F 1 - Märkische Maschinenbau-Anstalt vorm. Kamp & Co.



Laufzeit : [1780] 1819-1910


Inhalt : Firmensitz: Wetter
Branche: Maschinenbau
Friedrich Harkort (1793-1880) verwirklichte mit der "Mechanischen Werkstätte" 1819 seinen Traum, Maschinen nach englischem Vorbild zu bauen. Er erwarb Terrain auf der Burg Wetter und baute dort zunächst eine Gießerei, die 1826 durch einen Hochofen und 1828 durch ein Hammer-, Puddel- und Walzwerk im Burggraben erweitert wurde. Seine Kompagnons waren Heinrich Kamp (1786-1853) und Edward Thomas. Das Unternehmen firmierte 1824 zu "Harkort, Thomas & Co" um. Nach dem Austritt von Thomas hieß es zwischen 1826 und 1834 Harkort & Co(mp.). Neben Thomas standen bis 1832 mehrere Engländer in Diensten des Unternehmens, vor allem Samuel Godwin und seine Söhne. Einer von ihnen war beteiligt an der Wuppertaler Niederlassung von Harkort & Co. "Blank, Godwin & Co.". Eine weitere Niederlassung bestand in Berlin unter der Leitung von Harkorts Schwager Mohl.
In den 1820er Jahren erwarb Friedrich Harkort bei Olpe, Brilon, Wetzlar, Milspe sowie in Hombruch Gruben und Felder, um die Werkstätte in Wetter mit Erz zu versorgen. In Rüblinghausen und Stachelau bei Olpe wurde das Erz verhüttet. Hinzu kam Zechenbesitz im Revier südlich der Ruhr bei Witten. Neben die Anfertigung von Dampfmaschinen für Bergbau, Textilindustrie, Ölmühlen und andere Branchen trat noch in den 1820er Jahren die Fertigung von gußeisernen Teilen und Fertigprodukten wie Kandaren und Schlössern.
Mit über 10.000 Rtlr. Schulden schied Friedrich Harkort sukzessive zwischen 1832 und 1834 aus dem Unternehmen aus. Sein Kompagnon Kamp übernahm es endgültig am 31. Januar 1834. 1837 verpachtete er das Puddel-, Hammer- und Walzwerk an die von seinen Söhnen betriebene Firma Kamp & Hesterberg, später Gebr. Kamp. Das Walzwerk wurde 1854 von Hermann Kamp nach Dortmund verlegt ("Paulinenhütte"); daraus entstand 1856 das Eisenwerk "Rothe Erde". Otto Kamp, sein Bruder Hermann und ihr Schwager Julius Blank leiteten nach einer Übergangsphase die Maschinenfabrik, deren Mitinhaber sie wurden. 1846 wurde der Hochofen auf der Burg stillgelegt.
Unter Alfred Trappen, einem Vetter der Kamps (Eintritt 1845), wurden seit 1854 die Konstruktionen technisch vervollkommnet. 1873 wird die "Märkische Maschinenbau-Anstalt vorm. Kamp & Co." als Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital von 3,6 Mio Mark gegründet; nach 1873 werden die Produktionsstätten von der Burg in die Nähe des Bahnhofs verlegt. Hugo Blank wird Vorsitzender des Aufsichtsrats, Julius Blank und Alfred Trappen haben die technische Leitung, Heinrich Blank übernimmt die kaufmännische Leitung. 1906 fusioniert das Unternehmen zur Märkischen Maschinenbau-Anstalt Ludwig Stuckenholz A.G., die 1911 in der Deutsche Maschinenfabrik AG, Duisburg (Demag) aufgeht. Die Demag wird 1974 von der Mannesmann AG, Düsseldorf übernommen.
Bereits im 19. Jahrhundert wurde ein Archiv in Wetter angelegt; Ansätze eines dreigliederigen (Registratur-/Archiv- ?) Schemas sind bei den erhaltenen Akten erkennbar, wenngleich die von Trappen, S. 83 erwähnten Pläne heute im WWA fehlen. Bei der Vorbereitung der Festschrift von 1919 fand Matschoß folgende Archivalien vor: Schicht 1 1819/32: 18.000 Briefe; 12 Kopierbücher, 66 Geschäftsbücher; mehrere 100 Aktenstücke; Schicht 2 1832/71: 67.000 Briefe; 14 Kopierbücher; 28 Geschäftsbücher.
27 m
Der Bestand umfaßt 12 m Korrespondenzen, 11 m Geschäftsbücher und 4 m Akten. Er reicht in seiner Gesamtheit aus den Anfängen des deutschen Maschinenbaus bis in die Hochindustrialisierung. Dicht ist überliefert, wie das Unternehmen in Rohstoffbeschaffung und Absatzmärkte eingebunden war. In der Anfangsphase waren die Hauptabnehmer der Dampfmaschinen der Bergbau und die Textilindustrie, später kamen Eisenbahn-Unternehmen sowie die Hüttenindustrie als Großabnehmer hinzu. Der Abnehmerkreis konzentrierte sich zwar auf Rheinland und Westfalen, jedoch wurden seit 1819 Kunden außerhalb dieser Region gesucht, in der Anfangsphase in Mitteldeutschland, nach 1873 auch in Osteuropa.
Der Produktionsprozeß in Wetter ist aufgrund der erhaltenen Bücher zur betrieblichen Buchführung seit Gründung bis zur Mitte des Jahrhunderts zu rekonstruieren. Erhaltene Arbeitsnachweise bieten Quellen zur Geschichte der Arbeiterschaft in der Frühindustrialisierung. Durch den Bergbaubesitz des Unternehmens ist im Bestand Schriftgut zum Bergbau des Olper, Wetzlarer, Briloner, Ennepetaler und Dortmund/Castroper Raums erhalten.

1. Geschäftsbücher
Hauptbücher 1819-1860 (9)
Briefkopierbücher 1826-1886 (26)
Briefeingangsjournale 1834-1872 (12)
Memoriale 1819-1846 (21)
Journale 1819-1852 (34) mit Vorbüchern 1829-1831
Kontobücher 1831-1851 (2)
Geheimbücher 1875-1889 (2)
Wechselbücher 1826-1877 (24)
Kassenbücher mit Vorbüchern 1819-1866 (25)
Bilanzbücher 1872-1895 (7)
Lohnbücher 1819-1866 (25)
Arbeitsnachweise 1825-1880 (37)
Kommissionsbücher 1822-1907 (22)
Warenversandbücher 1827-1837 (17)
Fracht- und Fuhrbücher 1823-1853 (8)
Betriebsetats, -pläne 1828-1835 (9)
Offertenbuch 1885-1890 (1)
Vertragskopiebuch 1833-1843 (1)
Betriebliche Buchführung:
Hochofenbücher 1827-1839 (16)
Gießereibücher 1826-1874
Hammerbuch 1832 (1)
Bücher zur Lagerhaltung, Inventuren 1827-1837 (80)

2. Akten
Generalversammlung, Geschäftsberichte 1873-1890 (6)
Betriebliche und kaufmännische Buchführung 1820-1846 (u.a. Wechsel, Quittungen, Kontoauszüge)
Verträge, Lohnlisten 1824-1837
Lieferanten von Holzkohle 1827-1841, Eisen 1827-1838

Maschinenbau, technischer Betrieb (z.T. mit Zeichnungen):
Berg- und Hüttenwesen 1823-1867 (30)
Eisenbahnen 1850-1887
Papierfabriken 1829-1841
Textilfabriken 1829-1860
Heizapparate 1821-1860 (u.a. auf Feste Ehrenbreitstein 1821)
Dampf-Ölmühlen 1829-1830
Artillerie-Werkstatt Deutz 1876

Prozesse (1780) 1824-1850, u.a. gegen Edward Thomas 1828-1830 und Kühne & Seltzner, Chemnitz 1830-1832

3. Korrespondenz
Die meisten der für die Industrialisierung der Rheinlande und Westfalens wichtigen Firmen sind in der Korrespondenz vertreten (Gesamtvolumen ca. 55.000 Briefe). Hier sind nur Firmen ausgeworfen, von denen sich mehr als 100 Briefe erhalten haben:
Aachener Hütten-Actien-Verein Rothe Erde bei Aachen 1866-1884
AG Eisen-und Stahlwerk zu Osnabrück 1872-1883
Altenloh, Brinck & Co., Milspe 1824-1866
Asbeck, Osthaus, [Eicken] & Co., Hagen 1851-1887
(Krupp''sches Stahlwerk vorm.) F. Asthöwer & Co., Annen 1867-1883
Berger & Co., Witten 1857-1872 (später Gußstahl- u. Waffenfabrik 1875-1881) Blank, Godwin & Co., Elberfeld 1828-1831
Bochumer Verein 1857-1884
Bockmühl, Schlieper & Hecker, Elberfeld 1830-1850
Borgemeister & Sohn, Ruhrort 1833-1859
Wilhelm v. Born, Dortmund 1858-1884
Braselmann & Bredt, Schwelm 1828-1872
J.H. Brink & Co., Elberfeld 1820-1895
Joh. Gottfr. Brügelmann, Ratingen 1838-1879
J.H. Dresler sen., Geisweid 1828-1880
Dücker, von der Becke & Co. (später Dücker, Schmöle & Co.), Menden 1838-1849
Th.H. Dünweg, Barmen 1834-1850
F.W. Ebbinghaus, Letmathe 1831-1890
Eisenindustrie zu Menden und Schwerte AG, Schwerte 1875-1884
Eduard Elbers, Hagen 1834-1859
Gebr. Eltzbacher, Köln 1867-1890
J.H. Jos. Elven, Köln 1851-1872
L. Frobeen, techn. Büro, Berlin 1878-1887
Funcke & Elbers, Hagen 1857-1887
Funcke & Hueck, Hagen 1844-1887
Gabriel & Bergenthal, Warstein/Soest 1837-1887
Theodor Goebel, Breckerfeld 1827-1851
Grafenberger Gußstahlfabrik AG, Düsseldorf 1873-1887
Grillo, Funke & Comp., Schalke 1866-1890
Gutehoffnungshütte, Oberhausen 1873-1883
Haniel & Lueg, Düsseldorf 1877-1894
Carl & Gustav Harkort, Leipzig 1823-1847
Christian Harkort, Harkorten 1820-1848
Johann Caspar Harkort, Harkorten 1823-1866
Peter Harkort & Sohn, Wetter 1820-1894
Hobrecker [Witte & Herbers], Hamm 1837-1872
Hoerder Bergwerks- und Hüttenverein, Hörde 1857-1894
Albert Hoesch, Dortmund 1872-1890
Diedrich & Arnold Hueck, Herdecke 1823-1875
Joh. Chr. Jung, Elberfeld 1840-1849
Kissing & Möllmann, Iserlohn 1828-1888
Friedrich Mohl, Barmen/Berlin 1823-1832
Gebr. Müllensiefen, Witten 1827-1883
F.W. Quincke, Altena 1840-1851
Johann Caspar Rumpe & Co., Altena 1827-1848
J.H. Schmidt Söhne, Iserlohn 1820-1842
Schmöle & Romberg, Iserlohn/Menden 1825-1850
Schröder & Hammacher, Dortmund 1820-1858
J.H. Stein, Köln 1820-1876
Steinhauser Hütte, Witten 1857-1877
Friedrich Thomée, Werdohl 1851-1880
Union AG, Dortmund 1872-1892
Jos. de Wendel & Cie., Hayange 1876-1890
Westf. Union AG, Hamm 1875-1890
Westf. Drahtindustrie-Verein, Hamm 1875-1896
Gebr. v.d. Zypen, Köln-Deutz 1890-1894

Bergisch-Märkische Eisenbahn, Elberfeld 1842-1892

Zechen und Bergbauunternehmen:
Bickefeld, Schüren 1834-1887
Franziska Tiefbau, Witten 1839-1888
Glückauf Tiefbau, Barop 1828-1879
Schürbank & Charlottenburg, Schüren 1826-1879
Trappe, Schlebusch 1830-1880
Westfälischer Grubenverein, Dortmund 1877-1888

Märkisches Bergamt, Bochum 1820-1859

Darin:
Kandarenfabrik auf dem Gelände der Burg Wetter: Kontobuch 1829-1837; Briefkopierbuch 1829-1836; Akten 1830-1836
Bergbau und Hütten im Olper Revier

Grubenbesitz:
Memorial der Grube Valberg 1821-1822; Akten (1814)-1835: Karte 1808-1814 (1)
Henriettenhütte bei Rüblinghausen: Hauptbuch 1831-1832 (1), Journale 1829-1831 (2), Kontobücher 1821-1832 (3), Kassenbücher 1831-1836 (6); Akten 1831-1833;
Karten 1830 (1)
Stachelauer Hütte bei Olpe: Möllerbuch 1830 (1); Akten 1830
Bergbau im Raum Brilon/Hellefeld: Akten 1821-1829
Roteisengruben bei Wetzlar: Lohntabellen 1838-1839 (10)
Bergbau in der ehemaligen Grafschaft Mark (Akten): Grube Johannes bei Bilstein (Ennepetal-Milspe) 1817-1837; Raseneisenerz bei Hombruch 1828-1829; Raseneisenerz bei Castrop 1837; Eisenerzgruben bei Schwelm (1829) u. Breckerfeld-Zurstraße (1829); Schürfungen bei Herdecke und Wetter 1827-1831, Zechen bei Witten 1828-1830
Bergbau bei Minden: Akten 1839
Bergbau bei Sagrac/Laibach (Jugoslawien) 1871

Schlebusch-Harkorter Eisenbahn: Akten 1832-1836
Reckhammer Schönthal in Wetter: Kladde 1828
Deutsche Maschinenbau-Verein Actien-Commanditgesellschaft für den Verkauf von Maschinen, Kesselschmiede- & Gußwaaren, Berlin, 1866: Statuten, Geschäftsplan
[Kasino-] Gesellschaft Glückauf, Wetter 1834-1841: Protokollbuch
Konsumverein Wetter 1875 (1)
Straßenbau Wetter-Hagen (Aktienverein) 1826-1831 (5)
Korrespondenz Ermine Blank/Otto Kamp 1836 (1)
Sammlung von Kopien aus fremden Archiven zur wirtschaftlichen und politischen Tätigkeit Friedrich Harkorts, u.a. Dampfschiffahrt (1836-1839), Gründung einer Privatbank in Hagen (1848).
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