Bestand 54 Schachtanlage Sachsen, Hamm-Heessen



Laufzeit : 1910 - 1977



Inhalt : Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts mutete die Mansfeldsche Kupferschiefer bauende Gewerkschaft, Eisleben, im Raum Heessen (Westfalen) 14 Steinkohlenfelder. 1912 wurde mit dem Abteufen der Schächte 1 und 2 begonnen und 1913 eine Teufe von 750 m erreicht. Die 1914 gegründete Gewerkschaft erhielt ihren Namen nach der Provinz, in der die Gesellschaft ihren Sitz hatte. Zu ihr gehörte schon die in (Bochum-) Langendreer liegende Zeche Mansfeld, doch reichten deren Kohlelieferungen für den Bedarf der Mansfeldschen Hüttenwerke nicht mehr aus. Hinzu kam der beachtliche Frachtvorsprung bei Kohle- und Kokslieferungen von Hamm nach Mitteldeutschland gegenüber den Zechen im westlichen Ruhrgebiet.

Zwar wurde die Kohleförderung auf Sachsen 1914 aufgenommen, doch stagnierten die erforderlichen Aus- und Vorrichtungsarbeiten im Ersten Weltkrieg. Auch in der Zwischenkriegszeit hatte die Schachtanlage mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Von 1925 bis 1934 befand sich die Hälfte des Kuxenbesitzes bei der dem Otto-Wolff-Konzern nahe stehenden Continentalen Handelsbank in Amsterdam. In Anbetracht der schwierigen Absatz- und Wirtschaftsverhältnisse 1931/1932 wurde Ende 1932 die Stilllegung der Zeche ernsthaft erwogen. Die daraufhin erfolgte "Konzertierte Aktion" der Belegschaft, der Werksleitung, der Gemeinde- und Kreisverwaltung und anderer Stellen gegen den Stilllegungsbeschluss war ein über den engeren Raum hinausreichender spektakulärer Vorgang, der nicht ohne politische und wirtschaftspolitische Resonanz blieb. Durch eine Entscheidung der Reichsregierung im Frühjahr 1933 wurde der Betrieb fortgeführt, allerdings zunächst unter einem bis zu 10 % reichenden Lohn- und Gehaltsverzicht der Belegschaft (bis 1935). Die Gewerkschaft Sachsen ging 1940 in den Besitz der Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten über.

Bis 1943 nahm die Förderung rasch zu, doch brach diese Aufwärtsentwicklung durch die Schlagwetterexplosion von 1944 mit 169 Todesopfern, erhebliche Bombenschäden und die Probleme der ersten Nachkriegsjahre ab. Nach dem Krieg wurde die Gewerkschaft in den Besitz der Märkischen Steinkohlengewerkschaft mit Sitz in Heessen überführt. Die Entwicklung der Schachtanlage verlief letztlich auch in den 50er und 60er Jahren nicht geradlinig. 1956 ging der Kuxenbesitz der Märkischen Steinkohlengewerkschaft von der Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten i. L. auf deren Nachfolgegesellschaft, die im Bundesbesitz befindliche Aktiengesellschaft für Berg- und Hüttenbetriebe, Berlin/Salzgitter, über.

Die Wirtschafts- und Strukturkrisen des Steinkohlenbergbaus 1958 und 1966/1967 sowie ungünstige Betriebsergebnisse und Grubenunglücke führten zu Fördereinschränkungen. 1970 gingen die Schachtanlage und Kokerei in den Besitz der Ruhrkohle AG über. Die Schachtanlage wurde 1976 stillgelegt.

Parallel zu den Stilllegungsmaßnahmen der Zeche verlief die Abgabe der archivreifen Akten an das Bergbau-Archiv, die 1978 zum Abschluss kam. Die ersten Begehungen in den verschiedenen aktenbildenden und -verwaltenden Abteilungen sowie in der Zentralregistratur ergaben, dass der überwiegende Teil der Akten aus der Zeit nach 1945 stammt. Weitere mündliche Recherchen machten deutlich, dass der überwiegende Teil der Altregistratur der ehemaligen Gewerkschaft Sachsen teils durch Kriegszerstörung des Verwaltungsgebäudes, teils in Unkenntnis der Bedeutung der Akten vernichtet worden war.

Aus den Akten des Grubenbetriebs, insbesondere aus den Betriebsplänen, ist die technische Entwicklung des Grubenbetriebs gut ablesbar, während die Entwicklung der Tagesanlagen nur lückenhaft überliefert ist. Im Bestand befindet sich eine umfangreiche technische Prospektsammlung. Grubenbetrieb
Zechenbuch 1930-1976 (66)
Planung 1936-1976 (86)
Wissenschaftliche Arbeiten/Gutachten (84)
Tagesbetrieb
Berichte/Genehmigungen 1910-1972 (55)
Seilfahrt 1912-1972 (36)
Prospektsammlung (51)
Kokereiwesen 1925-1926, 1945-1972 (10)
Verwaltung/Organisation 1912-1977 (42)
Neuanlagen 1913-1918, 1945-1976 (14)
Selbstkosten/Statistik 1944-1974 (54)
Belegschaftsfragen 1926-1976 (87)
Karten/Pläne/Risse


Umfang : 25,6 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferung im Bergbau-Archiv: Schachtanlage Mansfeld (Bestand 139)

Literatur : Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 410-415.
Mathias Riedel: Eisen und Kohle für das Dritte Reich. Paul Pleigers Stellung in der NS-Wirtschaft, Göttingen 1973.
Bergbau AG Westfalen/Bergwerksdirektion Sachsen (Hrsg.): Das war unsere Zeche Sachsen. 1912-1976, o. O. 1976.
Heinz Weischer: Russenlager. Russische Kriegsgefangene in Heessen (Hamm) 1942-1945, Essen 1992.
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