Bestand 4 Ewald-Kohle AG, Recklinghausen



Laufzeit : 1869 - 1995



Inhalt : Die Anfänge des Bergwerksunternehmens gehen zurück auf die am 14. November 1871 in Herten gegründete Gewerkschaft Ewald, nach dem Essener Gewerken Ewald Hilger benannt, und auf die am 12. März 1872 in Recklinghausen gegründete Gewerkschaft König Ludwig, die nach dem Bayernkönig Ludwig II. benannt wurde, weil die Gewerken ihm dafür danken wollten, dass er Wilhelm I. zur Annahme der Kaiserkrone bewogen hatte. Beide Gewerkschaften standen 1930 unter gemeinsamer Leitung, bis sie am 21. Juni 1935 zur Bergbau-AG Ewald-König Ludwig fusionierten. Die wesentlichen Daten ihrer getrennten Entwicklung bis 1935 sind in den beiden folgenden Zeittafeln aufgeführt:

1871 - Konsolidation der Grubenfelder Professor, Augusta, Emilie, Gottfried und Jobst zum Bergwerk Ewald und Gründung der Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Ewald zu Herten in Westfalen durch die Essener Gewerken Wilhelm Hagedorn, Ewald Hilger, Hugo Honigmann, Dr. jur. Karl Heyden und Wilhelm Schürenberg
1899 - Ankauf der vier Geviertfelder des Steinkohlenbergwerks Graf Waldersee und des Geviertfeldes Vereinigung I
1900 - Vereinigung dieser mit dem Geviertfeld Ewald-Fortsetzung
1902 - Übergang der Kuxenmehrheit der Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Haus Aden auf die Gewerkschaft Ewald
1903 - Auflassung des Steinkohlenbergwerks Ewald-Fortsetzung auf die Gewerkschaft Ewald
1911 - Aufteilung des 1891 konsolidierten Grubenfeldes Haus Aden in die Felder Haus Aden und Haus Aden-Fortsetzung, Gründung von 1 000-teiligen Gewerkschaften unter diesem Namen
1925 - Erwerb der Kuxenmehrheit der Gewerkschaft Blankenburg und Ver. Hammerthal, Stilllegung der beiden Zechen
1930 - Ankauf von 280 Kuxen der Gewerkschaft König Ludwig, gemeinsame Leitung beider Gewerkschaften
1932 - Erhöhung der Beteiligung auf 504 Kuxe
1935 - Verschmelzung der bisherigen Gewerkschaften Ewald und König Ludwig und Gründung der Bergbau-AG Ewald-König Ludwig
1872 - Umbenennung des Steinkohlenbergwerks Ver. Henriettenglück in König Ludwig und Gründung der Gewerkschaft König Ludwig; erster Grubenvorstand: Friedrich Funke, Friedrich Grillo, Wilhelm Hagedorn, Wilhelm Heyland, Ewald Hilger, Josef Tillmann
1898 - Erwerb der markscheidenden 13 Felder Prinz Friedrich Karl I-XIII der Gewerkschaft Henrichenburg
1905 - Konsolidierung des Steinkohlenbergwerks Henrichenburg mit der Gewerkschaft König Ludwig
1914 - Ankauf der Reederei und Kohlengroßhandlung Winschermann & Co. in Mülheim (Ruhr) bzw. Duisburg-Ruhrort
1920 - Übernahme der Aktiengesellschaft Eisenhütte Prinz Rudolph, Dülmen
1925 - Erwerb der Zeche Ver. Trappe, Silschede
1931 - Betriebsgemeinschaft mit der Gewerkschaft Ewald
1935 - Liquidation der Gewerkschaft König Ludwig und Gründung der Bergbau-AG Ewald-König Ludwig

Eine entscheidende Wendung nahm die Geschichte des Unternehmens, als die Bergbau-AG Ewald-König Ludwig am 1. April 1940 dem Verkaufsverein Steinkohlengewerkschaft der Reichswerke Hermann Göring/Mansfeld AG für Bergbau und Hüttenbetrieb beitrat. Daraus resultierte die Zugehörigkeit der Gesellschaft zum Reichswerke-Konzern. Da die Nachfolgegesellschaft der Reichswerke, die Aktiengesellschaft für Berg- und Hüttenbetriebe, Berlin und Salzgitter, rund 90 % des Aktienkapitals der Bergbau-AG Ewald-König Ludwig besaß, genehmigte die Hauptversammlung des Bergbauunternehmens 1956 den Abschluss eines Organschaftsvertrages mit der Aktiengesellschaft für Berg- und Hüttenbetriebe.

Drei Jahre später, am 14. November 1959, wurde der Name der Gesellschaft in Ewald-Kohle AG geändert. Ihre Bergbaubetriebe gliederten sich nunmehr in die Bergwerksdirektion Ewald mit der Zentralschachtanlage Ewald 1/7 in Herten und der Schachtanlage Ewald 3/4 in Gelsenkirchen-Buer-Resse, in die Bergwerksdirektion Ewald-Fortsetzung mit der Zentralschachtanlage Ewald-Fortsetzung 1/5 in Oer-Erkenschwick, in die Bergwerksdirektion König Ludwig mit der Zentralschachtanlage König Ludwig 7/8 in Recklinghausen-Suderwich sowie den Schachtanlagen König Ludwig 1/2 und Grullbad-Schacht in Recklinghausen-Süd.

Die fast 100-jährige Geschichte des Unternehmens endete nach der Gründung der Ruhrkohle AG (RAG) am 27. November 1968 mit der Übernahme in die Bergbau AG Essen (17. November 1969) und nach deren Auflösung in die Bergbau AG Herne-Recklinghausen (1. Januar 1972).

Die Altakten gelangten in zwei größeren Abgaben in das Bergbau-Archiv. Die erste Abgabe in den Jahren 1970 und 1972 stammte noch aus der Verwaltung der Ewald-Kohle selbst. Sie enthielt zahlreiche Gewerkenbücher und Geschäftsbücher der Finanzbuchhaltung und die Geschäfts- und Betriebsberichte der Ursprungsgesellschaften von ihrer Gründung 1871/1872 bis zu ihrem Zusammenschluss im Jahr 1935 weitgehend lückenlos und in gutem Zustand. Da alle Nachforschungen über den Verbleib des Hauptteils der ehemaligen Registratur erfolglos blieben, wurde dieser lückenhafte Bestand 1975 verzeichnet und durch Findbuch erschlossen.

Überraschend erfolgte dann im Herbst 1976 von der Zweigniederlassung Recklinghausen der Salzgitter AG, die Ewald-Kohle AG befand sich in einem Organschaftsvertrag mit der Salzgitter AG, eine umfassende Abgabe von Ewald-Akten, in denen sich nun auch größere Teile von Verwaltungs- und Betriebsakten befanden. Inhaltlicher Schwerpunkt der Abgabe von 1976 aber sind Unterlagen über Beteiligungen, u. a. Ankaufsunterlagen, Kohlenhandel, Grundstücks- und Bauakten. So enthält der Bestand auch interessantes Material zum Bergarbeiterwohnungsbau.

Angesichts der unterschiedlichen Abgaben wurde es notwendig, den bereits verzeichneten schmalen Bestand aus der ersten Abgabe aufzulösen und den gesamten Bestand neu zu ordnen. Für die Ordnung der Archivalien war die historische Entwicklung der einzelnen Glieder der Ewald-Kohle AG maßgebend. Grubenvorstand/Aufsichtsrat
Gewerkschaft Ewald 1871-1935 (26)
Gewerkschaft König Ludwig 1872-1935 (10)
Bergbau-AG Ewald-König Ludwig 1932-1963 (13)
Gewerken
Gewerkschaft Ewald 1871-1935 (16)
Gewerkschaft Ewald-Fortsetzung 1902-1903 (1)
Gewerkschaft König Ludwig 1872-1936 (11)
Gewerkenversammlungen/Hauptversammlungen
Gewerkschaft Ewald 1877-1937 (37)
Gewerkschaft König Ludwig 1872-1935 (71)
Gewerkschaft Ewald-König Ludwig 1936-1942 (14)
Geschäftsberichte
Gewerkschaft Ewald 1877-1934 (11)
Gewerkschaft König Ludwig 1887-1933 (10)
Bergbau-AG Ewald-König Ludwig 1932-1968 (32)
Beteiligungen
Gewerkschaft Blankenburg 1869-1964 (17)
Gewerkschaft Vereinigung I 1894-1899 (3)
Gewerkschaft Graf Waldersee 1896-1906 (1)
Gewerkschaft Henrichenburg 1885-1900 (5)
Gewerkschaft Eiberg 1883-1933 (8)
Gewerkschaft Ver. Trappe 1901-1952 (49)
Gewerkschaft Haus Aden/Haus Aden-Fortsetzung 1893, 1909-1964 (51)
Niederrheinische Schiffswerft/Maschinenfabrik und Gießerei GmbH 1920-1926, 1948-1959 (4)
AG Eisenhütte Prinz Rudolph 1888-1959 (11)
Winschermann & Co. 1905-1958 (78)
Gebr. Haldy GmbH 1886-1952 (46)
Gebr. Engels & Cie. GmbH/Reederei Adolph Thomae GmbH 1892-1935 (16)
Ewald-Kohle Handelsgesellschaft mbH 1914-1947 (15)
Syndikatshandelsgesellschaften/Handelsverbände 1924-1949 (46)
Werks- und Zeitgeschichte 1870-1995 (30)
Berechtsame 1870-1914, 1937-1942 (17)
Allgemeine Verwaltung 1873-1966 (40)
Finanzwesen 1872-1962 (94)
Mitgliedschaften 1885-1956 (28)
Belegschaftsfragen 1920-1924, 1934-1966 (6)
Grubenbetrieb 1872-1956 (75)
Grubenanschlussbahn/Hafen 1872-1960 (97)
Bergschäden 1905-1925 (11)
Vorflutfragen 1875-1928 (21)
Wege und Straßen in Herten 1872-1954 (25)
Wohnungswesen in Herten 1873-1960 (303)
Grundstücke 1871-1961 (261)
Fotos
Karten/Pläne/Risse


Umfang : 25 m (und unverzeichneter Nachtrag)

Literatur : Ludwig Achepohl: Das Niederrheinisch-Westfälische Bergwerks-Industrie-Gebiet, 2. Aufl.,Berlin 1894, S. 135 ff.
Beschreibung der Gewerkschaft König Ludwig zu König Ludwig bei Recklinghausen, Düsseldorf 1902.
Beschreibung und fotografische Ansichten der Schachtanlagen der Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Ewald zu Herten und Recklinghausen, o. O. 1902.
50 Jahre Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Ewald, Herten (Westfalen), 1871 bis 1921, Gelsenkirchen 1924.
Karl Thron: Die Stadt Recklinghausen, die bergbauliche Entwicklung und der Einfluß des Bergbaues auf die wirtschaftlichen Verhältnisse, 1870-1913, Dissertation 1935.
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 171-180.
Paul Wiel: Wirtschaftsgeschichte des Ruhrgebietes, Essen 1970, S. 158.
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