Bestand 66 Emil Mummenthey, Neu-Bleicherode (Thüringen) - Bergwerksdirektor



Laufzeit : 1827 - 1991



Inhalt : Besondere Benutzungsbedingungen
Geboren am 11. Juli 1881 in Genthin - gestorben am 1. September 1967 in Hildesheim
Emil Mummenthey wurde 1881 in Genthin, Kreis Jerichow, als Sohn eines Kreistierarztes geboren. Als Staatsbeamter wurde der Vater mehrfach versetzt. So verlebte Mummenthey seine ersten Lebensjahre in Genthin, Hamm, Unna in Westfalen sowie in Hoyerswerda. Nach dem Besuch der Stadtschule in Hoyerswerda, des Herzoglichen Franziscanums in Zerbst und des Herzoglichen Karls-Gymnasiums in Bernburg erhielt Mummenthey 1898 die Mittlere Reife. Seine erste bergmännische Schicht verfuhr er im selben Jahr auf dem Kalischacht Solvayhall bei Bernburg. Weitere Stationen waren die Braunkohlengrube Wilhelm bei Osternienburg und das Steinkohlenbergwerk Plötz bei Halle an der Saale.

Nach dem Besuch der Bergschule Eisleben trat Mummenthey 1902 seine erste Steigerstelle auf der Grube Maria der Riebeckschen Montanwerke in Halle (Saale) an. Eine weitere Station seiner Tätigkeit als Steiger war die Gewerkschaft Glückauf in Sondershausen in Nordthüringen. 1905 trat Mummenthey bei der Aktiengesellschaft Deutsche Kaliwerke in Berntererode als Steiger ein. Von 1909 bis 1915 war er Betriebsführer der Schachtanlage Preußen, danach Betriebsinspektor. 1919 übertrug die Aktiengesellschaft Deutsche Kaliwerke ihm die technische Leitung der Werke Nordhausen 1 und Nordhausen 2, Ludwigshall und Immenrode. Nach Stilllegung dieser Werksgruppe infolge des damaligen Tiefstandes der Kaliindustrie übernahm Mummenthey 1927 die Betriebsführung der Schachtanlagen Weidtmannshall und Holungen der Werksgruppe Bismarkshall der Wintershall AG. 1936 wurde er von der Wintershall AG zum Technischen Direktor des Kalibergwerks Bernburg, dessen Betrieb 1939 auf Steinsalzförderung umgestellte wurde, berufen.

Nach dem Krieg wurde Mummenthey zunächst von der amerikanischen und danach von der russischen Militärregierung als kommissarischer Werksleiter in Bernburg eingesetzt. Die Zeitverhältnisse führten jedoch 1947 zu seiner Entlassung. Anfang 1948 war er Sprengstoffausgeber auf den Solvaywerken in Bernburg. Nach der Übersiedlung in die Britische Zone nach Diekholzern bei Hildesheim im Juli 1948 übertrug ihm die Wintershall AG die Betreuung der Schächte Hildesia und Mathildenhall. 1950 wurde Mummenthey pensioniert und wohnte danach in Hildesheim, wo er 1967 starb.

Emil Mummenthey war ein aufmerksamer Zeuge seiner Zeit, aber auch an der Geschichte und Kultur seiner Umgebung interessiert. Der größte Teil seines Nachlasses mit beträchtlichem zeit- und kulturgeschichtlichem Anschauungswert lässt sich auf dieses Interesse zurückführen.

Mit kaum vorstellbarem Eifer und Aufwand hat Mummenthey alles gesammelt, was den lokalen Raum des jeweiligen Wohnorts oder Reiseziels betraf. Sowohl die eigenen Lebensstationen als auch die seiner Familie belegte Mummenthey vorwiegend mit Bildern und Textausschnitten aus Zeitungen und Zeitschriften. Er dokumentiert so vor allem den obersächsischen Raum, Nordthüringen, das Eichsfeld und den Harz sowie Teile von Sachsen-Anhalt. Zu vielen Städten des damaligen Mitteldeutschlands gibt es größere Sammlungen von Ansichtskarten, die meist bis in die Zeit vor 1900 zurückreichen, so zu Bautzen, Eisleben, Nordhausen, ebenso aber auch von Bergwerken und Industriebetrieben.

Anscheinend lückenlos hat Mummenthey alle an ihn gerichtete Post aufbewahrt, sodass hiermit u. a. die Geschichte der Anlass- und Glückwunschkarte seit der Jahrhundertwende ablesbar wird. Die Briefe der Eltern, Geschwister, Verwandten, Freunde und Kollegen liefern anschauliche Berichte zum bürgerlichen Alltag. In Briefen der Jugendzeit beschreiben ehemalige Schulkameraden erste Eindrücke als Bergbaubeflissene. Spätere Briefe schildern Fronterlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg, Zustände und Stimmungen aus der Zeit des Nationalsozialismus sowie das Leben mit Entbehrungen, Luftangriffen und Zerstörungen in den Städten des untergehenden Deutschen Reichs.

Zum Thema Bergbau hat Mummenthey ebenfalls reichlich Material zusammengetragen und thematisch gegliedert hinterlassen, so zur Bergbaugeschichte, zur Bergtechnik, zu den verschiedenen deutschen Bergrevieren und zur Personengeschichte des Bergbaus. Die eigene Bergbautätigkeit spiegelt sich vor allem im Schriftwechsel mit Arbeitgebern und in Arbeits- und Pensionsverträgen wider. Seine Tagebücher, die er ab 1938 täglich führte, enthalten - neben vorwiegend privaten und beruflichen Alltagsgeschichten - historisch wichtige Ereignisse, wie die Einlagerung von Archivgut während des Kriegs, die Beschlagnahme und den Abtransport durch die russische Besatzungsmacht sowie den Prozess der Enteignung und Verstaatlichung der Kaliwerke der Wintershall AG in Bernburg 1945/1946.

Mummenthey war publizistisch tätig. Hauptsächlich für die Werkzeitschrift "Der Kalibergmann" verfasste er Beiträge, meist über Persönlichkeiten der Bergbau-, Bergtechnik-, Technik- und Unternehmensgeschichte, wozu er teils umfangreiche eigene archivische Nachforschungen betrieb. Darüber hinaus schrieb er Beiträge zur Kulturgeschichte für andere Zeitschriften und war Herausgeber von Familienblättern der Familie Mummenthey.

Der Nachlass wurde dem Bergbau-Archiv seit 1978 sukzessive in einzelnen Teilen von seinem Sohn, Betriebsführer i. R. Karl-Adolph Mummenthey, Moers, übergeben. Familiengeschichtliche und persönliche Erinnerungen und Briefe 1827-1948, 1965 (14)
Familienfeste und Jubiläen 1918-1947, 1961-1967 (11)
Weltkriege und Nachkriegszeit in Bildern, Briefen, Zeitungen und anderen Dokumenten 1914-1965, 1985-1987 (9)
Schriftwechsel mit Arbeitgebern, Behörden, Ämtern und Verwaltungen 1866-1967 (5)
Vereinstätigkeit 1897-1945, 1983 (5)
Tagebücher mit Briefen und Bildern 1916-1946, 1953-1967 (35)
Ansichtskarten, Bild- und Artikelsammlung 1743, 1833-1965, 1985-1991 (15)
Heimatkundliche Sammlung mit historischen Ansichtskarten, Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln, Briefen 1759, 1864-1989 (74)
Bergmanns-, Volks-, Weihnachts-, Kirchen- und Kriegslieder 1888-1950 (3)
Bilder, Texte, Kataloge 1834, 1896, 1910-1946 (4)
Publizistische Tätigkeit
Aufsätze: Separatdrucke aus verschiedenen Periodika 1936-1942 (1)
Werkzeitung: Der Kalimann 1926-1940 (3)
Biographische Beiträge und Nachforschungen zu Persönlichkeiten der Bergbaugeschichte, zu Bergtechnikern, Technikern, Unternehmern, zu Vertretern der Kunst- und Sozialgeschichte 1870-1966 (40)

Umfang : 5,3 m
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