Bestand 211 Vereinigung der Bergbau-Spezialgesellschaften e. V., Essen



Laufzeit : 1923 - 1995



Inhalt : Die so genannten Bergbau-Spezialgesellschaften, früher Bergwerksunternehmer oder Unternehmerfirmen genannt, führen im Auftrag der Bergbauunternehmen und auf eigene Rechnung besondere Arbeiten durch, für die meist hoch spezialisierte Fachleute und Maschinen erforderlich sind. Hierzu gehören u. a. das Abteufen und Ausbauen von Schächten und das Auffahren von Strecken bei der Aus- und Vorrichtung oder Bohrungen.

1910 gab es einen ersten Zusammenschluss der Unternehmerfirmen für Gesteinsarbeiten, dem die Interessengemeinschaft bzw. später die Fachgruppe der Bergwerksunternehmer folgten. 1937 wurden die Unternehmen der Branche bei der Reorganisation des industriellen Interessenverbandswesens durch das NS-Regime in der Fachgruppe Schachtbau, Bohrungen und Untertagebau der Wirtschaftsgruppe Bergbau zusammengefasst.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es vergleichsweise früh zur Gründung eines neuen Interessenverbandes. Während die Verbände der Bergbauunternehmen erst 1952 entstanden, schlossen sich 33 Unternehmerfirmen schon am 1. Oktober 1947 zur Vereinigung der Deutschen Bergbau-Spezialgesellschaften e. V. (VBS) zusammen. Der Zusatz "Deutschen" entfiel 1949. Die VBS trat die Rechtsnachfolge der Fachgruppe Schachtbau, Bohrungen und Untertagebau an und hatte, wie schon die Vorläuferorganisation, ihren Sitz in Essen. Hinsichtlich der Material- und Bedarfsgüterversorgung war sie in den Nachkriegsjahren über die Vereinigung des Deutschen Nichtkohlenbergbaus der Deutschen Kohlenbergbau-Leitung (DKBL) angeschlossen. Der Wirtschaftsvereinigung Bergbau gehörte die VBS seit deren Gründung 1952 an. Der Wirkungskreis der VBS beschränkte sich zunächst auf die britische Besatzungszone und wurde erst 1953 auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt. Erster Vorsitzender war Professor Dr.-Ing. Otto Dünbier (Thyssen-Schachtbau), der dieses Amt bis zu seiner Ablösung durch Professor Dr.-Ing. Ingo Späing (Deilmann-Haniel) 1972 innehatte.

Als multifunktionaler Fach- und Arbeitgeberverband war die VBS mit der Wahrung der allgemeinen Belange ihrer Mitglieder in sämtlichen die Branche betreffenden Fragen betraut. Hierzu gehörten auch die Vertretung als Arbeitgeber- und Tarifpartei sowie die Förderung des wirtschaftlichen und technischen Erfahrungsaustausches. Zu diesem Zweck bestanden verschiedene Fachausschüsse, wie z. B. der Schachtbauausschuss, der Untertagebau-Ausschuss, der Tiefbohrausschuss oder der Sozialpolitische Ausschuss. In seiner Eigenschaft als Tarifpartner der Arbeiter- und Angestelltengewerkschaften widmete sich die VBS hauptsächlich der Regelung branchenspezifischer Sonderbedingungen, da bei Unternehmerarbeiten grundsätzlich die Tarifvereinbarungen der jeweiligen Bergbauarten und -reviere zur Anwendung kamen. Des Weiteren fiel die Definition und Überarbeitung allgemeiner Bedingungen für Unternehmerarbeiten und statistische Tätigkeiten, wie die Führung der so genannten Betriebsstellennachweise, in die Zuständigkeit des Verbandes. Vor allem im Kontext des seit 1957 mehr oder minder anhaltenden Schrumpfungsprozesses im deutschen Bergbau bemühte sich die VBS um die Berücksichtigung branchenspezifischer Belange und um die Gleichstellung der Bergbau-Spezialgesellschaften mit den Bergbauunternehmen bei den einschlägigen staatlichen Regelungen.

Die Krise des deutschen Steinkohlenbergbaus, dem mit Abstand größten Auftraggeber der Bergbau-Spezialgesellschaften, blieb indes nicht ohne Auswirkungen auf die VBS selbst. Nachdem sich bei der Gründung 33 Bergbau-Spezialgesellschaften dem Verband angeschlossen hatten, erreichte die Mitgliederzahl 1960 mit 39 Firmen ihren Höchststand, um dann infolge von Unternehmensschließungen und dem Konzentrationsprozess in der Branche auf nur noch 14 im Jahr 1972 abzusinken. Im folgenden Jahrzehnt blieb der Mitgliederbestand stabil und erhöhte sich bis 1982 sogar geringfügig auf 16 Gesellschaften. Die rasch fortschreitende Schrumpfung desdeutschen Kohlenbergbaus in den 1980er und 1990er Jahren führte dann zu einem drastischen Rückgang auf heute nur noch fünf Mitgliedsunternehmen. Ende 1999 wurde die Essener Geschäftsstelle der VBS aufgelöst und zum Firmensitz der Deilmann-Haniel GmbH nach Dortmund verlegt.

Im Rahmen dieses Umzugs wurde dem Bergbau-Archiv 1999 ein Großteil der Altregistratur der VBS übergeben, in die mehrere Akten der ehemaligen Fachgruppe Schachtbau, Bohrungen und Untertagebau eingestreut waren. Die Überlieferung gewährt einen umfassenden Überblick über die technische, wirtschaftliche, tarif- und sozialpolitische Entwicklung in dieser Branche seit den 1930er Jahren, die in den Beständen des Bergbau-Archivs bisher nur punktuell und damit unzureichend dokumentiert war. Gründung und Organisation der Fachgruppe Schachtbau, Bohrungen und Untertagebau/VBS 1933-1956
Verbandsführung/Innere Angelegenheiten

Mitgliederversammlungen 1947-1989
Vorstand/Beirat 1938-1979
Geschäftsberichte 1950-1980
Rundschreiben/Mitteilungen an die Mitgliedsunternehmen 1950-1993
Schriftwechsel mit Mitgliedsunternehmen 1937-1981
Allgemeine Bedingungen für Untertage-Bauarbeiten 1936-1970
Abwerbung von Arbeitskräften 1951-1980
Verbandsverwaltung
Kassenbücher/-journale, Kontounterlagen 1937-1990
Anlage- und Inventarverzeichnisse 1956-1991
Revisionsberichte 1942-1952
Wirtschafts-/Steuerpolitik
Gewerbesteuer 1937-1958
Steuerausschuss 1956-1978
Währungsreform 1948-1951
Kohlenanpassungsgesetz/Beihilfen 1959-1974
Tarif- und Sozialpolitik/Belegschaftsfragen
Tarifpolitik/-verträge 1938-1995
Sozialpolitischer Ausschuss 1947-1988
Ausbildungsausschuss 1979-1985
Bergarbeiterwohnungsbau 1950-1995
Bergmannsprämie 1956-1974
Familienhilfe der Bergbau-Spezialgesellschaften 1951-1965
Verschiedenes 1923-1989
Technische Fachausschüsse/Arbeitskreise
Untertagebau-Ausschuss 1939-1988
Tiefbohrausschuss 1939-1953
Schachtbauausschuss 1944-1979
Normenarbeitskreis Schachtabteufgeräte/FABERG 1948-1983
Arbeitskreis Gerätelisten 1946-1964
Verschiedene Arbeitskreise 1955-1975
Statistik
Betriebsstellennachweise 1945-1994
Ausgeführte Arbeiten der Spezial-Gesellschaften 1960-1966
Mitwirkung in Verbänden und Organisationen
Wirtschaftsvereinigung Bergbau: Mitgliederversammlung/Vorstand 1949-1993, Ausschüsse 1950-1983, Verkehrsausschuss 1980-1986, Schriftwechsel 1952-1991
Gesellschaft zur Förderung der Forschung auf dem Gebiet der Bohr- und Schießtechnik 1954-1968
Bundesverband der Deutschen Industrie 1947-1964
Bundesknappschaft 1952-1973
Bergbau-Berufsgenossenschaft 1963-1988
Rechtsfragen/Gesetzgebung 1949-1989
Vortragsveranstaltungen/Ausstellungen 1948-1976


Umfang : 40 m (unverzeichnet)

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Fachgruppe/Wirtschaftsgruppe Bergbau (Bestand 15), Bergbau-Verein (Bestand 16), Vereinigung des Deutschen Nichtkohlenbergbaus (Bestand 184)

Literatur : Otto Dünbier: 25 Jahre VBS - Vereinigung der Bergbau-Spezialgesellschaften, in: Glückauf 108, 1972, S. 908-912.
Karl H. Brümmer: 50 Jahre Vereinigung der Bergbau-Spezialgesellschaften - Partner des Bergbaus, in: Glückauf 133, 1997, S. 325-330.
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