Dekanatsarchive (DKA)




Inhalt :
20 Dekanatsarchive, zusammen ca. 57 lfm. (i.d.R. 19.-20.Jh.); meist Kurzverzeichnisse oder Listen:


Bedburg

Bensberg

Bergisch Gladbach

Brühl

(Köln-)Dünnwald

Engelskirchen

Erpel (7 lfm.)

Grevenbroich (6 lfm.)

Hennef

Hersel

Köln (Dekanate-Stadtdekanate-Gesamtverband) (15 lfm.)

Königswinter (12 lfm.)

Lechenich

(Köln-)Lövenich

Porz

Ratingen

Rhein-Sieg rechtsrheinisch (Kreisdekanat)

Troisdorf

Zons


Nach der Wiedererrichtung des Erzbistums Köln 1821 faßte Erzbischof Ferdinand August Graf Spiegel am 24. Februar 1827 die rund 700 Pfarreien seiner Diözese in 44 kleineren Einheiten, den sog. „Dekanaten“, zusammen („erste Dekanatsorganisation“). Die permanente Ausweitung des Pfarrnetzes führte häufig zu einer Veränderung der Dekanatsstruktur durch Erweiterungen, Teilung und Neugründung von Dekanaten. Größere Neuorganisationen fanden statt zwischen 1923 und 1925 („zweite Dekanatsorganisation“ unter Erzbischof Kardinal Schulte im Anschluß an die Diözesansynode von 1922) und nach dem Zweiten Weltkrieg, zuletzt unter Erzbischof Kardinal Höffner zu Beginn der 1970er Jahre. Solche Änderungen sind durch publizierte erzbischöfl. Erlasse nachweisbar. Heute (Juni 1998) gibt es im Erzbistum Köln 67 Dekanate mit 806 Pfarreien, deren Aufgaben zuletzt 1985 verbindlich umschrieben wurden. Diese moderne Dekanatsorganisation setzt sich deutlich von den älteren Landdekanaten, den „Christianitäten“ (s. o. unter Bestand „Christianitäten (Alte Landdekanate)“), ab.

Ein Dekanat bezeichnet dabei den Zusammenschluß mehrerer benachbarter Pfarreien zu einer Verwaltungseinheit und Mittelinstanz zwischen dem Erzbischof und seinem Generalvikariat auf der einen und den Pfarreien auf der anderen Seite. Es unterhält möglicherweise überpfarrliche Dienste und soll durch „gemeinsame Beratung und einheitliche Durchführung seelsorglicher Aufgaben auch Seelsorgeeinheit sein“. Zu den Hauptaufgaben gehören daneben die Seelsorge an den Priestern, die Weiterbildung des Klerus und der gegenseitige Informations- und Meinungsaustausch. Wichtigstes Mittel war von Anfang an die jährliche Dekanatskonferenz, die zunächst nur von den amtierenden Pfarrern eines Dekanates besucht wurde und in deren Verlauf jeweils zwei der teilnehmenden Pfarrer ein vom Dekanatskapitel oder Generalvikariat vorgegebenes Thema aus der Theologie oder dem Kirchenrecht behandeln mußten („Dekanatsarbeiten“). Daneben fanden regelmäßige weitere Treffen („Konveniats“) statt. Nur zeitweise durchgesetzt werden konnte die jährliche Abhaltung von „Pastoralkonferenzen“ unter Beteiligung des jeweils ganzen Dekanatsklerus, der sich dabei besonders um pastoraltheol. Fragen mühen sollte.

Das Amt des Dechanten, des Vorstehers des Dekanates, wird durch einen vom Dekanatsklerus gewählten und vom jeweiligen Erzbischof zunächst auf Lebenszeit, seit 1978 auf Zeit ernannten Pfarrer wahrgenommen. Die Dechanten beaufsichtigen Leben und Amtsführung der Geistlichen in ihrem Sprengel, überwachen die Vermögensverwaltung, führen Visitationen durch und nehmen „als Auge des Bischofs“ an dessen Hirtensorge teil.

Eine Sonderform stellen die Stadt- und Kreisdekanate dar. 1923 wurde die Stadt Köln in sechs neu umschriebene Dekanate geteilt und ein „Stadtdechant“ als „erster Vertreter des gesamten Kölner Pfarrklerus sowohl der Erzbischöflichen als auch jeder weltl. Behörde gegenüber“ eingesetzt. Neben dem protokollarisch ersten Rang im Stadtklerus bekam er unbeschadet der Rechte der Dechanten bestimmte Pflichten und Rechte zugewiesen. Die Diözesansynode von 1954 konkretisierte die Rolle der Stadtdechanten und Stadtdekanate näher, und Kardinal Frings weitete diese Struktur 1959 auf die Kreise aus. Zur Schaffung größerer Regionen, wie sie die „Gemeinsame Synode . . .“ ansprach, ist es im Erzbistum Köln nicht gekommen; die 1975 begründeten vier Pastoralbezirke, die jeweils mehrere Stadt- und Kreisdekanate umfassen, betreffen die Zuständigkeit der Weihbischöfe. Strukturen und Kompetenzen der Stadt- und Kreisdekanate wurden mehrfach, zuletzt 1978 und 1989, neu gefaßt und präzisiert. Eine ihrer Hauptaufgaben liegt in der Trägerschaft überörtlicher Einrichtungen (Jugendämter, Bildungswerke usw.).

Das Schriftgut der Dechanten soll nach den einschlägigen Vorschriften im Dekanatsarchiv niedergelegt, beim Wechsel im Dechantenamt dem jeweiligen Amtsnachfolger übergeben und von diesem weitergepflegt werden. Soweit ein Dechant kraft seines Amtes Mitglied in kirchl. oder zivilen Ämtern, Institutionen, Kuratorien oder Räten ist, kommen unter Umständen Akten aus der Wahrnehmung dieser Funktionen noch hinzu. Es hat aber den Anschein, daß nicht selten bei solchen Aktenübergaben vor allem aktuell laufende oder erst vor relativ kurzer Zeit abgeschlossene Vorgänge weitergegeben und für das restliche Schriftgut ohne archivische Bewertung mehr oder weniger starke Kassationen vorgenommen wurden. Mitunter ist das Dechanten- und Dekanatsschriftgut auch als Bestandteil der Pfarrarchive angesehen und entsprechend verzeichnet worden, wobei der Unterschied zwischen „echten Dekanatsakten“ und „Pfarramtsakten betr. das übergeordnete Dekanat“ oft keine Beachtung fand. Dabei mögen die Übertragung des Dechantenamtes auf Lebenszeit und der Umstand, daß nicht selten als Nachfolger eines Dechanten dessen unmittelbarer Nachfolger im Pfarramt eingesetzt und somit eine Pfarrei zum dauernden Sitz des Dechanten wurde, eine Rolle gespielt haben. So haben sich in der Praxis nur relativ wenige Dekanatsarchive einigermaßen vollständig erhalten; die meisten liegen nur fragmentarisch oder als Splitter vor. Zu beachten ist auch, daß die Dekanatsarchive grundsätzlich „lebende“ Archive sind, da bei der Übergabe der Dekanatsarchive an das AEK die Dekanate in der Regel bestehen blieben und in der Folge weiteres Schriftgut entstand, das irgendwann einmal den jeweiligen Dekanatsarchiven zuzuführen ist.

Unbeschadet dieses generellen Erhaltungszustandes und der mitunter stark gestörten Überlieferung dürfen die Dekanatsarchive ein starkes kirchengeschichtliches Interesse beanspruchen. Viele wichtige, mitunter nebensächlich erscheinende Entscheidungen und Handlungen, für die sich auf Pfarr- oder Erzbistumsebene keine oder nur unvollkommene Akten erhalten haben, sind in den „Generalia“-Akten der Dekanatsarchive oft überraschend gut dokumentiert. Herausragende Bedeutung haben die älteren Dekanatsarchive für die Zeit des Kulturkampfes (1873–1886), in der die Arbeit von Erzbischof und Generalvikariat massiv behindert oder sogar untersagt war. Unbeschadet einer möglicherweise fragmentarischen Überlieferung lohnt sich die Einsichtnahme in ein Dekanatsarchiv für folgende Themen und Inhalte: Erlasse von Erzbischof und Generalvikariat; Konferenzen und regelmäßige Treffen des Dekanatsklerus (Konveniats) mit Protokollen, Referaten und Aussprachen zu diversen Aspekten der Seelsorge; Personalangelegenheiten von Dechanten, Definitoren und Dekanatsklerus; Visitationen durch Erzbischof, Weihbischöfe, Dechanten und Definitoren; Schule und Bildung; Seelsorge und Caritas; Einrichtungen und Ämter; polit. Angelegenheiten; allgemeine und spezielle Angelegenheiten der einzelnen Pfarrorte („Ortsakten“): Grenz- und Personalfragen, Gottesdienst, Verwaltung des Ortskirchenvermögens, Streitfälle usw.

Die bistumseigene Gegenüberlieferung besteht vor allem in dem Bestand „GVA Dekanatsakten I“ bzw. „GVA Dekanatsakten II“ (s. o. S. 159–161) u. in der Aktengruppe CR 14. 2; vgl. ferner den Bestand „GVA Ortsakten I“.
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