Bestand 103 Deutscher Kaliverein e. V., Berlin



Laufzeit : 1867 - 1945



Inhalt : 1851 begann mit der Abteufung von zwei Schächten in Staßfurt - südlich von Magdeburg - eine neue Ära des Bergbaus in Deutschland, die Steinsalzgewinnung. 1856 stieß man auf die ersten Steinsalzlager und ein Jahr später konnte bereits mit den Abbauarbeiten begonnen werden. In den nächsten Jahren entstanden in unmittelbarer Nachbarschaft weitere Gruben, so etwa 1858 in Leopoldshall und 1860 in Neustaßfurt und Aschersleben.

Obwohl 1872 auch in der Nähe von Braunschweig mit dem Abbau begonnen wurde, blieb das Staßfurter Gebiet bis 1886, als man im Raum Goslar größere Vorkommen erschloss, das Zentrum der Steinsalzförderung. Gleichzeitig entstanden neben den Gruben verschiedene chemische Fabriken, die die gewonnenen Salze verarbeiten und besonders für den Einsatz als Dünger verwertbar machen sollten.

Trotz der geringen Zahl der Bergwerke - vor 1890 bestanden erst sieben - kam es schon in den 1870er Jahren zu Kartellierungsbestrebungen, denn obwohl das Deutsche Reich ein Weltmonopol bei der Gewinnung und dem Absatz der Kalisalze besaß, führten Überproduktionen immer wieder zu Streitigkeiten hinsichtlich der Verkaufsquoten und der Preise. Deswegen gab es bereits ab 1876 Preisabsprachen und Abstimmungen der Produktionskapazität, die als die Vorläufer des offiziell seit 1884 bestehenden Kalisyndikats anzusehen sind. Ab 1890 nahm die Anzahl der Kaliwerke sehr schnell zu, 1902 existierten bereits 21, 1910 sogar 69 Gruben, welche nun nicht mehr auf den Raum Magdeburg beschränkt waren, sondern im Süden bis Fulda reichten und sich im Norden bis Hannover und Mecklenburg erstreckten.

Um die wirtschaftlichen und technischen Interessen der Kaliindustrie gemeinsam wahrzunehmen, wurde 1905 der Verein der Deutschen Kaliinteressen zu Magdeburg gegründet. Im Gegensatz zum weiterhin bestehenden Kalisyndikat befasste sich der Verein nicht mit Absatz und Preisfragen, sondern nahm die sonstigen Belange der Syndikatsmitglieder wahr,vertrat sie in der Öffentlichkeit und bei staatlichen Stellen. Er kümmerte sich um Gesetzgebung, Steuern, Zölle und bergrechtliche Fragen und nutzte so seine Position als Vertreter eines starken Industriezweiges. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Forschung und Lehre auf technischem Gebiet. 1914 wurde der Sitz des Vereins nach Berlin verlegt, da die Reichshauptstadt für den Interessenverband der günstigere Standort war. Bis 1919 wurde mit 154 Mitgliedern der Mitgliederhöchststand erreicht.

Im Dezember 1922 gab der Verein sich eine neue Satzung und nannte sich Deutscher Kaliverein e. V., wobei sich Aufgaben und Wirkungskreis nicht änderten.

In die 1920er Jahre fallen weitere Aktivitäten des Vereins. Zahlreiche Kommissionen wurden gegründet, so etwa bei bergtechnischen Fragen und besonders für Kaliabwasserentsorgung, eines der auch heute noch größten Probleme der Kaliindustrie. Es entstanden große Laboratorien für Werkstoffanalysen und Weiterverarbeitung der Salze sowie Seilprüfstellen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nannte der Verein sich Kaliverein e. V. - unter diesem Namen firmierte er bis 1998 in Hannover und seit 1999 in Kassel. Die Schwerpunkte der Tätigkeit liegen vor allem bei rechtlichen bzw. steuerrechtlichen Fragen, Tarifverhandlungen und weiterhin bei Abwasserbeseitigung und Umweltschutz.

In der Kaliindustrie lassen sich Abwasser nicht vermeiden. Bei der Verarbeitung von 100 t Rohsalz fallen je nach chemischer Zusammensetzung zwischen 100 und 250 m3 Lauge, d. h. Abwasser, an. Neben der Einleitung dieser Abwasser in Flüsse, für die es seit 1883 Mengenbestimmungen gibt, wird in Deutschland seit 1925 Lauge in den Plattendolomit versenkt. Plattendolomit ist eine poröse geologische Formation in etwa 400 m Tiefe, die durch Tonschichten abgedeckt und sehr aufnahmefähig ist. Da aber auch diese Endlagerungsstätten endlich sind, wurde in der Bundesrepublik in den 1970er Jahren begonnen, das Salz durch elektrostatische Aufbereitung abzuscheiden und aufzuhalden.

Die Abwasserakten des Deutschen Kalivereins e. V. beinhalten vor allem Gutachten und Aufsätze zu allen Fragen der Kalilaugenentsorgung. Der Hauptteil der Akten, ca. ein Drittel des Gesamtbestands, befasst sich mit Gesetzesentwürfen sowie mit Grundsatzfragen des Salzbergbaus und der Laugenentsorgung. Weiterhin finden sich Gutachten, die die Einwirkung der Abwassereinleitung auf bestimmte Wirtschaftszweige, so etwa die Landwirtschaft, die Fischereiwirtschaft und die Papierindustrie, betreffen. Alle anderen Akten beziehen sich auf Abwasserfragen in speziellen Flussgebieten wie Leine, Aller, Fulda, Werra, Weser, Unstrut und Saale. Allgemeines über Kaliendlaugen 1902-1942 (34)
Einwirkungen von Kaliendlaugen auf die Wasserhygiene und Trinkwassergewinnung 1915-1943 (3)
Einwirkungen von Kaliendlaugen auf die Landwirtschaft und Biologie 1904-1944 (4)
Einwirkungen von Kaliendlaugen auf die Fischereiwirtschaft 1912-1933 (3)
Einwirkungen von Kaliendlaugen auf die Papierindustrie und sonstige Industrien 1907-1933 (3)
Abwasserfragen im Flussgebiet der Leine und der Innerste 1898-1929 (4)
Abwasserfragen im Flussgebiet der Aller 1911-1945 (10)
Abwasserfragen im Flussgebiet der Werra, der Fulda und der Weser 1910-1942 (21)
Abwasserfragen im Flussgebiet der Wipper, der Unstrut, der Saale und der Elbe 1867-1927 (9)

Umfang : 15,3 m

Literatur : Albert Stange: 50 Jahre Deutschlands Kaliindustrie, Berlin 1911.
Dietrich Hoffmann: Elf Jahrzehnte deutscher Kalisalzbergbau, Essen 1972.
Rainer Slotta: Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 3: Die Kali- und Salzindustrie, Bochum 1980 (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum. 17).
Otto Walterspiel: 75 Jahre Kaliverein, in: Kali und Steinsalz 3, 1980, S. 71-75.
Kaliverein e. V. (Hrsg.): Die Kaliindustrie in der Bundesrepublik Deutschland, 4. Aufl., Hannover 1982.
Wirtschaftsvereinigung Bergbau e. V. (Hrsg.): Das Bergbau-Handbuch, 5. neu bearb. Aufl., Essen 1994.
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