Bestand 25 Klöckner-Bergbau Victor-Ickern AG, Castrop-Rauxel



Laufzeit : 1857 - 1973



Inhalt : Die Gewerkschaft Victor wurde 1871 unter maßgeblicher Beteiligung von Ernst Waldthausen und Friedrich Grillo gegründet und nahm 1877 die Kohleförderung mit dem Schacht Victor 1 in (Castrop-) Rauxel auf. Die Entwicklung der Anlage ging in den ersten drei Jahrzehnten zügig voran, recht früh wurden sowohl mit dem Bau von Bergarbeiterwohnungen, Waschkauen und einer Menage begonnen sowie Verkehrsanschlüsse eingerichtet. Mit dem Eintritt von August Thyssen in den Grubenvorstand 1887 engagierte sich die Gewerkschaft u. a. am Bau des Rhein-Herne-Kanals und baute 1890 den bereits bestehenden Wetterschacht Victor 2 zum Förderschacht aus. Nach Errichtung der Doppelschachtanlage 1898 (Baubeginn der zweiten Doppelschachtanlage Victor 3/4 im Jahr 1901) transportierte die Gewerkschaft beispielsweise um die Jahrhundertwende einen Teil ihrer Beschäftigten mit Dampfern auf dem Rhein-Herne-Kanal.

Kurz nach Übernahme des Grubenvorstandsvorsitzes durch Otto Krawehl, nachdem bereits die Kuxenmehrheit der Gewerkschaft Ickern übernommen worden war, wurden die gemeinsamen Investitionen beider Gewerkschaften mit der Aufnahme der Abteufarbeiten für Schacht Ickern 1 intensiviert. Die Kuxe beider Gewerkschaften übernahm 1910 die Lothringer Hütten-Verein Aumetz-Friede AG, deren stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Peter Klöckner ein Jahr später auch den stellvertretenden Grubenvorsitz beider Gewerkschaften übernahm. Der Lothringer Hütten-Verein wurde 1917 nach Liquidation als Gesellschaft belgischen Rechts als Lothringer Hütten- und Bergwerksverein AG in Nilvingen (Kreis Diedenhofen) neu gegründet und verlegte 1919 seinen Verwaltungssitz nach (Castrop-) Rauxel.

Als 1921 die beiden Gewerkschaften Victor und Ickern zu einer gemeinsam abzurechnenden Betriebsgemeinschaft zusammengefasst wurden, wechselte Julius Grauenhorst vom Vorstand des Lothringer Hütten- und Bergwerksvereins in den Grubenvorstand von Victor und Ickern über. 1922 erfolgte die Umwandlung der Lothringer Gesellschaft in die Klöckner-Werke AG unter gleichzeitiger Auflösung der bergrechtlichen Gewerkschaften. Peter Klöckner übernahm den Aufsichtsratsvorsitz und richtete zur Verwaltung des gesamten Bergwerksbesitzes die Bergbauverwaltung Rauxel ein, die zu diesem Zeitpunkt folgende Schachtanlagen umfasste: Victor 1/2, Victor 3/4 und Ickern 1/2 in Rauxel, General in (Bochum-) Weitmar, Königsborn 1/2 und Königsborn 3/4 in (Unna-) Königsborn und Werne 1/2 und Werne 3 in Werne. Die Anlagen Victor und Ickern standen während der Besatzung 1923 und 1924 unter strenger französischer Verwaltung.

Nach 1945 wurden sie in die Steinkohlenbergwerke Victor-Ickern AG zusammengefasst und 1953 in Klöckner-Bergbau Victor-Ickern AG umbenannt. Die Stilllegung erfolgte im September 1973.

Der Aktenbestand setzt sich aus drei Abgaben zusammen: Die Abgaben von 1970 und 1973 stammen von der Zeche Victor-Ickern direkt, weitere Akten wurden 1978 zufällig bei einer Begehung des zentralen Lohnarchivs auf der Schachtanlage Minister Achenbach der damaligen Bergbau AG Westfalen entdeckt. Die Übernahmen von 1970 und 1973 waren bei der Stabsstelle der Zeche Victor-Ickern verwahrt worden und stammen zum überwiegenden Teil aus deren Arbeit. Es handelte sich um einen Restbestand, der zuvor eine gewisse Aussonderung bzw. Aufteilung auf andere Altregistraturen der damaligen Bergbau AG Dortmund erfahren hatte. Die Aktenabgabe von 1978 stammte zum überwiegenden Teil aus dem technischen Büro des Tagesbetriebs. Eine Wiederherstellung der ursprünglich organisch gewachsenen Registratur war angesichts der heterogenen Aktenüberlieferung nicht möglich. Deshalb wurde nach der Verzeichnung der Akten eine völlig neue Klassifikation erstellt.

Bemerkenswert ist die Kontinuität der Überlieferung der technisch-wissenschaftlichen Planungsarbeiten, die auf den Klöckner-Zechen zwischen 1925 und 1968 angefertigt wurden, sei es als Meldearbeiten während des Studiums, als Diplomarbeiten und Dissertationen, als Abschlussarbeiten der Bergschuloberklasse oder der Bergingenieurschule.

Hervorzuheben sind die Akten über die Beschlagnahme der Klöckner-Zechen während der französischen Ruhrbesetzung sowie Berichte und Akten über den Betriebsablauf und besondere Fragen und Ereignisse zwischen 1920 und 1945. Der Bestand enthält des weiteren reichhaltige statistische und ökonomische Unterlagen. Satzungen/Geschäftsordnungen 1912, 1955-1970 (1)
Kaufmännischer Grubenvorstand Julius Grauenhorst 1890-1933 (25)
Unterlagen zur Geschichte der Zeche/Gutachten 1857-1969 (9)
Betriebspläne Victor 3/4/Ickern 1919-1951 (5)
Betriebsberichte 1914-1968 (71)
Französische Besetzung 1923-1926 (12)
Allgemeine Verwaltung 1919-1969 (14)
Gutachten zur Konzentration des Klöckner-Bergbaus 1968 (1)
Belegschaft 1872-1965 (48)
Beamtenbezüge 1925 (1)
Steigerjournal 1901 (1)
Grubenrettungswesen 1922-1929 (2)
Bergtechnik/Organisation 1877-1969 (49)
Arbeitskreis Ausbauingenieure/Technische Unterlagen/Statistisches Material/Berichte zum Abbaubetrieb 1961-1969 (11)
Vollmechanisierung/Ferromatik-Strebausbau/Betriebsberichte/Statistisches Material/Technische Realisierung/Schildausbau/Wartung 1957-1973 (23)
Angebote von Maschinenbaufirmen 1947-1948 (1)
Geschäftsberichte 1884-1973 (30)
Presseauszüge 1926-1938, 1965-1968 (22)
Statistik 1917-1969 (23)
Betriebszahlen-Hefte 1921-1944, 1951-1962 (14)
Berechtsame 1871-1941 (20)
Bauordnungsamt der Stadt Castrop-Rauxel 1871-1972 (80)
Diplom- und Assessorarbeiten (47)
Fotosammlung

Umfang : 21 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Schachtanlage Werne (Bestand 57), Schachtanlage Königsborn (Bestand 73)

Literatur : Peter Klöckner, in: Jahrbuch für den Ruhrkohlenbezirk, 1934, S. VIII-XII.
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957,S. 367-382.
Volkmar Muthesius: Peter Klöckner und sein Werk, 2. Aufl., Essen 1959.
Gustav Goldbeck: Florian Klöckner und Peter Klöckner, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 12, Berlin 1980, S. 105 ff.
Tilo Cramm (Bearb.): Bergbau ist nicht eines Mannes Sache. Das Bergwerk Victor-Ickern in Castrop-Rauxel, Essen 2000.
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