Bestand 195 Eisenerzbergwerk Haverlahwiese, Salzgitter



Laufzeit : 1937 - 1969



Inhalt : Das Bergbaurevier Salzgitter liegt im nordöstlichen Vorland des Harzes zwischen Goslar und Braunschweig. In diesem Gebiet gab es schor vor etwa 2 000 Jahren Eisenerzgewinnung. Funde von Roherzstücken und Eisenschlacke belegen die Förderung und Verhüttung.

Aufgrund umfangreicher Untersuchungs- und Schürfarbeiten in den Jahren 1840 bis 1870 kam es zu verstärkter Bergbautätigkeit in diesem Gebiet; es folgte die Gründung zweier Hüttenwerke, die jedoch nach wenigen Jahren wieder stillgelegt werden mussten, da das saure Schmelzen technisch noch nicht ganz gelöst war.

Nachdem das Paschke-Peetz-Verfahren für die wirtschaftliche Verhüttung von sauren Eisenerzen eingeführt worden war, kam es 1937 zur Gründung der Reichswerke AG. Erneute Untersuchungen ergaben Eisenerzvorräte von etwa 2 Mrd. t im Salzgittergebiet. Bereits 1937 begann man mit dem Tagebau, während die Vorbereitungen für den Tiefbau getroffen wurden. Die Abteufarbeiten für die Hauptschächte Haverlahwiese 1 und Haverlahwiese 2 sowie für vier Hilfsschächte konnten 1940 beendet werden. Das erste Tiefbauerz wurde schon 1938 aus dem Hilfsschacht 1 gefördert.

Während 1940 die Belegschaft im Tiefbau noch knapp 2 100 Personen betrug, so wurde sie im Laufe der weiteren Jahre stark dezimiert. 1961 wurden rund 3 Mio. t Roherz bei einer Belegschaft von nur 1 055 Personen im Tiefbau gefördert. Die Übertageförderung wurde 1964 bei einer Förderung von etwa 82 000 t eingestellt, da die Vorräte erschöpft waren. Der Übertagebergbau ist mit etwa 14 Mio. t Erz an der Erzförderung beteiligt gewesen.

Die Gesamtförderung der Schachtanlage Haverlahwiese belief sich im Tiefbau auf etwa 80 Mio. t, eine Förderung, die rund 75 % der von der Salzgitter Erzbergbau AG im Salzgittergebiet geförderten Gesamtmenge entsprach. Mit der Stilllegung der Grube Haverlahwiese schloss die förderstärkste deutsche Eisenerzgrube. Die Schließung erfolgte nicht wegen der Erschöpfung derLagerstätte sondern wegen der weltwirtschaftlichen Konkurrenz und der Stahlkrise. Noch mehr als 100 Mio. t Erz stehen zum Abbau auf der Grube Haverlahwiese an.

Der Bestand kam 1996 aus Privatbesitz in das Bergbau-Archiv. Er enthält neben Personalunterlagen vor allem Seilfahrt- und Rapportbücher. Rapportbücher 1955-1958 (2)
Seilfahrtbücher 1944-1967 (3)
Mitteilungsheft "Die Brücke" 1955-1962, 1969 (43)
Kündigungen 1958-1968 (1)
Verhaltensmaßregeln 1939-1963 (1)
Personalkarten 1937-1968 (7)

Umfang : 0,3 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferung im Bergbau-Archiv: Gunther Schulze (Bestand 106)

Literatur : Bernhard Kolb: Erstmaliger Einsatz von Großschürfern (Draglines) im deutschen Erz-Tagebau, in: Erzmetall 2, 1949, S. 321-328.
F. W. Koch: Schachtchronik der Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten Hermann Göring, Berlin 1950.
Anna Teut: Architektur im Dritten Reich 1933-1945, Berlin/Frankfurt (Main)/Wien 1967, S. 188 f.
Heinz Kolbe: Die Geschichte des Eisenerz-Bergbaus in Salzgitter, Teil 2: Die Aufschlußgeschichte der Bergbau-Anlagen, in: Salzgitter-Jahrbuch 5, 1983, S. 10-38.
Rainer Slotta: Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 5, Teil 1: Der Eisenerzbergbau, Bochum 1986, S. 86-104 (= Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum. 38).
Anfang  Erweiterte Suche
Warenkorb  Drucken