Bestand 47 Dortmunder Bergbau AG, Dortmund



Laufzeit : 1894 - 1975



Inhalt : Die Dortmunder Bergbau AG entstand am 1. Juli 1953 im Zuge der Neuordnung der Montanindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg als eine 100 %ige Tochtergesellschaft der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG). Sie ging aus der ehemaligen Gruppe Dortmund der Vereinigte Stahlwerke AG (VSt) hervor.

Die Dortmunder Bergbau AG verfügte über die Zeche Zollern-Germania mit den fördernden Schachtanlagen Zollern 1/3, Zollern 2/4 und dem Zentralschacht Germania, die Zeche Ver. Stein und Hardenberg mit den fördernden Schachtanlagen Minister Stein und Fürst Hardenberg sowie der Kokerei Minister Stein. Hinzu kam der im Süden von Dortmund gelegene Felderbesitz, die so genannten Baroper Zechen, die als Versuchsgrube verpachtete Zeche Tremonia sowie der Kanalhafen Fürst Hardenberg. Des Weiteren war die Dortmunder Bergbau AG zu 50 % an der Hansa Bergbau AG, einer 1953 gegründeten Sondergesellschaft, beteiligt. Dieser wurden die Zechen Hansa und Westhausen mit der Kokerei Hansa, die Zeche Adolf von Hansemann mit der Schachtanlage Gustav Knepper und der Benzolreinigung Adolf von Hansemann sowie die Kokerei Tremonia zugeordnet.

Am 1. Januar 1956 übernahm die Dortmunder Bergbau AG außerdem aufgrund eines Organschaftsvertrages vom 29. Juni 1955 die Betriebs- und Geschäftsführung der zur Erin Bergbau AG gehörenden Anlagen und Betriebe in deren Namen. Die Erin Bergbau AG war 1954 auf Anordnung der Alliierten Hohen Kommission gegründet worden.

Die Schachtanlagen Minister Stein, Fürst Hardenberg, Erin, Hansa, Zollern-Germania und Westhausen waren von der GBAG (alt), die Zechen Adolf von Hansemann und Tremonia von der im Besitz von Hugo Stinnes befindlichen Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG (Deutsch-Lux) bei der Gründung der VSt am 14. Januar 1926 eingebracht worden.

Bei der Gründung der VSt wurde die Abteilung Bergbau in die Gruppen Hamborn, Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund gegliedert. Zur Gruppe Dortmund gehörten die Bergwerke Erin einschließlich der schon stillgelegten Schachtanlagen Teutoburgia, Adolf von Hansemann, Hansa, Westhausen, Minister Stein und Fürst Hardenberg, Zollern 1/3, Zollern 2/4, Germania 1/4, Germania 2/3, Tremonia und das Ver. Hörder Kohlenwerk (Schachtanlagen Schleswig und Holstein). Hinzu kamen die von der Deutsch-Lux eingebrachten und stillliegenden Felder und Schachtanlagen Ver. Wiendahlsbank und Kaiser Friedrich sowie Glückauf Tiefbau.

In der Gruppe Dortmund setzte sich der seit 1924 in Gang befindliche Rationalisierungsprozess im Ruhrbergbau auch nach 1926 fort. Während die Schachtanlagen Minister Stein und Erin zu modernen Großförderanlagen entwickelt wurden, legte man die Zechen Germania 1/4 und Germania 2/3, Schleswig und Holstein und Tremonia still. Tremonia wurde nach ihrer Stilllegung an die Versuchsgrubengesellschaft mbH verpachtet.

Im Jahr 1933 wurde die VSt in selbstständige Betriebsgesellschaften aufgelöst, deren Aktienkapital sich im Besitz der VSt als Dachgesellschaft befand. Auch die in diesem Zusammenhang neu gegründete GBAG war in vier Bergbaugruppen, die Gruppen Hamborn, Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund, die über eigene Betriebsverwaltungen verfügten, gegliedert.

Die neue GBAG setzte die von der VSt begonnene Erneuerung und Weiterentwicklung der Betriebsanlagen fort. In der Gruppe Dortmund begann die GBAG 1934 mit der Errichtung der Schachtanlage Gustav Knepper, die 1938 die Förderung aufnahm. Gleichzeitig wurde die Schachtanlage Adolf von Hansemann 1/2/3 stillgelegt. Im Jahr 1939 folgte der Bau der Großschachtanlage Germania, deren Fertigstellung sich jedoch durch den Krieg verzögerte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Zuge der von den Alliierten geforderten Neuordnung der Montanindustrie auch die GBAG umgebildet. Die Neuordnung trat am 1.Juli 1953 in Kraft.

Schachtanlage Ver. Stein und Hardenberg
Die Errichtung der beiden Schachtanlagen Minister Stein und Fürst Hardenberg ging ursprünglich von zwei voneinander unabhängigen Gewerkschaften aus.

Die zwischen 1855 und 1857 gemuteten Felder Borussia I-VI wurden 1859 zur Ver. Borussia konsolidiert und 1871 schließlich in Minister Stein umbenannt. Im gleichen Jahr gründeten Friedrich Grillo und Ludwig von Born die Gewerkschaft Minister Stein und begannen mit dem Abteufen des Schachtes Minister Stein, der 1875 die Förderung aufnahm. Da die Förderung bis 1881 jedoch kaum anstieg und die Gewerken Zubußen leisten mussten, verkauften sie ihre Kuxe 1881 an ein von Friedrich Grillo geschaffenes Konsortium. Auch den Eigentümern der westlich angrenzenden Zeche Fürst Hardenberg, deren Felder zwischen 1855 und 1858 gemutet wurden und die 1872 die Förderung aufnahm, wurde ein gleich lautendes Angebot vom selben Konsortium unterbreitet. Nachdem das Konsortium die Mehrheit der Kuxe beider Gewerkschaften erworben hatte, konsolidierte es am 20. April 1881 die beiden Felder unter dem Namen Ver. Stein und Hardenberg und bildete eine gleichnamige Gewerkschaft.

Im Jahr 1888 übernahm die GBAG die Kuxe von der am Konsortium beteiligten Disconto-Gesellschaft und löste die Gewerkschaft Ver. Stein und Hardenberg auf.

Bei der Gründung der VSt 1926 brachte die GBAG u. a. die Schachtanlage Ver. Stein und Hardenberg in die Gesellschaft ein, die der Gruppe Dortmund zugeordnet wurde. Nach der Ausgliederung der Bergwerksbetriebe aus der VSt wurde 1933 die GBAG mit vier Bergbaugruppen neu gegründet. Die Zeche Ver. Stein und Hardenberg verblieb bei der Gruppe Dortmund. 1945 wurden die Schachtanlagen Minister Stein und Fürst Hardenberg getrennt.

1953 gingen beide Zechen in den Besitz der neu gegründeten Dortmunder Bergbau AG über. Am 19. August 1960 stellte die Schachtanlage Fürst Hardenberg die Förderung ein. Die Schächte wurden weiterhin zur Seilfahrt, Materialförderung und Wetterführung genutzt. Nachdem die aufgeschlossenen, wirtschaftlich gewinnbaren Vorräte abgebaut waren, wurdeam 31. März 1987 auch die Schachtanlage Minister Stein stillgelegt.

Schachtanlage Erin
Die Zeche Erin geht in ihren ersten Anfängen auf den Iren William Thomas Mulvany zurück. Dieser erwarb die Zechen Hansa, Zollern und das Grubenfeld Erin in Castrop und gründete zur Fertigstellung dieser Zechen im Jahr 1866 die Preußische Bergwerks- und Hütten-AG. Mit dem Abteufen des ersten Schachtes im Feld Erin wurde noch Ende 1866 begonnen. 1867 wurde das Steinkohlengebirge erreicht, 1870 die ersten Kohlen gefördert. Nachdem schon früher Schwierigkeiten bei der Wasserhaltung aufgetreten waren, ersoff die Zeche im Jahr 1877 und lag bis 1883 still.

In dieser Zeit ging die Preußische Bergwerks- und Hütten-AG in Konkurs. Die Aktiva wurden von der Berliner Handelsgesellschaft erworben, die die Konkursmasse in das Eigentum des Westfälischen Grubenvereins einbrachte. 1882 hatte Friedrich Grillo die Gewerkschaft Erin gebildet und erwarb im gleichen Jahr die Zeche. Im Anschluss an eine erfolgreiche Sümpfung wurden 1885 wieder Kohlen gefördert. Am 1. Januar 1887 ging die Zeche Erin in den Besitz der GBAG über, die sie 1926 in die VSt einbrachte. 1929 erwarb die VSt die Schachtanlage Teutoburgia und stellte einen Durchschlag mit Erin her, wodurch sich die Berechtsame von Erin auf 12,8 km2 vergrößerten.

Bei der Ausgliederung der Bergwerksbetriebe aus der VSt 1933 und der Neugründung der GBAG wurde die Schachtanlage Erin wieder der Gruppe Dortmund zugeordnet, wo sie bis zur Neuordnung der Montanindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb.

Während 1953 die GBAG neu geordnet wurde, blieb das Schicksal der Zeche Erin zunächst unentschieden. Am 15. Juli 1954 wurde auf Anordnung der Alliierten Hohen Kommission als Auffanggesellschaft die Erin Bergbau AG gegründet, deren Aktienkapital von der GBAG und der August Thyssen-Hütte AG erworben wurde. Verwaltet wurde die Erin Bergbau AG von der Dortmunder Bergbau AG. Am 11. Januar 1956 übernahm die Dortmunder Bergbau AG auf der Grundlage eines Organschaftsvertrags die Betriebs- und Geschäftsführung der zur Erin Bergbau AG gehörenden Anlagen und Betriebe. Am 23. Dezember 1983 wurde die Schachtanlage Erin stillgelegt.

Schachtanlage Zollern
Die Zeche Zollern entstand 1857 durch Konsolidation und Umbenennung der als Hohenzollern verliehenen Felder. Im gleichen Jahr wurde eine Aktiengesellschaft unter dem Namen Zollern Steinkohlenbergbau-AG gegründet, die mit dem Abteufen der Schächte 1 und 3 begann. Die Abteufarbeiten wurden aufgrund starker Wasserzuflüsse aber schon 1859 wieder eingestellt.
Erst 1867, nachdem das Bergwerk in den Besitz der Preußischen Bergwerks- und Hütten-AG übergegangen war, wurden die Teufarbeiten wieder aufgenommen. 1873 begann die Förderung, die im Jahr 1883 einen vorläufigen Höhepunkt erreichte. 1892 übernahm die GBAG die Zeche Erin vom Westfälischen Grubenverein, 1899 kam die Schachtanlage Zollern 2/4 dazu.

1926 brachte die GBAG die Zeche Zollern in die VSt ein, sie wurde der Gruppe Dortmund zugeordnet. Nach dem Übergang der Bergwerksbetriebe auf die neu gegründete GBAG 1933, übernahm Zollern 1934 das Grubenfeld der stillgelegten Zeche Germania.

Bei der Neuordnung der Montanindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg ging Zollern-Germania auf die Dortmunder Bergbau AG über. 1954 wurde das Baufeld Germania wieder selbstständig, die Förderung von Zollern 1/3 wurde nach Germania verlegt. Am 1. Juli 1955 wurden Zollern 1/3 und Zollern 2/4 stillgelegt und die Förderung ebenfalls nach Germania verlegt. Die Schächte blieben als Außenanlagen in Betrieb.

Schachtanlage Germania
Die altbergrechtliche Gewerkschaft Ver. Germania begann am 1. Juni 1855 in dem zwischen 1847 und 1850 entstandenen Feld Germania mit dem Abteufen des Schachtes Germania 1. Wegen großer Wasserzuflüsse konnte das Steinkohlengebirge erst 1856 erreicht werden. Die ersten Kohlen wurden 1858 gefördert. 1874 trat zum Schacht Germania 1 die Schachtanlage Germania 2, die zunächst nur als Wetterschachtanlage diente, bis sie 1883 auch zur Förderanlage ausgebaut wurde und die Förderung aufnahm. Wegen der schlechten Wetterführung wurden auf der Zeche Germania bis 1881 insgesamt 24 Schlagwetterexplosionen mit 59 Toten verzeichnet.

1887 ging die Schachtanlage Germania an den Westfälischen Grubenverein in Dortmund über und mit diesem 1892 endgültig an die GBAG. 1926 kam die Zeche Germania von der GBAG in den Besitz der VSt als eine Schachtanlage der Gruppe Dortmund. Das Baufeld der nach dem Übergang auf die 1933 neu gegründete GBAG stillgelegten Zeche Germania gehörte seit 1934/1935 zur Schachtanlage Zollern. Als Ersatz war die Zentralschachtanlage Germania geplant. Ab 1939 begann die GBAG mit dem Neuaufschluss für das geplante Verbundbergwerk Zollern-Germania, stellte aber 1945 alle Arbeiten wegen der Kriegsereignisse ein.

1953 ging Zollern-Germania mit den fördernden Schachtanlagen Zollern 1/3 und Zollern 2/4, sowie dem kurz vor der Fertigstellung stehenden Zentralschacht Germania in den Besitz der Dortmunder Bergbau AG über. 1954 nahm die Zentralschachtanlage Germania 3/5 den Betrieb auf und übernahm die Förderung von Zollern 1/3. Im Jahr 1955 wurde der Betrieb auf der Zeche Zollern völlig eingestellt und Germania übernahm die Förderung.

1965 wurde mit der schrittweisen Stilllegung der Zentralschachtanlage Germania begonnen, die am 14. Mai 1971 abgeschlossen war. Die Schächte waren verfüllt und die meisten Tagesanlagen abgebrochen. Das Fördergerüst von Schacht 5 kam 1973 zum Bergbau-Museum nach Bochum.

Schachtanlage Hansa
Die Zeche Hansa ist von der am 17. November 1855 gegründeten Dortmunder Bergbau- und Hütten-AG angelegt worden. Nach ersten Schürfversuchen im Jahr 1840 begann man 1856/1857 mit dem Abteufen der Schächte Hansa 1 und Hansa 2. Die Arbeiten wurden aber wegen des Konkurses der Dortmunder Bergbau- und Hütten-AG 1859 eingestellt.

1862 ging die Zeche Hansa mit der Konkursmasse durch Zwangsversteigerung auf Gustav Arndt über, der sie 1866 an die Preußische Bergwerks- und Hütten-AG verkaufte. Unter der neuen Gesellschaft nahm der Schacht 1 1869 die Förderung auf. Nach dem Zusammenbruch der Preußischen Bergwerks- und Hütten-AG übernahm der Westfälische Grubenverein 1877 die Zeche Hansa und setzte das Abteufen des Schachtes fort. 1889 erwarb die GBAG das Feld.

1926 ging auch die Zeche Hansa in den Besitz der VSt über und wurde der Gruppe Dortmund zugeordnet, bei der sie auch nach der Ausgliederung der Bergwerksbetriebe aus der VSt und der Neuordnung der GBAG 1933 verblieb.

Am 3. Februar 1945 wurden die Tagesanlagen durch Bombenangriffe nahezu vollständig zerstört und die Förderung musste eingestellt werden. Im Rahmen der Neuordnung der Montanindustrie durch die Alliierten ging die Zeche Hansa 1953 in den Besitz der Hansa Bergbau AG, die zu 50 % im Besitz der Dortmunder Bergbau AG war, über. Hansa übernahm am 1. April 1956 den Betrieb der Schachtanlage Westhausen; 1956 wurde ein Verbund mit der Zeche Adolf von Hansemann hergestellt, der bis zur Stilllegung Adolf von Hansemanns 1967 bestehen blieb. In dieser Zeit wurde die Zeche Hansa als Hansa-Gustav bezeichnet.

1975 begann die Hansa Bergbau AG mit dem Umbau der Zeche Hansa zur Hydrogrube. Die konventionelle Kohlengewinnung wurde am 1. Oktober 1977 eingestellt. Nach Abschluss des Forschungsvorhabens "Hydromechanische Kohlengewinnung" legte man die Grube Hansa am 28. November 1980 still. 1983 wurde Schacht 2 als Wetterschacht mit Befahrungseinrichtung für Minister Stein umgebaut.

Schachtanlage Westhausen
Die 1857 verliehenen fünf Einzelfelder Westhausen wurden von der Bohrgesellschaft Westhausen gemutet und 1871 an das Handelshaus Funke & Elbers bei Hagen verkauft. Diese vereinigte die Felder unter dem Namen Westhausen und begann im Februar 1872 mit der Errichtung einer Schachtanlage. Die Förderung wurde 1873 aufgenommen.

Die Lage der Gewerkschaft Westhausen war stets schlecht, sodass die Gewerken bis 1897 3,5 Mrd. Mark Zubuße leisten mussten. So beschlossen die Gewerken, 850 Kuxe an die Berliner Disconto-Gesellschaft zu verkaufen, die das Angebot unverändert an die GBAG weitergab. Bis 1898 hatte die GBAG alle 1 000 Kuxe erworben, sodass sie am 19. Oktober 1898 die Gewerkschaft Westhausen auflöste und das Gewerkschaftsvermögen an sich nahm.

Bei der Gründung der VSt im Jahr 1926 wurde auch die Zeche Westhausen in die Gruppe Dortmund eingegliedert, bei der sie nach der Neuordnung der VSt verblieb. 1953 kam die Schachtanlage zur Hansa Bergbau AG, einer neu gegründeten Sondergesellschaft, deren Beteiligung zu je 50 % bei der Dortmunder Bergbau AG und der Dortmund-Hörder Hüttenunion AG lag.

Nach der Neuordnung der Montanindustrie war es das vorrangige Ziel der GBAG und ihrer Tochtergesellschaften, die Produktionskosten durch Verbesserung und Mechanisierung der einzelnen Betriebs- und Arbeitsvorgänge sowie durch den weiteren Zusammenschluss von Betriebsanlagen zu senken. In diesem Zusammenhang wurden die Schachtanlagen Hansa und Westhausen vereinigt und zu einer Zentralförderanlage mit einer Förderleistung von rund 7 000 t täglich entwickelt. Die Zeche Westhausen wurde am 1. April 1955 als Förderanlage stillgelegt, die Schächte blieben als Außenanlagen in Betrieb. Schacht 1 wurde mit seinem Malakoffturm als Technisches Denkmal erhalten.

Schachtanlage Adolf von Hansemann
Die Entstehung der in (Dortmund-) Mengede gelegenen Zeche Adolf von Hansemann, benannt nach dem Inhaber der Berliner Disconto-Gesellschaft, geht bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. 1857 wurde für die Errichtung der Schachtanlage eine rein französische Kommanditgesellschaft mit Sitz in Paris gegründet. 1873 verkaufte die Gesellschaft ihr Bergwerkseigentum an die Disconto-Gesellschaft in Berlin, ohne mit dem Abteufen eines Schachtes begonnen zu haben.

Die Disconto-Gesellschaft gründete die Mengeder Bergwerks-AG und begann noch 1873, den ersten Schacht (später Schacht 2) abzuteufen. 1888 wurde ein zweiter Schacht (später Schacht 1) abgeteuft, der 1896 die Förderung aufnahm. Schon 1894 hatte man begonnen, Schacht 3 abzuteufen, der 1898 bis zur 2. Sohle niedergebracht worden war.

An die Stelle der Mengeder Bergwerks-AG war 1896 die Gewerkschaft Mengeder Steinkohlengruben getreten, unter der 1899 die Tagesanlagen fertiggestellt und eine umfangreiche Förderung aufgenommen wurde.

Im Jahr 1899 kam die Zeche Adolf von Hansemann an die 1872 gegründete Union AG für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie in Dortmund, die die Gewerkschaft Mengeder Steinkohlengruben auflöste.

Am 1. Juli 1910 wurde die Union AG mit der 1901 gegründeten Deutsch-Lux vereinigt. Die Zeche Adolf von Hansemann ging in den Besitz von Deutsch-Lux über. 1926 brachte diese unter anderem die Schachtanlage Adolf von Hansemann in die neu gegründete VSt ein, die der Gruppe Dortmund der Abteilung Bergbau zugewiesen wurde. Bei der Gründung der GBAG 1933 verblieb sie in dieser Gruppe.

Die neue GBAG setzte die von der Abteilung Bergbau der VSt begonnene Erneuerung und Weiterentwicklung der Betriebsanlagen planmäßig fort. In der Gruppe wurde am 1. August 1934 mit dem Bau der Großschachtanlage Gustav Knepper im Feld von Adolf von Hansemann begonnen. Die neue Schachtanlage übernahm im Februar 1938 die Förderung aus dem Feld; gleichzeitig wurde die alte Schachtanlage Adolf von Hansemann 1/2/3 stillgelegt, die nur noch als Außenschachtanlage des Feldes diente.

1953 kam die Zeche Adolf von Hansemann mit der Schachtanlage Gustav Knepper in den Besitz der Hansa Bergbau AG. 1963 wurden die Tagesanlagen von Adolf von Hansemann 1-3 stillgelegt und zwei Jahre später ein Verbund mit der Zeche Hansa hergestellt, der bis zu völligen Stilllegung Adolf von Hansemanns am 30. Juni 1967 bestehen blieb.

Schachtanlage Tremonia
Die Zeche Tremonia geht ursprünglich auf zwei selbstständige Schachtanlagen zurück, die Zeche Friedrich Wilhelm und die Zeche Tremonia. Im Feld der Zeche Friedrich Wilhelm wurde schon vor 1815 Stollenbau vom Tal der Emscher her betrieben. Der eigentliche Tiefbau wurde aber erst 1869 mit dem Abteufen des Schachtes Wilhelm eröffnet. Dieser stand bis zu seinem Absaufen 1902 in Förderung. Am 19. August 1903 wurde der Betrieb völlig stillgelegt.

Nachfolgerin der Gewerkschaft Friedrich war die 1896 gegründete Gewerkschaft Vorwärts, die 1903 in den Besitz der Aktiengesellschaft für Montanindustrie überging. Diese verkaufte die Zeche 1918 an die Deutsch-Lux. Das Feld der Zeche Wilhelm wurde der Zeche Tremonia zugeteilt. Im Feld Tremonia hatte schon vor 1800 die Gewerkschaft Teichenmühlenbaum Stollenbau betrieben. Um 1800 erlosch der Betrieb und wurde 1856 durch die zwei Jahre zuvor gegründete Tremonia Bergbau-AG wieder aufgenommen. Nachdem sie die Kuxe der Gewerkschaft Teichenmühlenbaum aufgekauft hatte, teufte sie Schacht 1 ab, der 1861 die Förderung aufnahm. Nach der Auflösung der Tremonia Bergbau-AG und der Gründung der Gewerkschaft Tremonia 1865 wurde 1872 mit dem Abteufen eines Wetterschachtes begonnen, der aber schon 1891 wieder verfüllt wurde. 1891 kam als Ersatz für den nicht betriebssicheren ersten Schacht Schacht 2 in Förderung. Schacht 1 diente seither als Wetterschacht.

1910 wurde das Vermögen der Gewerkschaft Tremonia an die Deutsch-Lux verkauft, die 1915 noch einen Teil des schon 1895 von der Gewerkschaft Tremonia angepachteten Feldes Westphalia mit der Schachtanlage Westphalia 1/2 erwarb. 1860 hatten die Schächte Westphalia 1 und Westphalia 2 die Förderung aufgenommen. Zu den drei in Betrieb befindlichen Schächten Tremonia 1, Tremonia 2 sowie Westphalia 2, Westphalia 1 war verfüllt worden, kam 1926 noch der Wetterschacht Schönau im südlichen Feld.

Bei der Gründung der VSt 1926 brachte dieDeutsch-Lux acht in Betrieb befindliche Zechen, darunter auch Tremonia, in die Gesellschaft ein. Tremonia wurde, wie Adolf von Hansemann, der Gruppe Dortmund der Abteilung Bergbau zugeordnet. Am 6. Mai 1931 wurde das Bergwerk Tremonia stillgelegt, die Anlage verblieb aber in förderfähigem Zustand. 1933 ging sie in den Besitz der GBAG über, die Tremonia 1941 an die Versuchsgrubengesellschaft mbH verpachtete. Diese nahm die Schachtanlage 1944 in Betrieb, musste sie aber 1945 nach dem Absaufen des Grubengebäudes erneut sümpfen. Am 31. März 1947 wurde der Betrieb wieder aufgenommen.

Nachdem die Versuchsgrube Tremonia 1953 in den Besitz der Dortmunder Bergbau AG übergegangen war, errichtete man 1960 ein neues Fördergerüst. 1986 wurde eine neue Explosionsstrecke von 250 m Länge in Betrieb genommen.

Der Aktenbestand wurde 1976 von der GBAG in Essen übernommen, in deren Werksarchiv er als Teilbestand Dortmunder Bergbau AG geführt worden war. Aufgrund seiner eigenständigen Provenienz wird er im Bergbau-Archiv als selbstständiger Bestand geführt. Da er, wie alle vom ehemaligen Archiv der GBAG in Essen verwalteten Akten, nach dem Pertinenzprinzip geordnet war, musste versucht werden, eine völlig neue Ordnung herzustellen und die ehemaligen Teilprovenienzen zu ermitteln. Gelsenkirchener Bergwerks-AG - Erwerb von Schachtanlagen im Dortmunder Raum/Unterlagen von Vorbesitzern
Schachtanlagen Ver. Stein/Fürst Hardenberg 1875-1975 (2)
Westfälischer Grubenverein mit den SchachtanlagenGermania/Hansa/Zollern/Westhausen 1870-1898 (7)
Union AG für Bergbau, Eisen- und Stahlindustriemit den Schachtanlagen Glückauf Tiefbau/Carl Friedrich/Kaiser Friedrich/Adolf von Hansemann 1857-1932 (15)
Schachtanlage Tremonia 1811-1814, 1856-1920 (11)
Bergbau-AG Lothringen 1942-1960 (2)
Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Gruppe Dortmund 1927, 1941-1942, 1964 (3)
Dortmunder Bergbau AG - Gesellschaftsform/Finanzen
Hansa Bergbau AG
Erin Bergbau AG - Geschichte/Gesellschaftsform
Betrieb der Zechen durch die Dortmunder Bergbau AG

Zechen Minister Stein/Fürst Hardenberg/Germania/Adolf von Hansemann 1872-1886, 1911-1972 (9)
Betriebsleitung der Dortmunder Bergbau AG 1853, 1881-1968 (46)
Belegschaftsfragen: Menschenführung 1942-1966 (4), Betriebsrat/Streik 1872, 1892-1966 (4), Betreuung der Belegschaft 1951-1967 (10), Werksnachrichten (nach Themen geordnet) 1934-1966 (11), Wohnungswirtschaft 1951-1967 (6), Werksfürsorge 1910-1971 (13)
Berechtsame der Zechen Glückauf Tiefbau/Wiendahlsbank/Kaiser Friedrich/Wittwe & Barop 1804-1899, 1955-1961 (12)
Fotosammlung

Gruppenverwaltung
Schachtanlage Adolf von Hansemann
Schachtanlagen Erin/Teutoburgia
Schachtanlage Fürst Hardenberg
Schachtanlage Germania
Schachtanlage Hansa
Schachtanlage Minister Stein
Schachtanlage Westhausen
Schachtanlage Zollern
Unter Tage
Arbeitssicherheit
Ausbildung
Personen
Bergschäden
Wohnungen
Bergmannsheime
Gesundheitsfürsorge
Sozialeinrichtungen
Sport
Musik/Kunst
Feiern
Karten/Pläne/Risse
Übergreifend
Zeche Carl Friedrich
Zeche Glückaufsegen
Zeche Glückauf Tiefbau
Zeche Kaiser Friedrich
Zeche Ver. Wiendahlsbank
Zeche Tremonia

Umfang : 18,6 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Schachtanlagen Zollern-Germania (Bestand 5), Schachtanlage Minister Stein (Bestand 43), Gelsenkirchener Bergwerks-AG (Bestand 55), Schachtanlage Erin (Bestand 63), Hydrogrube Hansa (Bestand 86), Versuchsgrube Tremonia (Bestand 90), Schachtanlagen Adolf von Hansemann/Hansa (Bestand 108), Werner Haack (Bestand 183)

Literatur : Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957.
Arthur Mämpel: Bergbau in Dortmund. Von Pingen und Stollen bis zu den Anfängen des Tiefbaus, Bd. 1, Dortmund 1963.
Ders.: Bergbauin Dortmund. Die sechziger und siebziger Jahre bis zum Ende der Hochkonjunktur um 1876, Bd. 2, Dortmund 1965.
Ders.: Bergbau in Dortmund. Zwischen Krisen und Konjunkturen 1874-1882, Bd. 3, Dortmund 1969.
Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. Daten und Fakten von den Anfängen bis 1997, 2. Aufl., Bochum 1998.
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