Ott, Günther



Signatur : Best. 1828


Inhalt :
1. Übernahme und Bewertung

Günther Ott (1915-2014), Direktor der Kölner Museen und Begründer des museumspädagogischen Dienstes der Stadt Köln, hatte bereits am 10. Oktober 1995 in Rücksprache mit dem damaligen Archivleiter Dr. Everhard Kleinertz verfügt, dass die in seinem privaten Besitz befindlichen kunst- und museumspädagogischen Unterlagen, betreffend seine Tätigkeit als Leiter des Außenreferats (Museumsdienst) der Museen der Stadt Köln, nach seinem Tod dem Historischen Archiv zum Eigentum übergeben werden sollen.

Beim Umzug Otts in ein Seniorenheim hat er seine Töchter mit der weiteren Abwicklung der Übergabe betraut und diese beauftragt, seine Unterlagen bereits im Juni 2010 als Vorlass an das Historische Archiv zu übergeben (Inventarnummer 2010/24).

Bei der Übernahme von zunächst 8 Ordnern zum Museumsdienst und den Kölner Museen wurde festgestellt, dass Herr Ott auch in einem beachtlichen Maße journalistisch gewirkt und in diesem Zusammenhang umfangreiche Materialsammlungen zu diversen Künstlern und kunsthistorischen Fragestellungen angelegt, sowie regen Schriftverkehr mit Kunst- und Kulturschaffenden seiner Zeit gepflegt hat. Otts besonderes Interesse galt Künstlern aus Osteuropa und den ehemaligen deutschen Ostgebieten, was sich auch deutlich in seinem Vorlass widerspiegelt. Vor diesem Hintergrund und als Ergänzung zu seinem Amtsnachlass, entschied man sich, weitere Unterlagen aus dem Besitz Günther Otts zu übernehmen, welche unter der Inventarnummer 2010/35 akzessioniert wurden. Sein privates wissenschaftliches Wirken dürfte auch Eingang in seine Tätigkeit im Außenreferat der Kölner Museen gefunden haben. Zwei umfangreiche Ordner zu der aus Königsberg stammenden Künstlerin Käthe Kollwitz und dem Kölner Käthe-Kollwitz Museum lassen dieses zumindest vermuten.

Insgesamt wurden rund 60 Ring- und Stehordner übernommen. Einige Monographien desselben Themenkomplexes wurden der Bibliothek des Archivs übergeben.

Eine Reihe sachthematischer Ordner (Umfang ca. 4 lfd. Metern) mit Betreff ”Siebenbürgen“ möchte Familie Ott dem Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim übergeben.

Der Vorlass Günther Otts wurde im Dezember 2011 im Rahmen einer praktischen Erschließungsarbeit für die Fachhochschule Potsdam verzeichnet.

2. Biografie

Günther Egon Ott wurde am 18. Januar 1915 in Hermannstadt/Siebenbürgen als zweites von vier Kindern der Eheleute Ernst und Marie Ott geboren. Dort verlebte er auch den Großteil seiner Jugend und Schulzeit (1925-1932 Deutsch-Evangelisches Brukenthal-Gymnasium), ehe er 1932 sein Studium an der Kunstakademie Bukarest aufnahm und 1938 mit einem Diplom zum akademischen Maler und Zeichenlehrer abschloss. Parallel zu seinen Studien an der Kunstakademie, legte Ott zwischen den Jahren 1933 bis 1939 an der Bukarester Universität sein Staatsexamen in den Fächern Kunstgeschichte, Germanistik und Archäologie ab.

Der privaten Überlieferung Otts ist zu entnehmen, dass sein ausgeprägtes Interesse für Kunst und Kultur sich bereits früh äußerte. Einen Grund hierfür sieht er selbst in der musischen Atmosphäre des Elternhauses - beide Elternteile spielten Instrumente. Der Vater Ernst Ott hatte während seiner Ausbildung an der Militärakademie in Wien das dortige Konservatorium besucht und sich darüber hinaus als Chorleiter verschiedener Männergesangsvereine verdient gemacht.

Neben seinem Studium arbeitete Ott als Assistent Prof. George Oprescus, dem Leiter des Städtischen Kunstmuseums Toma Stelian in Bukarest und schrieb Kunstkritiken unter anderem für das Bukarester Tageblatt.

Ein Promotionsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung führte ihn 1939 an die Universität München. Die Einberufung zum Kriegsdienst auf Grundlage des deutsch-rumänischen Abkommens (Hitler/Antonescu) von 1940 beendete Otts Promotionsvorhaben jedoch frühzeitig.

Der Kriegsdienst führte Ott zunächst als Besatzungssoldat in die Niederlande, Frankreich und die Tschechoslowakei sowie zum Frontdienst nach Jugoslawien und Russland, ehe er am 3.5.1945 in britische Kriegsgefangenschaft geriet, aus der er schließlich im August 1946 in die Britische Zone entlassen wurde.

Seine erste Anlaufstelle war die Familie seiner Schwester in Wuppertal, wo er zunächst in einer Gärtnerei arbeitete, bis er als Aushilfslehrer für das Fach Kunst wieder Anschluss an seine bisherige Laufbahn fand. Nach einem Referendariat in Wuppertal und Köln wurde er in den Schuldienst aufgenommen; 1950-1965 arbeitete er als Lehrer an der Kaiserin-Theophanu-Schule in Köln Kalk und als Fachleiter des Bezirksseminars Köln.

Während dieser Zeit machte sich Ott bereits einen Namen als Kunsterzieher und Pädagoge. Er organisierte zahlreiche Ausstellungen in Zusammenarbeit mit teils internationalen Schulen und Institutionen. Der interkulturelle Austausch mittels Kunst- und Ausstellungsprojekten lag Ott besonders am Herzen. Unter anderem plante und realisierte er eine Ausstellung in Kooperation mit der Südafrikanischen Republik, welche Bilder von weißen und schwarzen Kindern der Bevölkerung zur Zeit der Apartheid zeigte. Weiterhin unterhielt er Kontakte in die DDR und schuf auch hier Raum für Ausstellungsprojekte und Austausch der Schulen und Menschen abseits politischer Grenzen. Ein wesentlicher pädagogischer Ansatz Günther Otts war die Auseinandersetzung mit der Kunst an den Originalen. Er machte die Museumsräume zum Klassenzimmer und knüpfte auf diese Weise schon früh vielseitige Kontakte mit der Kölner Kunst- und Kulturszene.

1965 wurde Ott zum ersten Direktor des Außenreferats der Kölner Museen ernannt und 1978 auf eigenen Wunsch hin vorzeitig pensioniert. Eine besondere Leistung Günther Otts ist mit Sicherheit die Gründung des Außenreferats und der Aufbau des pädagogischen Museumsdienstes. Hier leistete er regelrechte Pionierarbeit.

Auch nach seiner Amtstätigkeit setze Ott sein kunsterzieherisches und journalistisches Wirken im Privaten fort. In den Jahren 1979-1982 erhielt er einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Köln im Fachbereich Photoingenieurwesen und hielt regelmäßig Vorträge.

Zwischen den Jahren 1944-1947 war Günther Ott mit der am Lippischen Landestheater Detmold tätigen Sängerin Gerda Wonner verheiratet. Diese erste Ehe blieb kinderlos. Mit seiner zweiten Ehefrau, der aus Hagen stammenden Ursula Ott geb. Picht, hat Ott zwei Töchter.

Günther Ott starb am 6. Feb. 2013 in Köln und wurde auf dem Friedhof Melaten beigesetzt.

Auszeichnungen

19301. Preis Malwettbewerb Malen und Zeichnen - Schülerolympiade der deutschen Gymnasien in Rumänien

1972Verleihung des Offizierskreuzes des Verdienstordens der Republik Italien (Cavaliere Ufficiale)

1978Bundesverdienstkreuz am Bande

1987Georg Dehio-Preis

2000Pro Arte-Medaille (Künstlergilde Esslingen)

2.1 Privates Wirken

Neben seinen hauptberuflichen Aufgaben hat sich Günther Ott in beträchtlichem Maße journalistisch betätigt.

Bereits während seines Studiums hatte er sich als Kunstkritiker zunächst für das Bukarester Tageblatt, später dann für die Kronstädter Zeitung, das Siebenbürger Tageblatt, die Bukarester Post und andere Zeitungen einen Namen gemacht. So begann er schon früh mit einer selbstständigen Auseinandersetzung mit der Kunst und deren Vermittlung. Nach seinem Kriegsdienst verfolgte er diese Tätigkeit weiter und schrieb zunächst Beiträge für die Westdeutsche Rundschau und während seiner späteren Amtszeit bei der Stadt Köln regelmäßig für nahezu alle regionalen Zeitungen.

Im Zentrum seiner publizistischen Arbeit stand neben Fachliteratur zur Kunsterziehung vor allem die Auseinandersetzung mit Kunst, Künstlern und aktuellen Ausstellungsprojekten. Ott eröffnete zahlreiche Ausstellungen, hielt Vorträge und förderte auf diese Weise auch den Kontakt zwischen den kölnischen Kulturinstitutionen und schaffte Raum für zahlreiche Kooperationen.

Sein besonderes Interesse galt Zeit seines Lebens den aus Osteuropa stammenden Künstlern und Künstlerinnen. Dies zeigt auch sein privates Engagement im Ostdeutschen Kulturrat Bonn, der Künstlergilde Esslingen, der Ostdeutschen Galerie und der Deutschen Welle. Daher dürfen die beiden Sammelbände Künstlerprofile - Im Osten geboren, im Westen Wurzeln geschlagen und Begegnungen - Kunst und Künstler aus Ostmitteleuropa auch als seine persönlichsten und bedeutendsten Publikationen angesehen werden. Beide Bände gehen auf eine seit 1971 in der Zeitschrift Kulturpolitische Korrespondenz veröffentlichte Aufsatzfolge zurück. Vielen der Beiträge ging eine persönliche Auseinandersetzung und Begegnung mit den Künstlern voraus. Ott suchte häufig den direkten Kontakt mit den Künstlern, besuchte diese in Ihren Ateliers und unterhielt teils regen Schriftverkehr.

Neben seiner journalistischen Arbeit war Ott weiterhin als Sachverständiger und Wissenschaftler aktiv und engagierte sich in verschiedenen Projekten und Anstellungen.

1980-1981 Ehrenamtlicher Direktor des Siebenbürgischen Museums in Gundelsheim/Schloss Horneck.

Künstlerischer Berater von Frau Irene Gerling - Baukunst-Galerie des Gerling-Konzerns Köln.

Ausstellungsberater der Allianzversicherung Köln.

1976-1982 Dozent an der Fachhochschule Köln im Fachbereich Photoingenieurwesen für Kunstgeschichte.

3. Das Außenreferat der Kölner Museen

Der frühere Generaldirektor der Kölner Museen, Gert von der Osten, gründete 1965 in Zusammenarbeit mit dem damaligen Kulturdezernenten Kurt Hackenberg den Museumsdienst als Außenreferat der Kölner Museen und schuf damit das erste museumspädagogische Zentrum in Westdeutschland. Ziel war es unter anderem, die Bildungsarbeit in den Museen zu erneuern, die Berührungsängste der Bürgerinnen und Bürger abzubauen und ein Angebot zu schaffen, dass über die schulische Arbeit hinaus eine möglichst breite Bevölkerungsschicht anspricht. Heute ist der Museumsdienst eine feste Institution der Kölner Kulturpolitik und -szene. Neben einem sehr umfangreichen Führungsangebot bietet der Museumsdienst unter anderem eine Vielzahl an Fortbildungen für Pädagogen und Interessierte sowie eine beachtliche Reihe an Publikationen an; angefangen bei Ausstellungsbegleitmaterialien über Lehrmaterialien bis hin zu Fachliteratur zum Thema Kunsterziehung und Museumspädagogik.

4. Bestandsordnung

Die Akten wurden nach dem von Ott angelegten Ablagesystem verzeichnet. In der Regel stellt ein Ordner eine Verzeichnungseinheit dar.

Insgesamt ergaben sich 68 Verzeichnungseinheiten zusammengefasst in 5 Klassifikationspunkten: 1. Persönliches 2. Kölner Museen und Museumsdienst 3. Schriftverkehr 4. Journalistisches Wirken 5. Materialsammlungen und Künstlerporträts.

Die Klassifikation orientiert sich ausschließlich an einer sachthematischen Gliederung, wobei die von Ott gewählten Beschriftungen der Ordner auf Grund von Abkürzungen oder wenig aussagekräftigen Titeln nur selten übernommen werden konnten. Eine chronologische Ordnung war nicht möglich, da insbesondere die Materialsammlungen bis in die jüngste Zeit fortgeführt wurden und teilweise sehr lange Laufzeiten aufweisen. Einige Einheiten enthalten besonders heterogenes Schriftgut und Begleitmaterialien, welche im Enthält- und in seltenen Fällen auch im Darin-Vermerk näher erläutert werden.

Die Zitierweise des Bestandes lautet wie folgt: ”Historisches Archiv der Stadt Köln (HAStK), Best. 1828, Nr.“

Abkürzungsverzeichnis

u.a.unter anderem

KKKulturpolitische Korrespondenz

v.a.vor allem

e.V.eingetragener Verein

AGArbeitsgemeinschaft

NRWNordrhein-Westfalen

bzgl. bezüglich

WDRWestdeutscher Rundfunk

SDRSüddeutscher Rundfunk

Publikationen Otts (Auswahl)

Sculptorii din Familia Storck (Die Bildhauer der Familie Storck), Bukarest 1940.

Die Bildhauerin Annemarie Suckow von Heydendorff, München 1978.

Künstlerprofile. Im Osten geboren - im Westen Wurzeln geschlagen, Düsseldorf 1980.

(geht zurück auf eine seit 1971 regelmäßig erscheinende Aufsatzfolge der Zeitschrift Kulturpolitische Korrespondenz, teilweise online einzusehen unter http://www.ostdeutscher-kulturrat.de (Stand 1.11.2011))

Begegnungen. Kunst und Künstler aus Ostmitteleuropa, Bonn 1985.

Publikumsbetreuung - Theorie und Praxis im Außenreferat der Kölner Museen, in: Museumskunde 36, 1967, S. 119-125.

Trotz Kurzschuljahr - Jugend im Museum, in: Kulturarbeit 19, 1967 (4), S. 66-70.

Kölner Erfahrung in der Arbeit mit Erwachsenen, in: Die soziale Dimension der Museumsarbeit. Deutsche Unesco Kommission München, 1976, S. 40-44.

Das Kölner Modell, Museum und Schule. Erfahrungen und Überlegungen, in: Kunst und Unterricht, Zeitschrift für alle Bereiche der ästhetischen Erziehung, 1969 (3), S. 33ff.

(hinzu kommen zahlreiche Kritiken, Künstlerporträts und Aufsätze zur Kunsterziehung in den unterschiedlichsten Medienformaten.)

Literatur

Nasarski, Peter: Im Dienst der Kunst und Künstler aus dem deutschen Osten - Günther Ott 70 Jahre alt, in: Kulturpolitische Korrespondenz Bonn 1985.

Friedländer, Renate: 20 Jahre praktisch-kreative Arbeit in den Kölner Museen - Günther Ott zum 75. Geburtstag am 18.Januar 1990 gewidmet, in: Kölner Museumsbulletin 1990.

Klein, Heijo: Günther Ott - Gründungsdirektor des Außenreferates/Museumsdiensts Köln - 85 Jahre, in: Kölner Museums Bulletin 2000.

Göllner, Dieter: Ein Pädagoge in Sachen Kunst, in: Die Künstlergilde, Jg.4/1999.

Noelke, Peter (Hrsg.): Museumspädagogik in Köln: Konzepte - Angebote - Themen, Köln 1998.

<http://www.museenkoeln.de/museumsdienst/>(Stand 01.11.2011)

Weiterführende Bestände im Historischen Archiv der Stadt Köln

Acc.1504 411/2 Museumsdienst - 1965-1988

Acc.2047 Referat für übergreifende Museumsangelegenheiten
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