Bestand 169 Gesamtverband des deutschen Steinkohlenbergbaus, Essen



Laufzeit : 1968 - 1992



Inhalt : Der Gesamtverband des deutschen Steinkohlenbergbaus (GVSt) entstand am 11. Dezember 1968 im Kontext der Gründung der Einheitsgesellschaft des Ruhrbergbaus, der Ruhrkohle AG (RAG). Die Konzentrierung der wirtschafts- und sozialpolitischen Interessenvertretung des Steinkohlenbergbaus in einem überregionalen Dachverband trug nicht allein der Neustrukturierung des Ruhrbergbaus Rechnung, sondern sollte nach der kontroversen Diskussion in der Montanindustrie über die Gründung der Einheitsgesellschaft auch die innere und äußere Geschlossenheit der Bergbauunternehmen wieder herstellen.

Neben dem Unternehmensverband Ruhrbergbau (UVR) gehörten dem GVSt die Unternehmensverbände des Saarbergbaus, des Aachener und des Niedersächsischen Steinkohlenbergbaus sowie in den Anfangsjahren der Bayerische Berg- und Hüttenmännische Verein an. Dabei nahm der UVR als weitaus größtes Mitglied eine dominante, auch in der Satzung verankerte Stellung innerhalb des GVSt ein. Beide Verbände hatten ihren Sitz im Essener Glückauf-Haus und waren u. a. durch zahlreiche Personalunionen auf der Ebene der Leitungsgremien und der Geschäftsführung eng miteinander verbunden. Erster Hauptgeschäftsführer und geschäftsführendes Vorstandsmitglied wurde Dr. jur. Heinz Reintges, der dieses Amt bereits seit 1966 beim UVR bekleidete. In den 1980er Jahren leitete sein Nachfolger Bergassessor a. D. Karl Heinrich Jakob die Verbandsgeschäfte von GVSt und UVR.

Nach der Gründung des GVSt gingen die wirtschafts- und sozialpolitischen Aufgaben der regionalen Unternehmensverbände weitestgehend auf den neuen Dachverband über, der auch die arbeitsteilige Ausschussorganisation des UVR mit nur wenigen Änderungen übernahm. Bis 1970 wurden für die Bereiche Ausbildungswesen, Arbeitsrecht, Arbeitsschutz und -medizin, Belegschaftswesen, Betriebswirtschaft und Finanzen, Recht, Statistik, Steuern und Tarifrecht Arbeitsgruppen eingerichtet. Die Unternehmensverbände fungierten fortan nur noch als Arbeitgeberverband und Tarifvertragspartei für ihr Revier und waren für Angelegenheiten mit vornehmlich regionalem Bezug zuständig.

Als im Herbst 1999 der traditionelle Sitz der Bergbauverbände im Essener Glückauf-Haus aufgegeben wurde und GVSt und UVR neue Räumlichkeiten bei der RAG bezogen, konnte das Bergbau-Archiv einen umfangreichen Teil der Altregistratur beider Verbände nach Bochum übernehmen. Die Überlieferung des GVSt dürfte nach Erschließung und Ablauf der Sperrfristen eine erstrangige Quelle zur Geschichte der bergbaulichen Interessenpolitik und der Kohlen- und Energiepolitik in der Bundesrepublik darstellen. Verbandsführung/Innere Angelegenheiten
Vorstandssitzungen 1968-1980
Mitgliederversammlungen 1968-1969
Jahresberichte 1970-1972
Jahresveranstaltungen 1970-1974
Arbeitsprogramm des GVSt
Mitwirkung in Verbänden, Organisationen und Ausschüssen
Verein für die bergbaulichen Interessen 1958-1970
Wirtschaftsvereinigung Bergbau 1968-1970
Steinkohlenbergbauverein 1969-1971
Rationalisierungsverband des Steinkohlenbergbaus 1966-1983
Arbeitsgemeinschaft für Olefinchemie 1955-1983
Bundesverband der Deutschen Industrie 1968-1972
Max-Planck-Institut für Kohlenforschung 1954-1981
Studienausschuß des westeuropäischen Kohlenbergbaus 1969-1972
Ruhrkohle AG 1968-1986
Aktionsgemeinschaft deutsche Steinkohlenreviere 1972-1990
Bergschadenausfallkasse e. V. 1985-1988
Zukunftsaktion Kohlegebiete e. V. 1970-1992

Umfang : 110 m (unverzeichnet)

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Wirtschaftsvereinigung Bergbau (Bestand 83), Unternehmensverband Ruhrbergbau (Bestand 138)

Literatur : Hans-Joachim Rummert: 125 Jahre Verein für die bergbaulichen Interessen 1858-1983, in: Glückauf 119, 1983, S. 1043-1056.
Jahrbuch für Bergbau, Energie, Mineralöl und Chemie, Jgg. 1967-1984/1985.
Heinz Reintges: Wendezeiten. Im Strom des Jahrhunderts -Im Dienst der Industrie - Im Bann der Kohlenpolitik, Essen 1989.
Jahrbuch Bergbau, Öl und Gas, Elektrizität, Chemie, Jgg. 1985/1986-1992.
Jahrbuch Bergbau, Erdöl und Erdgas, Petrochemie, Elektrizität, Umweltschutz, Jgg. 1993 ff.
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