Bestand 36 Karl Oberste-Brink, Essen - Professor Dr. phil., Bergwerksdirektor



Laufzeit : 1914 - 1967



Inhalt : Geboren am 15. Juni 1885 in (Bochum-) Langendreer - gestorben am 17. Januar 1966 in Essen
Karl Oberste-Brink wurde 1885 in (Bochum-) Langendreer als Sohn eines Steigers geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und der Rektoratsschule in Hattingen bestand er 1905 die Reifeprüfung am Realgymnasium Witten. Nachdem er schon in seinen Schulferien 1902 und 1903 auf der Zeche Bommerbänker Tiefbau und auf der Zeche Franziska Tiefbau in Witten gearbeitet hatte, folgte zunächst eine halbjährige praktische Tätigkeit unter Tage auf der Zeche Franziska Tiefbau und danach eine 18-monatige markscheiderische Ausbildung auf der Zeche Ver. Hamburg und Franziska in Witten. Anschließend ging Oberste-Brink zum Studium der Markscheidekunde und Geologie an die Bergakademie Berlin. Bereits 1911 legte er beim Oberbergamt Dortmund die Markscheiderprüfung ab und trat seinen Dienst als Markscheider auf der zur Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) gehörenden Zeche Zollern-Germania in Dortmund an.

Die GBAG übertrug ihm 1916 die Leitung der Bergschädenabteilung bei der Hauptverwaltung in Gelsenkirchen. 1918 wurde Oberste-Brink zum Abteilungsdirektor befördert. Nachdem er 1913 mit einer paläobotanischen Arbeit an der Universität Münster promoviert hatte, legte er 1925 in Berlin bei der Preußischen Geologischen Landesanstalt die Diplomgeologenprüfung ab.

Als Ergebnis jahrelanger Bestrebungen nach Kooperation, Rationalisierung und unternehmerischer Konzentration in der Montanindustrie des Ruhrgebiets entstand 1926 durch den Zusammenschluss der sechs größten Montanunternehmen die Vereinigte Stahlwerke AG. Oberste-Brink wurde die Leitung der Abteilung für Markscheidewesen, Bergschäden, Geologie und Wasserwirtschaft übertragen.

1926 wurde Oberste-Brink zum Privatdozenten für Bergschadenkunde an der Bergakademie Clausthal-Zellerfeld ernannt. Drei Jahre später wechselte er mit dem um angewandte Geologie erweiterten Lehrgebiet an die Fakultätfür Stoffwirtschaft der Technischen Hochschule Aachen, wo er 1931 zum außerordentlichen Professor für Bergschadenkunde und angewandte Geologie ernannt wurde und bis 1955 lehrte.

Die GBAG hatte Oberste-Brink 1937 zunächst in den Rang eines Direktors erhoben und 1940 zum Bergwerksdirektor befördert. 1961 verabschiedete man ihn 76-jährig in den Ruhestand. Im Laufe seiner 50-jährigen Tätigkeit bei der GBAG lag sein Arbeitsbereich auf fünf Gebieten: dem Markscheidewesen, der Geologie, der Behandlung von Bergschäden, der Wasserwirtschaft sowie der Bearbeitung und Herausgabe der 27 Bände umfassenden Geschichte der Steinkohlenbergwerke der Vereinigte Stahlwerke AG, die zwischen 1927 und 1939 erschien.

Große Verdienste erwarb sich Oberste-Brink durch seine Bemühungen um eine einheitliche Gliederung und Flözbenennung im Ruhrrevier. Ebenso erfolgreich war seine berufliche Befassung mit Bergschäden, woraus zahllose Gutachten und Ausarbeitungen auch in seinem Nachlass zeugen und ihn als einen der bedeutendsten Bergbausachverständigen des Ruhrgebiets ausweisen. Das Gleiche gilt für seine Kenntnisse der wasserwirtschaftlichen Probleme des Ruhrbergbaus. Auf allen diesen Gebieten ist er mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen hervorgetreten.

Verzeichnis der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Ausschüsse, Gesellschaften und Körperschaften, in denen Oberste-Brink Mitglied war
Ausschüsse bei der Deutschen Kohlenbergbau-Leitung in Essen
- Markscheiderfachausschuss (Vorsitz)
- Normenausschuss für Markscheidewesen
- Hauptausschuss für Bergschäden (Vorsitz)
- Hauptausschuss für Bergschäden an westdeutschen Kanälen (Vorsitz)
- Fachausschuss für Bergschäden am Rhein-Herne-Kanal
- Fachausschuss für Bergschäden am Dortmund-Ems-Kanal (Dortmund-Hebewerk) (Vorsitz)
- Ausschuss für Gebirgsbewegungs- und Bodensenkungsfragen
- Ausschuss für Vorflutfragen (Vorsitz)
- Ausschuss für Rauchschäden (Vorsitz)
- Geologischer Ausschuss (Vorsitz)
- Ausschuss für Raumordnung und Bergschäden an Bauten der Tagesoberfläche (Vorsitz)
- Ausschuss Rohstoff Kohle (Vorsitz)
- Kohlenpetrographische Arbeitsgemeinschaft
- Kleiner Steuerausschuss für Bewertungs- und Abschreibungsfragen (Vorsitz)
- Großer Steuerausschuss
- Entwässerungsgebührenausschuss (Vorsitz)
- Bodenreformausschuss (Vorsitz)
- Koordinierungsausschuss für das Flözarchiv (Vorsitz)
Gesetz 75
- Bergmännischer Ausschuss für die Neugliederung des Ruhrgebiets
- Ausschuss zur Klärung der bergmännischen Unterlagen für die Bewertung des Bergbau-Vermögens
Sonstige Ausschüsse
- Arbeitskreis des Instituts für Raumforschung im Bergbau, Bonn
- Landessiedlungsausschuss des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Wissenschaftliche Gesellschaften
- Deutsche Geologische Gesellschaft, Hannover (stellv. Vorsitz)
- Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, Fachschacht 20 (Bergbau- und Hüttenwesen)
- Verein für Wasser-, Boden- und Lufthygiene e. V., Berlin-Dahlem (Vorsitz)
Wirtschaftliche Körperschaften und Gesellschaften
- Deutscher Wasserwirtschafts- und Wasserstraßenverband e. V. (Vorsitz)
- Emschergenossenschaft (Vorsitz)
- Lippeverband, Essen (Berufungskommission)
- Vereinigte Ruhrverbände (Ruhrverband und Ruhrtalsperrenverein), Essen (stellv. Vorsitz) Unterlagen zu den Schachtbeschreibungen der Vereinigte Stahlwerke AG Abteilung Bergbau 1720-1936 (7)
Gutachten über südliche Randzechen des Ruhrreviers 1821-1944, 1953-1963 (9)
Gutachten über Steinkohlenfelder/Zechen im rheinisch-westfälischen Industriegebiet 1926-1962 (33)
Gutachten über sonstige Steinkohlenfelder/Zechen 1920-1963 (11)
Gutachten über sonstigen Bergbau 1915-1954 (16)
Sonstige Gutachten, insbesondere über Bergschadenfragen 1926-1965 (28)
Gutachten über Fragen der Wassergewinnung/Sicherung von Wassergewinnungsanlagen 1927, 1944-1958 (10)
Persönliche Unterlagen 1914-1967(12)
Wissenschaftliche Arbeiten/Gutachten (139)
Fotosammlung

Veröffentlichungen von Karl Oberste-Brink
Die Lagerungs- und Flözverhältnisse in der Wittener Hauptmulde zwischen Heven und Stiepel, in: Glückauf 48, 1912, S. 511-519.
Bericht über die Frühjahrsexkursion des Niederrheinischen Geologischen Vereins, in: Mitteilungen aus dem Markscheidewesen 24, 1913, S. 78-84.
Über natürliche Bodenbewegungen, in: Mitteilungen aus dem Markscheidewesen 25, 1914, S. 69-76, S. 144-150.
Beiträge zur Kenntnis der Farne und farnähnlichen Gewächse des Culms in Europa, in: Jahrbuch der Preußischen Geologischen Landesanstalt 35, 1914, S. 63-153.
Die geologischen Verhältnisse des Steinkohlenbergwerks Plötz bei Löbejün und seiner näheren Umgebung, in: Jahrbuch des Halleschen Verbandes zur Erforschung der mitteldeutschen Bodenschätze 3, 1922, S. 73-88.
Bergschäden an Leitungen und Maßnahmen zu ihrer Beseitigung und Verhütung, in: Glückauf 60, 1924, S. 171-176, S. 195-198 (zus. mit G. Marbach und J. Weißner).
Bergschäden an Straßen- und Eisenbahnen und Maßnahmen zu ihrer Beseitigung und Verhütung, in: Glückauf 60, 1924, S. 439-444 (zus. mit J. Weißner).
Dichtkunst und Geologie, in: Das Werk 4, 1924, S. 55-63.
Markscheidewesen und Bergschadenkunde, in: Mitteilungen aus dem Markscheidewesen 37, 1926, S. 3-42.
Diluviale, alluviale und bis in die Gegenwart andauernde Krustenbewegungen der Erdrinde und ihre Bedeutung für die Bergschadenkunde, in: Glückauf 62, 1926, S. 857-868.
Die Durchführung der einheitlichen Gliederung und Flözbenennung für das Produktive Karbon des rheinisch-westfälischen Industriebezirks, in: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft 80, 1928, Teil B, S. 165-185 (zus. mit Richard Bärtling).
Das Wesen des Bewegungsvorganges infolge von Einwirkungen des Bergbaus, in: Glückauf 65, 1929, S. 121-131.
Ausbildung und entwicklungsgeschichtliche Bedeutung der Unteren Fettkohlenschichten des Ruhrkarbons, in: Glückauf 65, 1929, S. 1057-1067.
Gliederung des Produktiven Karbons und einheitliche Flözbenennung im rheinisch-westfälischen Steinkohlenbecken, in: Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft 82, 1930, S. 321-347 (zus. mit Richard Bärtling).
Die Darstellung der Tektonik im Grubenbild, in: Mitteilungen aus dem Markscheidewesen 41, 1930, S. 142-146.
Bergschäden an Feuerungsanlagen, ihre Beurteilung, Beseitigung und Verhütung, Essen 1932 (zus. mit G. Marbach und J. Weißner).
Sedimentation und Tektonik des Karbons im Ruhrkohlenbezirk, in: Glückauf 69, 1933, S. 693-702.
Die Beziehungen zwischen Geologie und Bergwerksbetrieb im Ruhrkohlenbecken aufgrund der Forschungen der Nachkriegszeit, in: Bergbau 47, 1934, S. 328-335.
Klüfte und Schlechten in ihren Beziehungen zum geologischen Aufbau des Ruhrkohlenbeckens, in: Glückauf 70, 1934, S. 1021-1028 (zus. mit F. Heine).
Der heutige Stand der Bergschadenfrage, in: Mitteilungen aus dem Markscheidewesen 46, 1935, S. 48-55.
Raumordnung und Bergbau, in: Mitteilungen aus dem Markscheidewesen 47, 1936, S. 141-144.
Der Eisenerzbergbau im Ruhrbezirk, in: Glückauf 73, 1937, S. 101-110.
Die Entwicklung der das Berechtsamswesen betreffenden Berggesetzgebung in Preußen nach Erlass des Allgemeinen Berggesetzes vom Jahre 1865, in: Mitteilungen aus dem Markscheidewesen 48, 1937, S. 143-158.
Raumordnung und Bergbau, in: Glückauf 75, 1939, S. 701-706.
Die Steinkohlenbergwerke der Vereinigte Stahlwerke AG, 27 Bde., Essen 1917-1939 (zus. mit G. Knepper und W. Haack).
Die Frage der Hebungen bei Bodenbewegungen infolge Bergbaues, in: Glückauf 76, 1940, S. 249-256.
Raumordnung und Bergbau in der Gesetzgebung des Altreiches, in: Mitteilungen aus dem Markscheidewesen 51, 1940, S. 93-101.
Die Stellung der Bergschadenkosten in der Bilanz, in: Glückauf 76, 1940, S. 545 ff.
Die Entwicklung der Flöze Sonnenschein bis Dickebank im Ruhrgebiet, in: Archiv für bergbauliche Forschung 2, 1941, S. 21-30.
Die Vierung und Ewige Teufe der Längenfelder nach dem Preußischen Gesetz vom 1. Juli 1821, in: Glückauf 77, 1941, S. 649-656, S. 667-673, S. 684-689.
Bergschäden an Kokereien und ihre Verhütung, in: Archiv für bergbauliche Forschung 3, 1942, S. 14 f.
Aufgaben, Aufbau und Veranlagungsverfahren der wasserwirtschaftlichen Verbände des niederrheinisch-westfälischen Industriegebietes, in: Glückauf 78, 1942, S. 565-574.
Stratigraphie und Tektonik des niederrheinisch-westfälischen Steinkohlengebietes, in: Der Deutsche Steinkohlenbergbau, Technisches Sammelwerk, Bd. 1, Essen 1942, S. 9-98.
Stratigraphie und Tektonik des Steinkohlenvorkommens Plötz/Wettin/Löbejün, in: Der Deutsche Steinkohlenbergbau, Technisches Sammelwerk, Bd. 1, Essen 1942, S. 271-278.
Vergleichender Überblick über die Stratigraphie, Paläogeographie und Tektonik der großdeutschen Steinkohlenbecken, in: Der Deutsche Steinkohlenbergbau, Technisches Sammelwerk, Bd. 1, Essen 1942, S. 341-350.
Die Vierung der Längenfelder nach dem Preußischen Gesetz vom 1. Juli 1921, in: Mitteilungen aus dem Markscheidewesen 54, 1943, S. 30-53.
Über das Tiefste oder die Ewige Teufe der Längenfelder beim Flözbergbau, Essen 1945.
Probleme in der Geologie des Ruhrbezirks, in: Bergbau-Archiv 4, 1947, S. 112-118.
Bergbau und Bodenreform, in: Glückauf 81/84, 1948, S. 620-625.
Die Bemühungen des Ruhrbergbaus um die Erhaltung der Landschaft, in: Glückauf 86, 1950, S. 999-1007.
Die Unteren Gaskohlenschichten (Essener Schichten) des Ruhrgebietes, in: Bergbau-Archiv 13, 1950, S. 56-66.

Umfang : 8 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferung im Bergbau-Archiv: Gelsenkirchener Bergwerks-AG (Bestand 55)

Literatur : Paul Kukuk: Karl Oberste-Brink zum Gedächtnis, in: Glückauf 102, 1966, S. 669 f.
Evelyn Kroker: Karl Oberste-Brink, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 19, Berlin 1999, S. 399.
Dies.: Karl Oberste-Brink, in: Wolfhard Weber (Hrsg.): Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien, Bd. 17: Ingenieure im Ruhrgebiet, Münster 1999, S. 373-389.
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