Bestand 176 Carl Hellmut Fritzsche, Aachen - Professor Dr. phil. Dr.-Ing. Dr. mont. h. c.



Laufzeit : 1904 - 1966



Inhalt : Geboren am 18. Juli 1895 in Gelsenkirchen - gestorben am 15. März 1968 in Kreuth (Tegernsee)
Fritzsche wurde 1895 in Gelsenkirchen als Sohn eines Oberstudiendirektors geboren. Nach der Reifepüfung an der dortigen Oberrealschule verfuhr er am 1. April 1913 seine erste Schicht als Bergbaubeflissener im Oberbergamtsbezirk Dortmund. Sein im Sommersemester 1914 an der Technischen Hochschule Zürich aufgenommenes Studium der Naturwissenschaften fand bei Ausbruch des Weltkriegs ein rasches Ende. Fritzsche meldete sich als Kriegsfreiwilliger, wurde aber zurückgestellt, sodass er an der Universität Bonn und dann an der Bergakademie in Freiberg (Sachsen) weiter studieren konnte. Nach kurzem Militärdienst promovierte er im Dezember 1918 in Bonn mit der Arbeit über "Neue Kreidefaunen in Südamerika" zum Doktor der Philosophie. Anschließend wurde er Assistent am Geologischen, später am Mineralogischen Institut der Universität Bonn.

Im September 1920 nahm Fritzsche ein Angebot der chilenischen Regierung als Berater für geologische und lagerstättenkundliche Fragen an. In Chile fand er ein reiches Betätigungsfeld. Er untersuchte und begutachtete in dem ausgedehnten Bergbauland Lagerstätten aller Art, besonders Kohlengruben und Metallvorkommen. Sein Wirken war so erfolgreich, dass sich auch private Gesellschaften geologisch-lagerstättenkundlich, bergwirtschaftlich und bergmännisch beraten ließen. Nach Ablauf des 2-jährigen Vertrages mit dem chilenischen Staat arbeitete er bis Mai 1926 als freier Gutachter und Berater in Chile und Bolivien.

Im Mai 1926 kehrte Fritzsche nach Deutschland zurück. Zur Vervollständigung seiner bergmännischen Ausbildung ging er nach kurzer Tätigkeit als Steiger an die Technische Hochschule in Berlin. Im November 1927 legte er nach nur zwei Semestern die Diplomprüfung in der Fachrichtung Bergbau mit Auszeichnung ab. Im Februar 1928 trat er in die Dienste des Bergbau-Vereins in Essen, um Fragen der technischen und wirtschaftlichen Rationalisierung des Ruhrbergbaus zu bearbeiten. Er untersuchte die Aussichten und Erfordernisse der Elektrifizierung unter Tage, die Verbesserung der Bergeversatzwirtschaft, die Möglichkeit des Strebbruchbaus sowie die Mechanisierung des Streckenvortriebs.

Im Dezember 1928 habilitierte sich Fritzsche und wurde Privatdozent an der Technischen Hochschule in Aachen. Im Mai 1929 promovierte er zusätzlich an der Technischen Hochschule in Berlin zum Dr.-Ing. Im Dezember 1930 wurde er zum ordentlichen Professor der Bergbaukunde an der Aachener Hochschule ernannt und im April 1931 übernahm er den Lehrstuhl von seinem Vorgänger, dem Geheimen Bergrat Dr.-Ing. E. h. August Schemann.

Die beim Bergbau-Verein begonnene Forschungstätigkeit setzte er an der Hochschule fort. Gleichzeitig war er Gutachter für bergbauliche Fragen im In- und Ausland. Im Herbst 1938 bearbeitete er den ersten Band des von Fritz Heise und Friedrich Herbst begründeten Lehrbuchs der Bergbaukunde. Dieses in der Welt führende Fachbuch der Bergtechnik hat er den raschen Fortschritten der Technik und Wissenschaft in mehreren Neuauflagen ständig angepasst.

Als am Ende des Zweiten Weltkriegs die Hochschule in Aachen geschlossen werden musste, übernahm Fritzsche für ein Jahr die Leitung der Zeche Bruchstraße in Bochum. Nach Rückkehr an die wieder eröffnete Hochschule unternahm er mehrere Reisen nach Großbritannien, um das National Coal Board bei Modernisierungsvorhaben zu beraten. 1952 war Fritzsche fast sechs Monate in Japan, um dem dortigen Steinkohlenbergbau bei der Mechanisierung und Modernisierung zu helfen. Es folgten weitere Reisen in das Steinkohlengebiet Südbrasiliens und 1960 eine Begutachtung des chilenischen Kohlebergbaus. In den USA hielt er Gastvorlesungen. Seine Gutachtertätigkeit in Deutschland nahm an Umfang noch zu. Nach der Gründung des Steinkohlenbergbauvereins wirkte Fritzsche von 1953 bis 1964 in den Ausschüssen für Grubenausbau, Gebirgsdruckforschung und Bergeversatz. Die Montanistische Hochschule in Leoben (Steiermark) verlieh ihm die Würde des Dr. mont. h. c. im Jahr 1961.

Nachdem er am 30. September 1963 als Ordinarius emeritiert wurde, folgten weitere Veröffentlichungen und Reisen nach Südafrika und in die Sowjetunion. 1965 gab er die Geschäftsführung der Vereinigung Alter Aachener Bergakademiker ab, die er seit 1938 innegehabt hatte.

1968 ist Carl Hellmut Fritzsche während einer Kur in Kreuth am Tegernsee plötzlich einem Herzschlag erlegen.

Durch Vermittlung der Universitätsprofessoren für Bergkunde an der Technischen Universität Aachen Ernst-Ulrich Reuther und Per Nicolai Marten gelangte der Nachlass direkt aus Fritzsches ehemaligem Institut 1994 in das Bergbau-Archiv. Kassationen fanden nur sehr sparsam statt. Hochschultätigkeit und Nebenämter 1904-1964 (47)
Berater- und Gutachtertätigkeit im Ausland 1921-1963 (25)
Gutachten
Braunkohle/Erz 1926-1962 (9)
Steinkohle 1931-1962 (29)
Unglücksfälle 1934-1940, 1956-1959 (9)
Bergschädenfragen 1934-1939, 1950 (3)
Grubenausbau 1937-1944, 1950-1962 (9)
Bergbautechnik 1925-1943, 1951-1962 (16)
Bergwirtschaft 1939, 1962 (2)
Mitbestimmung 1960 (1)
Privater und dienstlicher Schriftwechsel 1941-1963 (36)

"Die Richtstrecke" - Zeitschrift der Fachschaft der Bergleute an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, Jgg. 1960-1966

Veröffentlichungen von Carl Hellmut Fritzsche (Auswahl)
Einführung in das Studium des Bergbaus, Heidelberg 1951.
Die Eisenhütte Westfalia 1826-1951, Bielefeld 1951.
Lehrbuch der Bergbaukunde mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaus, 10. völlig neu bearbeitete Aufl. des von F. Heise und F. Herbst begründeten Werkes, 2 Bde., Berlin/Göttingen/Heidelberg 1961-1962.

Umfang : 11 m
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