Bestand 81 Walther Birnbaum, Hannover - Dr. jur.



Laufzeit : 1937 - 1981



Inhalt : Geboren am 19. Juli 1905 in Laubach (Hessen) - gestorben am 27. September 1985 in Hannover
Dr. Walther Birnbaum, geboren 1905 in Laubach (Hessen), trat nach dem Jurastudium in Gießen 1931 als juristischer Hilfsarbeiter in die Mansfeld AG für Bergbau und Hüttenbetrieb ein und war dort von 1936 bis zu seiner Einberufung zur Reichswehr 1939 als Justiziar tätig. Das 1921 gegründete Großunternehmen mit zahlreichen Tochtergesellschaften und Beteiligungen wie der Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft, der Zeche Mansfeld in Bochum-Langendreer, den Mansfelder Kaliwerken oder den Kupfer- und Messingwerken Hettstedt wurde in jenem Jahr unter Aufrechterhaltung seiner rechtlichen Selbstständigkeit in den neu aufgebauten Salzdetfurth-Konzern eingegliedert.

1942 wurde Birnbaum als Militärverwaltungsrat nach Krakau versetzt. Hier war er kurze Zeit als Bergjurist am Oberbergamt tätig und mit der Klärung und Neuordnung des Bergrechts im damaligen Generalgouvernement Polen beauftragt. Im Sommer 1943 übertrug ihm der Präsident der Hauptabteilung Wirtschaft in der Regierung des Generalgouvernements, Dr. Walter Emmerich, die Aufgabe, die rechtlichen und organisatorischen Grundlagen der Erdöl- und Erdgasindustrie in Galizien neu zu ordnen. Birnbaum entwarf einen Pachtvertrag zwischen dem Sonderbevollmächtigten für die Erdölwirtschaft im Generalgouvernement und der am 1. Oktober 1942 zum Zwecke der Betriebsführung der galizischen Erdöl- und Erdgasindustrie neu gegründeten Karpathen-Öl AG. Birnbaum selbst wurde am 1. Januar 1944 zum nun in Generaltreuhänder umbenannten Sonderbevollmächtigten bestellt, zur Ratifizierung des Vertrags kam es allerdings nicht mehr.

Nach Kriegsende arbeitete Birnbaum wieder in seiner alten Position bei der Mansfeld AG in Eisleben. Dort wurde er in der Nacht des 27./28. Oktober 1946 durch das NKWD (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten der Sowjetunion/politische Geheimpolizei des KGB) verhaftet. Als Grund wurde Birnbaums Kriegstätigkeit in der polnischen Erdölindustrie angegeben.

Am 20. Mai 1950, nach Gefängnisaufenthalten in Halle, Mühlberg (Elbe) und im Lager Buchenwald, wurde Birnbaum in den so genannten Waldheim-Prozessen - benannt nach dem Zuchthaus in Waldheim (Sachsen) - zu 25 Jahren Zuchthaus wegen Ausplünderung der polnischen Erdölindustrie und Demontage von Betriebsanlagen verurteilt. Nach seiner Haftentlassung am 31. Dezember 1955 arbeitete Birnbaum bald wieder als Prokurist bei der Salzdetfurth AG in Hannover, deren Generalbevollmächtigter er bis zu seiner Pensionierung 1971 war.

1984 übereignete der am 27. September 1985 gestorbene Dr. Walther Birnbaum dem Bergbau-Archiv bei einem persönlichen Besuch alle Akten aus seinem Besitz, die als solche vollständig in diesen Nachlass übernommen wurden.

Während seiner 6-jährigen Haftzeit im Zuchthaus Brandenburg verfasste Birnbaum für seine Kinder die 4-teiligen Jugenderinnerungen "Licht in Brandenburg". Diese in Verse gesetzten Erinnerungen sind neben einem recht umfangreichen Schriftwechsel aus den Jahren 1950 bis 1955 und der 1975 bis 1981 von Birnbaum erstellten Dokumentation "Krakau - Waldheim - Brandenburg" Kernstück des Bestandes. Tätigkeit als Generaltreuhänder der Erdölindustrie in Polen 1942-1944 (5)
Bemühungen der Familie um Haftentlassung 1946-1955 (1)
Haftzeit und Entlassung 1950-1956 (5)
Persönliche Unterlagen 1937-1980 (3)
Lebenserinnerungen 1981 (4)

Umfang : 0,6 m
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