Bestand 140 Paul Hilgenstock, Bochum - Bergwerksdirektor



Laufzeit : 1931 - 1932



Inhalt : Geboren am 16. März 1877 in Solingen - gestorben am 10. März 1957 in Bochum
Paul Hilgenstock wurde 1877 in Solingen als Kind einer dem Ruhrbergbau verbundenen Familie geboren. Sein Onkel, Gustav Hilgenstock, war ein enger Mitarbeiter des Kokereibauers Carlos Otto. Dem Besuch der Oberrealschule in Dortmund und Herford folgte eine erste Beschäftigung beim Eschweiler Bergwerks-Verein. Nach der Ableistung des einjährigen Militärdienstes begann Hilgenstock am 1. Mai 1899 eine Tätigkeit als Betriebsassistent auf der Kokerei der Gewerkschaft Lothringen, wo er bereits nach einem Jahr zum stellvertretenden Betriebsführer aufstieg. 1903 übernahm er die Betriebsleitung der Kokerei Anna, trat aber schon 1904 in den Dienst der Krupp''schen Bergwerke ein, wo er die Kokerei der Zechen Hannover und Hannibal bis 1914 leitete.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Hilgenstock die Leitung der Kokerei Lothringen anvertraut, um die dortige Anlage zur synthetischen Erzeugung von Salpeter und Salpetersäure, der ersten ihrer Art auf dem europäischen Kontinent, in großtechnischem Maßstab auszubauen. Der in den Chemischen Werken Lothringen durch die Oxidation von konzentriertem Ammoniak hergestellte Salpeter hatte entscheidenden Anteil an der Überwindung der Versorgungslücke dieses kriegswichtigen Rohstoffs bis zum Produktionsbeginn der großen, nach dem Haber-Bosch-Verfahren arbeitenden Synthesewerke. Aufgrund dieser Verdienste wurde Hilgenstock 1916 in den Vorstand der Bergbau-AG Lothringen berufen, 1928 übernahm er zusätzlich die Leitung der Kokereien Graf Schwerin und Glückaufsegen. Mit dem Erreichen der Altersgrenze schied Hilgenstock am 30. Juni 1939 aus dem Vorstand aus und trat in den Aufsichtsrat ein, dessen Mandat er am 28. Februar 1953 niederlegte.

Neben der großtechnischen Durchführung der Salpetersäuresynthese erwarb sich Hilgenstock weitere Verdienste um das Kokereiwesen und die Erzeugung von Nebenprodukten, u. a. durch die gemeinsam mit Max Kelling durchgeführte Entwicklung des Kreisstromofens. Er unternahm Versuche zur Kokstrocknung und zur trockenen Kokskühlung, leistete einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Pechverkokung, zur Reinigung des Kokereibenzols zur Verwendung als Vergaserkraftstoff und, gemeinsam mit Alfred Pott, entwickelte er ein Verfahren zur Entphenolung der Kokereiabwässer. Besondere Bedeutung erhalten diese Beiträge zur Weiterentwicklung der Kokerei- und Nebenproduktengewinnungstechnik durch die Tatsache, dass Hilgenstock anscheinend nach dem Schulbesuch keine weitere Ausbildung erhalten hatte und sich so sein breites technisches Wissen als Autodidakt angeeignet haben muss.

Die Unterlagen dieses Bestandes, ausschließlich Manuskripte von Paul Hilgenstock, wurden dem Bergbau-Museum 1952 übergeben.

Umfang : 0,3 m

Literatur : Ein Pionier der Kohleveredelung. Bergwerksdirektor i. R. Paul Hilgenstock 50 Jahre im Dienst des Ruhrbergbaus, in: Erdöl und Kohle 2, 1949, S. 217.
Paul Hilgenstock. 50 Jahre Koker, in: Glückauf 85, 1952, S. 17 f.
Georg Rothe: Paul Hilgenstock, ein Pionier der deutschen Stickstoffindustrie, in: Kultur und Heimat 4, 1952, S. 17 f.
Nachruf, in: Glückauf 93, 1957, S. 820.
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