F 132 - Gebr. Hettlage KG



Laufzeit : 1858-1994


Inhalt : Firmensitz: Münster
Branche: Textil-Einzelhandel
Die Wanderhändler ("Tödden")-Familien Hettlage, Boecker, Jasper und Schrameyer taten sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zusammen, um in Pommern ihre Aktivitäten zu koordinieren. Sie gründeten (wahrscheinlich 1786) in Greifenhagen die Firma Gebr. Boecker. Die Greifenhagener Geschäftsräume wurden zum Ausgangspunkt des Wanderhandels, der dort bis mindestens zum Ende des 19. Jahrhunderts betrieben wurde.

Hermann Hettlage gründete, nach Ausbildung bei der Firma Gebr. Boecker in Greifenhagen, 1896 in Münster die Firma H. Hettlage, die Herren- und Knabenoberbekleidung führte. Schon 1904 verkaufte er das Geschäft an seine Vettern August und Heinrich Hettlage, Georg, Julius und Heinrich Boecker. Er konzentrierte seine unternehmerischen Aktivitäten in der Folge auf andere Orte und gründete bis 1910 Textil-Einzelhandelsfirmen u.a. in Hamm, Hagen, Recklinghausen, Düsseldorf und Mönchengladbach.

Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Münster wurde August Hettlage. Zur Gruppe gehörten Niederlassungen in Greifenhagen (Gebr. Boecker), Bielefeld (1904 gegründet) und Kassel (1913 gegründet). 1913 wurde die Firma in eine oHG umgewandelt. Der Sohn von August Hettlage, Carl, trat 1916 als Gesellschafter in das Unternehmen ein. Mit der Erkrankung des Vaters (1919) übernahm er dessen Pflichten, nach dem Tod von August Hettlage (1920) wurde er offiziell dessen Nachfolger als persönlich haftender Gesellschafter (neben Clemens Hettlage und Richard Boecker).

1926/33 schieden alle Mitglieder der Familie Boecker als Gesellschafter aus. 1929 erfolgte an der Ludgeristraße ein Neubau des Münsteraner Geschäftshauses als Fachgeschäft für Damen-, Herren- und Kinderbekleidung. Als neue Gesellschafter nahm Carl Hettlage nach und nach seine Brüder Werner (1929), Benno (1932) und Fritz (1934) in die H. Hettlage oHG auf. Das Unternehmen expandierte: Zwar wurde 1931 die Niederlassung in Greifenhagen (Gebr. Boecker) aufgegeben. Andererseits gründete man aber neue Niederlassungen: Würzburg (1930), Königsberg (1935) und München (1937).

Im Oktober/November 1951 änderte man die H. Hettlage oHG in eine GmbH. Ein Familienvertrag sollte die einheitliche Leitung durch die vier Brüder Benno, Carl, Fritz und Werner Hettlage sichern. 1959 wurde als Dach des Unternehmens die H. Hettlage KG mit Sitz in Münster geschaffen.
1960/61 wurde das Unternehmen in die selbständigen Gruppen "Nord" (mit Carl, Fritz und Werner Hettlage sowie den Niederlassungen in Münster, Essen und Würzburg) und "Süd" (mit Benno Hettlage sowie den Niederlassungen in München und Trier). Die Gruppe Nord firmierte seit Dezember 1961 unter dem Namen Gebr. Hettlage KG. 1967 wurde Ulrich Hettlage persönlich haftender Gesellschafter.

Zur Gruppe "Nord" kamen hinzu: 1961 ein zweites Haus in Essen (Wilhelm & Co.) sowie Niederlassungen in Bremen (Finke, 1962), Koblenz (1965), Neuß (1967), Osnabrück (Hettlage & Lampe, mit Filialen in Oldenburg, Wilhelmshaven und Emden, 1969), Neuwied (1969), Hamburg (1970), Hagen (1972), Siegen (1973), Bocholt (1974), Oberhausen (1976), Lüdenscheid (1977), Velbert (1977), Rheine (1977), Hamm (Grüter & Schimpff, 1978), Villingen-Schwenningen und Waiblingen (beide 1980). 1977 bezog die Hauptverwaltung der Gebr. Hettlage KG in Münster ein neues Gebäude am Krögerweg.

In den 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre beschleunigte sich die Expansion noch einmal. Zur Hettlage-Gruppe kamen im Verlauf der 1980er Jahre die neuen, eigenständigen Gesellschaften (z.T. mit Spezialsortiment) "Werner + Ulrich", "That''s me", "Pleuler", "Only franchise" hinzu. Anfang 1990 gehörten zur Hettlage-Gruppe ("Nord") 29 Häuser, Anfang 1994 waren es insgesamt 40 Häuser. Die Krise des Einzelhandels erfaßte auch Hettlage. Im September 1994 mußte ein Vergleichsantrag gestellt werden. Die Gruppe "Süd" (Hettlage KGaA, München) besteht weiter.
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Obwohl keine kontinuierliche Überlieferung vorliegt, läßt sich anhand des Bestandes die Unternehmensgeschichte Hettlage" in ihren Grundzügen rekonstruieren. Erkennbar wird der Übergang von den Tödden" zu einem mittelständischen Textileinzelhandelsunternehmen mit mehreren festen Niederlassungen. Lücken weist der Bestand besonders für die Zeit von etwa 1965 bis 1985 auf. Recht gut dokumentiert sind dagegen die Jahre zwischen 1945 und 1961. Auch für die Expansion des Unternehmens in den 1930er Jahren (besonders Häuser München und Königsberg) findet sich Material. Darüber hinaus werfen die Unterlagen Schlaglichter auf den Lebenszuschnitt, das Selbstverständnis und die Geschäftspolitik einer katholischen westfälischen Unternehmerfamilie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Die Unterlagen zur Werbung (Schwerpunkt in den 1980er und 1990er Jahren, aber auch einige Broschüren und Anzeigen aus der Zeit von 1890 bis 1945) sind eine wichtige Quelle für die Kultur- und Alltagsgeschichte.

Im einzelnen enthält der Bestand: unternehmensgeschichtliche Sammlungen; Grundlagen der Geschäftspolitik; Gesellschaftsverträge und Handelsregistereintragungen; Geschäftsbücher; Unternehmensorganisation; Unternehmensleitung; Bilanzen und Unternehmenserfolg; Finanzen und Steuern; Soziales; einzelne Niederlassungen (Bielefeld, Bremerhaven, Essen, Greifenhagen, Hagen, Hamburg, Hamm, Heidelberg, Kassel, Kiel, Königsberg, München, Münster, Neuss, Osnabrück, Schwäbisch-Hall, Trier, Ulm, Würzburg); Grundstücke und Gebäude; Personal; Werbung (u.a. Fotos, Prospekte, Kataloge, Zeitungsanzeigen, Modenschauen); Mitbewerber; Familiäres und Privates.
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