Bestand 55 Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Essen



Laufzeit : 1850 - 1992



Inhalt : Die Gründung der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) geht auf die Bestrebungen Friedrich Grillos zurück, sämtliche in der Essener Mulde gelegenen Zechen mit ausländischer Beteiligung zu einem Unternehmen unter deutscher Leitung zusammenzufassen. Neben der Befriedigung des seit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 gesteigerten Nationalbewusstseins versprach er sich durch die gesteigerte Betriebsgröße eine Stabilisierung der Produktions- und Absatzverhältnisse in einem zersplitterten, von Kleinbetrieben dominierten Markt. Von den fünf in Frage kommenden Anlagen konnten jedoch nur zwei übernommen werden. Während Charles Détillieux, der Haupteigentümer der Zechen Rheinelbe und Alma in Gelsenkirchen, das Angebot annahm, gelang der Erwerb der Zechen Dahlbusch, unter Leitung von Joseph Chaudron, sowie Shamrock und Hibernia, unter Führung von William Thomas Mulvany, nicht, da diese ihrerseits ihre Gewerkschaften in Aktiengesellschaften umwandelten und daher nicht am Verkauf interessiert waren.

So entstand am 3. Januar 1873 unter maßgeblicher Beteiligung von Adolph von Hansemann, dem Besitzer der Berliner Disconto-Gesellschaft, und Grillo die GBAG mit einem Kapital von 4,5 Mio. Talern. Die ersten Direktoren der Gesellschaft waren August Demmler und der erst 25-jährige ehemalige kaufmännische Direktor der Zeche Holland, Emil Kirdorf, der nach Demmlers Ausscheiden 1875 die alleinige Leitung übernahm und die Entwicklung der GBAG zum größten Montankonzern Europas maßgeblich beeinflusste.

1878 begann die Gesellschaft, die aufgrund der guten Lagerungsverhältnisse und der gefragten Gaskohle ihrer beiden Zechen Rheinelbe und Alma während der Gründerkrise keine Einbußen erlitten hatte, sondern regelmäßig Überschüsse erwirtschaftete, mit der Vergrößerung ihres Besitzes. 1883 erwarb sie das Grubenfeld Ver. Stein und Hardenberg mit den Zechen Minister Stein und Fürst Hardenberg und erhöhte ihr Grundkapital von 13,5 auf 20,25 Mio. Mark. Die Förderung stieg auf über 1 Mio. t bei einer Gesamtbelegschaft von 2 700 Personen. Auch in den Folgejahren setzte die GBAG ihre gezielte Einkaufspolitik fort und verfügte bereits 20 Jahre später über den größten Grubenfelderbesitz im Ruhrgebiet.

1887 folgten die Zeche Erin in Castrop und 1888/1892 der Westfälische Grubenverein und die Zechen Hansa, Zollern und Germania in Dortmund, sowie 1888 bis 1897 die Kuxe der Gewerkschaft Monopol. Hinzu kamen 1898 die Zechen Westhausen in Dortmund, 1899 Ver. Bonifacius in Essen (-Kray) sowie 1904 Ver. Hamburg und Franziska und die Kuxenmehrheit des unverritzten Feldes Gewerkschaft Prinz Schönaich, westlich von Hamm. Das Aktienkapital betrug zur Jahrhundertwende 69 Mio. Mark, eine Belegschaft von annähernd 25 000 Mann förderte über 6,5 Mio. t Kohle aus 16 Schachtanlagen. Alle Fettkohlezechen besaßen eigene Kokereien und Nebenproduktengewinnungsanlagen, dazu kamen mehrere Ziegeleien und eine Brikettfabrik.

Seit Mitte der 1880er Jahre hatte die GBAG die gemeinsame Bestrebung des Ruhrbergbaus zur Anpassung der Förderung an den Absatz durch die Bildung von Preis- und Förderkonventionen sowie Verkaufsvereine unterstützt. Nachdem sie bereits 1890 dem Westfälischen Kokssyndikats beigetreten war, entstand unter maßgeblicher Mitwirkung von Kirdorf 1893 das Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat in Essen, dessen Mitgliedszechen bereits im Gründungsjahr mehr als 90 % der Ruhrbergbauförderung unter sich aufteilten.

Bedingt durch die Hüttenzechenfrage und die Krisenerfahrungen in den 1870er und 1880er Jahren mit den horizontalen Bergwerksunternehmen zeichnete sich nach 1904 der Übergang der GBAG zum gemischtwirtschaftlichen Unternehmen ab. Um den Kohleabsatz durch den Selbstverbrauch einiger Hüttenwerke zu erhöhen und für den Fall der Nichtverlängerung des Syndikatsvertrags gerüstet zu sein, fusionierte sie 1907, nach 3-jährigem Bestehen einer Interessengemeinschaft, mit dem Aachener Hütten-Aktien-Verein und dem Schalker Gruben- und Hüttenverein. Ersterer brachte neben seinen Werken in Luxemburg, Lothringen und Eschweiler umfangreiche Erzfelder in Rothe Erde bei Aachen in das Unternehmen ein, zweiter die Zechen Pluto-Thies und Pluto-Wilhelm. Mit der Beteiligung von 6 % an der 1905 - als Reaktion auf die sogenannte "Lex Gamp", die die Bergbaufreiheit aufhob - gegründeten Rheinisch-Westfälischen Bergwerks-GmbH in Köln erhöhte sich der Besitz der GBAG erneut um 15 Maximalfelder auf 286 Mio. m2.

Ein weiterer Schritt zur Diversifikation der Unternehmensstruktur war 1905 die Übernahme der Mehrheit des Reederei- und Kohlenhandelsunternehmens Raab Karcher & Co. GmbH in Straßburg mit Zweigstellen in Mannheim und Duisburg. Außerdem beteiligte sich die GBAG durch Aktienkauf an der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG in Essen und drei Jahre später an der Westfälischen Verbands-Elektrizitätswerk AG in (Dortmund-) Kruckel.

Nach Ende des Krieges kam es zu einschneidenden Veränderungen in der Unternehmensstruktur. Die GBAG verlor ihren gesamten im Ausland gelegenen Besitz, wie die Adolph-Emil-Hütte in Esch (Luxemburg), das Kalkwerk Dolhain (Belgien) und die Hochofenanlagen in Deutsch-Oth (Lothringen) sowie alle Erzgruben und verkaufte 1919 mit dem Aachener Hütten-Aktien-Verein und dem Drahtwerk Eschweiler auch alle linksrheinischen Anlagen, sodass sich die Stahlerzeugung auf den Betrieb in Hüsten beschränkte und ein starkes Übergewicht auf der Kohleseite entstand. Zur Ergänzung und Kompensation der Verluste kam es daher im August 1920 zur Gründung der Rhein-Elbe-Union, einer Interessengemeinschaft mit der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG (Deutsch-Lux), die ihrerseits die Kohleversorgung ihrer Werke sicherstellen wollte. Die Leitung hatten Albert Vögler, der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutsch-Lux, und Emil Kirdorf.

Bereits im Dezember erfuhr die Gemeinschaft durch die Angliederung der Siemens & Halske AG in Berlin und der Elektrizitäts-AG vormals Schuckert & Co. in Nürnberg, die wiederum die Siemens & Schuckert GmbH in Berlin umfasste, eine Erweiterung. Die so entstandene Dachgesellschaft Siemens-Rheinelbe-Schuckert-Union erwarb 1921 die Aktienmehrheit des Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation (Bochumer Verein), auf den der Interessengemeinschaftsvertrag ausgedehnt wurde. Nach dem Rückzug des Siemens-Konzerns führte die Gemeinschaft den Namen Rhein-Elbe-Union.

Der inflationsbedingte Rückgang der Wirtschaft, Kapitalmangel, Schrumpfung des Inlandmarktes und Rationalisierungszwänge führten zu Verhandlungen zwischen den großen rheinisch-westfälischen Montankonzernen, die in der Gründung der Vereinigten Stahlwerke AG (VSt) mündeten. Gründungsgesellschaften waren neben der Rhein-Elbe-Union die Thyssen-Gruppe mit den Gewerkschaften August Thyssen-Hütte, Friedrich Thyssen, Lohberg und Rhein I sowie die Aktiengesellschaft für Hüttenbetrieb und die Firma Thyssen & Co. in Mülheim (Ruhr), die Phoenix-Gruppe mit der Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb, Dortmund, die Vereinigten Stahlwerke van der Zypen und Wissener Eisenhütten AG in Köln-Deutz sowie die Rheinischen Stahlwerke in Essen. Den Vorstandsvorsitz übernahm Albert Vögler, Stellvertreter wurden Ernst Poensgen, Carl Rabes und Gustav Knepper.

Bei der Gründung der VSt übernahm die GBAG mit 46 % der Anteile die Rolle des Hauptaktionärs. Die alte GBAG hatte allerdings nicht ihren gesamten Bergbaubesitz in die neue Gesellschaft eingebracht, sondern außer einigen Grubenfeldern auch die Zeche Monopol und die beiden Schächte Grillo und Grimberg behalten. Auf dieser Basis erweiterte sie in den nächsten Jahren ihren Besitz um die Adler AG für Bergbau in Essen (-Kupferdreh) mit den Schachtanlagen Steingatt, Prinz Wilhelm, Centrum 4/6, der Gewerkschaft Christine sowie die Zeche Johann Deimelsberg und fusionierte 1930 mit der Essener Steinkohlenbergwerke AG, sodass sie mit einem umfangreichen Felderbesitz und elf Schachtanlagen wieder zu einem reinen Bergbauunternehmen wurde. Den Vorstandsvorsitz übernahm der bisherige Generaldirektor der Essener Steinkohlenbergwerke AG, Ernst Tengelmann.

Die 1926 in die VSt eingebrachten Bergwerke wurden in der Abteilung Bergbau der VSt mit Sitz in Essen zusammengefasst, welche sich in die vier Gruppen Hamborn, Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund gliederten und von Gustav Knepper geleitet wurden.

Zur Gruppe Hamborn, die dem ehemaligen Leiter der Thyssen-Bergwerke, Erich Winnacker, unterstellt wurde, gehörten die zehn fördernden Anlagen Lohberg, Wehofen, Friedrich Thyssen 2/5, Friedrich Thyssen 1/6, Friedrich Thyssen 3/7, Friedrich Thyssen 4/8 und Beckerwerth aus dem Thyssen-Besitz sowie Rönsbergshof, Westende 1/2 und Westende-Kampschacht aus der Phoenix-Gruppe. Die Gruppe Gelsenkirchen, unter Führung von Friedrich Wilhelm Schulze-Buxloh, dem bisherigen Leiter der Phoenix Bergwerke, war mit 13 fördernden Schachtanlagen neben Dortmund der größte Zweig. Sie besaß die Zechen Zollverein 1/2, Zollverein 3/10, Zollverein 6/9, Zollverein 4/11, Graf Moltke 1/2, Graf Moltke 3/4, Nordstern 1/2, Nordstern 3/4 sowie Holland 1/2 und Holland 3/4/6 aus der Phoenix-Gruppe und Bonifacius, Pluto-Thies, Pluto-Wilhelm, Rheinelbe und Alma aus dem Besitz der GBAG. Die ebenfalls 13 fördernden Anlagen der Gruppe Dortmund unter Leitung von Ernst Brandi stammten aus vier einbringenden Unternehmen: GBAG mit Erin, Hansa, Westhausen, Zollern 1/3 und Zollern 2/4, Germania 1/2 und Germania 2/3, Minister Stein und Fürst Hardenberg; Bochumer Verein mit der stillgelegten Zeche Teutoburgia; Deutsch-Lux mit den Anlagen Wiendahlsbank, Adolf von Hansemann, Glückauf Tiefbau, Kaiser Friedrich und Tremonia; Phoenix mit den Zechen Schleswig und Holstein des Ver. Hörder Kohlenwerks. Als kleinste Gruppe mit sechs fördernden Anlagen gehörten zu Bochum die Zechen Ver. Hamburg und Franziska der GBAG, Engelsburg und Carolinenglück des Bochumer Vereins sowie Dannenbaum, Prinz Regent, Bruchstraße und Friedlicher Nachbar von Deutsch-Lux. Leiter dieser Gruppe war zunächst der frühere Direktor der Bergbauabteilung des Bochumer Vereins, Theodor Dach, welcher allerdings schon bald durch Hans Eichler von der GBAG ersetzt wurde.

Nachdem die ehrgeizigen Pläne der VSt bezüglich der Unternehmenskonsolidation gescheitert waren - die Auslastung der Hüttenwerke lag zum Teil bei nur 40 % und die Überproduktion der Zechen war nicht abgebaut worden -, wurde der Konzern 1933/1934 umstrukturiert. Im Zuge der Neuordnung und Dezentralisierung wurden VSt, Phoenix und GBAG fusioniert, wobei die GBAG als Hauptaktionär der VSt auch als aufnehmende Gesellschaft gewählt wurde. Das neue Unternehmen nahm wieder den Namen VSt an und fungierte als Dachgesellschaft, die das Aktienkapital der zuvor gegründeten Betriebsgesellschaften verwaltete. Für die in der Abteilung Bergbau der VSt zusammengefassten Anlagen wurde mit einem Kapital von 360 Mio. RM eine neue Bergwerksgesellschaft geschaffen, welche wiederum den Namen GBAG trug. Diese neue GBAG besaß zwar bis auf die Zeche Monopol sämtliche Anlagen der alten GBAG, hatte mit der ursprünglichen Gesellschaft aber nur den Namen gemeinsam, da sie die Verwaltungsstruktur der VSt-Bergbauabteilung übernommen hatte und die Einteilung in vier Gruppen mit jeweils eigenen Betriebsverwaltungen beibehielt.

Bei der Neuordnung wurden alle nicht organisch mit der VSt verbundenen Betriebe und Beteiligungen gesondert zusammengefasst. Da die Kohlegrundlage der VSt mit den oben genannten Zechen ausreichend war und die Zechenstandorte mit denen der verarbeitenden Betriebe korrelierten, wurden die bis 1930 zur alten GBAG gelangten Betriebe aus dieser ausgegliedert und gelangten nicht in die neue VSt. Für den Weiterbetrieb wurde wiederum eine neue Gesellschaft gegründet, welche erneut den Namen Essener Steinkohlenbergwerke AG trug.

Die neue GBAG setztedie in der Abteilung Bergbau der alten VSt begonnene Erweiterung und Modernisierung der Betriebsanlagen fort. Nach der 1929 in Betrieb gegangenen Großschachtanlage Zollverein begann man bereits 1934 mit der Errichtung der Großschachtanlage Gustav Knepper, die nach Inbetriebnahme im Februar 1938 die Zeche Adolf von Hansemann 1/2/3 ersetzte und diese zu einer Außenanlage in dem sehr umfangreichen, gleichnamigen Grubenfeld "degradierte".

Die Fertigstellung der ein Jahr später projektierten Anlage Germania verzögerte sich kriegsbedingt bis 1954. Mit dem Erwerb der Grubenfelder Ver. General und Erbstolln 1937 und Donar 1944 sowie der Felder der Zeche Glückaufsegen vergrößerte die Gelsenkirchener BAG nicht nur ihren Besitz, sondern schloss auch Lücken, die sich störend auf die Abbauplanung ausgewirkt hatten.

Auf dem Gebiet der Kohleverarbeitung und -veredelung betrat die GBAG 1936 mit der Gründung der Gelsenberg Benzin AG neue Geschäftsfelder. Zweck der im Alleinbesitz befindlichen Gesellschaft war die Herstellung von Treibstoffen und anderen Produkten auf Kohle- und Mineralölbasis im Zuge der Autarkiebestrebungen des Dritten Reichs sowie die Abwicklung aller diesen Bereich tangierenden Handelsgeschäfte. 1939 nahm das der Zeche Nordstern 3/4 angegliederte Hydrierwerk den Betrieb auf und produzierte bis zur Zerstörung 1944 hauptsächlich Benzin und Gas. Bei der Wiederinbetriebnahme 1950 wurde das Werk auf die Verarbeitung von Rohöl umgestellt und avancierte bis 1955 zum größten westdeutschen Treibstoffproduzenten.

Die aufgrund der Gesetze 75 und 27 eingeleiteten alliierten Entflechtungsmaßnahmen betrafen auch die GBAG. Zuerst wurde die Gruppe Hamborn aus dem Unternehmen herausgelöst und in zwei neue selbstständige Gesellschaften umgebildet: die Friedrich Thyssen-Bergbau AG und die Hamborner Bergbau AG. Ebenfalls herausgelöst wurde die Zeche Erin, die zunächst als alte GBAG weitergeführt wurde, 1959 in die Dortmunder Bergbau AG eingegliedert und 1967 an die Bergbau-AG Lothringen verkauft wurde.

Da bei einer weiteren Teilung der GBAG die gewachsenen technischen und organisatorischen Grundstrukturen zerstört worden wären und die Gruppe Bochum wegen ihrer betrieblichen Verhältnisse allein nicht lebensfähig war, trat man in langwierige, letztendlich nur vordergründig erfolgreiche Verhandlungen mit den Alliierten ein, um das Unternehmen zu erhalten.

Am 18. Juni 1953 wurden die Gruppen Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen unter einer Holdinggesellschaft, die wieder den Namen GBAG bekam, zusammengefasst. Als 100 %ige Tochtergesellschaften wurden gegründet: die Dortmunder Bergbau AG mit den Zechen Zollern-Germania (mit den Schachtanlagen Zollern 1/3 und 2/4 sowie dem Zentralschacht Germania), der Zeche Ver. Stein und Hardenberg mit den Anlagen Minister Stein und Fürst Hardenberg sowie der Kokerei Minister Stein und der Versuchsgrube Tremonia; die Bochumer Bergbau AG mit den Zechen Bruchstraße, Dannenbaum, Prinz Regent, Friedlicher Nachbar und Engelsburg sowie diversen Kraftwerken, Kokereien und Brikettfabriken; die Rheinelbe Bergbau AG mit den Anlagen Nordstern, Holland, Pluto, Zollverein und Bonifacius sowie Kraftwerken, Kokereien und chemischen Betrieben. Außer diesen Zechengesellschaften behielt die GBAG als Holdinggesellschaft das vollständige Kapital ihrer früheren Tochtergesellschaften Gelsenberg Benzin AG, Raab Karcher GmbH und Vereinigte Holzgesellschaften mbH, Essen.

Die Dortmunder Bergbau AG hielt 50 % der Anteile der Hansa Bergbau AG, Dortmund, mit den Zechen Hansa und Westhausen sowie Adolf von Hansemann. Die Bochumer Bergbau AG war neben dem Bochumer Verein Hauptanteilseigner an der Carolinenglück Bergbau AG. Die Rheinelbe Bergbau AG besaß zusammen mit dem Bochumer Verein die Graf Moltke Bergbau AG sowie mit der Rheinisch-Westfälischen Eisen- und Stahlwerke AG die Kokerei Alma. Weitere Beteiligungen bestanden mit 37,13 % an der Westdeutschen Wohnhäuser AG, Essen, mit 70 % an der Rheinisch-Westfälischen Wohnstätten AG, Essen, und mit 51,8 % an der Westfälischen Wohnstätten AG in Dortmund. Über die Dortmunder Bergbau AG war die GBAG mit ca. 25 % an der Ruhrchemie AG, über die Bochumer Bergbau AG mit 13 % an der Steinkohlen-Elektrizität AG und über die Rheinelbe Bergbau AG mit ca. 27 % an der Ruhrgas AG beteiligt.

Mit einem Grundkapital von 485 Mio. DM und einem Anteil von 16 % an der Gesamtförderung des Ruhrgebiets war die GBAG 1956 nach wie vor das größte Bergbauunternehmen Deutschlands. Nachfolger als Vorstandsvorsitzender des von 1942 bis 1955 amtierenden Bergassessor a. D. Otto Springorum wurde Bergassessor a. D. Hans Dütting.

Ende 1962 wurden die Bochumer Bergbau AG aufgelöst und im folgenden Jahr Carolinenglück und Graf Moltke zur Carolinenglück und Graf Moltke Bergbau AG verschmolzen. Im Juli 1967 fusionierten Dortmunder Bergbau AG und Rheinelbe Bergbau AG. Bei der Gründung der Ruhrkohle AG (RAG) 1968 brachte die GBAG ihren Bergbaubesitz in die neue Einheitsgesellschaft ein.

Zur Ordnung des Bestandes
Nach ihrer Eingliederung in die Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-AG (VEBA) entschloss sich die Gelsenberg AG zur Abgabe ihres bergbaubezogenen Archivbestandes an das Bergbau-Archiv.

Der nach dem Pertinenzprinzip geordnete Bestand - die GBAG verfügte längere Zeit über ein hauptamtlich, aber nicht fachlich geführtes Werksarchiv - wurde 1976 übereignet. Nach dem gleichen Archivplan der GBAG waren auch die ebenfalls übergebenen Teilbestände der Bochumer Bergbau AG und der Rheinelbe Bergbau AG geordnet. Dieser Archivplan der GBAG, ihrer Gruppenverwaltungen (Bochum, Dortmund, Rheinelbe) und Bergbautochtergesellschaften lehnte sich eng an den "Aktenplan für Werksarchive der Eisen- und Stahlindustrie" von 1938 an, der in Zusammenarbeit mit der Archivberatungsstelle der VSt aufgestellt worden war. Der Plan war nach einem abgewandelten Dezimalsystem aufgebaut und umfasste zehn Hauptgruppen.

Nach langer und reiflicher Überlegung hatte sich das Bergbau-Archiv entschlossen, die Akten der GBAG und der Teilbestände völlig neu zu ordnen und zu verzeichnen, da durch den Pertinenz-Aktenplan zuvor nahezu alle provenienzmäßig ursprünglich zusammengehörenden Akten und Aktengruppen auseinandergerissen worden waren und Recherchen in dem sehr umfangreichen Gesamtbestand nicht nur äußerst zeitaufwendig, sondern häufig im Ergebnis auch durchweg unergiebig waren. Außerdem war mehr als ein Drittel der Akten gänzlich ungeordnet und unverzeichnet übernommen worden. Ebenfalls übernommen worden waren rund sechs Meter geologische Prüfungsarbeiten, Gutachten und Unterlagen über die Zeche Adolf von Hansemann (Zechenbuch, Bewertungsunterlagen, Werkschronik etc.) sowie 18 großformatige Mappen mit Plänen und Bauzeichnungen aus dem Stillstandsbereich Dortmund und von der Abteilung Bergwesen der Gelsenberg AG. Projektgebundene Mittel des Kultusministeriums Nordrhein-Westfalen standen in den Jahren 1989 bis 1990 zur Neuordnung und Verzeichnung des Bestandes zur Verfügung.

Es erwies sich als sinnvoll, die Konzernakten, also das ehemalige Werksarchiv der GBAG zu einem Bestand (55) zusammenzufassen. Außerdem wurden aus den Teilbeständen jeweils selbstständige Bestände: Bestand 18 (Hamborner Bergbau AG), Bestand 40 (Bochumer Bergbau AG), Bestand 41 (Rheinelbe Bergbau AG) und Bestand 47 (Dortmunder Bergbau AG). Der Umfang des Bestandes 55 erscheint, gemessen an der Bedeutung des Registraturbildners - die GBAG war der führende Montankonzern des Kontinents - bemerkenswert gering. Möglicherweise ist ein Teil der Akten nach der Abfassung der Schachtbeschreibungen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts vernichtet worden. Das Bergbau-Archiv hat keine Kassationen vorgenommen. Die GBAG von ihrer Gründung bis zur Bildung der Vereinigten Stahlwerke AG 1926
Gründung/Gesellschaftsorgane: Gründung/Verfassung 1872-1955 (4), Verwaltung/Aufsichtsrat 1873-1929 (22), Generalversammlungen 1874-1926 (23), Geschäftsberichte 1874-1925 (13)
Konzernverwaltung/Konzernausbau: Bergwerksdirektion/Vorstand 1875-1926 (75), Gesamtvorstand GBAG 1907-1921 (19),
Interessengemeinschaft GBAG/Deutsch-Lux/Bochumer Verein/Montangruppe Siemens-Rheinelbe-Schucker-Union 1922-1926 (6), Abteilung Aachener Hütten-Aktien-Verein 1864-1920 (65), Abteilung Düsseldorf (Röhrenwerke Hüsten) 1899-1924 (11), Abteilung Schalker Verein 1889-1926 (3), Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten AG 1901-1933 (28), Siemen-Rheinelbe-Schuckert-Union 1920-1961 (8), Konzernerweiterung Steinkohle 1873-1933 (16), Konzernerweiterung Erz 1906-1935 (28), Konzernerweiterung Handel 1874-1932 (16)

Erster Weltkrieg/Ruhrbesetzung 1873-1926 (18)
Die GBAG (Monopol) von 1926-1933
Geschäftsberichte 1925-1933 (8)
Hauptversammlungen/Aufsichtsrat 1919-1940 (9)
Vorstand 1926-1940 (7)
Die Vereinigte Stahlwerke AG von 1926-1933
Gründung 1925-1932 (8)
Geschäftsberichte 1926-1931 (6)
Jahresberichte der Hauptstelle Statistik 1926-1933 (17)
Verwaltungsausschuss/Hüttenausschuss 1926-1944 (3)
Die Vereinigte Stahlwerke AG von 1933-1954
Neuordnung 1933 1930-1938 (5)
Geschäftsberichte 1933-1947 (34)
Liquidation 1947-1957 (9)
Abteilung Bergbau der Vereinigte Stahlwerke AG von1926-1933
Geschäftsberichte 1926-1933 (9)
Bergausschuss/Vorstand 1926-1933 (7)
Die GBAG von 1933-1953
Neuordnung/Organisation 1933, 1936 (2)
Geschäftsberichte 1933-1952 (15)
Hauptversammlungen/Aufsichtsrat 1934-1955 (6)
Bergausschuss 1926-1953 (32)
Militärregierung 1945-1956 (11)
Die GBAG von 1953-1968 und Gelsenberg AG
Neuordnung des Bergbaus (Dr. Hans Korsch/Gesetz 75/Gesetz 27) 1947-1965 (86)
Neuordnung der GBAG/Konzernumwandlung 1933-1970 (72)
Konzernverwaltung: Geschäftsberichte 1953-1975 (24), Hauptversammlungen 1955-1974 (24), Aufsichtsrat 1953-1969 (30), Vorstand 1951-1969 (38)
Bildung der Ruhrkohle AG
Konstituierung der Gesamtgesellschaft(Dr. Friedrich Funke im Aufsichtsrat) 1967-1969 (10)
Siebener-Ausschuss zur Regelung offener Fragen (Vorsitz Dr. Hans Korsch) 1969-1970 (9)
Aufsichtsrat/Führungsorgane 1968-1970 (11)
Übergeordnete Verwaltung/Führung der GBAG und ihrer Betriebe
Berechtsame 1937-1968 (3)
Prozesse/Recht 1904-1969 (16)
Bergschäden 1913-1970 (65)
Grundbesitz/Grundstücke 1902-1970 (36)
Finanzen 1873-1973 (52)
Steuern 1875-1968 (17)
Organisation/Geschäftsordnungen 1881-1968 (15)
Planung 1928-1953 (6)
Betriebsentwicklung/Betriebsberichte 1873-1968 (133)
Belegschaft 1874-1973 (50)
Stilllegungen 1890-1968 (5)
Veröffentlichungen/Geschichte 1873-1971, 1991, 1997 (32)
Tochtergesellschaften
Bochumer Bergbau AG 1953-1968 (8)
Carolinenglück/Graf Moltke Bergbau AG 1953-1968 (2)
Gewerkschaft Donar 1944-1964 (4)
Dortmunder Bergbau AG 1953-1969 (8)
Erin Bergbau AG 1953-1967 (24)
Hansa Bergbau AG 1953-1968 (4)
Rheinelbe Bergbau AG 1953-1970 (28)
Raab Karcher GmbH 1943-1998 (13)
Ver. Holzgesellschaften mbH 1927-1969 (36)
Gelsenberg Benzin AG 1936-1953 (5)
Westdeutsche Haushaltsversorgung (WEHAG) 1926-1969 (10)
Wohnungsgesellschaften 1885-1904, 1933-1968 (7)
Kokereibetriebe/Gaswirtschaft/Chemie
Allgemeine Gaswirtschaft 1924-1968 (21)
Ruhrgas AG 1926-1970 (91)
Thyssensche Gas- und Wasserwerke GmbH 1952-1969 (30)
Ruhrchemie AG 1928-1958, 1972-1977 (45)
Kokerei Alma 1949-1965 (20)
Wasserwirtschaft 1876-1968 (70)
Stromwirtschaft 1905-1970 (69)
Verschiedene Beteiligungen 1918-1970 (41)
Mitwirkung der GBAG in Vereinen/Verbänden/Gemeinschaftsorganistionen

Absatzorganisationen 1876-1970 (73)
Sozialorganisationen 1856-1974 (9)
Bergbauliche Organisationen 1877-1974 (119)
Mitwirkung bei Museen/Ausstellungen/Kongressen 1873-1968 (17)
Reiseberichte zur Information über andere Bergbaugebiete 1922-1965 (56)
Persönlichkeiten 1873-1975 (273)
Emil Kirdorf

Wirtschaftliche und politische Korrespondenz/Ansprachen 1873-1941 (25)
Dienstjubiläen 1898, 1912-1930 (9)
Geburtstage 1922-1938 (14)
Besondere Ehrungen/Stiftungen 1893, 1911-1962 (10)
Tod/Trauerfeier 1938-1943 (13)
Persönliche Verhältnisse 1873-1938 (10)
Veröffentlichungen über Emil Kirdorf 1898-1964 (9)
Fotos
Eisensteingruben/Eisensteinfelder der GBAG
Eisensteinzechen 1850-1992 (125)
Stollenwassermutungen 1850-1957 (2)
Tongruben 1966-1977 (1)
Karten/Pläne/Risse

Umfang : 82 m

Verweis : Ergänzungsüberlieferungen im Bergbau-Archiv: Hamborner Bergbau AG (Bestand 18), Karl Oberste-Brink (Bestand 36), Essener Steinkohlenbergwerke AG (Bestand 39), Bochumer Bergbau AG (Bestand 40), Rheinelbe Bergbau AG (Bestand 41), Schachtanlage Minister Stein (Bestand 43), Dortmunder Bergbau AG (Bestand 47), Schachtanlage Erin (Bestand 63), Schachtanlagen Adolf von Hansemann/Hansa (Bestand 108)
Ergänzungsüberlieferung im ThyssenKrupp Konzernarchiv, Duisburg: Vereinigte Stahlwerke AG (Bestand VSt) Bergbau- und Industriewerte GmbH (Bestand BIW)

Literatur : GBAG 1873-1898. Festschrift zum 25jährigen Bestehen der GBAG, o. O. [1898].
Bruno Simmersbach: Die wirtschaftliche Entwicklung der GBAG von 1873-1904, Freiberg 1906.
F. A. Freundt: Kapital und Arbeit. GBAG 1873-1927, o. O. [1927].
GBAG (Hrsg.): 25 Jahre Bergbau der VSt bzw. der GBAG 1926-1951 sowie Bericht über das Geschäftsjahr 1951, o. O. [1952].
Gerhard Gebhardt: Ruhrbergbau. Geschichte, Aufbau und Verflechtung seiner Gesellschaften und Organisationen, Essen 1957, S. 255-285.
Ralf Stremmel: Im Spannungsfeld zwischen Staat und Wirtschaft, in: Der Archivar 50, 1997, Sp. 311-326.
Ralf Stremmel/Manfred Rasch: Findbuch zu den Beständen Vereinigte Stahlwerke AG und Bergbau- und Industriewerte GmbH, 2 Bde., Duisburg 1996.
Alfred Reckendrees: Das "Stahltrust-Projekt". Die Gründung der Vereinigte Stahlwerke AG und ihre Unternehmensentwicklung 1926-1933/34, München 2000 (= Schriftenreihe zur Zeitschrift für Unternehmensgeschichte. 5).
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