Bestand 43 Schachtanlage Minister Stein, Dortmund-Eving



Laufzeit : 1856 - 1993



Inhalt : In den Jahren 1855 bis 1858 legten Theodor Sprenger, Kaufmann aus Essen, und Heinrich Grimberg, Gastwirt aus Bochum, Mutung auf die Steinkohlenfelder Borussia I-VI in Eving bei Dortmund ein. Ende 1858 wurden diese verliehen und im Zuge der Konsolidation der Grubenfelder entstand 1859 die gleichnamige 128-teilige Gewerkschaft. Durch den Rückgang der Kohlepreise in den 1860er Jahren trennten sich viele Gewerken von ihren Kuxen, sodass Friedrich Grillo und der Bankier Ludwig von Born, beide aus Essen, 112,5 Kuxe der Gewerkschaft aufkaufen konnten.

Am 4. April 1871 beschloss die Gewerkenversammlung unter Führung Grillos die Änderung des Namens in Minister Stein, die Erhöhung der Anteile auf 1 000 und den Aufschluss der Lagerstätte durch das Abteufen eines Schachtes. Ende 1875 hatte man eine Teufe von 270 Metern erreicht und sieben Flöze aufgeschlossen, sodass nach Fertigstellung des Malakoffturmes und der Tagesanlagen mit der Förderung begonnen werden konnte. Bereits 1878 wurde die erstrebte 100 000 t-Grenze überschritten. Nach kurzer Erholung der Kohlepreise zu Beginn der 1870er Jahre kam es ab 1873/1874 im Zuge der Gründerkrise zu einem erneuten Rückgang der Erträge und wieder wechselten viele Anteile die Besitzer. Als Käufer trat vor allem ein Konsortium unter Führung Friedrich Grillos auf, der schließlich mit über 70 % der Kuxe Hauptanteilseigner wurde. Grillo, der auch die Mehrheit der Anteile der Gewerkschaft Fürst Hardenberg, der Nachbarzeche Minister Steins, besaß, stand in enger Verbindung mit der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) und beabsichtigte, beide Gewerkschaften an diese zu veräußern. Am 20. April 1881 ließ er auf der gemeinsamen Gewerkenversammlung beider Zechen die Vereinigung der Anlagen, die Konsolidation der Grubenfelder und die Bestellung eines neuen gemeinsamen Vorstands beschließen. Am 28. März 1882 übernahm die GBAG die Mehrheit der Kuxe und wurde 1888 alleinige Besitzerin der Gewerkschaft Ver. Stein und Hardenberg, die damit aufgelöst wurde. Im dreiköpfigen Vorstand saßen ab 1882 Emil Kirdorf, Oskar Hoffmann und Arthur Lindenberg
.
Die Jahre bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs standen im Zeichen des Ausbaus der Schachtanlage. 1891 begann man mit der Abteufung von Schacht 2, der ab 1898 Förderschacht wurde und somit Schacht 1 ablöste, der von nun an nur noch zur Bewetterung genutzt wurde. Im Zuge des Umbaus und der Erweiterung der Tagesanlagen entstand 1899 die erste Kokerei mit 120 Brunck-Öfen, die allerdings 1919 wieder stillgelegt wurde. Da sich die Förderung auf Minister Stein zwischen 1890 und 1900 fast verdoppelt hatte, machte sich um die Jahrhundertwende eine Verschlechterung der Wetterverhältnisse bemerkbar, die die Niederbringung von Schacht 3 nötig machten.

Durch den Ersten Weltkrieg, Inflation und Ruhrkampf ging die Förderung stark zurück und stagnierte bis in die Mitte der 1920er Jahre, als Minister Stein zwischen 1923 und 1926 zur Großschachtanlage ausgebaut wurde. In diese Zeit fiel auch die Abteufung von Schacht 4, der nach Emil Kirdorf benannt wurde, und nach seiner Fertigstellung ab 1926 als Hauptförderschacht diente. Über dem Schacht wurde ein Hammerkopf-Förderturm aufgestellt, der erste für zwei gleichberechtigte Förderungen ausgelegte stählerne Förderturm in Deutschland.

Am 1. April 1926 ging die Zeche Minister Stein zusammen mit dem übrigen Bergwerks- und Hüttenbesitz der GBAG in das Eigentum der Vereinigte Stahlwerke AG (VSt) über und wurde der Gruppe Dortmund unter Leitung von Ernst Brandi unterstellt. Es folgten Jahre des Aufschwungs. Bereits 1926 wurde die 1 Mio. t-Grenze überschritten und 1929 hatte die Zeche mit über 1,6 Mio. t ihre bis dahin höchste Jahresförderung erreicht. Als Ersatz für die abgerissene Kokerei wurde 1928 eine neue Großkokerei mit 105 Collin-Öfen in Betrieb genommen. Trotz der einsetzenden Wirtschaftskrise führte man die 1929 begonnene Abteufung von Schacht 5 fort und konnte 1932 den Betrieb aufnehmen, wobei die alte Höchstmarke erst 1936 wieder erreicht wurde.
Am 1. Januar 1934 ging die Zeche an die neue GBAG, eine der damals gegründeten Betriebsgesellschaften der VSt, deren gesamten Steinkohlenbesitz sie von nun an verwaltete. Nach Inbetriebnahme von Schacht 6 im Jahr 1940 stieg Minister Stein mit einer Förderung von 3,7 Mio. t zur größten Zeche im Ruhrrevier auf. Infolge mehrerer schwerer Bombenangriffe auf Dortmund wurden Minister Stein und Fürst Hardenberg im Februar 1945 so stark beschädigt, dass die Förderung zum Erliegen kam und erst im Herbst 1946 wieder aufgenommen werden konnte.

1951 waren die Reparaturen an den Tagesanlagen abgeschlossen und 1952 wurde der erforderliche Belegschaftsstand wieder erreicht. 1953 ging die Zeche Minister Stein nach der Liquidation der GBAG im Zuge der Unternehmensentflechtung in die neu gegründete Dortmunder Bergbau AG über. Durch Rationalisierungsmaßnahmen bedingt stellte Fürst Hardenberg am 19. August 1960 die Förderung ein und wurde von Minister Stein übernommen. Zur Zusammenfassung der Grubenfelder beider Zechen waren schon 1959 der Zentralschacht Minister Stein 7 in Betrieb genommen und 1966 eine neue zentrale Materialwirtschaft eingerichtet worden.

Nach der Gründung der Ruhrkohle AG (RAG) 1968 wurde Minister Stein in die Bergbau AG Dortmund, eine Betriebsführungsgesellschaft der RAG, eingegliedert.1987 ist das Steinkohlenbergwerk Ver. Stein und Hardenberg als letzte Dortmunder Schachtanlage stillgelegt worden.

Die Akten wurden unmittelbar nach der Stilllegung 1988 übernommen. Sie beinhalten neben Verwaltungsakten der Betriebsführung vor allem Belegschaftsfragen, wie Löhne und Tarife, Arbeitsschutz und Ausbildung, sowie Unterlagen zur Betriebsplanung und -überwachung. Einen zweiten großen Teil nehmen die Akten zum Grubenbetrieb ein, welche sich mit speziellen Problemen des Unter- und Übertagebetriebs, wie Ausbau, Förderung und Bewetterung, befassen. Statistiken, wissenschaftliche Arbeiten und Gutachten runden den Aktenteil ab. Es ist eine sehr umfangreiche Fotosammlung vorhanden. Verwaltung
Berichterstattung/Geschichte der SchachtanlageVer. Stein und Hardenberg 1936-1993 (35)
Führung der Zeche durch die Direktion bzw. Gruppenverwaltung 1887-1881, 1931-1986 (82)
Bergaufsicht 1942-1986 (22)
Berechtsame/Geologie 1856-1887, 1899-1982 (25)
Verwaltung Stillstandsbereiche/Stilllegung Minister Stein 1957, 1970-1989 (15)
Belegschaft
Betriebsrat/Betriebsordnung 1936-1986 (13)
Tariffragen 1934-1970 (13)
Angestelltenfragen 1935-1981 (18)
Löhne 1926-1986 (15)
Personalverwaltung/Belegschaftsbetreuung 1937-1990 (45)
Aus- und Fortbildung 1948-1986 (31)
Arbeitsschutz/Betriebssicherheit 1925, 1950-1987 (41)
Betriebliche Verbesserungsvorschläge 1937-1986 (16)
Betriebsplanung/Betriebsvorbereitung/Betriebsüberwachung
Betriebsplanung 1949-1986 (45)
Betriebsvorbereitung in Teamarbeit 1946-1987 (26)
Investitionen 1951-1987 (15)
Forschungs- und Entwicklungsvorhaben 1973-1986 (13)
Bewertung der Anlage 1950-1983 (6)
Markscheiderische Unterlagen 1911-1982 (8)
Grubenbetrieb
Schachtanlage Fürst Hardenberg 1876-1970 (18)
Schachtanlage Minister Stein: Betriebspläne 1901-1927, 1941-1987 (44), Bergewirtschaft 1946-1987 (14), Schächte/Blindschächte/Bunker 1923-1989 (41), Aus- und Vorrichtung/Streckenauffahrung 1941-1986 (15), Sonstige Fragen des Grubenbetriebs 1936-1987 (39)
Tagesbetrieb: Allgemeines 1932-1987 (23), Schachtförderung 1910-1939, 1954-1986 (6), Kraftwerk 1945-1971 (6), Aufbereitung/Absatz/Versand 1921-1987 (10), Bergewirtschaft 1959-1989 (21)
Betriebsstatistik/Betriebsergebnisse 1938-1986 (20)
Wissenschaftliche Arbeiten/Gutachten (264)
Veröffentlichte Fotos der VSt-Schachtbeschreibung Minister Stein
Unveröffentlichte Fotos der VSt-Schachtbeschreibung Minister Stein
Veröffentlichte Fotos der VSt-Schachtbeschreibung Fürst Hardenberg
Unveröffentlichte Fotos der VSt-Schachtbeschreibung Fürst Hardenberg
Fotosammlung

Aus- und Vorrichtung
Ausbau
Gewinnung
Förderung
Sonstige Untertageanlagen/technisches Gerät
Über Tage Minister Stein/Fürst Hardenberg
Grubenbild/Pläne

Umfang : 48 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Dortmunder Bergbau AG (Bestand 47), Gelsenkirchener Bergwerks-AG (Bestand 55)

Literatur : Die Steinkohlen-Bergwerke der Vereinigte Stahlwerke AG. Die Schachtanlage Minister Stein in Dortmund-Eving, Essen 1936.
Tilo Cramm: Minister Stein - Fürst Hardenberg. Die Geschichte des letzten Dortmunder Bergwerks, 2 Bde., Essen 1990/1993.
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