach Hunderten, wohl zu Tausenden Einzelschriftstücke. Jede von Marx und jede vom Bearbeiter gebildete Sachakte erhielt dadurch z. T. wesentliche Anreicherung. Es war unmöglich - und diese Formalität war wohl auch unnötig -, genau festzuhalten, wo diese vielen einzelnen Schreiben angetroffen und wohin sie dann eingeordnet wurden. Lediglich Fundort und Verbleib mehrerer, inhaltlich miteinander verbundener Schreiben, die sozusagen einen Sachaktenteil bildeten, sind vermerkt worden und in einer Konkordanz zwischen alten und neuen Signaturen berücksichtigt.

Das von Marx vor und während des Ersten Weltkrieges zusammengebrachte Aktengut ist nicht gerade zahlreich. Zweifellos müßte beispielsweise aus seiner Parteitätigkeit, der Arbeit in der Schulorganisation und aus dem Umgang mit Freunden und Bekannten mehr vorliegen. Anscheinend hat Marx damals nach der Erledigung von Angelegenheiten manche Papiere laufend beseitigt. Mit Beginn der 20er Jahre verstärkte sich zwar sicherlich der Umfang der Korrespondenz und damit der Anfall an Schriftstücken. Offensichtlich stellte Marx aber nun auch die laufende Vernichtung von Papieren ein, sammelte mit wachsendem Nachdruck über seine eigenen Dokumentations- und Informationsbedürfnisse hinaus und doch wohl zu keinen anderen als historischen Zwecken das ihm zugehende und auch hin und wieder anderweitiges ihm zugängliches Aktengut. Möglicherweise hat er dabei auf Carl Bachem gehört, der seine Parteifreunde eindringlich auf die Wichtigkeit der Aufbewahrung solcher Stoffe aufmerksam machte [53a]. Zusammengekommen ist auf diese Weise ein Quellenmaterial, über dessen Bedeutung bei der politischen Rolle, die Marx gespielt hat, und bei den Aufgaben, die er im Zentrum und im katholischen Verbandsleben wahrgenommen hat, kein Wort verloren zu werden braucht. Da wohl - abgesehen von Stresemann - von keinem Reichskanzler und Parteiführer der Weimarer Zeit sonst in diesem Umfang ein Nachlaß sich erhalten hat, kommt dem von Marx auch ein repräsentativer und exemplarischer Wert zu.

Die Druckschriften

Was für den Vorordnungszustand des Aktenguts gilt, trifft ähnlich zu auch auf den der Druckschriften; auch hier Vermischung mit Erinnerungen, Schriftstücken und Zeitungen, manchmal ohne erkennbaren Grund; auch hier andererseits vereinzelt sachlich zusammengehörende Druckschriften in Schnellheftern oder Mappen vereint.

Der Wert dieser Drucksachen ist unterschiedlich. Besonders die vielen Reichstagsdrucksachen sind anderswo ebenfalls zu greifen. Hier liegen sie immerhin sachlich beieinander, tragen vereinzelt auch Randbemerkungen von Marx. Die Flugschriften indessen, die amtlichen und außeramtlichen Gelegenheitsdrucke und die übrigen meist weitgestreuten, dann aber schnellem Untergang geweihten Erzeugnisse der Druckerpresse bereichern gewiß das Quellenreservoir zur Geschichte der Weimarer Zeit; einzelnes mag hie und da sogar Seltenheitswert haben.

Die Zeitungsausschnittssammlung

Die Anzahl der Zeitungsausschnitte beträgt rund 75 000. Ihrem Umfang nach macht die Sammlung den Großteil des Gesamtbestandes aus. Sie bildete, wie schon dargetan, vermutlich den Ursprung von Marx' Sammeltätigkeit. Auch die Zeitungsausschnitte fanden sich - zu kleinerem Teil allerdings - in Mischung mit den Erinnerungsberichten, Schriftstücken und Drucksachen. Vor allem aber hatte Marx versucht, unter Sachtiteln in den Umschlägen für Reichstagsdrucksachen sachlich Zusammengehörendes auch zusammenzubringen. Darin bestand wohl seine Hauptarbeit in den Jahren 1928 bis 1933. Freilich wußte er, daß er manche Sachtitel viel zu allgemein gewählt hatte und daß deswegen eine Benutzung umständlich und zeitraubend sein würde [54]. Auch mit der Aufteilung der Zeitungsartikel ging es nicht immer einfach ab; beispielsweise erzählt er: Ich hatte zunächst die Zeitungen, die über die Stellung der Deutschnationalen berichteten, in besondere Umschläge gelegt. Da die Zeitungen aber vielfach auch allgemein interessierende Artikel enthalten, habe ich sie nachträglich auf die Anlagen verteilt [55]. Die hier angesprochene Schwierigkeit lag darin, daß Marx anfangs die Artikel ausschnitt, in späterer Zeit, die ihm im übrigen stets mehr und mehr zu fehlen begann, strich er den interessierenden Artikel jedoch nur an, um das ganze Zeitungsblatt dann zur Sammlung zu nehmen; waren mehrere ihm wichtige Artikel auf einer Seite oder einem Blatt, dann ergab sich das geschilderte Problem. In immer größerem Umfang ließ er später die Zeitungen unversehrt; die des Zweiten Weltkrieges hat er ab 1940 vollkommen ganz gelassen. Alles in allem finden sich die allerverschiedensten Grade der Auflösung der Zeitungen, auch die allerverschiedensten Abstufungen zwischen Allgemeinheit und Besonderheit in der Formulierung der Sachtitel, und ebenso sind viele Sachtitel mit Hunderten von Zeitungsausschnitten, andere nur mit ganz wenigen besetzt. Auch für die Zeitungsausschnitte gab es somit weder ein vorgeplantes Ordnungsschema, noch hielt Marx es beim Ausschneiden stets mit denselben Grundsätzen, noch auch hat er beim Einordnen die Sachtitel immer thematisch strikt respektiert. Einen eigenen Hinweis verdienen die in ziemlicher Geschlossenheit vorliegenden Zeitungen und Zeitschriften 'Das Deutsche Volk' 1926-1929, 'Presseberichte' der Reichsregierung 1929-1933' 'Völkerbund - Zeitschrift für internationale Politik' 1931-1939' 'Zeit im Querschnitt' 1934-1940.

Der Wert der Zeitungsausschnittssammlung dürfte wohl darin bestehen, daß neben den regelmäßig vertretenen Artikeln von 'Germania' und 'Kölnischer Volkszeitung' vielfach diejenigen aus entlegenen Regional- und Lokalzeitungen sowie zu wirtschaftlichen, kulturellen, kirchlichen und technischen Problemen auch die von schwer zu greifenden Zeitschriften an Marx geschickt oder von ihm erworben worden sind. Pressestimmen von unerwarteter Stelle liegen hier häufig griffbereit. Zu vielen - nicht zu allen - Themenkreisen kann hier bequem und leicht ein breites Pressepanorama gewonnen werden. Theoretisch und vor allem ohne Eigenerfahrung in der Handhabung läßt sich die Aufbewahrungswürdigkeit dieser Sammlung gewiß schnell bezweifeln, in der Praxis hat sie sich hingegen noch im unzureichend geordneten Zustand als beliebtes Hilfsmittel schon bewährt.

Das Bildgut

Zu den erfreulichsten Bestandteilen des Nachlasses gehört der visuelle Quellenstoff. In der Weimarer Zeit begann der Siegeszug des Bildes als Informations- und auch als Propagandamittel. Die steigende Ein- und Rückwirkung auf das Leben und Verhalten der Staatsmänner wie auch die wachsende Wertschätzung durch diese läßt sich am Beispiel des von Marx hinterlassenen Materials gut verfolgen.

Die Ablieferung an das Archiv

Seit den beiden Besuchen der Geheimen Staatspolizei im August 1933 und wohl auch aufgrund vieler Mitteilungen über Beschlagnahme von Akten bei Parteifreunden machte sich Marx über die Erhaltung des angesammelten Schrift- und Druckgutes Sorgen. Am 24.8.1933 fragte er Stegerwald nach einer Stelle, die es annehmen könnte. Dieser wollte Marx den für die Aufbewahrung des wichtigsten Fraktionsmaterials vorgesehenen Ort angeben lassen. Am 10.10.1933 bekundete Prälat Otto Müller für das Kölner Kettelerhaus Interesse an den Broschüren und Zeitungsausschnitten [56]. Aus diesen Fühlungnahmen wurde nichts; möglicherweise hielt Marx alle diese Stellen als Bergungsorte schließlich doch für zu gefährdet. Es war Geheimrat Dr. Carl Bachem, der Marx auf das Kölner Stadtarchiv und insbesondere auf den damaligen Archivassistenten Dr. Güttsches aufmerksam gemacht hatte [57]. Diesen bat er am 2. 12. 1935 um Beratung, und am 4. 4. 1936 kam eine Vereinbarung über die Übereignung des Nachlasses an das Archiv zustande. Dr. Güttsches wachte auch über die sich viele Jahre hinziehenden Ablieferungen:

1. Im April 1936 kamen die I-XXVIII und XXX-XXXI bezeichneten Schnellhefter, die Erinnerungstexte samt Akten, Drucksachen und Zeitschriften enthielten, sowie die Schnellhefter Nr. 1-36, 55-56 ausschließlich mit Akten-, Druck- und Zeitungsgut.

2. Im Juni 1937 wurden die mit XXIX, XXXII und XXXIII bezeichneten und Erinnerungsaufzeichnungen enthaltenden Schnellhefter und ferner die Schnellhefter Nr. 37-53, 58-62, 67-79 angeliefert. - Damit hatte Marx das von ihm intensiv bearbeitete Material aus der Hand gegeben.

3. Das Jahr 1942 brachte am 30. 1. etwa 150, im März etwa 40 und im August rund 250 Reichtagsmappen, worin das Material nun gefüllt wurde, ins Archiv. - Damals war der Nachlaß bereits in den Kriegsbergungsort Junkernthal verbracht worden.

4. Anfang September 1944 wurde aus der Wohnung von Marx mit einem mittleren Lastkraftwagen übriges Material, das auch in Reichstagsmappen verpackt war, nach Köln geschafft. Eine Liste ist darüber nicht angelegt worden.

5. Am 5. 10. 1957 übergab Landgerichtsdirektor Josef Marx 6 Schnellhefter mit Langschriftübertragungen von Notizen aus den Taschenkalendern von 1922-1925, 1927-1928 und 1936; sie bekamen damals die Signatur II 1-6.

6. Am 4. 12. 1966 trafen die Übertragungen für die Jahre 1920-1921 und 1929-1930, eine Mappe mit den Akten über Ehrungen und Auszeichnungen, die Erinnerungen über seine Kindheit und Jugend, die beruflichen Anfänge und Verlobung und Heirat sowie über 1000 Einzelschriftstücke - z. T. mit Autographenwert - ein. Darüber liegt eine allgemein gehaltene Übergabeliste vor.

7. Am 22. 3. und am 23. 4. 1967 wurden Mappen mit Karikaturen, mit Bildern und mit Zeitungsausschnitten über die Reichspräsidentenwahl von 1925 und ferner restliche Einzelschriftstücke überbracht.

8. Am 5. 6. 1967 wurden dem Archiv zudem Alben, Photographien und andere Bilder übereignet.

Insgesamt stellte sich der Bestand Marx vor der Bearbeitung in folgender Aufstellung dar:

Nr. I-XXXIII: Erinnerungsberichte, Akten, Drucksachen, Zeitungen [58];

Nr. II 1-6: Erinnerungsberichte;

Nr. 1-79: Anlagenhefte mit Akten, Drucksachen, Zeitungen;

1074 ungezählte, erst im Archiv numerierte Reichstagsmappen mit Akten, Drucksachen und vornehmlich Zeitungen; Nr. 694 enthielt den bei Gelegenheit des Anschlusses von Österreich angefertigten Erinnerungsbericht;

25 Beiakten genannte Schnellhefter ebenfalls mit Akten, Drucksachen und Zeitungen;

je 2 Bände Anlagen A-D und je 1 Band Anlagen E, G, H; insgesamt mithin 11 Schnellhefter.

Zusammen fanden sich also 1228 Schnellhefter und namentlich Reichstagsmappen vor. Dazu kamen besonders von den letzten Ablieferungen nicht gezählte Schnellhefter und Mappen und viel loses Material. Ein Ordnungsschema war weder auf den Gesamtbestand noch auch auf die einzelnen Ablieferungsgruppen je zur Anwendung gekommen. Innerhalb der Schnellhefter und Mappen hatte Marx zwar mit vieler Mühe vorgeordnet, es war ihm jedoch keineswegs gelungen, zum jeweiligen Sachthema alles vorhandene Material zu erfassen. Marx¿ jahrelange Vorordnungsbemühungen haben erste Schneisen in den Wald gelegt; eine gründliche Durchforstung blieb dem Archiv als Aufgabe.

III. Die archivarische Bearbeitung des Nachlasses

Angefaßt wurde diese Aufgabe im Dezember 1964. Aufgefaßt wurde sie dahin, daß sie mit doppeltem Ziel zu lösen sei. Einmal nämlich sollten - nach archivarischer Selbstverständlichkeit - mit den Erinnerungsberichten und Schriftstücken, mit den Drucksachen und Zeitungsausschnitten Akten bzw. Bündel gebildet werden, in denen inhaltlich bzw. gegenständlich Zusammengehöriges auch beieinander läge; danach sollten die Akten bzw. Bündel nach einem übersichtlichen Gliederungsschema durchgeordnet werden. Als zweites Ziel drängte sich eine möglichst allseitige Aufnahme des Gesamtbestandes und eine möglichst eindringende Erschließung seiner wertvolleren Teile auf.

Die Formierung der Akten bzw. Bündel

Der bewährte Archivarsgrundsatz, von der Provenienzstelle Zusammengelegtes nicht ohne Not wieder zu trennen, stand auch als Leitstern über den Ordnungsarbeiten an diesem Nachlaß. Er bereitete hier viel Kopfschmerzen, zwang zu vielen mehr oder minder glücklichen Kompromissen. Es hätte nahegelegen, den Gesamtbestand in fünf große, von der Eigentümlichkeit ihres Inhalts und ihrer Gestalt her geprägte Gruppen zu unterteilen: Erinnerungsberichte, Akten, Drucksachen, Zeitungsausschnitte, Bilder. Nichts wäre leichter gewesen, als auf dieser Grundlage den Nachlaß einfach und klar aufzubauen. Das ist unterblieben.

Entgegen standen nämlich einer völligen Neuformierung der Akten bzw. Bündel dieses Bestandes die von Marx in den Erinnerungsberichten laufend angebrachten Verweise auf die Zwischen-, Bei- und Anlagen. Dies nötigte dazu, mindestens die für die Erinnerungsberichte formierten Akten im übernommenen Zustand zu belassen. Doch ließ auch das sich nicht ohne Ausnahmen durchführen. Die zwischen den Einzelseiten der Erinnerungsberichte befindlichen Stücke mußten von ihrer Stelle, weil sie sonst den Gang der Inhaltsanalysen der Niederschriften unterbrochen hätten. Meistens konnten diese Akten oder Drucksachen zu denen am Schluß der Berichte genommen werden, oder sie wurden mit diesen und denen in den Anlagenheften vereinigt, weil die Schriftstücke innerlich zusammengehörten. Jede so formierte Akte erhielt außerdem in der Regel noch erheblichen Zuwachs von bis dahin losen oder in anderer unzusammenhängender Nachbarschaft befindlichen Schriftstücken. Jedenfalls liegen diese Akten auch heute in unmittelbarer Nähe der auf sie Bezug nehmenden Erinnerungsberichte: also entweder anschließend im selben Band oder in einem folgenden eigenen Aktenband. Drucksachen und Zeitungsausschnitte wurden nur dann, wenn Marx sie in allzu großer Zahl den Erinnerungsberichten beigegeben hatte, entfernt, in den neuen, eigens dafür eingerichteten Abteilungen des Bestandes untergebracht und dort im allgemeinen gleichfalls um gegenständlich Zusammengehöriges, das sich anderswo fand, vermehrt. Mithin sind einzelne Bezugnahmen in den Erinnerungsberichten gestört worden, und zwar solche, die sich auf aus Zeitungs- und Druckgut bestehende Zwischen-, Bei- und Anlagen bezogen. Es geschah unter dem Druck der Notwendigkeit, reines Zeitungs- und Druckgut, wenn es in größerem Umfang sich dort traf, aus der Aktenabteilung heraus- und in die dafür eigens eingerichteten hineinzubringen. Die Schonung der von Marx formierten Akten war gleichwohl oberster Grundsatz. Sie war begründet in dem Respekt vor dem Nachlasser und seinen Ordnungsarbeiten. Wo es um der Klarheit willen durchaus nicht anging, ist so behutsam wie möglich getrennt worden. Das Wiederfinden macht keine Schwierigkeiten.

Wenig ist über die Ansammlungen von Schriftstücken mit innerem Sachzusammenhang zu sagen; wo immer sie sich fanden und wo immer zusätzliches loses Material auftauchte: alles wurde in hergebrachter Weise zu einer Sachakte vereinigt. Schreiben, in denen nicht eine, sondern vielerlei Sachen angesprochen sind, wurden, wenn eine bestimmte Sache als auslösender Beweggrund der Abfassung zu erkennen war, der entsprechenden Sachakte zugeteilt. War indes ein Motiv für die Abfassung nicht eindeutig auszumachen, dann mußte auf die vom Bearbeiter mit sehr allgemeinen Betreffen gebildeten Sachakten - deren Einrichtung unumgänglich war, wollte man anders eine Vielzahl von schmalbrüstigen Sachakten vermeiden - für die Unterbringung zurückgegriffen werden: etwa Nr. 142: Kommunalangelegenheiten, Nr. 147: Verschiedene Kirchenangelegenheiten, Nr. 176-177: Verschiedene Schulangelegenheiten, Nr. 182-183: Verschiedene Studenten- und Akademikerangelegenheiten, Nr. 184: Verschiedene Rechts- und Justizfragen, Nr. 206: Verschiedene Wirtschaftsangelegenheiten, Nr. 211: Bevölkerungspolitische Fragen, Nr. 219 und 227: Verschiedene Zentrumsangelegenheiten. War schier kein sachliches Thema in einem Schreiben behandelt, dann gab es dafür nur die Ausflucht: Nr. 37-38: Briefe von Freunden und Bekannten. In Nachlässen überwiegen eben Schreiben, denen Sachtrennung abgeht, und zahlreich sind darin auch solche, die nicht aus sachlichen, sondern persönlich-privaten Gründen geschrieben worden sind, fast die Regel aber sind diejenigen mit sachlichen und privaten Beweggründen im Gemenge. Wer da Akten nach Behördenbrauch hätte bilden wollen, mußte scheitern; und wer die hier vorgenommene Aktenbildung nach behördlichen Registraturregeln mißt, der legt eine falsche Elle an.

Kassationen haben nur in bescheidenstem Umfang stattgefunden. Sie beschränkten sich auf Notizzettel mit Vermerken unwichtigen oder nur vorübergehenden Charakters. Im Gegenteil sind an Marx oder an den Reichstag gerichtete Bittstellereingaben, die sich als Einschlagpapier für Akten oder Zeitungen fanden, nicht vernichtet, sondern den in Betracht kommenden Akten oder Bündeln zugeteilt worden. Gerade weil es sich um einen exemplarischen Nachlaß handelt, dürften der Gedanke und das entsprechende Verfahren gerechtfertigt sein, das Leben eines Reichskanzlers und tonangebenden Politikers der Weimarer Epoche auch in der Konfrontation mit dem Alltag des Volkes und in seinen sicherlich nicht wichtigen, aber doch unmittelbaren Beziehungen zum Mann auf der Straße zu dokumentieren.

Was über die Formierung der Akten ausgeführt ist, gilt sinngemäß und mit den durch die Eigenart des Stoffes bedingten Abwandlungen auch für die Art und Weise, wie die Bündel mit Druckschriften unter Sachbetreffen gebildet worden sind. Es kann gleichwohl vorkommen, daß thematisch zusammengehörige Dinge auf zwei oder drei benachbarte Bündel sich verteilt finden, die gleichlautend überschrieben sind. Bei dem Durcheinander in den von Marx nur flüchtig oder gar nicht vorgeordneten Teilen des Bestandes ließ sich Zusammengehöriges nur mit Mühe zusammenbringen. Die groben Fehlzuordnungen wurden bereinigt. Ein letzter Schliff freilich fehlt. Aus Gründen der Arbeitsersparnis wurde auf ihn verzichtet. Diesen Schönheitsfehler heilt ohne weiteres das Register.

Manchen Kummer und viel Mühe machten auch die Zeitungsausschnitte. Oft mag Marx die Formulierung von Betreffen auf die ersten Zeitungsausschnitte, die er einer Mappe einfügte, abgestellt haben; später aber hat er, nachdem er solche mit verwandter Thematik beigefüllt hatte, den einmal gegebenen Titel nicht entsprechend geändert. Auch hatte er offenbar früher eingerichtete Mappen nicht mehr griffbereit, als neues einschlägiges Material hinzukam; dieses kam dann bei benachbarten Betreffen unter. Gleichfalls hat er bestimmte Ausschnitte eine Zeitlang unter speziellen, zu anderer Zeit unter allgemeiner formulierten Titeln untergebracht. Seine Vorordnung war also, da ihr keine methodisch formulierten und einem übersichtlichen Gliederungsschema eingepaßten Sachbetreffe zugrunde lagen, ziemlich prinzipienlos. Wollte man eine klare Ordnung erzielen und außerdem einigermaßen sicherstellen, daß unter dem gewählten Titel sich dorthin Gehöriges auch wirklich findet, blieb keine andere Wahl, als einmal ganze Themenkreise - etwa I, II, V, VII-XII, XXII, XXIV, XXVII - neu zu sortieren, dann bei anderen mit überaus allgemein gehaltenen Titeln und zeitlich weniger fixierten Grenzen - so XIII-XV - vorliebzunehmen und schließlich auch sonst viele Titel anders als Marx zu formulieren; letzteres ist so oft geschehen, daß darüber im einzelnen nur schwer noch Rechenschaft gegeben werden könnte. Um Kleinstbündel zu vermeiden, wurden überdies Mappen mit sehr speziellen Themen meist denen des übergeordneten Betreffs beigefügt. Doch ließen sich Überschneidungen nicht ganz umgehen: beispielsweise liegen sie vor zwischen Nr. 883 und 977 oder zwischen Nr. 773, 775 und 1017; Berührungen in Fragen der akademischen Berufe haben Nr. 825 f. mit Nr. 958. Außerdem sind die von Marx für die einzelnen Jahre 1922-1938 jeweils eingerichteten Mappen aufgelöst und ihr Inhalt auf die Sachbetreffe verteilt worden. Bei den Zeitungsausschnitten ließen sich mithin die von Marx gewählten Mappenbildungen und Betreffsformulierungen um einer klaren Ordnung und übersichtlichen Gliederung willen am allerwenigsten respektieren. Schäden dürften dadurch kaum entstanden sein, da das gesammelte Zeitungsgut nicht durch innere Zusammengehörigkeit verbunden ist.

Bis zuletzt fanden sich während der Verzeichnungsarbeiten an unvermuteten Stellen Aktenstücke, Drucksachen und Zeitungsausschnitte, die andernorts einzufügen waren. Nach vermeintlichem Abschluß des Manuskripts mußten die drei jüngsten Ablieferungen gehörigen Orts in die verschiedensten Akten und Bündel eingegliedert werden. Bis zum letzten Ende der Arbeit war nichts fraglicher als der Inhalt, den die einzelne Akte oder ein Drucksachen- und Zeitungsbündel schließlich besitzen würde. Von einer Numerierung der Schriftstücke bzw. Drucksachen oder Zeitungsausschnitte innerhalb der Akten bzw. Bündel ist daher während der Verzeichnung abgesehen worden. Sie wäre sonst mehrfach über den Haufen geworfen worden. Erst nach restlosem Abschluß dieser Arbeit konnte ungescheut innerhalb der Akten und Bündel durchgezählt werden; für das Inventar war das dann nicht mehr zu verwerten.

Die Formierung der Akten bzw. Bündel war bei der Arbeit an diesem Nachlaß die schwierigste Aufgabe. Da die an einem kleinen Teil des Bestandes vorgefundene Formierung respektiert werden sollte, dadurch aber die Formierung der übrigen ungleich größeren Zahl von Akten und Bündeln - und zwar mit Kompromißlösungen - determiniert, andererseits darüber hinaus dauernd neuer Stoff einzuarbeiten war und deswegen vorgesehene Akten und Bündel sich über die anfangs gesteckte Themenbegrenzung unverhältnismäßig stark erweiterten, in Einzelfällen gar gesprengt wurden, blieb bis zum allerletzten Schluß ein genauer Überblick über das Vorhandene unerzielbar. Dieser mißliche Umstand - es blieb keine andere Möglichkeit - verwässerte vor allem die Klarheit darüber, in welcher Form die Akten von Marx und in welcher vom Bearbeiter gebildet worden sind. Sind die einzelnen Bände, die Marx formiert hat, an den von ihm beigefügten Aktenschwänzen genau erkennbar, so ist der Inhalt nicht ganz von ihm allein eingefügt worden. Immerhin blieben die Titel, die Marx für seine Akten und Drucksachenmappen gewählt hat, eindeutig erhalten. Die Reichstagsmappen mit den Zeitungsausschnitten und damit die ihnen von Marx aufgeschriebenen Titel mußten dagegen aus Gliederungserfordernissen und aufbewahrungstechnischen Gründen aufgegeben werden. Die Arbeit am Nachlaß Marx war ein steter Kampf mit, aber auch eine ständige Freude an Überraschungen.

Ordnung und Gliederung des Gesamtbestandes

Die von Marx gewählte und vom Bearbeiter nach Möglichkeit respektierte Formierung eines Teils der Akten prädestinierte ebenfalls die Gliederung des Gesamtbestandes. Eine klare Sonderung nach den einzelnen Gattungen des Quellenstoffs und eine dementsprechende Gliederung des Nachlasses waren nicht mehr möglich. Unter diesen Umständen empfahl sich keine eigene Abteilung für die Erinnerungsberichte. Wegen ihrer zusätzlichen Befrachtung hauptsächlich mit Aktengut - nur zum geringeren Teil mit Drucksachen und Zeitungsausschnitten - sind sie grundsätzlich in die Abteilung ”Akten" übernommen worden. Für die Drucksachen und die Zeitungsausschnitte lag die Einrichtung selbständiger Abteilungen ohne weiteres nahe. Finden sich in ihnen keine Schriftstücke - einzelne wenige Übersendungsschreiben ausgenommen -, so konnte die Aktenabteilung wegen des Vorgehens von Marx, der daraus sich für die Aktenformierung des Bearbeiters ergebenden Konsequenzen und auch manchmal aus Zweckmäßigkeitsgründen nicht durchgehend von Drucksachen und Zeitungsausschnitten befreit werden. Hier tritt der Kompromißcharakter am stärksten in Erscheinung. Die Bildersammlung ist nach Formaten gelagert, aber sachlich und zeitlich geordnet. Die Gliederungen innerhalb der einzelnen Abteilungen sind auf deren jeweilige Bedürfnisse hin entworfen worden. Mit Hilfe der Inhaltsübersicht soll die verhältnismäßig eingehende Untergliederung einen raschen Überblick gewährleisten. Die Reihenfolge der Akten innerhalb der Untergruppen ergab sich z. T. durch ein chronologisches und z. T. durch ein der Sache nach bestehendes Nacheinander. Freilich gab es auch da Schwierigkeiten, deren Erörterung im einzelnen kaum angebracht ist und die in irgendeinem Sinne entschieden worden sind. In den Untergruppen ”Vereine" - mit Ausnahme der Nr. 257 und 258 wegen eines vorhergehenden Erinnerungsberichtes - und ”Persönlichkeiten" bot sich das Alphabet als Ordnungsmittel an. Weder für die Haupt- noch für die Untergliederung hat der oben geschilderte Gang der Entstehung der Erinnerungsberichte noch auch die dargelegte Auffolge der Ablieferungen geeignete Handhaben geboten; beide waren vom Zufall bestimmt und nicht von einer vorgeplanten Ordnung getragen.

Die Erschließung des Bestandes

Mit bloßer Titelaufnahme der Akten und vielleicht hinzugefügten Umfangsangaben, mit mehr oder minder allgemein umschreibenden Aufschriften für die Drucksachen- und Zeitungsausschnittsbündel ließ sich, das war von vornherein ersichtlich, der vielfältige Inhalt nicht fassen. Wie konnten die Erinnerungsberichte mit ihrer Unzahl von Namen und Sachen anders als durch Analysen erschlossen werden? Wie ließ sich die fehlende Sachtrennung in einem Großteil der Schriftstücke, kompliziert durch eine bis vor dem letzten Ende unmöglich abzuschließende Formierung der Akten bzw. Bündel, überwinden? Daß das mit Intus-Vermerken nicht zu bewältigen war, stellte sich bald heraus; es sei denn, man wäre willens gewesen, Unübersichtlichkeit und innere Zusammenhanglosigkeit unter einer Vielzahl von Intus-Vermerken zu einer einzigen Titelaufnahme als unausweichlich hinzunehmen. Da Analysen für die Erinnerungsberichte herzustellen waren, lag es nahe, für die beiliegenden und für die in eigenen Bänden zusammengefaßten Schrift- und Drucksachen Einzelregesten anzufertigen. Gerade im vorliegenden Fall aber erschien der Schritt von der herkömmlichen Verzeichnung zur eindringenden Erschließung als besonders wünschenswert, weil es sich um einen Bestand von zentralem Quellenwert und von repräsentativer Bedeutung handelt. Dieser Wertgesichtspunkt verleitete also einen anpassungswilligen Pragmatismus, bisher wohl unversuchte Wege zu beschreiten und Inventar, Regestenwerk und Quellenedition auf Fondsgrundlage nach elastisch gehandhabten Bearbeitungsprinzipien zu verbinden. Dabei konnte das anspruchsvolle Ziel gesteckt werden, jeden Eigennamen und jede Sache, sofern sie nicht ganz und gar bedeutungslos sind, zu entschlüsseln. Dies geschah natürlich auch wiederum nicht in starrer, sondern ebenfalls in flexibler Weise: Redemanuskripte und -stichworte, amtliche Denkschriften und Presseberichte, den Schreiben beigefügte Drucksachen- und Zeitungsanlagen sind nicht auf vorkommende Eigennamen und alle angesprochenen Sachen hin ausgewertet worden. Freilich wird sich dieser hier unternommene Versuch noch zu bewähren haben. Immerhin dürfte eine nach ausgewählten Fonds vorgehende Erschließung, die je nach Aussagewert der Einzelvorlage mit voller Quellenwiedergabe, Vollregest mit Quellenauszügen und Kurzregest elastisch arbeitet, gerade der Zeitgeschichte Vorteile bieten. Sie verbürgt Vollständigkeit in der Erfassung des Gesamtmaterials durch ihren Inventarcharakter und vermittelt für die geschichtliche Arbeit, der es auf Inhaltsan- oder -wiedergäbe allen zum jeweiligen Thema gehörenden Materials ankommt, in der Regel eine ausreichende Bereitstellung von Gehalt oder gar Wortlaut der Stoffe durch ihren quellenausschöpfenden Charakter. Der Neigung, Arbeiten auf zu schmaler Quellengrundlage aufzubauen, könnte jedenfalls so wirksam begegnet werden, ohne die Forscher mit zu ausgedehnter Such-, wohlgemerkt nicht Archivarbeit zu belasten.

Die angestrebte vollständige und allseitige Erschließung der Kernteile des Bestandes forderte vom Bearbeiter Stück für Stück die Entscheidung, in welcher Form und in welchem Umfang er den Inhalt wiedergeben sollte: ob es mit einem einfachen Nachweis über das Vorhandensein getan war, ob ein kurzes oder ein durch Quellenauszüge angereichertes Regest sich empfahlen oder ob mehr oder minder vollständige Wiedergabe der Vorlage vonnöten war. Der Bearbeiter ist sich bewußt, daß Stück für Stück seine Entscheidung über die Aussagekraft der jeweiligen Vorlage angefochten und daß die jeweils gewählte Behandlungsart gebilligt wie auch abgelehnt werden kann. Dem einen Kritiker ist sicherlich zu wenig, dem anderen gewiß zu viel geboten. Man mag sich indessen vergegenwärtigen, daß es einen objektiven Maßstab für das Wesentliche und also im Wortlaut Abzudruckende nicht gibt, daß mithin ein subjektives Moment bei der Auswahl nicht auszuschließen ist. Geleitet hat hier die Erfahrungstatsache, daß Archivbenutzer für gewöhnlich wissen wollen, ob zu einer fraglichen Person oder Angelegenheit überhaupt, in welchem Umfang und in welchem Sinne etwas vorhanden ist. Diesem sollte im einzelnen genügt werden. Der Benutzer aber, der mit dem Gebotenen nicht auskommt, erhält immerhin eine genaue Vorstellung darüber vermittelt, was ihm eigene Akteneinsicht zusätzlich bieten wird. Nur in elastischer Anpassung an die Vielfalt der Vorlagen war ihr Reichtum zu meistern. Ausgewählt wurden die Wortlaut-Wiedergaben überdies nicht allein im Hinblick auf ihren historisch verwertbaren Gehalt oder ihre Aussagen über Marx, vielmehr galt es, auch die Eigenart von Gedanken, Sicht oder Urteilen sowie etwas vom Stilkolorit des Schreibers zu dokumentieren.

Titelaufnahmen, Titelaufnahmen mit Intus-Vermerken, Akteninhaltsbeschreibungen

Der Pragmatismus, dem bei der Arbeit an diesem Nachlaß gehuldigt wurde, verhinderte freilich, daß die Einzelregestierung eines jeden Stücks zum unbedingten Grundsatz erhoben wurde. Es gibt Akten, die in dieser Bestandserschließung nur mit üblicher Titelaufnahme und nichts weiter erscheinen [59]. Es gibt darin Akten, die mit Titelaufnahmen und zusätzlichen Intus-Vermerken behandelt sind [60]. Nach dem geschätzten Wert des Aktenbandes richtete sich die Intensität der Erschließung. Natürlich finden sich die in diesen so behandelten Akten vorkommenden Eigennamen und Sachen nicht alle in der Titelaufnahme; diese aber sind dann von so untergeordneter Natur und von so beiläufigem Charakter, daß sie eine gedruckte Erwähnung nicht verdienen. Für Schriftstücke, die in großer Zahl aus demselben Anlaß und mit demselben Hauptanliegen - wie bei den Geburtstagsgratulationen [61]- geschrieben worden sind und bei denen es eigentlich nur darauf ankam, Art und Grad des persönlichen Verhältnisses zu verdeutlichen, wurden Akteninhaltsbeschreibungen in der Form versucht, daß mindestens der Absender und, wenn tunlich, kennzeichnende Passagen des Schreibers angeführt wurden. Erstreckte sich das Anliegen über längere Zeiträume - wie bei den ”Kränzchen"- Einladungen und -Entschuldigungen [62]- dann war zusätzliche Datumsangabe unerläßlich. Die Stückbeschreibungen blieben als in diesen Fällen unwichtig beiseite.

Einzelregesten und Sammelregesten

Allerdings wird das Gesicht dieser Bestandserschließung geprägt von Regesten für das Einzelschriftstück. Ist gleich bei ihrer Abfassung ebenfalls je nach Inhalt elastisch verfahren worden, gibt es kurze Regesten für lange und lange Regesten für kurze Schriftsätze, sind vor allem Erlasse, Protokolle und Denkschriften von Behörden, da sie in den amtlichen Registraturen in ihrer Genese eingehender zu verfolgen sind, nicht ausführlich wiedergegeben worden, sind die Drucksachen ohnehin nur mit Kopfregest bedacht worden, so galten allgemein auch hier die Regeln, die von der für mittelalterliches Schriftgut entwickelten Regestentechnik beachtet werden [63]. Aber Abwandlungen drängten sich auf. Wenn in aufeinanderbezogenen Schreiben Orts- und Personennamen später wiederholt sind und die Sache nochmals dargestellt worden ist, wurde in den Regesten für die späteren Schreiben nur noch das Neue berücksichtigt; denn die zu einer Sache in Betracht kommenden Schriftstücke müssen gewiß alle herangezogen werden, und somit ist für sie insgesamt das Prinzip der vollständigen Namens- und Sachenerschließung gewahrt [64]. Selbstverständlich wurde auch Gebrauch gemacht von einem Sammelregest für mehrere Schriftstücke; aus den Datums- und den Umfangsangaben ergibt sich deren Anzahl [65]; eine eingeklammerte Datumsangabe hinter einer wörtlichen Wiedergabe weist in diesen Fällen auf die in Betracht kommende Vorlage hin. Der Kern der Anforderungen an ein Regest ist durch alle diese Änderungen nicht getroffen: Namen und Sachen kommen trotz der Raffung vollständig zu ihrem Recht.

Analysen und Quellenwiedergaben

Einen wichtigen Bestandteil des Nachlasses bilden ohne Zweifel die Erinnerungsberichte. Marx hat ihren Inhalt nicht gestrafft. Eine Analyse in Stichworten erschien indes als ungenügend. Um die Richtung und den Sinn von Marx¿ Ausführungen zu kennzeichnen, mußten im allgemeinen zusammenhängende Sätze formuliert werden. Natürlich durfte dabei nicht unterlassen werden, gewisse Kernsätze oder Persönlichkeitscharakterisierungen wörtlich wiederzugeben. Eine besondere Schwierigkeit ergab sich dadurch, daß Marx in den Erinnerungsberichten dieselben Ereignisse wieder und wieder aufgriff. Neue Gesichtspunkte treten dabei hervor, die Formulierungen sind anders gefärbt. Daher erwies sich eine angemessene Berücksichtigung auch der Wiederholungen als unumgänglich. In runden Klammern beigefügt sind die Seitenangaben nach der von Marx vorgenommenen Zählung.

Durch Quellenauszüge und Volldrucke sollten die wichtigeren Stellen oder Stücke wörtlich an die Hand gegeben werden. Bei der Auswahl hofft der Bearbeiter das Wesentliche im allgemeinen getroffen zu haben. Enttäuschte Benutzer mögen sich vor Augen halten, daß er nicht auf ihre Sonderwünsche für ihre Spezialthemen hin vorarbeiten konnte. Vor Augen halten möge man sich gleichfalls, daß diese Bestandserschließung nicht allein der politischen Historie, sondern allen Zweigen geschichtlicher Forschung dienen will. Daß dabei regionale und lokale Interessen - besonders kölnische - Stellenwert zuerkannt erhielten, ist bei dem Aufgabenkreis des Bearbeiters gewiß verständlich.

Die Aufnahme der Drucksachen

Eine Zusammenfassung der Drucksachen in Bündeln mit charakterisierender Aufschrift, wie der Bearbeiter sie gern angestrebt hätte, verbot ihre divergierende Thematik und ihre große Verschiedenheit in Anlage, Zweck und Verfasserschaft. Auch hier, so schien es, will der Benutzer wissen, um welches Stück es sich im einzelnen handelt. Das führte zwangsläufig zur Einzelverzeichnung. Nur bei den Parlamentsdrucksachen boten sich Zusammenfassungsmöglichkeiten, die eifrig genutzt wurden. Wer hier weiterführende Regeln erwartet über die Frage, wann eine Vervielfältigung als Drucksache zu nehmen ist und wann nicht, der muß sich enttäuschen lassen; wohl kaum wird man hier zu eindeutigen Trennmerkmalen gelangen können.

Die Zeitungsausschnittskennzeichnungen

Marx hatte, wie dargelegt, den Reichstagsmappen mit Zeitungsausschnitten Aufschriften gegeben, die schlagwortartig konzipiert waren und Zeitangaben der Veröffentlichung der Artikel enthielten. Im großen und ganzen ist dieses System als das zweckmäßigste beibehalten worden. Für unter allzu allgemein gehaltenen Aufschriften gesammeltes Material wurden indessen neue, spezieller bezeichnete Bündel eingerichtet. Allzu speziell betitelte Mappen wurden umgekehrt allgemeiner je nach Inhalt bezeichnet. Viele Mappen mit einer kleinen Anzahl von Ausschnitten wurden mit solchen verwandten Inhalts zusammengelegt. Verfehlt abgelegtes und loses Material gelangte an seinen gehörigen Ort. Marx' Aufschriften wurden erweitert um Angaben über Artikel mit Spezialproblemen oder über Artikel, die nicht zum Thema gehören, aber auf demselben Zeitungsblatt sich befinden und als von Interesse erachtet wurden. Eine zusätzliche Mühe machte der Nachweis von Verfassern, die ihre Artikel namentlich gezeichnet haben. Besonders für die Geschichte einzelner Journalisten und der Journalistik allgemein sollte damit vorgesorgt werden. Die Anzahl der in einem Bündel vorhandenen Ausschnitte bringt die Zahlenangabe hinter dem Titel. In der Regel mußten die Jahreszahlen als Zeitbestimmung genügen.

Die äußere Gestaltung der Texte

Bei der Abfassung der Regesten und der Textherstellung der Voll- und Teilabdrucke wurde im großen und ganzen nach den üblichen Richtlinien verfahren. Alle wörtlichen Übernahmen aus den Vorlagen sind kursiv gesetzt. Enthalten die übernommenen Texte ihrerseits wörtliche Wiedergaben von Dritten, dann wurden diese durch Anführungsstriche gekennzeichnet. Zeitungs- und Zeitschriftennamen und die Titel der Kopfbögen sind durch einfache Anführungsstriche herausgehoben worden. In den Ursprungstexten sind Tipp- und übersehene Rechtschreibefehler stillschweigend verbessert worden. Größere Versehen kennzeichnet ein spitz eingeklammertes Ausrufungszeichen <!>, unsichere Lesungen ein spitz eingeklammertes Fragezeichen <?>. Innerhalb von wörtlichen Wiedergaben stehen in runden Klammem Abschnitte, die in der Vorlage ebenfalls eingeklammert sind. Aufgelöste Kürzungen und nur die zweifellosen Ergänzungen des Bearbeiters befinden sich in eckigen Klammern []; alle übrigen Ergänzungen des Bearbeiters, besonders Konjekturen und Emendationen, wurden in spitze Klammern <> eingeschlossen. Auslassungen sind durch drei Punkte ... angedeutet; betroffen sind davon nur nebensächliche Passagen; deren Inhalt zusätzlich zu kennzeichnen, erschien als überflüssig. Grundsätzlich sind bei Voll- und Teilwiedergaben alle Anreden - auch die in den Text eingestreuten - fortgelassen worden. Ebensowenig erscheinen am Schluß der Schreiben die Courtoisien; ob diese eigenhändig oder mit der Maschine oder von einer Kanzleihand geschrieben worden sind, ist in den Stückbeschreibungen nicht angegeben. Auch Titulaturen und akademische Grade fielen dem Bestreben nach Kürze weitgehend zum Opfer. Besonders sind die Endsilben von Eigenschaftswörtern und ist dort, wo es ohne Schaden für die Leichtigkeit schnellen Verständnisses geschehen konnte, abgekürzt worden. Die eigentlichen Abkürzungen sind in einer vorangestellten Liste zusammengefaßt. Die dafür verwandten Siglen sind auch in den wörtlichen Zitaten benutzt worden. Worte, die in der Vorlage unterstrichen sind, sind in der Druckwiedergabe gesperrt worden. Indessen sind nur die Unterstreichungen hervorgehoben worden, die augenscheinlich vom Verfasser des jeweiligen Textes stammen. Unterstreichungen mit Färb- und Bleistiften finden sich fast in jedem Schreiben; diese dürften nicht einmal immer bei der Bearbeitung des Schreibens durch den Empfänger angebracht worden sein; vielmehr ist zu vermuten, daß Marx bei der Abfassung der Erinnerungsberichte viele hinzugefügt hat; wegen ihrer Häufigkeit brauchte auch nicht in den Stückbeschreibungen auf sie hingewiesen zu werden; man darf sie allgemein als in großer Zahl vorhanden voraussetzen. Marx hatte zudem eine Schwäche für Ausrufungszeichen; sein übermäßiger Gebrauch ist in den Analysen der Erinnerungsberichte nicht mitvollzogen worden. Selbstverständlich wurde bei wörtlichen Wiedergaben seine Interpunktion beachtet. Bei Abfassung der Regesten sind die - besonders nach 1933 häufigen - Namensverschlüsselungen aufgelöst worden; die Umschreibungen anzuführen, hätte viel Platz beansprucht; leider fehlt es bisher an einem Zeichen, das aufgelöste Namensverschlüsselungen ohne weiteres als solche kenntlich macht. Eine Unterschrift ist nur dann eigenhändig vollzogen worden, wenn sie ausdrücklich als solche charakterisiert ist. Die bloße Angabe ”Unterschrift" bedeutet, daß diese gedruckt oder maschinengeschrieben ist.

Die Stückbeschreibungen bringen nur das Nötigste. Die Seitenangaben sollen eine ungefähre Vorstellung vom Umfang des Schriftstücks vermitteln. Bei handschriftlich ausgefertigten Schriftstücken hängt natürlich viel davon ab, ob jemand groß oder klein, mit weitem oder mit geringem Zeilenabstand schreibt. Auch die Bezeichnungen ”Seite" oder ”Halbseite" können nur als Annäherungscharakterisierung genommen werden, da in den 20er Jahren die Papierformate noch wenig genormt und ausgefallene Formate Modeerscheinung waren. Der Beschreibstoff ist nur dann gekennzeichnet, wenn er nicht aus Papier besteht, die Sprache der Vorlage, wenn sie nicht deutsch ist. Auf die Köpfe der Briefbögen mußte eigens geachtet werden, oft um die Eigenschaft, aus der heraus der Absender tätig wurde, festzuhalten, oft um dessen Tätigkeitskreis anzudeuten. Nicht als Kopfbögen sind diejenigen Briefbögen behandelt worden, die nur mit dem Wohnort des Absenders bedruckt sind. Von Reisen aus wurden häufig Briefbögen von Hotels oder Pensionen benutzt; auch diese blieben unbeachtet. Nicht angegeben wurde in den Stückbeschreibungen von Abschriften, ob die Originalvorlage auf Kopfbogen geschrieben war, selbst wenn die Abschrift dies berücksichtigte. Konzipientenparaphen wurden nur in bedeutend erscheinenden Ausnahmefällen vermerkt; ihre Auflösung gelang meist nicht, weil Vergleichsmaterial nicht zur Verfügung stand. Auch nur ausnahmsweise ist auf Eingangsvermerke, Bearbeitungsanweisungen, Kenntnisnahmezeichen und sonstige Geschäftsgangnotizen eigens hingewiesen worden. Besiegelungen oder Stempelungen sind dagegen vermerkt worden.

Abschließend möchte ich mich der angenehmen Pflicht entledigen, vielen freundlichen Helfern zu danken. Durch Auskünfte haben mich das Politische Archiv des Auswärtigen Amts in Bonn, das Stadtarchiv Düsseldorf, das Public Record Office in London, das Allgemeine Reichsarchiv in Brüssel und vor allem das Diplomatische Archiv des französischen Außenministeriums in Paris unterstützt. Herr Landgerichtsdirektor Josef Marx, Köln, hat den Fortgang der Arbeiten mit wachsendem Interesse begleitet und besonders Aufklärungen über verwandtschaftliche Verhältnisse vermittelt. Guten Rat habe ich oftmals von Frl. Oberarchivrätin Dr. von den Brincken und Herrn Stadtarchivdirektor Dr. Güttsches erhalten; viele Mitarbeiter des Historischen Archivs der Stadt Köln sind mir mit vielerlei Hilfen zur Hand gegangen. Herr Generalkonsul Dr. Hans Gerling, Köln, das Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung in Bonn, die Kulturverwaltungen des Landschaftsverbandes Rheinland und der Stadt Köln stellten die umfangreichen Mittel zum Druck des Werkes bereit. Ohne die jahrelange Entsagung meiner lieben Frau auf jene vielen Stunden, die gemeinsamer Lebensgestaltung gelten sollten, wäre die Arbeit nicht zustande gekommen.

[1] Vgl. Nr. 52; unten I S. 259.

[2] Vgl. Nr. 219, Schreiben von 1906 Juli 3; unten III S. 181.

[2a] Nach Auskunft des Stadtarchivs Düsseldorf, das Akten der örtlichen Z-Partei verwahrt, hat Marx mindestens seit Juni 1908 die Partei geleitet. Den Vorsitz scheint er um die Jahreswende 1919/20 an Landesrat Adams abgegeben zu haben, der erstmals zum 18.2.1920 als Vorsitzender ermittelt wurde.

[3] Vgl. Nr. 223, Schreiben von 1917 Aug. 27; unten III S. 219.

[4] Vgl. Nr. 227, Schreiben von 1926 April 30; unten III S. 261 f.; vgl. Georg Schreiber, Polit. Jb. 1926, M.-Gladbach 1927, S. 65.

[5] Vgl. Nr. 5, Schreiben von 1933 Mai 30; unten I S. 72.

[6] Vgl. Nr. 37, Quadt, sub dato; unten I S. 169 f.

[7] Vgl. Nr. 52, Bl. 18.

[8] Vgl. Nr. 52, Bl. 17.

[9[ Vgl. Nr. 66; unten I S. 383.

[10] Vgl. Nr. 74; unten I S. 490. Daß das angesammelte Papier beim Umzug nach Bonn im März 1933 die meisten Mühen bereitet hat, berichtet Marx am 11.4.1933 an Max Graf Montgelas; vgl. Nr. 257; unten IV S. 24.

[10a] Zum 4.4.1929 notierte Marx: ”Hänschen legt Wert darauf, daß endlich die Päcke in meinem Arbeitszimmer verschwinden;" vgl. Nr. 76, Bl. 20. In der ersten Bonner Wohnung lagerte Marx sein Schriftgut im Arbeitszimmer und im Keller; vgl. Nr. 33; unten I S. 152.

[10b] Zum 8.4.1929 schrieb Marx in seinen Taschenkalender: ”Ich bin auf der Mansarde gewesen und habe dort verschiedene schöne Sachen aus der alten Zeit gefunden. Es kommt ganz darauf an, daß man Ordnung in die Dinge bringt;" vgl. Nr. 76, Bl. 20 f.

[10c] Beispielsweise I S. 509; ferner notierte Marx zum 27.12.1929: ”Ich arbeite über eine Stunde auf der Mansarde. Ich finde eine Reihe von Sachen, die ich gut gebrauchen kann"; Nr. 76, Bl. 59. Und zum 30.12.1929: ”Später dann zu Hause wieder gelesen und geordnet. Es ist ziemlich schwer, alles zusammenzuhalten"; Nr. 76, Bl. 60.

[11] Vgl. Nr. 74, Bl. 21.

[12] Vgl. Nr. 274, Schreiben von 1933 Aug. 24, Sept. 14 und Okt. 10; unten IV 157 f., 162.

[13] Alle diese Wendungen in Dienstregistratur F 4/1070.

[14] Vgl. Nr. 112, Schreiben von 1929 Sept. 10 und Nov. 20, unten II S. 173.

[15] Vgl. unten I S. 102.

[16] Vgl. Nr. 66.

[17] Vgl. Nr. 5 und 178.

[18] Vgl. Nr. 57, 94, 62 und 63.

[19] Vgl. Nr. 202 und 121.

[20] Vgl. Nr. 66.

[21] Vgl. Nr. 160, 161 und 171.

[22] Vgl. Nr. 272.

[23] Vgl. Nr. 135.

[24] Vgl. Nr. 66 und 228.

[25] Vgl. Nr. 94 und 212.

[26] Vgl. Nr. 130, 139, 247 und 238.

[27] Vgl. Nr. 238, 122 und 124.

[28] Vgl. Nr. 35, 2 und 285.

[29] Vgl. Nr. 50, 70, 71, 75, 76, 94, 101, 162, 187, 188, 195, 232, 233, 235, 236, 255, 257 und 265.

[30] Vgl. Nr. 227; s. unten III S. 270 f.

[31] Vgl. Nr. 115, 241, 148-151, 157, 5 und 2.

[32] Vgl. Nr. 10, 83, 91, 98, 99, 222, 242, 243.

[33] Vgl. Nr. 54.

[34] Vgl. Nr. 82, 85, 86, 103, 168, 216, 218 und 228.

[35] Vgl. Nr. 2 und 271.

[36] Vgl. Nr. 125.

[37] Nr. 272, Bl. 16 und 20, klagt er, daß ihm die Arbeits- und Beweisunterlagen über den Volksverein von der Gestapo fortgenommen worden waren.

[38] Vgl. Nr. 249. Am 27.9.1932 schrieb er Friedrich Ritter v. Lama, seinem Gegner in der Streitfrage wegen angeblicher Sabotierung des päpstlichen Friedensvorschlages durch Reichskanzler Michaelis: ”Sie haben recht, wenn Sie sagen, daß geschichtliche Wahrheit nicht durch Meinungen festgestellt wird"; vgl. Nr. 129; unten II S. 261.

[39] ] Dienstregistratur F 4/1070, Schreiben vom 2.12.1935 an Dr. Güttsches.

[39a] Im Zusammenhang mit den Separatismusvorwürfen benutzte Marx diese Tätigkeit als Vorwand, um seinen ehem. StS im Ministerium f. d. besetzten Gebiete, den damaligen Reg.-Präs. Schmid, nach einer Unterredung mit Adenauer zu befragen. Er schrieb ihm am 7.9.1933: ”Ich bin z. Z. damit beschäftigt, Erinnerungen aus früherer Zeit aufzufrischen, nicht etwa um daraus ein Buch zu machen, sondern zum Gebrauch in Familien- und Freundeskreisen"; vgl. Nr. 97 unten II S. 117.

[40] Vgl. Nr. 103; unten II S. 130.

[41] Nach Rud. Morsey, Die Deutsche Zentrumspartei 1917-1923, Düsseldorf 1966, S. 21, Anm. 29, hat Rud. Amelunxen, Ehrenmänner und Hexenmeister, München 1960, S. 131, behauptet, daß Marx' Memoiren ”sich später leider nicht als druckfähig erwiesen, weil sie zu bürokratisch abgefaßt waren". Nach Auskunft von Marx' Sohn war eine Drucklegung niemals beabsichtigt noch ist sie je angestrebt worden.

[42] Vgl. Nr. 37, Schreiben von Glattfelder von 1934 Sept. 13. Ebenso hatte er Leicht, August Pieper, Quadt und Gatz über seine Beschäftigung Mitteilungen gemacht; vgl. I S. 166, 168, 169 f., IV S. 51.

[42a] Aus dem im Juli 1933 niedergeschriebenen Bericht über seine Berufung zum RK und aus einer der Jahreswende 1933/34 entstammenden Bemerkung über den Plan zur Aufgabe seiner Ämter erhellt die Benutzung der ”Tagebücher" genannten Aufzeichnungen in den Taschenkalendern; vgl. Nr. 57 Bl. 3 und Nr. 135 Bl. 1 (unten II S. 298).

[43] Eine ausgiebige Vorbemerkung über eine solche Gliederung hat Nr. 72.

[44] In Nr. 72 berichtet Marx z. B. über eine Fahrt nach Kemnitzsee: auf Bl. 50 will er sie mit Böhler, auf Bl. 96 mit Brauns unternommen haben; vgl. I S. 446 und 450.

Bei einem Besuch in Godesberg traf er einen Herrn Otto: einmal deutet er ihn als den früheren Verleger der 'Niederrh. Volksztg.', ein anderes Mal als den aus seiner Kölner Jugend bekannten Hauptlehrer a.D.; vgl. I S. 268 und 277. Bei Bildung des Kabinetts Cuno war es I S. 279 Busch und I S. 282 Beusch, der Karl Müller als Landwirtschaftsminister vorgeschlagen hat. Nach I S. 283 hat Marx den päpstl. Abgesandten Testa 1923 bei den Dominikanern in der Karlstraße und nach I S. 298 beim <Weih- >Bischof von Berlin gesprochen. - Von Hindenburgs Kriegsschuldverwahrung in der Tannenbergrede vom 18.9.1927 will Marx nach II S. 35 vorher nichts gewußt haben, laut Nr. 101 Bl. 11 war jedoch die Rede selbstverständlich von mir und dem Kabinett gebilligt worden; vgl. II S. 128; dazu auch ein Schreiben Stresemanns aus Genf vom 21.9.1927; vgl. unten II S. 72.

[45] Vgl. Nr. 2, Nr. 52, 53 und 55.

[46] Vgl. Nr. 2.

[47] Vgl. Nr. 51-54 und Nr. 60.

[48] Vgl. Nr. 66.

[49] Vgl. Nr. 34.

[50] Vgl. Nr. 72, 74, 76, 77.

[51] In der römisch gezählten Vorbemerkung und auf Bl. 55 der Nr. 72 hat er sich darüber ausgelassen.

[52] Vgl. Nr. 66 Bl. 31-44, unten I S. 382.

[53] Marx hat seine Einträge durchaus nicht immer täglich gemacht. An einigen Stellen zeigt sich, daß er bisweilen zwei oder drei Tage auf einmal behandelt hat. Jedenfalls ist unmittelbare Nähe zu den Ereignissen stets anzunehmen.

[53a] Vgl. Rudolf Morsey, Geschichte der Zentrumspartei, S. 22 f. Marx griff diese Mahnung auf und bemühte sich um die Sicherung der Nachlässe politischer Freunde. Aus dem Hause Brauns' hörte er nach dessen Tod, daß nichts vorhanden wäre; vgl. unten I S. 161. Nach dem Tode des Verlegers Otto schrieb ihm die Witwe, daß die Papiere bereits eingestampft waren; vgl. I S. 158.

Von den Schwierigkeiten, einen polit. Nachlaß vor unerwünschtem Einblick zu schützen, aber gleichzeitig zu erhalten, bekam Marx einen Eindruck aus den Verhdlgn. über Liebers nachgelassene Papiere; vgl. Nr. 219, unten III S. 182 f.

[54] Vgl. seine Ausführungen zu Anfang seines 3. Ablieferungsverzeichnisses vom Aug. 1942, Dienstregistratur F 4/1070.

[55] Nr. 60, Bl. 72.

[56] Vgl. die Nachweise oben in Anm. 12.

[57] Die folgenden Ausführungen bis zum Schluß dieses Absatzes nach Dienstregistratur F 4/1070.

[58] Aufgrund einer darüber vorhandenen Ablieferungsliste konnten darüber Inhaltsangaben in der von mir bearbeiteten Übersicht: Nachlässe und Sammlungen, Verbands- und Vereins-, Familien- und Firmenarchive in Stadtarchiv Köln (Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln 47), Köln 1963, S. 54-56, geboten werden.

[59] Beispielsweise Nr. 14, 27, 35.

[60] Beispielsweise Nr. 7-9, 12, 13, 15, 16, 277, 278, 279.

[61] Vgl. Nr. 17-30.

[62] Nr. 36.

[63] Richtlinien für die Regestierung von Urkunden, Blätter für deutsche Landesgeschichte 101, 1965, S. 1ff. Vgl. Johannes Schnitze, Richtlinien für die äußere Textgestaltung bei Herausgabe von Quellen zur neueren deutschen Geschichte, ebd. Bd. 102, 1966, S. 1 f.

[64] In größerem Umfang wurde so bei Abfassung der Regesten der Nr. 274 und 276 verfahren.

[65] Beispielsweise u. a. Nr. 38 für die Fälle Ferdinand Classen und Georg Stremel.

Abkürzungen

Abg. = Abgeordneter

Abg.-H. = Abgeordnetenhaus

Abt. = Abteilung

a.D. = außer Dienst

Arb. u. Sold.-Rat. = Arbeiter und Soldatenrat

Art. = Artikel

Ass. = Assessor

Ausf(n). = Ausfertigung(en)

Ausw. = Auswärtig(es)

Behdlg. = Behandlung

Beig. = Beigeordneter

betr. = betreffend

BGB = Bürgerliches Gesetzbuch

BM = Bürgermeister

BVP = Bayrische Volkspartei

CPC = Centrums-Partei-Correspondenz

CV = Cartellverband katholischer deutschen Studentenverbindungen

DDP = Deutsche Demokratische Partei, Demokratische Volkspartei

dgl. = dergleichen

d.h. = das heißt

Dir. = Direktor

d. M. = des Monats

DNVP = Deutschnationale Volkspartei

DR = Deutsches Reich

Ds. = Drucksache(n)

dt. = deutsch

Dtschld. = Deutschland

DVP = Deutsche Volkspartei

eigenhädig = eigenhändig

engl. = englisch

Entw. = Entwurf

ev., evtl. = eventuell

Exz. = Exzellenz

Frhr. = Freiherr

frz. = französisch

Frkr. = Frankreich

Geigenhädig = Geheim

Gen. = General-

gepr. = geprüft

Ger. = Gericht

gez. = gezeichnet

GS = Generalsekretär

HdB. = Handbuch

hg. = herausgegeben

hl. = heilig(er)

hs. = handschriftlich

i. A. = im Auftrag

i. (e.) R. = im (einstweiligen) Ruhestand

Inf. = Infanterie

i.V. = in Vertretung

J. = Jahr

Jg. = Jahrgang

Jh. = Jahrhundert

Kard. = Kardinal

KAS = Katholisches Ausland-Sekretariat, Hamburg

kath. = katholisch

KdStV = Katholische deutsche Studentenverbindung (oder: -vereinigung)

Kg. = König

Kom. = Kommerzien-

kons. = konservativ

KPD = Kommunistische Patei Deutschlands

Kr. = Kreis

KStV = Katholischer Deutscher Studentenverein

KV = Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereinigungen

lat. = lateinisch

Ldgr. = Landkreis

LG = Landgericht

lib. = liberal

lt. = laut

Lt. = Leutnant

LT. = Landtag

Ltd. = Leitender

M., Mitgl. = Mitglied

Masch. = Maschienen

MdL = Mitglied des preußischen Landtags

MdR = Mitglied des Reichstags

m. (u.) E. = meines (unseres) Erachtens

Mill. = Millionen

Msgr. = Monsignore

m. W. = meines Wissens

nat. = national

nat.-soz. = nationalsozialistisch

Ndb. = Niederbayern

NSPAP = Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

NSFP = Nationalsozialistische Freiheitspartei

OB = Oberbürgermeister

Obb. = Oberbayern

o.D. = ohne Datum

OFM = Ordo Fratrum Minorum = Franziskaner

o.J. = ohne Jahrgang

OLG = Oberlandesgericht

OFM Cap = Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum = Kapuziner

OMI = Congragatio Oblatorum Missionariorum Beatae Mariae Virginis Immaculatae = Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria

OP = Oberpräsident oder - hinter einem Personennamen - Ordo Praedicatorum = Dominikaner

OS = Oberschlesien

OSA = Ordo Sancti Augustini

OSB = Ordo Sancti Benedicti

OSC = Ordo Sancti Caroli = Oblaten vom heiligen Karl Borromäus

Ostpr. = Ostpreußen

P. = Pater

Präs. = Präsident

Prov. = Provinz

PSM = Pia Societas Missionum = Pallotiner

R. = Rat

RA = Rechtsanwalt

rd. = rund

Reg. = Regierung

RGR = Reichsgerichtsrat

Rhld. = Rheinland

RK = Reichskanzler

RKA = Reichsverband für die katholischen Auslandsdeutschen

RR = Reichsregierung

RP = Reichspräsident

RT = Reichstag

RV = Reichsverfassung vom 11.8.1919 (eine dahinter gesetzte Zahl bedeutet Nr. des Artikels)

S. = Seite

Schl. = Schlesien

SchO = Katholische SAchulorganisation Deutschlands, Organisation zur Verteidigung und Erziehung

Schw. = Schwester

s.d. = siehe dort

SDS = Societas Divini Salvatoris = Salvatorianer

SJ = Sociatas Jesu = Jesuit

SlG. = Sammlung

sog. = sogenannt

soz. = sozial

Sp. = Spalte

SPD = Sozialdemokratische Partei Deutschlands

SPÖ = Sozialdemokratische Partei Österreichs

SSS = Sekretariat Sozialer Studentenarbeit

stellv. = stellvertrender

StS = Staatssekretär

Stud. = Studien-

SVD = Societas Verbi Divini = Steyler Mossionare

Tg. = Tagung

Thür. = Thüringen

UdSSR = Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

Univ. = Universität

USPD = Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands

u.U. = unter Umständen

VDA = Verband für das Deutschtum im Ausland

Verhdlg. = Verhandlungen

Verslg. = Versammlung

vervielf(n.) = Vervielfältigungsexemplare

Verw. = Verwaltung

vgl. = vergleichen

Vors. = Vorsitzender

Vv = Volksverein für das katholische Deutschland

WTB = Wolffs Telegraphisches Büro

W., Westf. = Westfalen

WV = Wirtschaftliche Vereinigung, Wirtschaftspartei

Z. = Zentrum, Centrum

z.D. = zur Disposition

z. S. = Zur See

Zschr. = Zeitschrift

z. T. = zum Teil

Ztg. = Zeitung

z.Z. = zur Zeit

Enthält u.a.:

Außenpolitik, Zentrumspartei, katholische Organisationen, Nationalsozialismus;

Drucksachen, Zeitungsausschnitte

Umfang : 1275 Akten; 40,00 m

>> zum Findbuch Best. 1070 Marx, Wilhelm
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