Bestand 205 Rolf Glitz, Hamm (Westfalen) - Inspekteur für Bergwerksküchen



Laufzeit : 1947 - 1948



Inhalt : Geboren am 9. Dezember 1922
Zur Ankurbelung der Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg war die Erhöhung der Kohleförderung im Ruhrgebiet eine unabdingbare Voraussetzung, die in erster Linie über eine Leistungssteigerung des einzelnen Bergmanns zu erreichen war. Bereits im April 1946 hatte der Deutsche Wirtschaftsrat bei der Kontroll-Kommission für Deutschland in einem Gutachten der alliierten Militärregierung empfohlen, die Lebensmittelrationen für Untertagearbeiter zu erhöhen und die Versorgung mit Textilien, Haushaltswaren und Tabak zu gewährleisten. In den Kanon der ergriffenen Maßnahmen gehörte auch die Verpflegung der Bergleute in zecheneigenen Werksküchen.

Die Bergleute gehörten bei Lebensmittelzuteilungen ohnehin schon zu der bevorzugten Gruppe der Schwerstarbeiter. Da die ihnen zugebilligten Rationen aber im allgemeinen Lebensmittelhandel in aller Regel in anderweitigen Kanälen des damals florierenden Schwarzmarktes verschwanden, veranlasste die North German Coal Control (NGCC) die Zechenleitungen, in zecheneigenen Küchen warme Mahlzeiten und Butterbrote auszuteilen. In den Genuss dieser Versorgung kam nur, wer seine Schicht ordnungsgemäß verfahren hatte. Durch diese Sonderverpflegung sollten die Fehlschichten reduziert werden. Bei den Werbemaßnahmen in den ruhrgebietsfernen Gebieten, in denen zahlreiche beschäftigungslose Flüchtlinge und aus der Wehrmacht oder Kriegsgefangenschaft entlassene Männer lebten, wurde mit dieser bevorzugten Versorgung als Anreiz für die Übersiedlung in das Ruhrgebiet geworben.

Rolf Glitz war wegen seiner guten Englischkenntnisse im Dienste der NGCC eingesetzt, um zu überwachen, ob die von der britischen Militärverwaltung angeordneten Maßnahmen ordnungsgemäß durchgeführt wurden. Dafür hatte er die Zechen zu bereisen, Kontakt mit den entsprechenden Dienststellen der Zechenleitungen zu halten und Berichte zu erstatten. Danach führte er sein Jurastudium zu Ende und war bei derBundeswehr Oberstleutnant im Generalstab.

Der Bestand wurde 1998 von Assessor des Bergfachs Karl-Richard Haarmann, Werne, dem Bergbau-Archiv übergeben. Ausweis der NGCC
Privates Notizbuch mit Adressen von Bergämtern,
städtischen Behörden, Lebensmittelhändlern und Zechen
Berichte über den Zustand von Werksküchen und die Lebensmittelversorgung (6)

Umfang : 0,3 m

Literatur : Dietmar Bleidick: "Es kommt auf jede Tonne an" - Wirtschaftliche Not und Kohleknappheit, in: Evelyn Kroker (Hrsg.): "Wer zahlt die Zeche?" - Plakate und Flugblätter aus dem Bergbau-Archiv Bochum, Bochum 1995, S. 26-45 (= Schriften des Bergbau-Archivs. 6).
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