F 98 - Eisenwerk Weserhütte AG



Laufzeit : [1902] 1925-1977


Inhalt : Firmensitz: Bad Oeynhausen
Branche: Maschinen- und Anlagenbau
1844 gründeten Albrecht Emil Kuntze und Christian Friedrich Pottharst das "Eisenwerk Weserhütte" in Rehme an der Weser. Der relativ kleine Betrieb stellte in bescheidenem Umfang Gußwaren, vor allem Töpfe, Herde und landwirtschaftliches Gerät her. Nach dem Tode von Pottharst 1864/65 gliederten Kuntzes Neffe Egbert Schuster und Julius Krutemeyer [sen.] der Gießerei eine Maschinenfabrik auf dem Gebiet des 1859 zur Stadt erhobenen Bad Oeynhausen an. Ab 1869 firmierte das Unternehmen als "Eisenwerk Weserhütte Schuster & Krutemeyer". Schwerpunkte waren die Gießerei, der Maschinen- und Brückenbau. 1894 übernahmen Krutemeyers Witwe und sein Sohn Julius das Unternehmen. Julius Krutemeyer [jun.] legte die Gießerei still und konzentrierte die Produktion auf die Bereiche Gittermasten- und Brückenbau, Ziegeleimaschinen und Bagger. Unter seiner Leitung wuchs das Unternehmen, es beschäftigte 1900 200 Menschen. Einem mißglückten Engagement in der Elektrizitätswirtschaft folgte ein Vergleich 1902. Nach Tilgung der Schulden wurde das Unternehmen 1913 in eine Aktiengesellschaft mit einer Million Mark Stammkapital umgewandelt. Nach Veräußerung der Anteilsmehrheit der Familie Krutemeyer an die Preussenelektra florierte das Unternehmen unter Leitung von Rudolf Tobias und Ernst Weiß. Sie legten die 1920 erworbenen Produktionsstätten Neunkirchen (Sieg) und Neustrelitz still und erweiterten die Fertigung um die Abteilung "Großanlagenbau". Nach schweren Jahren zwischen 1930 und 1936 kam die Weserhütte zur Gruppe Otto Wolff, Köln. Sie erwarb 1938 die Maschinenfabriks-AG Leobersdorf bei Wien (1945 beschlagnahmt). 1942 wurde der Vertrieb in der Weserhütte-Otto-Wolff GmbH organisiert. Mehrere Werkshallen entstanden ab 1937 für die Rüstungsproduktion. Gleichzeitig wurden Bagger, u.a. bis 1940/41 für die Sowjetunion, produziert. Bombardierungen 1944 und 1945 folgte 1945 und dann nochmals 1948 dieBeschlagnahme von großen Teilen des Werksgeländes; ein Teil der Maschinen wurde demontiert. Erst 1958 räumten die Engländer die letzten Hallen. Der Aufschwung der 1950er Jahre ist eng verbunden mit dem Wiederaufbau unter dem Direktor Dr. Heinz Hoeschen. Nach 1970 verstärkte sich das Auslandsengagement, u.a. durch Tochtergesellschaften in Regensdorf (Schweiz), Johannesburg (Südafrika), Sidney und Rio de Janeiro. Großaufträge wurden nun in der ganzen Welt abgewickelt. Die Weserhütte verschmolz 1980 mit der ebenfalls zur Wolff-Gruppe gehörenden Pohlig-Hechel-Bleichert Vereinigte Maschinenfabrik AG, Köln zur PHB Weserhütte AG mit Sitz in Köln (Aktienkapital 30 Millionen DM). Die PHB Weserhütte AG ging 1987 in Konkurs.
35 m
Die Bestände konzentrieren sich auf die Zeit seit dem Übergang des Familienunternehmens an die Preussenelektra. Die 1925/26 einsetzende Serie der Bilanzunterlagen enthält ausführliche Angaben zum Unternehmen. Einen weiteren Schwerpunkt des Bestandes bilden die Akten zur Demontage, zu den Reparationen und zur Räumung des Werksgeländes an der Mindener Straße in Bad Oeynhausen. Die Akten zu den Unternehmensprodukten umfassen Fördertechnik im in- und ausländischen Bergbau sowie Großanlagen in der ganzen Welt.

Bilanzunterlagen 1925/26-1977, darin Werk Neunkirchen (Sieg) (1926-1930), Schöninger Ton- und Hohlsteinwerke AG, Magdeburg (1928-1933), Julius-Krutemeyer-Stiftung (1926-1941), Gerling-Konzern, Köln (1931-1933), Freien Grunder Bank GmbH [1902] (1928), Preussenelektra-Anleihe 1933/34, Neu- und Umbau des Verwaltungsgebäudes (1960/61), wichtige Auslandsaufträge, Konzernabhängigkeitsberichte, ausländische Tochtergesellschaften (1972-1977), Wohnungsbau in Bad Oeynhausen.

Bilanzunterlagen der Weserhütte-Otto-Wolff GmbH (1942-1972 mit Überleitung in die Weserhütte AG, 1972).

Prüfung der Jahresabschlüsse 1933-1964.

Schäffer & Budenbergs Erben GmbH, Herford (1952-1953, gescheiterte Übernahme eines ursprünglich in Magdeburg beheimateten Unternehmens).

Leobersdorfer Maschinenbaufabriks-AG, Leobersdorf (1938-1956) mit Bilanzen, Finanzierung, Differenzen mit Ganz & Co., Budapest wegen Aktienübernahme.

Aufträge der Wehrmacht, insbesondere des Oberkommandos des Heeres (1937-1943), Vertrag mit der Wehrmachtsfachschule für Technik, Münster (1945).

Demontage, Reparationen, Besatzung durch die englischen Truppen, insbesondere durch R.E.M.E. (Royal Engineering & Mechanical Equipment), Remontagekredite, Entschädigung für Besatzungsschäden, Weserstollen bei Dehme [(1942), 1945-1947], Produktion für den Bergbau nach 1947, Treuhänder, Gründung der Maschinenbau Bad Oeynhausen GmbH (1948), Notgemeinschaft für reparationsgeschädigte Industrie, Düsseldorf (1950-1960).

Aufsichtsrat 1956-1977; Meldungen an die Otto-Wolff-AG Köln 1956-1977.

Großanlagen 1936-1977, u.a. mit den Projekten Kraftwerk Lünen, Sinteranlage in Karabük (Türkei), Ewald-Kohle AG, Recklinghausen, Zeche Friedrich Heinrich, Kamp-Lintfort, Ptolemais Lignite Mining & Industrial Company, Athen [=Lintol], Hüttenwerk UNINSA (Spanien), Krivoj Rog (UdSSR), Staudamm Tarbela (Pakistan).

Arbeitsgemeinschaft schnellfahrende Bandzüge (asbz) mit der Federführung durch die Weserhütte in Kooperation mit Continental Gummiwerke AG, Hannover, Arn. Jung Fördertechnik, Kirchen/Sieg, Demag Fördertechnik, Geschäftsgruppe Conz, Hamburg, Aug. Klönne GmbH, Dortmund (1972-1977).

Foto-Sammlung; Prospekte; Karten und Pläne; Patente; technische Dokumentation zu allen Produkten des Unternehmens.
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