Erzbischöfl. Priesterseminar




Inhalt :
45 lfm., Vermögensverwaltung (ab 14. Jh.), Nachlasssplitter von Familien der Stifter (u.a. Rensing, von Moers, von Broich, 16.-18. Jh.), Seminarleben, Priesterausbildung, ((1303), 1390-1990); Findbuch, 1.299 VE.


Die Tätigkeit des Kölner Priesterseminars begann 1738, fußend auf einem erzbischöfl. Dekret von 1736, nachdem zwei frühere Anläufe — im 17. Jh. — ein Seminar zu gründen, fehlgeschlagen waren. Versch. Vermächtnisse, v. a. des Laien Johann Jakob von Broich, sicherten nun die wirtschaftl. Basis dieser Einrichtung für die Klerikerausbildung. Seit 1749 waren alle Priesteramtskandidaten verpflichtet, vor dem Empfang der Priesterweihe mindestens ein Jahr lang das Seminar zu besuchen. Mit den Stiftungen erhielt das Seminar auch umfangreiche Urkunden und Akten aus der Zeit seit dem 14. Jh. über das Vermögen der Stiftungen der Stifterfamilien. Ferner floß der Nachlaß des damaligen Regens Rensing (1740–1766) in das schon für das 18. Jh. bezeugte Seminararchiv ein. Dem Seminar inkorporiert war die auch räumlich mit dem damaligen Gebäude am Domhof verbundene Pfarrkirche St. Johannes Evangelist in Curia beim Dom.

Während der Verlegung des Bistumssitzes nach Aachen (1801–1821) blieb das Seminar als sog. „Seminarium Aquisgranense“ auf dem Domhof in Köln. Seit der Gründung der Bonner Univ. mit Kath.-Theol. Fakultät verblieb dem Priesterseminar — seit 1827 untergebracht in dem ehem. Jesuitenkolleg und heutigen Generalvikariat in der Marzellenstraße — die pastorale Ausbildung des Klerus. Im Kulturkampf kam es zur Schließung des Seminars von 1875 bis 1886, 1929 zur Verlegung nach Bensberg, welche bis 1958 Bestand hatte, unterbrochen von kriegs- bzw. politisch bedingten Ausquartierungen nach Altenberg, Bonn, Honnef und Porz-Ensen; das Bensberger Gebäude war von 1942 bis 1948 enteignet. Seit 1958 befindet sich das Seminar in der Eintracht-, heute Kardinal-Frings-Straße, neben dem Erzbischöfl. Haus. Leiter ist der Regens oder Präses (anfangs „Regens subalternus“). Dieses Amt bekleideten u. a. 1868–1875/86 der spätere Generalvikar Dr. Kleinheidt, 1900–1914 der spätere Weihbischof Dr. Lausberg, 1929–1937 der spätere Dompropst Hecker, 1937–1942 Dr. Frings, anschließend Erzbischof, sowie 1944–1963 bzw. 1968–1970 die späteren Weihbischöfe Dr. Frotz und Dr. Luthe. Die oberste Leitung hatten indes im 18. Jh. vier Seminarkommissare (praesides), darunter der Generalvikar und der Weihbischof. Für die Vermögensverwaltung und die Aufsicht über die Wirtschaftsverwaltung ist seit 1832 ein Seminarverwaltungsrat zuständig. Ihm gehören heute u. a. an: der Generalvikar, der Finanzdirektor des Erzbistums, der Regens sowie — da das „Priesterseminar“ (sog. „seminarium maius“) im Sinne des Kirchenrechts im Erzbistum Köln sowohl das Erzbischöfl. Priesterseminar als auch das Theologenkonvikt umfaßt — der Direktor des Bonner Theologenkonvikts Collegium Albertinum.

Der alte Teil des Bestandes „Erzbischöfliches Priesterseminar“ wurde 1925/26 von dem Historiker Ernst Reckers bei den Recherchen zu seiner Dissertation (über das Seminar) im Turm der Kirche St. Mariä Himmelfahrt entdeckt; es handelte sich um „15 kleinere Kisten“ (Schreiben Reckers’ an Lohmann vom Februar 1926, in: Priesterseminar Nr. 259), die zum größten Teil die Akten des Seminars — mit den darin enthaltenen Familienunterlagen — enthielten, verbunden auch mit Unterlagen der Kirche St. Johannes Evangelist in Curia. Im Kontext des Seminarumzugs nach Bensberg wurde das Archiv (ca. 7-8 lfm.) vom Seminar 1929 an das AEK übergeben. Dort wurde es mit einer kleineren Menge von Akten des Generalvikariates aus dem späten 18. Jh. über das „Seminarium“ angereichert, die aus einer Konkordanz im Findbuch ersichtlich sind. (Zum Pfarrarchiv St. Johannes Evangelist s. u. S. 275 u. 283.) Diverse neuere Akten des Seminars (19. und v. a. 20. Jh.) gelangten seit 1985 ins AEK.

(Zum Priesterseminar vgl. unbedingt auch den Nachlaß Berresheim, ferner die Kartensammlung, in der sich auch Stücke des Seminars finden, sowie auch Histor. Archiv der Stadt Köln, Bestand „Seminar“, 1432–1802.)


>> zum Findbuch AEK, Priesterseminar I
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