Bestand 39 Essener Steinkohlenbergwerke AG, Essen



Laufzeit : 1820 - 1975



Inhalt : Die Essener Steinkohlenbergwerke AG wurde 1906 unter Zusammenschluss der Rheinischen Anthracit-Kohlenwerke mit den Gewerkschaften Hercules (mit Katharina), Ver. Pörtingssiepen (seit 1897 mit Gottfried Wilhelm) und Dahlhauser Tiefbau gegründet. Ihre Keimzelle bildete die Gewerkschaft Heisinger Tiefbau, die in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts ihre gleichnamige Zeche in (Essen-) Heisingen an der Ruhr angelegt hatte und 1871 zum Tiefbau überging. Nachdem die Firma Funke & Schürenberg 1880 die Kuxenmehrheit der Gewerkschaft erworben hatte, wurden bis 1886 alle Aufbauarbeiten abgeschlossen und eine Förderung von 60 000 t erreicht. Dem ersten Grubenvorstand unter der neuen Verwaltung gehörten Fritz Funke, Wilhelm Sonnenschein und Jobst Waldthausen an.

Am 27. Mai 1889 beschloss die Gewerkenversammlung, die Zeche in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, wobei das Eigentum der Gewerken an ein Gründungskonsortium unter Mitwirkung des Bankhauses Aron & Walter, Berlin, abgetreten wurde. Die neue Aktiengesellschaft wurde unter dem Namen Rheinische Anthracit-Kohlenwerke am 13. Dezember 1889 mit Sitz in (Essen-) Kupferdreh gegründet. Vorstand der Aktiengesellschaft wurden Otto Funke und Heinrich Schäfer, den Vorsitz im Aufsichtsrat übernahm Carl Funke. Zur Förderung des Absatzes bildete die Gesellschaft zusammen mit der Zeche Ver. Pörtingssiepen eine Verkaufsstelle für Anthrazit-Nusskohle in Berlin. 1893 trat die Zeche Heisinger Tiefbau dem neu gegründeten Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat (RWKS) bei.

Am 15. Januar 1900 erwarb die Gesellschaft die bei (Essen-) Werden gelegene Zeche Pauline, nachdem sie zuvor fast alle Kuxe der Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Friedrich Wilhelm aufgekauft und in dem noch unverritzten Feld Friedrich Wilhelm den Schacht Carl Funke abgeteuft hatte, der 1899 die Förderung aufnahm. 1903 ging die Zeche Friedrich Wilhelm endgültig in das Eigentum der Rheinischen Anthracit-Kohlenwerke über und wurde mit der alten Anlage Heisinger Tiefbau zu einer Betriebsanlage zusammengefasst. Hauptförderschacht war der neue Schacht Carl Funke.

Um die technische und wirtschaftliche Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit der kleineren Ruhrzechen auch in der Zukunft erhalten zu können, wurden auf der Generalversammlung der Rheinischen Anthracit-Kohlenwerke am 23. März 1906 die Konsolidierung der Bergwerke beschlossen und die Essener Steinkohlenbergwerke AG mit Sitz in Essen gegründet. Den Vorsitz des Aufsichtsrats der neuen Gesellschaft übernahm Kommerzienrat Carl Funke. Die neu ausgegebenen Aktien wurden gegen die Kuxe der Gewerkschaften Hercules in Essen, Ver. Pörtingssiepen in (Essen-) Werden und Ver. Dahlhauser Tiefbau in Dahlhausen (Ruhr) getauscht. Die Gesellschaft verfügte über sechs Betriebsanlagen - die Rheinische Anthracit-Kohlenwerke, die ab 1906 nach ihrem Förderschacht Carl Funke benannt wurde, Pauline, Ver. Pörtingssiepen, Ver. Dahlhauser Tiefbau, Richradt und Hercules (mit den Schachtanlagen Hercules und Katharina) - mit sieben Förderschächten und fünf Brikettfabriken. Die Gesamtberechtsame betrug 30,4 Mio. m2. Noch im gleichen Jahr erwarb die Gesellschaft die Gewerkschaft Solberg in (Essen-) Kupferdreh, da diese Konzessionsinhaberin der Anschlussbahn der Zechen Ver. Pörtingssiepen und Richradt war.

1907 begann die Essener Steinkohlenbergwerke AG mit dem Abteufen eines Förderschachtes im Feld der Gewerkschaft Gottfried Wilhelm, die die Zeche Ver. Pörtingssiepen in die Gesellschaft eingebracht hatte. Am 1. Januar 1909 wurde der neue Schacht Gottfried Wilhelm in Förderung genommen. Zur Erweiterung der Syndikatsbeteiligung erwarb die Gesellschaft im Jahr 1908 die Kuxe der Gewerkschaft Altendorf, Altendorf (Ruhr), in deren Besitz sich außer der Zeche Altendorf auch die Zechen Prinz Friedrich und Gilles Antoine befanden. Nachdem am 1. November 1910 der Betrieb der Zeche Richradt eingestellt worden war, wurde 1914 auch die Anlage Altendorf stillgelegt. Die noch anstehenden Kohlenvorräte wurden von der Zeche Dahlhauser Tiefbau abgebaut.

Nach dem Tod von Carl Funke im Jahr 1912 übernahm Ernst Tengelmann die Führung der Essener Steinkohlenbergwerke AG, unter dessen Leitung am 29. März 1916 die Kuxe der Gewerkschaft Dorstfeld in Dortmund aufgekauft wurden. Damit verfügte die Gesellschaft über ihre erste Fettkohlenzeche.

Von den älteren Zechen südlich der Ruhr wurde 1916 auch die Zeche Pauline bei (Essen-) Werden stillgelegt. Trotzdem übernahm die Essener Steinkohlenbergwerke AG in diesem und im folgenden Jahr die Mehrheit der Kuxe einer anderen alten Magerkohlenzeche im Ruhrtal, der Zeche Victoria, wodurch ein zusammenhängender Felderbesitz im Süden des Ruhrbezirks gesichert war, da Victoria mit den Feldern von Prinz Friedrich und Altendorf markscheidete.

1920 übernahm die Essener Steinkohlenbergwerke AG von der Bergbau-AG Lothringen die Kuxenmehrheit der Gewerkschaft Oespel bei Dortmund, einer Ess- und Fettkohlenzeche, die über drei Schächte, eine Kokerei mit 60 Öfen und eine Brikettfabrik verfügte. Am 1. Januar 1921 wurde die Verwaltung nach Essen verlegt und 1923 ging sie vollständig in den Besitz der Essener Steinkohlenbergwerke AG über. Nachdem als Kaufpreis für die Gewerkschaft Oespel ein Teil der Aktien der Essener Steinkohlenbergwerke AG in den Besitz der Bergbau-AG Lothringen übergegangen war, wurde 1921 mit einem Interessenvertrag zwischen der Essener Steinkohlenbergwerke AG, der Bergbau-AG Lothringen und der Henschel & Sohn GmbH in Kassel die Verbindung zwischen beiden Gesellschaften noch fester geschlossen.

1922 erwarb die Interessengemeinschaft, an die über Beteiligungen noch andere Bergwerksunternehmen gebunden waren, eine Beteiligung an der Gewerkschaft Ludwig, die ihrerseits wieder an der Gewerkschaft Langenbrahm beteiligt war. Die gemeinsame Beteiligungsziffer der Interessengemeinschaft beim RWKS stieg dadurch auf 10 Mio. t oder 8,5 %. 1923 wurde der Interessenvertrag, der auf eine Dauer von fünfzig Jahren einen gemeinsamen Verwaltungsrat und eine Drittelung der Gewinne vorgesehen hatte, jedoch wieder aufgelöst. Damit wurden auch die eingegangenen Beteiligungen bereinigt. Die Essener Steinkohlenbergwerke AG behielt ihren Besitzstand einschließlich der Betriebsanlage Oespel-Borussia.

In den folgenden Jahren betrieb die Gesellschaft den Ausbau und die Erneuerung ihrer Anlagen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit. Ebenfalls aus wirtschaftlichen Gründen wurden 1925 die Anlagen Hercules und Victoria stillgelegt. Im gleichen Jahr gingen die restlichen Anteile der Ad. Linden Kohlenhandelsgesellschaft mbH, Duisburg, in den Besitz der Essener Steinkohlenbergwerke AG über. 1926 beteiligte sich die Gesellschaft auch an der Gründung der Aktiengesellschaft für Kohleverwertung.

Am 25. März 1930 beschlossen die Generalversammlungen der Essener Steinkohlenbergwerke AG und der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG), Essen, das Vermögen der Essener Steinkohlenbergwerke AG unter Ausschluss der Liquidation als Ganzes im Wege der Fusion auf die GBAG zu überführen. Den Vorstandsvorsitz der GBAG übernahm der seit 1912 amtierende Generaldirektor der Essener Steinkohlenbergwerke AG, Dr.-Ing. E. h. Ernst Tengelmann. Die Gesamtberechtsame der GBAG betrug nach der Fusion, einschließlich der Beteiligungen, 338,9 Mio. m2.

Die GBAG war nicht nur ein Bergbauunternehmen, sondern zugleich Inhaberin des größten Aktienanteils der 1926 gegründeten Vereinigten Stahlwerke AG (VSt). Als 1933 die VSt umgegründet und neu geordnet wurde, wählte man als aufnehmende Gesellschaft die GBAG, die gleichzeitig den Namen VSt annahm. Sämtliche Bergwerksanlagen der GBAG wurden aus dieser ausgegliedert und für ihren Weiterbetrieb am 29. November 1933 eine neue Gesellschaft gegründet, die den alten Namen Essener Steinkohlenbergwerke AG annahm. Vorsitzender des Vorstandes wurde Ernst Tengelmann, der die Gesellschaft bis zum Jahr 1942 leitete.

Die 1933 neu gegründete Essener Steinkohlenbergwerke AG verfügte, neben dem Besitz der Felder und Anlagen ihrer Vorgängergesellschaft aus dem Jahr 1929, über neues Bergwerksvermögen aus dem Besitz der GBAG. Gefördert wurde auf den Betriebsanlagen Katharina, Ver. Pörtingssiepen, Carl Funke (seit 1931 mit Prinz Friedrich vereinigt), Gottfried Wilhelm, Oespel, Dorstfeld und Monopol mit den Schachtanlagen Grillo und Grimberg. Dazu kamen die stillliegenden Zechen Victoria, Centrum 4/6, Johann Deimelsberg, Richradt, Altendorf und Pauline, sowie Beteiligungen an verschiedenen Handelsgesellschaften.
1936 wurden die Aktien der Essener Steinkohlenbergwerke AG an ein Konsortium unter Führung von Friedrich Flick verkauft, die dann in Teilbeträgen auf die Harpener Bergbau-AG übergingen, sodass im Laufe der Zeit sämtliche Aktien der Essener Steinkohlenbergwerke AG in den Besitz von Harpen gelangten, deren Aktien wiederum zu einem Großteil in den Händen von Friedrich Flick waren. 1936 übernahm dieser den Aufsichtsrat der Essener Steinkohlenbergwerke AG.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Anlagen der Gesellschaft zum Teil schwer beschädigt. Die Zeche Grimberg 1/2 und die 1937 unter Beteiligung der Harpener Bergbau-AG gegründete Chemische Werke Essener Steinkohlen AG (heute Chemische Werke Bergkamen AG) erhielten schwere Bombentreffer.

Mit dem 1. Juli 1952 wurde die Essener Steinkohlenbergwerke AG als Teil des Flick-Konzerns aufgrund der Alliierten Gesetze in die Umgestaltungen des deutschen Steinkohlenbergbaus zusammen mit der Harpener Bergbau-AG einbezogen. Nachdem die Zechen Grillo 1, Grillo 2 und Grillo 3 auf die neu gegründete Monopol Bergwerks-AG in Kamen und die Zechen Grimberg 3/4, Dorstfeld und Oespel auf die Harpener Bergbau-AG übergegangen waren, erhielt die Essener Steinkohlenbergwerke AG von der Harpener Bergbau-AG u. a. die Zeche Hugo in Gelsenkirchen sowie das unverritzte Feld Kobold. Mit dem Ausscheiden der Zechengruppe Monopol verlor die Gesellschaft auch die Aktienbeteiligung an den Chemischen Werken.

Die Essener Steinkohlenbergwerke AG verfügte nach der Neuordnung der Montanindustrie über die Betriebsanlagen Katharina, Dahlhauser Tiefbau, Ver. Pörtingssiepen, Carl Funke und Hugo. Gottfried Wilhelm war 1942 als Förderanlage stillgelegt worden und diente nur noch der Seilfahrt, während die hier gewonnenen Kohlen auf den Nachbarzechen Carl Funke und Pörtingssiepen gefördert wurden.

Da die Flick-Gruppe die Auflage erhalten hatte, ihren Aktienbesitz an der Essener Steinkohlenbergwerke AG und der Harpener Bergbau-AG zu verkaufen, übernahm die aus dem Mannesmann-Konzern hervorgegangene Consolidation Bergbau-AG 1953 51 % des Grundkapitals der Flick-Gesellschaft. Nach dem Übergang der Aktienmehrheit auf die Mannes- mann-Gruppe wurde am 1. April 1954 ein Pacht- und Betriebsführungsvertrag über die Schachtanlagen Wilhelm Emil und Joachim der Zeche Königin Elisabeth der Mannesmann-Bergwerke AG abgeschlossen. Durch den Vertrag wurden die markscheidenden Schachtanlagen Wilhelm Emil und Katharina untertägig verbunden und die Förderung auf Katharina zusammengefasst. Im Juni 1956 wurde die Hauptförderung auf Wilhelm Emil eingestellt.

Mit diesen Maßnahmen waren wichtige betriebliche Schritte zur gesellschaftlichen Verschmelzung der Essener Steinkohlenbergwerke AG mit der Mannesmann-Bergwerke AG getan, die mit der Unterzeichnung der Verschmelzungsverträge am 9. Mai 1955 endgültig vollzogen wurde. Die neue Essener Steinkohlenbergwerke AG verfügte über eine Gesamtberechtsame von 101,3 Mio. m2, die Zechen waren organisatorisch in vier Zechengruppen zusammengefasst:

Zechengruppe Consolidation
Schachtanlagen Consolidation 1/6, Consolidation 3/4/9, Consolidation 2/7, Consolidation 8, Unser Fritz 1/4, Unser Fritz 2/3, Unser Fritz 5 sowie die Kokereien Consolidation 1/6 und Consolidation 3/4

Zechengruppe Hugo
Betriebsanlagen Hugo 1/4, Hugo 2/5 und die Kokerei Hugo 1/4

Zechengruppe Katharina/Königin Elisabeth
Schachtanlagen Katharina (zusammen mit Emil Wilhelm), Königin Elisabeth (Friedrich Joachim und Hubert), Brikettfabrik Katharina und Kokerei Friedrich Joachim

Zechengruppe Ruhrzechen
Schachtanlagen Ver. Dahlhauser Tiefbau, Ver. Pörtingssiepen, Carl Funke und Gottfried Wilhelm sowie drei Brikettfabriken

Der Bestand wurde dem Bergbau-Archiv 1973 von der ehemaligen Bergbau AG Gelsenkirchen der Ruhrkohle AG völlig ungeordnet und provenienzmäßig vermischt übergeben. Der Bestand vereinigt Akten aus den Betrieben Hundsnocken, Heisinger Tiefbau, Rheinische Anthracit-Kohlenwerke, Carl Funke, Ver. Pörtingssiepen, Gottfried Wilhelm, Dahlhauser Tiefbau, Katharina und Königin Elisabeth, wobei Akten über Löhne den inhaltlichen Schwerpunkt bilden. Die Geschichte der Gesellschaft 1844-1973 (20)
Stollenbetrieb Hundsnocken 1820-1870 (736)
Rheinische Anthracit-Kohlenwerke 1876-1907 (30)
Zeche Carl Funke 1894-1938 (50)
Zeche Pörtingssiepen 1853-1927, 1958 (53)
Zeche Prinz Friedrich 1917-1923 (12)
Zeche Gottfried Wilhelm 1906-1926 (34)
Zeche Dahlhauser Tiefbau 1885-1923 (211)
Zeche Katharina 1910-1922 (36)
Zeche Königin Elisabeth 1911-1923 (111)
Diplom- und Meldearbeiten (18)
Fotosammlung

Umfang : 45 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferung im Mannesmann-Archiv, Düsseldorf: Hauptverwaltung (Bestand M 17)

Literatur : Carl Funke und seine Werke, Essen [1914].
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1967, S. 144-170.
Paul Wiel: Wirtschaftsgeschichte des Ruhrgebietes, Essen 1970.
Kurt Pfläging: Chronik der Seezechen Ver. Pörtingssiepen und Carl Funke, o. O. [1973].
Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997, 2. Aufl., Bochum 1998.
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