Bestand 142 Eisenwerk-Gesellschaft Maximilianshütte mbH, Bergbauverwaltung Auerbach, Auerbach (Oberpfalz)



Laufzeit : 1857 - 1989



Inhalt : Im Jahr 1850 machten die beiden belgischen Geschäftsleute Télémagne Michels und Henry Goffard eine Eingabe an König Maximilian von Bayern zwecks Errichtung eines Hüttenwerks in der Oberpfalz, der 1851 stattgegeben wurde. Nach langer Diskussion um Standort- und Produktionsfragen wurde 1853 in Waidhof bei Rosenberg die erste Produktionsstätte der Maxhütte in Betrieb genommen. Ziel war es vor allem, Eisenbahnschienen und Lokomotivteile herzustellen, um Bayern von Importen aus anderen deutschen Ländern unabhängig zu machen.

Schon früh kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden haftenden Gesellschaftern und nach dem plötzlichen Tod Goffards kam es 1854 zum Konkurs und zur Liquidation des Werkes. Durch das Engagement von Josef Anton Ritter von Maffei und anderer belgischer Investoren konnten aber der drohende Zerfall gestoppt und die Hütte erhalten werden.

Mit Inbetriebnahme der ersten Hochöfen stellte sich auch die Frage nach der Sicherung von Eisenerzlieferungen, um einen reibungslosen Produktionsablauf zu gewährleisten. Da die Lieferverträge mit der Kgl. Bergwerks- und Salinenadministration und anderen privaten Bergwerksbesitzern oftmals nicht eingehalten wurden, versuchte man, eigene Gruben zu erwerben. Das gelang 1859, als sämtliche Bergwerke des Grafen Poninsky in den Besitz der Maxhütte übergingen. Es waren die Gruben Etzmannsberg, St. Anna, Karoline, St. Georg und Eichelberg (Siebeneichen) im Bezirk Sulzbach, wozu 1864 noch die Gruben Delphin und Pelikan kamen. Bis zum Ende der 50er Jahre hatte sich die Maxhütte schon zum größten Eisenhüttenunternehmen Süddeutschlands entwickelt.

Probleme gab es durch die Standortnachteile gegenüber dem Ruhrgebiet und vor allem durch den Einsatz stark phosphorhaltiger Erze, die nur nach dem Puddel-, nicht jedoch nach dem Bessemerverfahren verarbeitet werden konnten und so die Produktion drückten. Erst 1869 änderte sich die Lage, als bei Kamsdorf (Thüringen) phosphorarme Erzfelder erworben und in Haidhof ein Bessemerstahlwerk in Betrieb genommen wurde.

Die 1870er Jahre waren von konjunkturellen Schwankungen geprägt. Mit fortschreitender Innovation in Bergbau und Eisenverarbeitung waren strukturelle Krisen an der Tagesordnung. Während der Gründerkrise kulminierten die Probleme, sodass auf der Generalversammlung der Maxhütte 1877 ihre Auflösung beschlossen wurde. Kurz vor der beabsichtigten Stilllegung 1879 bot sich mit der Erfindung des Thomasverfahrens endlich die Möglichkeit, größere Mengen des bayerischen phosphorreichen Erzes zu verarbeiten.

Im selben Jahr erwarb die Maxhütte auch die erste Grube in Auerbach, Leonie - zur Unterscheidung von der neuen Anlage später Leonie 1 oder Alte Leonie genannt - von Theodor von Cramer-Klett, dem Gründer der MAN. Außerdem besaß die Hütte bereits seit 1875 in Auerbach einige Erzfelder, die jedoch noch nicht genutzt sondern als Ressourcen dienen sollten, so etwa Nitzelbuch, Welluck und Bernrath.

Die Rettung der Hütte war in erster Linie ein Verdienst von Ernst Fromm sen., der schon seit Goffards Tod technischer Leiter gewesen war, von 1874 bis zu seinem Rücktritt 1886 die Gesamtleitung innehatte und sofort die Wichtigkeit des neuen Verfahrens erkannte. Nach seinem Rücktritt übernahm dessen Sohn Ernst Fromm jun. die Leitung des Unternehmens, dessen Geschicke er bis 1915 als alleiniger Vorstand und bis 1921 als Delegierter des Aufsichtsrats führte.

Die Jahre bis 1914 waren eine Zeit von guter Absatzlage, in denen sich das Betriebsergebnis ständig verbesserte und die Produktion dauerhaft erhöht werden konnte, was sich auch in der Beteiligungsziffer des 1904 gegründeten Stahlverbandes, der 80 % der deutschen Stahlproduktion umfasste, zeigte.

Während die Sulzbacher Gruben immer mehr erweitert wurden - man war bei Probebohrungen auf weitere große Erzlagerstätten gestoßen -, wurden am Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhundertsin Auerbach weitere Schächte abgeteuft, die zum Teil wegen Unrentabilität schnell wieder stillgelegt wurden. So waren die 1900 bis 1903 begonnenen Schachtanlagen Leonie 2 und Minister Falk schon wenige Jahre später eingestellt, da man der Wassereinbrüche nicht Herr wurde. Mehr Glück hatte man in dieser Hinsicht mit den 1905 bis 1906 abgeteuften Schächten Maffei I und Maffei II im Erzlager Nitzelbuch, die bis in die 70er Jahre förderten.

Die eklatante Verknappung der Kohle nach Beginn des Ersten Weltkriegs wirkte sich sofort auf die Stahlproduktion aus. Schon 1915 war ein Verlust gegenüber der Vorkriegsproduktion um 30 % zu beklagen, der sich in den folgenden Kriegsjahren noch vergrößerte.

Es dauerte schließlich bis 1927, bis die Vorkriegsproduktion wieder erreicht wurde. In die ersten Nachkriegsjahre fällt auch der einzige erfolgreiche Versuch der Maxhütte, eigene Steinkohlenvorkommen zu erschließen. Die Zeche Maximilian in Werries bei Hamm (Westfalen), mit deren Abteufung man 1903 begonnen hatte, musste 1914 nach kurzer Förderungsdauer aufgrund mehrerer Wassereinbrüche stillgelegt werden. Nachdem das Vorhaben, die Zeche 1920 wieder in Betrieb zu nehmen und zwei neue Schächte niederzubringen, aus Mangel an finanziellen Mitteln gescheitert war, begann man erst 1921 auf Mont-Cenis in Herne mit dem Abbau.

Im Frühjahr 1921 übernahmen die Gebrüder Röchling aus Saarbrücken und Metteln als Entschädigungszahlung für ihre enteigneten Lothringer Stahlwerke die Aktienmehrheit an der Maxhütte, welche ihnen aber kaum Gewinn bringen sollte, denn die 20er Jahre waren durch Arbeitskämpfe und Absatzkrisen bestimmt. Durch die französische Ruhrbesetzung war man gezwungen, teure englische Steinkohle zu importieren und, um überhaupt das Bestehen des Werkes zu sichern, die Arbeitszeit bei gleichzeitiger Lohnminderung zu erhöhen, was zu nicht enden wollenden Streiks führte.

Ab 1925 kam es durch die Gründung der Internationalen Rohstahlgemeinschaftzu einem momentanen Aufschwung, welcher sich aber mit dem Eintritt der Weltwirtschaftskrise als Scheinblüte entpuppte. Ende 1929 kaufte Friedrich Flick die Aktienpakete des Röchling-Konzerns und weiterer Teilhaber auf, wandelte die Maxhütte in eine GmbH um und gliederte sie in den Flick-Konzern ein.

1945 bis 1946 wendete das bayerische Wirtschaftsministerium die drohende Demontage des Werkes ab, doch wurde es Flick zur Auflage gemacht, sich von seiner Kohleproduktion zu trennen. Die Jahre bis 1949 standen im Zeichen von Material- und Facharbeitermangel, sodass der Produktionsumfang von vor 1945 erst 1951 erreicht wurde. Hierbei müssen auch die Enteignungen in der Sowjetischen Besatzungszone erwähnt werden, die eine Neustrukturierung des Konzerns unumgänglich machten.

Im Zuge der Konzernentflechtung wurden Ende 1951 26 % der Aktienanteile vom Freistaat Bayern übernommen, 74 % gingen an eine Handelsgesellschaft, an der allerdings die beiden Söhne Flicks zu je 50 % beteiligt waren, sodass dieser Teil des Besitzes in der Familie blieb. Nachdem auch Bayern 1955 seinen Anteil wieder an Flick verkauft hatte, waren die Vorkriegsverhältnisse wieder hergestellt.

1953 war die Maxhütte mit ca. 7 500 Beschäftigten wieder das größte Eisenwerk Süddeutschlands. Im Rekordjahr 1958 wurden über 600 000 t Eisenerz gefördert und verarbeitet. 1968 stammten 11,5 % der geförderten deutschen Erze aus Gruben der Maxhütte.

Obwohl Ende der 60er Jahre die Werke modernisiert wurden, um sie auf die Anforderungen des europäischen Stahlmarktes umzustellen, wurden die Unternehmensbilanzen immer schlechter. 1975 musste erstmals kurzgearbeitet werden. Aus 1971 resultierten die letzten Bemühungen, noch einmal einen Schacht abzuteufen. Die bereits 1838 begonnenen Bohrungen für Leonie IV wurden wieder aufgenommen, da es das letzte abbauwürdige Eisenerzlager in der Bundesrepublik war. Während die Schachtanlage Karoline schon 1962 stillgelegt worden war, wurde die letzte Schicht auf St. Anna im Sommer 1974 und in den Maffei-Schächten 1972 gefahren. Leonie IV blieb somit bis zur Schließung der Maxhütte die letzte Schachtanlage. 1976 wurden schließlich 51 % der Maxhütte an den Klöckner-Konzern veräußert, die restlichen 49 % sollten 1979 folgen.

Trotz weitgehender Versprechungen in Bezug auf die Erhaltung des Unternehmens ging der schon in der Flick-Ära eingeleitete Ausverkauf der besten Firmenteile der Maxhütte weiter. Die 80er Jahre waren dann auch von Massenentlassungen und Kurzarbeit gekennzeichnet, der Konzern sollte abermals gestrafft werden, um in der europäischen Stahlkrise das Überleben zu sichern. Letztendlich kam es 1987 dennoch zum Konkurs, der weitere Verfall der Stahlpreise und ein erneuter Kurssturz des Dollars führten zur Zahlungsunfähigkeit der Maxhütte, die diesmal nicht mehr von Gläubigerbanken, Land und Staat gestützt wurde.

Neben Unterlagen über den Erwerb von Grubenfeldern durch die Maxhütte befasst sich ein Teil der Akten mit der Untersuchung der Lagerstätten, wobei hier besonders die Uranerzuntersuchungen hervorzuheben sind. Den größten Teil des Bestandes nehmen die Unterlagen der Bergbaudirektion Rosenberg ein, der die Betriebsleitung des Maxhüttenbergbaus oblag. Hieran schließen sich die Akten der Betriebsführung der Gruben Sulzbach und Auerbach an. Berechtsame/Verleihung/Erwerb von Grubenfeldern
Felder der Maxhütte 1857-1970 (52)
Barbarafelder 1907-1967 (23)
Gewerkschaft Wittelsbach 1906-1958 (10)
Geologie/Untersuchung von Lagerstätten
Gutachten/Unterlagen zu verschiedenen Lagerstätten: Eisen/Mangan/Kalk/Braunkohle 1897-1971 (33)
Nachlass Professor Bruno von Freyberg: Geologie der Lagerstätten der Maxhütte 1913-1965 (14)
Untersuchung von Uranerzlagerstätten 1950-1984 (48)
Betriebsleitung des Bergbaus der Maxhütte durch die Bergbaudirektion Rosenberg
Schriftwechsel mit der Bergbehörde 1946-1988 (31)
Verbände/Sonstige Behörden 1906-1987 (62)
Allgemeine Verwaltung der Betriebe 1948-1987 (23)
Planungen/Neubauten/Investitionen/Selbstkosten 1946-1987 (23)
Grundstücke/Fremde Bauvorhaben/Bergschäden/Wasserrecht 1897-1987 (67)
Öffentlichkeitsarbeit 1960-1989 (17)
Belegschaft 1937-1988 (41)
Betriebsführung der Grube Sulzbach
Lagerstätte 1911-1972 (11)
Ausrichtung 1957-1967 (4)
Ausbau/Stilllegung 1946-1985 (15)
Betriebsführung der Grube Auerbach
Lagerstätte 1937-1981 (10)
Bergaufsicht Grubenbetriebe 1942-1989 (15)
Planungen 1920-1979 (12)
Grubenbetrieb 1966-1986 (8)
Forschung/Entwicklung 1966-1986 (13)
Wasserhaltung/Wasserwirtschaft 1955-1981 (4)
Erzaufbereitung/Lärmschutz 1956-1986 (5)
Betriebsstatistik 1906-1989 (8)
Karten/Pläne/Zeichnungen

Umfang : 21,3 m

Literatur : Johannes Pfeufer: Zur Geschichte des Oberpfälzer Montanwesens während der vergangenen eineinhalb Jahrhunderte, in: Acta Albertina Ratisbouensia 50, 1977, H. 2, S. 1-25.
Ders.: Der Oberpfälzer Eisenerzbergbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Erlebte und gestaltete Bergbaugeschichte, Bochum 2000 (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum. 89).
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