F 63 - Kissing & Möllmann



Laufzeit : 1802-1979


Inhalt : Firmensitz: Iserlohn
Branche: Kommissionshandel, Eisen-, Blech- und Metallwarenindustrie
Der aus Remscheid-Lüttringhausen gebürtige Ferdinand Möllmann trat 1806 als Lehrling bei Schmidt & Woeste (vgl. F 10) ein und stieg dort zum Kommis auf. Gemeinsam mit einem anderen Kommis bei Schmidt & Woeste, F. Ballot, übernahm er 1818 die Handlung Schwarz & Hellmann, die umfirmierte zu Ballot & Co. und 1823 zu Ballot, Möllmann & Co. Schon dieser Firma gehörte Johann Hermann Kissing als Teilhaber an. Mit ihm und Kapital der Verwandten seiner Ehefrau Eleonore Overhoff entwickelte sich die seit 1826 als offene Handelsgesellschaft bestehende Firma Kissing & Möllmann zu einem der wichtigsten Handelshäuser Westfalens, das zugleich bedeutende Industrieunternehmen gründete. Die Fabrikbetriebe firmierten bis 1834 als Kissing, Möllmann & Co.

In Iserlohn wurde 1824 bereits eine Bronzefabrik in der Wasserstraße angelegt, die 1865 an die Obere Mühle verlegt wurde. Wichtigste Gründung außerhalb Iserlohns war das Neuwalzwerk in Bösperde bei Menden, das noch in den 1820er Jahren angelegt wurde; 1888 wurde es zur Aktiengesellschaft umgegründet, von 1893 bis 1897 bestand das Neuwalzwerk als GmbH weiter. So weit dies zu rekonstruieren ist, lag bis 1888 die Leitung des Werkes in Iserlohn. Dies gilt auch für die Hüstener Gewerkschaft, deren Anteile von 1843/45 bis 1882 mehrheitlich in Iserlohn, bei Mitgliedern der Familien Kissing und Möllmann lagen. Von Iserlohn und Hüsten aus wurde 1876 die Chemische Fabrik in Bruchhausen mit Zweigwerk in Brilon gegründet.

Weiterhin waren Kissing & Möllmann u.a. beteiligt an:
1841 Zeche "Frohe Ansicht" bei Unna
1841-1849 Alaunsiedehütte bei Hagen
1870-1886 Papierfabrik von Dücker & Co., Böingsen bei Menden
1876 Handelsgesellschaft Fr. Wittenberg, Küppersteg
1883-1896 Gewerkschaft Langgrube, Brachbach (Kr. Altenkirchen)
1903 AG Chemische Fabriken S.T. Morosow, Krell & Ottmann, Berlin/Moskau
1906 Bronzegießerei Jos. Louis GmbH, Köln.

Der Iserlohner Stammbetrieb wurde zur Mitte des vorigen Jahrhunderts neu organisiert. Die "Zentrale" koordinierte sämtliche unternehmerischen Aktivitäten. Das Kommissionsgeschäft war in mehrere Abteilungen gegliedert, die sukzessive entstanden. Das Schwergewicht lag bei der Abteilung I mit dem Spanien- und Lateinamerika-Geschäft und der Abteilung II, die für Deutschland und Rußland zuständig war. Die übrigen Abteilungen hatten wechselnde Zuständigkeiten und waren weniger bedeutend: Abt. III (Belgien, Holland, Kanada), IV (Iserlohn u. Umgebung) und H (Exporte über Hamburg nach Skandinavien). In der Abteilung "V C" liefen die Fäden der Nebenbetriebe der Holzindustrie zusammen, die rechtlich selbständig waren und auf größeren Besitz in Rumänien zurückgreifen konnten. 1897 wurden die "Holzindustrie Iserlohn und Gyimes-Közeplök" und die "Fabricale de Resonante Kissing & Möllmann oHG", Straja/ Rumänien gegründet.

Die Fabrikgeschäfte teilten sich in mehrere Abteilungen auf. Die Bronzefabrik, spätere Abteilung I, stand am Anfang; hinzu kam in den 1870er Jahren die Abteilung II, die nach dem Haßdenteufelschen Patent Kaffeemühlen herstellte. Als Abteilung III wurde kurzzeitig die Fabrikation von Schlössern angegliedert, seit etwa 1890 folgte die bedeutendere Armaturenfabrik unter dieser Bezeichnung.

Dem Kommissionshandel war ab 1880 eine Niederlassung in Paris angegliedert, die als "Succursale de Paris" firmierte und das Ziel hatte, Einkäufer aus Kolumbien in Paris direkt zu bedienen. 1891 wurde die Succursale rechtlich verselbständigt. Eine Ausdehnung der Succursale nach Südafrika (Abt. Transvaal) scheiterte schon nach wenigen Jahren.

Der Erste Weltkrieg fügte dem Unternehmen schweren Schaden zu. Vor allem der Kommissionshandel ließ sich nicht in der Form vor 1914 wiederherstellen, so sehr Ersatz vor allem in Ostasien gesucht wurde. Rechtlich waren Kommissionshandel und Fabrikgeschäft seit 1920/22 getrennt in eine GmbH bzw. Kommanditgesellschaft. Endgültig wurde der Kommissionshandel 1963 eingestellt, das Fabrikgeschäft kam 1980 zum Erliegen.
4 m
1. Zentrale in Iserlohn (alle Geschäftszweige) 1821-1955 (34)
2. Kommissionsgeschäft 1824-1939 (107)
3. Fabrikgeschäft 1864-1979 (73)
4. Neuwalzwerk Bösperde 1866-1952 (9)
5. Von Dücker & Co., Papierfabrik, Böingsen 1854-1886 (12)
6. Hüstener Gewerkschaft, Hüsten 1886-1898 (7)
7. Chemische Fabrik Bruchhausen, bei Arnsberg 1877-1888 (1)
8. Succursale de Paris 1890-1916 (10)
9. Holzindustrie Iserlohn und Rumänien 1898-1914 (19)
10. Fabricale de Resonante, Iserlohn / Straja 1910-1920 (4)
11. AG Vereinigte Chemische Fabriken S.T. Morosow, Krell & Ottmann, Moskau 1903-1909 (3)
12. Bronzegießerei Jos. Louis GmbH, Köln 1906-1910 (1)
13. Handelsgesellschaft Fr. Wittenberg, Küppersteg 1876 (1)
14. Gewerkschaft Langgrube, Brachbach 1883-1895 (1)
15. Familienangelegenheiten 1854-1897 (3)

Der Bestand folgt in der Klassifikation der Gliederung in Iserlohn nach Abteilungen des Kommissions- bzw. des Fabrikgeschäfts. Daran schließen sich Überlieferungen zum auswärtigen Besitz an. Der besondere Quellenwert liegt in der reichen Dokumentation zum Kommissionsgeschäft. Wenngleich die meisten Geschäftsbuchserien fehlen, so ist mit Hilfe der Bilanzen der Geschäftsgang zwischen 1865 und 1929 in aggregierter Form nahezu lückenlos zu rekonstruieren. Ergänzende Überlieferung (Akten, Fotos, Werbematerial) erhellt die Bedeutung insbesondere des Südamerikahandels. Als Schwerpunkt zeichnet sich der Handel mit Kolumbien ab, dort waren Kissing & Möllmann zeitweise der inländischen deutschen Konkurrenz weit voraus. Dies war u.a. das Verdienst der Pariser Succursale, deren zentrale Überlieferung erhalten ist. Beachtung verdienen ferner Materialien zu Rußland und China sowie zu den Angestellten und Reisenden des Kommissionsgeschäfts.

Das Fabrikgeschäft spiegelt sich vor allem in den Bilanzen sowie Katalogen und Musterbüchern wider; zu den Beteiligungen und auswärtigen Betrieben liegen Splitter vor.
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