Bestand 18 Hamborner Bergbau AG, Duisburg-Hamborn



Laufzeit : 1908 - 1984



Inhalt : Die Hamborner Bergbau AG und die Friedrich Thyssen-Bergbau AG entstanden aus den alliierten Entflechtungsmaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg. Aufgrund des Gesetzes Nr. 27 der Alliierten Hohen Kommission fungierten sie mit Wirkung vom 1. Juli 1953 als Nachfolgegesellschaften der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) im Hamborner Raum.

Der Bergwerksbesitz dieser beiden Gesellschaften entstammt aus zwei verschiedenen Quellen: der so genannten Thyssen-Gruppe (Schachtanlagen Friedrich Thyssen 4/8, Beeckerwerth, Friedrich Thyssen 2/5 und Lohberg) und der Gesellschaft Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb (Zeche Westende), die 1926 ihr Bergbauvermögen in die neu gegründete Vereinigte Stahlwerke AG (VSt) eingebracht hatten. Diese Bergwerksbetriebe wurden 1926 zusammen mit den Kokereien Friedrich Thyssen 3/7 und Friedrich Thyssen 4/8 sowie der Kokerei Westende zu der Bergbaugruppe Hamborn in der Abteilung Bergbau der VSt zusammengefasst. Die Abteilung ist 1933 schließlich in die neu gegründete Betriebsgesellschaft der VSt, die GBAG, eingegliedert worden.

Die Thyssen-Zechen gehen auf den Begründer des Thyssen''schen Bergwerksbesitzes August Thyssen zurück, der 1885 die Gewerkschaft Deutscher Kaiser erwarb.

Die Gewerkschaft Deutscher Kaiser war 1871 aus der Umwandlung der von Daniel Morian 1867 gegründeten Gewerkschaft Hamborn hervorgegangen. 1871 wurde mit dem Abteufen von Schacht 1 begonnen, der 1876 die Förderung aufnahm. 1888 übernahm August Thyssen den Vorsitz des Grubenvorstands. Im gleichen Jahr wurde Schacht 2 abgeteuft, der ab 1896 förderte.

Thyssen baute die Gewerkschaft Deutscher Kaiser zu einem gemischtwirtschaftlichen Unternehmen aus, das neben großen eisenindustriellen Anlagen auch Erzbergwerke und einen eigenen Schiffspark umfasste. Der Felderbesitz wurde auf markscheidende Felder des Bergwerks ausgedehnt und die Förderkapazität durch die Doppelschachtanlagen 2/5 und 3/7 bis 1908 stark erweitert. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs verfügte die Gewerkschaft Deutscher Kaiser über sieben Förderschächte und fünf Spülschächte zum Einbringen von Spülversatz. Am 4. Januar 1912 wurde der Gewerkschaft das Steinkohlenbergwerk Beeckerwerth bei Duisburg aufgrund einer Mutung vom 4. November 1910 verliehen. Bis zum Ersten Weltkrieg umfasste der Bergwerksbesitz Thyssens ca. 600 Mio. m2. Einen Großteil davon trat er an den preußischen Staat ab.

Die Hüttenwerke der Gewerkschaft Deutscher Kaiser wurden von den beiden großen Kokereien der Schachtanlagen Deutscher Kaiser 3/7 (später Zentralkokerei August Thyssen) und Deutscher Kaiser 4 (später Zentralkokerei August Thyssen 4/8) versorgt.

1916 wurde das neue Feld Beeckerwerth durch den Schacht Beeckerwerth 1 erschlossen, welcher allerdings erst 1923 in Förderung ging. 1919 wurde der Schacht 2 abgeteuft. Am 12. Februar 1919 ist das Feld Beeckerwerth mit dem Feld Deutscher Kaiser unter dem Namen Friedrich Thyssen zu einer Gesamtgröße von 29 Mio. m2 konsolidiert worden.

In dieses Jahr fiel auch die Neuorganisation des Thyssen-Unternehmens Gewerkschaft Deutscher Kaiser. Der Name wurde nun in Gewerkschaft August Thyssen-Hütte geändert. Aus der Bergbauabteilung der Gewerkschaft Deutscher Kaiser wurde die Gewerkschaft Friedrich Thyssen in Hamborn auf der Grundlage des eben konsolidierten Feldes Friedrich Thyssen gebildet.

Dem Thyssen-Konzern gehörten neben anderen Unternehmen außerdem noch die Gewerkschaft Lohberg mit der Doppelschachtanlage Lohberg 1/2 und die Gewerkschaften Rhein 1 und Rhein 2. Auf letzterer entstand später die Doppelschachtanlage Walsum. 1922 entstand mit dem Abteufen des Schachtes 8 auf der Anlage Friedrich Thyssen 4 die Doppelschachtanlage 4/8.

Am 5. Mai 1926 wurde die VSt gegründet, in welche die August Thyssen-Gruppe folgende Unternehmen einbrachte: die Gewerkschaft Friedrich Thyssen mit den Schachtanlagen 1/6, 2/5, 3/7, 4/8, Rönsberghof und Beeckerwerth sowie die Kokereien Friedrich Thyssen 3/7 und 4/8; die Gewerkschaft Lohberg mit der Doppelschachtanlage 1/2; die Gewerkschaft Rhein 1 mit der Doppelschachtanlage Wehofen 1/2; die Gewerkschaft August Thyssen-Hütte; die AG für Hüttenbetrieb in Meiderich und die Firma Thyssen & Co. in Mülheim (Ruhr).

Die Schachtanlage Westende wurde bereits 1855 mit englischem Kapital der Ruhrort Mining Company (Ruhrorter Kohlenwerke) als Kommanditgesellschaft auf Aktien mit Sitz in Köln gegründet. Schacht 1 wurde 1856 abgeteuft, jedoch 1859 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten stillgelegt. Über die Gewerkschaft Ruhr und Rhein und verschiedene französische Unternehmen gelangte das Grubenfeld schließlich an die Gesellschaft Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb, welche die Tagesanlagen modernisierte und neue Schächte abteufte. 1926 wurde die gesamte Betriebsanlage Westende mit den übrigen Vermögensanteilen der Phoenix AG in die VSt eingebracht.

Der Bergwerksbesitz der neu gegründeten Gesellschaft wurde in der Abteilung Bergbau zusammengefasst und in vier Gruppen gegliedert. Die Gruppe Hamborn umfasste die gesamten Thyssen-Zechen und die Schachtanlage Westende der Phoenix AG.

Die Gruppe Hamborn bestand aus folgenden fördernden Schachtanlagen:
Betriebsanlage Friedrich Thyssen 4/8 mit einer Kokerei mit 456 Öfen;
Betriebsanlage Westende mit den Anlagen 1/2 und 3/4 (Kamp-Schächte) sowie einer Kokerei mit 258 Öfen;
Betriebsanlage Friedrich Thyssen 1/6, 3/7, Beeckerwerth und der Kokerei Friedrich Thyssen 3/7 mit 260 Öfen.

Durch betriebliche Zusammenfassung und Rationalisierung sind diese Anlagen auf die fünf Zechen Friedrich Thyssen 4/8, Westende, Beeckerwerth (mit Friedrich Thyssen 3/7), Friedrich Thyssen 2/5 und Lohberg reduziert worden.

Auch die Neuorganisation der VSt im Jahr 1933 und die Überführung der bisherigen Abteilung Bergbau in die neu gebildete GBAG hat bis zum Zweiten Weltkrieg an diesem Grundaufbauder Gruppe Hamborn nichts Wesentliches geändert.

Im Jahr 1953 wurde die bisherige Gruppe Hamborn im Zuge der Neuordnung des Ruhrbergbaus aus der alten GBAG ausgegliedert und als deren Nachfolgegesellschaft neben der Friedrich Thyssen Bergbau-AG als Hamborner Bergbau AG neu gegründet. Sie übernahm die Schachtanlagen Beeckerwerth 1/2 und die Zeche Lohberg 1/2 sowie einen Teil der Tagesanlagen der stillgelegten Schachtanlage Friedrich Thyssen 1/6. Der gesamte Felderbesitz betrug 50,5 Mio. m2. Die Hamborner Bergbau AG übernahm gleichzeitig aufgrund eines Organschaftsvertrags mit Gewinn- und Verlustübernahme die Geschäfts- und Betriebsführung der Friedrich Thyssen Bergbau-AG, an deren Kapital sie mit 50 % beteiligt war.

Die ehemalige Zentralkokerei Friedrich Thyssen 3/7 wurde im Zuge der Neuordnung in das Eigentum der August Thyssen-Hütte überführt, die Betriebsführung der Kokerei verblieb aber bei der Hamborner Bergbau AG. Sie übernahm außerdem zusammen mit der August Thyssen-Hütte das Kraftwerk Hamborn, welches seit 1952 in Betrieb war.

Neben dem Eigentum an umfangreichen Werksbahnanlagen besaß die Hamborner Bergbau AG zahlreiche größere Beteiligungen an verschiedenen Unternehmen. Die Friedrich Thyssen Bergbau-AG war je zur Hälfte Eigentum der Hamborner Bergbau AG und der Phoenix Rheinrohr AG Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke. Ihr Bergwerksvermögen aus der ehemaligen Gruppe Hamborn der GBAG bestand aus den Schachtanlagen Friedrich Thyssen 4/8, Westende und Friedrich Thyssen 2/5. Außerdem gehörten die Zentralkokereien Friedrich Thyssen 4/8 und Westende zu ihrem Besitz.

Zwischen der Friedrich Thyssen Bergbau-AG, der Hamborner Bergbau AG und den benachbarten Hüttenwerken, der August Thyssen-Hütte und der Phoenix Rheinrohr AG wurde eine enge Verbundwirtschaft auf vertraglicher Basis aufrechterhalten, bis die Schachtanlagen der Gesellschaften an die Ruhrkohle AG übergingen.

Der Bestand enthält Unterlagen zu den Entwicklungsphasen der Gewerkschaft Deutscher Kaiser, der Hamborner Bergbau AG und der Friedrich Thyssen Bergbau-AG ab 1914. Den größten Teil des Aktenmaterials nehmen die Betriebsberichte der Gruppe Hamborn der GBAG und die Geschäftsberichte der Hamborner Bergbau AG ein. Umfangreiche Darstellungen zur Entflechtung der GBAG und der Gründung der Friedrich Thyssen Bergbau-AG geben Einblick in die Vermögensverhältnisse der neuen Gesellschaft und in deren Gründungsunterlagen. Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Gruppe Hamborn 1908, 1914-1958 (25)
Entflechtung der GBAG/Gründung der Friedrich Thyssen Bergbau-AG 1953-1959 (12)
Hamborner Bergbau AG 1952-1984 (29)
Biographische Unterlagen 1933-1938 (3)
Berechtsame 1908-1911, 1957-1968 (4)
Rechtsstreit Wever-Matthaei 1932-1941 (8)
Veröffentlichte Fotos der VSt-Schachtbeschreibung Lohberg
Nicht veröffentlichte Fotos der VSt-Schachtbeschreibung Lohberg

Umfang : 3 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferung im Bergbau-Archiv: Gelsenkirchener Bergwerks-AG (Bestand 55)
Ergänzungsüberlieferung im ThyssenKrupp Konzernarchiv, Duisburg: Gewerkschaft Deutscher Kaiser (Bestand A), Thyssen Röhrenwerke (Bestand TRW), Nachlass Heinrich Dinkelbach

Literatur : Der Bergbau der Gewerkschaft Deutscher Kaiser, Hamborn (Rheinland), o. O. [1916].
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 286-298.
Ralf Stremmel/Manfred Rasch: Findbuch zu den Beständen Vereinigte Stahlwerke AG und Bergbau- und Industriewerte GmbH, 2 Bde., Duisburg 1996.
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