Bestand 8 Concordia Bergbau AG, Oberhausen



Laufzeit : 1824 - 1977



Inhalt : 1850 wurde von Mitgliedern der Familie Haniel in Essen die Bergbaugesellschaft Concordia als Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 550 000 Talern gegründet. Die aufgrund des 1843 erlassenen Gesetzes über die Errichtung von Aktiengesellschaften erforderliche landesherrliche Genehmigung datiert vom 18. November 1850. Damit war die Concordia nach dem Kölner Bergwerksverein (1849) das zweite Bergbauunternehmen im Ruhrgebiet, das in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft betrieben wurde.

Nachdem 1857 das Aktienkapital verdoppelt worden war und sich das Unternehmen trotz mancher Krisenjahre recht gut entwickelt hatte, wurde die Gesellschaft von der 1873 einsetzenden allgemeinen Wirtschaftskrise stark betroffen, sodass die Generalversammlung im April 1877 beschloss, die Aktiengesellschaft zu liquidieren und die Gewerkschaft Zeche Concordia mit Sitz in Oberhausen zu gründen (15. Mai 1877). 936 von 1 000 Kuxen übernahmen die bisherigen Aktionäre.

Als zu Beginn der 90er Jahre die Wirtschaftskrise überwunden war und der großzügige Ausbau der Zeche erhebliche Investitionen erforderte, entschlossen sich die Gewerken, mit Unterstützung zweier Bankhäuser erneut eine Aktiengesellschaft zu gründen. Sie etablierte sich am 31. März 1890 unter dem Namen Concordia Bergbau-Aktien-Gesellschaft zu Oberhausen und war mit einem Grundkapital von 6,5 Mio. Mark ausgestattet.

Die vierte Etappe begann 1914, als die Concordia - dem Zug der Zeit folgend - eine Interessengemeinschaft mit der Aktiengesellschaft Rombacher Hüttenwerke zu Rombach (Lothringen) einging. Der mit Wirkung vom 1. Januar 1914 geschlossene Vertrag räumte u. a. den Rombacher Hüttenwerken das Recht ein, jederzeit während der Vertragsdauer das gesamte Vermögen des Bergwerks zu erwerben. Von diesem Recht machte die Hütte Gebrauch, als sie infolge des Kriegsausgangs ihre ausgedehnten Hüttenanlagen und wertvollen Erzgruben in Lothringen verlor und sich nunmehr imverbliebenen Reichsgebiet einen Ausgleich zu schaffen suchte. Die Concordia Bergbau-AG trat am 15. Juni 1920 in Liquidation und firmierte fortan unter dem Namen Rombacher Hüttenwerke, Abteilung Oberhausen.

Die Bemühungen des Unternehmens um eine neue Erz- und erweiterte Kohlenbasis spiegeln sich in den Angeboten und Gutachten wider. Trotz aller Sanierungsversuche gerieten die Rombacher Hüttenwerke jedoch in immer größere Schwierigkeiten, sodass in ihrer letzten Generalversammlung am 10. Dezember 1926 das Aktienkapital im Verhältnis 10:1 zusammengelegt werden musste. Die Mehrheit der Rombach-Aktien übernahm die Kokswerke und Chemische Fabriken AG in Berlin, die später mit der Schering AG fusionierte. Das verbliebene Rombach-Aktienkapital wurde von 5,1 Mio. auf 20 Mio. RM erhöht und der Name der Gesellschaft wieder in Concordia Bergbau-AG, Oberhausen, geändert.

Nach 118 Jahren wechselvoller Geschichte hat das Steinkohlenbergwerk Concordia am 22. März 1968 die Förderung, eine Woche später die Erzeugung von Koks und Kohlenwertstoffen und Ende Februar 1969 die Brikettherstellung eingestellt.

Der Bestand setzt sich aus zwei großen, zeitlich weit auseinander liegenden Abgaben zusammen. Die erste Abgabe von 1970 stammte von der Hauptverwaltung und einzelnen Schachtanlagen der Concordia selbst und wurde nicht aus einer geordneten Registratur übernommen. Es handelte sich vielmehr um Restbestände vornehmlich technischer Betriebsakten, nachdem im Mai 1969 die aufbewahrungswürdige Direktionsregistratur, vor allem Vorstandsakten von Gustav Dechamps aus den Jahren 1926 bis 1942, im Westfälischen Wirtschaftsarchiv in Dortmund deponiert worden war.

1978 übereignete dann die Concordia Chemie AG als Nachfolgefirma der Concordia Bergbau-AG dem Bergbau-Archiv einen weiteren umfangreichen Aktenbestand sehr vermischten Inhalts. 1981 wurde aus beiden Aktenabgaben, für die ein Ordnungssystem nicht mehr erkennbar war, der vorliegende, völlig neu geordnete Bestand gebildet, wobei die Klassifikation unter weitgehender Wahrung des Provenienzprinzips zum Teil der nicht geradlinig verlaufenden historischen Entwicklung der Gesellschaft folgte, zum Teil dem Schwerpunkt in der Aktenüberlieferung Rechnung trug. Im Bestand ist das Werksgrubenbild nahezu vollständig vorhanden. Concordia Bergbau-AG 1824-1932 (19)
AG Rombacher Hüttenwerke 1858-1939, 1957-1959 (42)
Kokswerke/Chemische Fabriken AG 1920-1944 (16)
Beteiligungen
Chemie 1912-1966 (22)
Kohlenhandelsgesellschaften 1915-1954 (57)
Verwaltung
Vorstand/Aufsichtsrat 1878-1977 (36)
Finanzwesen 1907-1965 (29)
Grundstücksangelegenheiten 1905-1970 (42)
Organisation 1913-1963 (10)
Betriebsberichte 1917-1926, 1948-1963 (9)
Allgemeiner Schriftwechsel 1948-1951 (4)
Betriebsführung
Markscheiderei 1857-1967 (44)
Grubenbetrieb 1907, 1927-1968 (11)
Schachtanlage 2/3 1906-1966 (11)
Schachtanlage 4/5 1903-1965 (9)
Kokerei 1927-1963 (8)
Personal- und Sozialwesen 1918-1968 (30)
Verbände/Organisationen

Rheinisch-Westfälisches Kohlen-Syndikat 1919-1961 (32)
Deutsche Kohlenbergbau-Leitung 1940-1958 (17)
Sozial- und Gemeinschaftseinrichtungen des Bergbaus 1919-1965 (34)
Werks- und Zeitgeschichte 1898-1967 (15)
Werksgrubenbild


Umfang : 15,3 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferung im Westfälischen Wirtschaftsarchiv, Dortmund: Concordia Bergbau AG (Bestand F 26)

Literatur : Ludwig Achepohl: Das Niederrheinisch-Westfälische Bergwerks-Industrie-Gebiet, 2. Aufl., Berlin 1894, S. 94-98.
Bericht anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Concordia Bergbau-Aktiengesellschaft in Oberhausen, Düsseldorf 1900.
Die Schachtanlage 4/5 der Concordia-Bergbau-Aktiengesellschaft zu Oberhausen, Wesel 1910.
Hundert Jahre Concordia 1850-1950. Die Geschichte einer Zeche, Oberhausen 1950.
Heinz Morsbach: 100 Jahre Concordia-Bergbau, Oberhausen 1950.
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 100-106.
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