Bestand 138 Unternehmensverband Ruhrbergbau, Essen



Laufzeit : 1947 - 1999



Inhalt : Angesichts der geplanten Auflösung der Deutschen Kohlenbergbau-Leitung (DKBL) gründeten die Bergbaugesellschaften des Ruhrgebiets am 15. Mai 1952 den Unternehmensverband Ruhrbergbau (UVR) als wirtschafts- und sozialpolitische Nachfolgeorganisation. Als technisch-wissenschaftliche Gemeinschaftsorganisation wurde Ende 1952 der Steinkohlenbergbauverein ins Leben gerufen. Bei den Vorarbeiten für den Wiederaufbau des bergbaulichen Verbandswesens nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der so genannte Achtzehner-Ausschuß bewusst an traditionelle Organisationsstrukturen angeknüpft, in deren Mittelpunkt der 1945 suspendierte Bergbau-Verein gestanden hatte und der 1958 als treuhänderischer Vermögensträger der Bergbauverbände reaktiviert wurde. Im Unterschied zur funktional differenzierten Verbandsstruktur in vielen anderen Industriebranchen vereinte der UVR wirtschafts- und sozialpolitische Aufgaben auf sich und fungierte als Tarifvertragspartei für den Ruhrbergbau. Da sich die endgültige Liquidation der DKBL bis zum 29. Juli 1953 hinzog, nahm der UVR seine Geschäftstätigkeit erst zum 1. August 1953 auf.

Dem umfassenden Wirkungsbereich des UVR entsprach ein breit gefächertes Ausschusssystem mit rund einem Dutzend Hauptausschüssen, die von Tarifvertrags- und Sozialversicherungsangelegenheiten bis hin zu Finanzfragen eine breite wirtschafts- und sozialpolitische Themenpalette abdeckten. Als Gremium für Fragen der Montanunion kam der "Beratende Ausschuß gemäß Artikel 48 Absatz III des Montanvertrages" hinzu, dem auch Vertreter von Verbrauchern und Arbeitnehmern angehörten. Nachdem der im Dezember 1968 als überregionale wirtschafts- und sozialpolitische Interessenvertretung gegründete, aber mit dem UVR eng verflochtene Gesamtverband des deutschen Steinkohlenbergbaus (GVSt) ein Großteil der Aufgaben des UVR übernahm, fungierte dieser im Wesentlichen nur noch als Arbeitgeberverband und Tarifvertragspartei. Demgemäss existierte beim UVR seit 1970 nur noch der Ausschuss Tarifwesen.

In den Jahren nach der Gründung wuchs im Glückauf-Haus in der Essener Friedrichstraße, dem traditionellen Sitz der Bergbauverbände, ein umfangreicher und in enger Anlehnung an die Ausschussstruktur untergliederter Verbandsapparat heran. Mit ca. 200 Angestellten war er 1968 größer als derjenige der drei Schwesterverbände in den Steinkohlenrevieren Aachen, Saar und Niedersachsen zusammen. Die enge Verflechtung zwischen den Bergbauverbänden und die Kontinuität in der Verbandsleitung spiegelten sich in der Besetzung der Geschäftsführung wider. Erster Hauptgeschäftsführer war Dr. Martin Sogemeier, der diese Funktion schon seit 1938 bei Bergbau-Verein und Bezirksgruppe Ruhr innegehabt hatte und nach dem Krieg bei der DKBL tätig gewesen war. Ihm folgten 1956 Oberbergrat a. D. Theobald Keyser und 1966 Dr. jur. Heinz Reintges als Hauptgeschäftsführer und geschäftsführende Vorstandsmitglieder. Seit 1969 leitete Reintges auch die Verbandsgeschäfte des GVSt. 1980 rückte der langjährige weitere Hauptgeschäftsführer Bergassessor a. D. Karl Heinrich Jakob als Nachfolger von Reintges in den Vorstand auf. Er amtierte bis Ende der 1980er Jahre. Wie schon Keyser, so waren auch Reintges und Jakob neben ihrer Tätigkeit bei UVR und GVSt lange Jahre zugleich Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Bergbau, des spartenübergreifenden Dachverbandes des deutschen Bergbaus.

Im Herbst 1999 wurden der Sitz von UVR und GVSt in das neue Haus der RAG AG verlegt und ein Großteil der Altregistratur an das Bergbau-Archiv abgegeben. Das vorhandene Material lässt differenzierte Erkenntnisse zu Organisation und Tätigkeit des Verbandes, zur Tarifpolitik und zur Politik des Bergbaus von der ersten Kohlenkrise 1957 bis zur Gründung der Ruhrkohle AG 1969 erwarten. Verbandsführung/Innere Angelegenheiten
Organisation 1952-1967
Satzungen des UVR 1956-1969
Vorstand 1953-1969
Geschäftsberichte 1954-1966
Mitgliederverzeichnis und Schriftwechsel mit Verbandsmitgliedern 1953-1984
Niederschriften über Mitgliederversammlungen von UVR, Bergbau-Verein, Steinkohlenbergbauverein und des Rationalisierungsverbandes 1953-1984
Rundschreiben des UVR an die Mitglieder 1953-1978
Fachausschüsse und Arbeitskreise

Tarifausschuss 1952-1967
Stilllegungsausschuss 1966-1969
Europa- und Wirtschaftsangelegenheiten
Studienausschuss des westeuropäischen Kohlenbergbaus 1968-1996
Vorausschätzungen Kohle und Stahl 1975-1991
Energiewirtschaftliche Aussichten und Ziele 1953-1985
Organisation der technischen Forschung Kohle 1963-1972
Studienausschuss technische Forschung undEuropa-Parlament 1957-1994
Europäische Kohlenbergbauliche Vereinigung 1964-1985
EG-Binnenmarkt 1989-1993
Technische Fachausschüsse und Arbeitskreise
Technisch-Wissenschaftliche Gemeinschaftsorganisation des Deutschen Steinkohlenbergbaus 1973-1990
Arbeitskreis Wärmemarkt 1983-1994
Arbeitskreis Berg- und Wasserrecht 1962-1999
Umweltschutz und Recht 1973-1990
Mitgliedschaften und Mitwirkungen in Verbänden und Organisationen

Wirtschaftsvereinigung Bergbau 1953-1968
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände 1953-1980
Bundesverband der Deutschen Industrie 1954-1968
Tarif- und Sozialpolitik/Belegschaftsfragen
Bergarbeiterwohnungsbau 1953-1966
Arbeits- und Sozialversicherungsrecht 1967-1969
Tarifverträge 1948-1973
Arbeitszeit/Kurzarbeit 1952-1967
Ausbildungswesen 1948-1967
Sozialwesen 1943-1958
Ausländische Arbeitnehmer 1952-1985
Arbeitnehmeraustausch 1962-1989
Werksrenten 1956
Arbeitsordnungen 1947
Mitbestimmungsrecht
Wirtschafts- und Steuerpolitik
Jahrhundertvertrag 1977-1988
Finanzen/Investitionen/Subventionen 1954-1968
Investitionshilfe 1977-1983
Kokskohlenhilfe 1977-1983
Stromgesetze 1965-1989
Kohlengesetz 1963-1971
Absatzfinanzierung 1971-1991
Statistiken 1953-1968
Rechtsfragen 1954-1968

Umfang : 220 m (unverzeichnet)

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Wirtschaftsvereinigung Bergbau (Bestand 83), Gesamtverband des deutschen Steinkohlenbergbaus (Bestand 169)

Literatur : Ruhrbergbau 1954. Jahresbericht für die Zeit vom 1. August 1953 bis 31. Dezember 1954 des Unternehmensverbandes Ruhrbergbau, Essen [1955].
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 67 ff.
Friedrich Schunder: Tradition und Fortschritt. 100 Jahre Gemeinschaftsarbeit im Ruhrbergbau, Stuttgart 1959.
Jahrbuch des deutschen Bergbaus, Jgg. 1952-1966.
Hans-Joachim Rummert: 125 Jahre Verein für die bergbaulichen Interessen 1858-1983, in: Glückauf 119, 1983, S. 1043-1056.
Jahrbuch für Bergbau, Energie, Mineralöl und Chemie, Jgg. 1967-1984/1985.
Jahrbuch Bergbau, Öl und Gas, Elektrizität, Chemie, Jgg. 1985/1986-1992.
Jahrbuch Bergbau, Erdöl und Erdgas, Petrochemie, Elektrizität, Umweltschutz, Jgg. 1993 ff.
Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken