Bestand 188 Rationalisierungsverband des Steinkohlenbergbaus, Essen



Laufzeit : 1963 - 1976



Inhalt : Angesichts der schwierigen Situation des Steinkohlenbergbaus vor dem Hintergrund der Kohlenkrise sah sich die Bundesregierung 1963 zu Maßnahmen veranlasst, die die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Steinkohlenbergbaus erhöhen und ein gewisses Förderniveau (140 Mio. t) behaupten sollten. Zu diesem Zweck wurde im gleichen Jahr der Rationalisierungsverband als öffentlich-rechtliche Institution gegründet. Da diese Institution jedoch als Selbstverwaltungsorgan der Kohlenwirtschaft handelte, blieb auch der Einsatz der zur Verfügung stehenden öffentlichen Finanzmittel dem jeweiligen Unternehmen vorbehalten, der eigentliche Rationalisierungsprozess war so der öffentlichen Hand entzogen.

Verpflichtend war die Mitgliedschaft für alle Bergbauunternehmen, deren jährliche Fördermenge 100 000 t überstieg. Angestrebt wurden Effizienzsteigerungen durch Betriebskonzentrationen sowie die Stilllegung leistungsschwacher Betriebe. Für jede Jahrestonne stillgelegter Förderung war die Zahlung von Prämien vorgesehen, die sich jeweils zur Hälfte aus Mitteln des Bundes und der Bergbauunternehmen finanzierten und der Abfederung der Rationalisierungsmaßnahmen dienen sollten. Als problematisch bei der Tätigkeit des Rationalisierungsverbandes erwies sich, dass als Ausgangsbasis für die Bewertung der Leistungsfähigkeit eines Betriebes jeweils das eigene Unternehmen diente, dessen leistungsschwächste Zechen geschlossen wurden, auch wenn ihre Leistungsfähigkeit im Vergleich zur Gesamtbranche überdurchschnittlich hoch war.

Diese Vorgehensweise und die Verfügung über erhebliche öffentliche Finanzmittel waren nicht unumstritten. Allein im Ruhrgebiet waren mehrere 10 000 Arbeitsplätze von den zahlreichen Zechenstilllegungen unmittelbar betroffen, für die mangels eines umfassenden politischen Konzeptes kein adäquater Ersatz zur Verfügung stand. Zudem wurde das Festhalten an einem bestimmten Förderniveau der insgesamt sinkenden Kohlennachfrage nicht gerecht. Die letzte Stilllegung im Rahmen des Rationalisierungsverbandes erfolgte 1968. Letztendlich bedeutete die Tätigkeit des Verbandes nur eine Phase in einem umfassenden und langfristigen Strukturwandel. Prämienanträge und allgemeiner Schriftwechsel zu den Schachtanlagen
Alte Haase
Amalie
Auguste Victoria 1/2 und 4/5
Aurora
Carolinenglück (Rheinelbe Bergbau AG)
Christine
Constantin der Große
Dahlbusch
Dahlhauser Tiefbau
Dorstfeld
Friedrich Joachim
Helene
Jägersfreude
Johanna
Kaiserstuhl (Hoesch AG)
Kohlwald
König Joachim (Ewald Kohle AG)
Königsborn 2/5
Königsgrube (Fried. Krupp Hüttenwerke AG)
Langenbrahm
Lucia
Maybach
Minister Achenbach 3/4
Mitgottgewagt
Neu-Wülfingsburg
Nordpol
Pafaba
Rheinpreußen 4
Rosenblumendelle/Wiesche
Rubin
Ruhrtal
Shamrock (Hibernia AG)
St. Barbara
Stockheim
Ulrich
Velsen
Victoria (Harpener Bergbau-AG)
Victoria Mathias (Saarbergwerke AG)
von der Heydt
Rechnungen über Anlagekäufe 1963-1968
Stilllegungen allgemein/Prämien/Stilllegungslisten/Prämien für Nichtmitglieder 1872-1976
Rationalisierungsverband allgemein


Umfang : 9 m (unverzeichnet)

Literatur : Werner Abelshauser: Der Ruhrkohlenbergbau seit 1945. Wiederaufbau, Krise, Anpassung, München 1984, S.101-109.
Gerhard Böhmert: Aktionsgemeinschaft Deutsche Steinkohlenreviere. Ihre Rolle im Strukturwandel des deutschen Steinkohlenbergbaus, Düsseldorf 1989, S.43-52.
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